Mitteilungen der Anna Katharina Emmerick über das Karfreitagsgeschehen, aufgezeichnet von Clemens Brentano

Clemens Brentano (1778 – 1842), der berühmte romantische Dichter, Verfasser zahlreicher Gedichte, Märchen, Erzählungen, religiöser Arbeiten und Bühnenwerke, vor allem aber Mitverfasser von „Des Knaben Wunderhorn“, jener Sammlung alter deutscher Volks-, Kinder- und Kirchenlieder, die zu den wertvollsten Gütern unseres Sprach- und Kulturraumes gehören, schrieb von 1818 über mehr als sechs Jahre hin die Mitteilungen jener berühmten Nonne (1774 -1824), die die Stigmata Jesu trug, Anna Katharina Emmerick, auf, Aufschriebe, die schlussendlich 24 Bände umfassten, aufgrund deren Brentano vier Bücher herausgab; aus einem, der „Passion“, gebe ich das Karfreitagsleiden von Jesus in Auszügen wieder, basierend also auf Visionsprotokollen, die nicht unumstritten sind, reicherte sie doch Brentano ganz offensichtlich mit eigenen Anmerkungen an.
Brentano selbst äußert zu ihrem gemeinsamen Arbeiten – am 24. September 1818 fand die erste Begegnung statt – bis zu ihrem Tod, am 9. Februar 1824:

Sie sprach gewöhnlich niederdeutsch, im ekstatischen Zustande oft auch reinere Mundart; ihre Mitteilung wechselte zwischen Kindlichkeit und Begeisterung. Alles Gehörte, dass unter behinderten Verhältnissen in ihrer Gegenwart sehr selten kaum in wenigen Zügen notiert werden konnte, war unmittelbar zu Haus aufgeschrieben. Der Geber alles Guten gab Gedächtnis, Fleiß und jene Gemütserhebung über viele Leiden, welche die Arbeit möglich machten, wie sie ist. Der Schreiber tat, was er konnte, und spricht in diesem Bewusstsein den genügsam Leser um ein Gebetsalmosen an. 

An der ein oder anderen Stellest für mich offensichtlich, dass hier auch die innere Handschrift des Dichters deutlich erkennbar ist. Insgesamt aber bezweifle ich den Wahrheitsgehalt der „Passion“ nicht, im Gegenteil, durch die vielen Bilder, in denen die Ereignisse vermittelt werden, rückt das Geschehen von damals aus einer gewissen Abstraktion heraus und kann die Seele eines Menschen zutiefst bereichern; deshalb gebe ich das Folgende wieder:

Karfreitag

Am Morgen bis gegen 10 Uhr, da das Urteil gesprochen wurde, war abwechselnd Hagelschauer, dann während der Ausführung heller Himmel und Sonnenschein, jetzt gegen 12 Uhr entstand ein rötlicher, trüber Schein vor der Sonne.

Es gingen nun vier Schergen nördlich die siebenzig Schritte zu der Kerkergrube hinab und rissen Jesus heraus, der da zu Gott um Stärkung gefleht und sich nochmals für die Sünden seiner Feinde aufgeopfert hatte. Sie schleppten ihn treibend, schlagend und höhnend diesen letzten Pfad seines Leidens, das Volk schaute und höhnte, die Soldaten brüsteten sich kalt und ernst, Ordnung haltend, die Schergen empfingen ihn grimmig und hinreißend in den Kreis. (…)
Der Anblick von all diesem ward mir dadurch noch schrecklicher, dass ich auch das den anderen unsichtbare Böse hier in seiner Gestalt sehen musste. Ich sah nämlich große furchtbare Teufelsgestalten zwischen allen diesen grausamen Menschen tätig, als reichten sie ihnen alles, als rieten und hülfen sie zu allem, und unzählige kleine grässliche Erscheinungen aller Gestalten von Kröten, Schlangen und Drachen mit vielen Klauen und alle Arten gräulichen, giftigen Ungeziefers sah ich um die Umgebung wie verfinsternd schwärmen. Sie schossen den Leuten ins Maul, in den Busen, saßen auf ihren Schultern, und es waren dies solche Leute, welche allerlei grimmige, böse Gedanken hatten oder Worte des Fluches und Hohnes ausstießen. Über dem Herrn aber sah ich während der Kreuzigung oft große weinende Engelsgestalten und Glorien erscheinen, in denen ich bloß kein Angesicht erkannte. Solche Engel des Mitleides und Trostes sah ich auch über der heiligen Jungfrau und allen Wohlgesinnten stärkend und aufrichtend erscheinen.
Nun aber rissen die Schergen unserem Herrn den Mantel ab, der ihm um den Oberleib geschlungen war. Sie nahmen ihm den Fesselgürtel ab und seinen eigenen Gürtel und rissen ihm das wollweiße Oberkleid über das Haupt, es hatte einen Brustschlitz mit Riemen verbunden. Dann nahmen sie ihm die lange, schmale Halsbahn von den Schultern, und da sie ihm den braunen und genähten Rock, den ihm seine Mutter gewirkt hatte, nicht über die breite Dornenkrone ziehen konnten, rissen sie ihm die Krone vom Haupte, alle dessen Wunden neu eröffnend, schürzten ihm dann den gewirkten Rock, und zogen ihm denselben mit vermaledeitem Hohne über das blutende, wundenvolle Haupt aus.
Da stand der zitternde Sohn des Menschen, mit Blut, Schwielen, vertrockneten und fließenden Wunden, mit Striemen und Flecken bedeckt. Er hatte nur noch das kurze wollene Skapulier [Überwurf über Brust und Rücken] über dem Oberleib und die Hülle des Unterleibes an. Das Skapulier war mit der Wolle in seine Wunden festgetrocknet und mit Blut in die neue tiefe Wunde verklebt, welche ihm die Kreuzeslast in die Schulter gedrückt hatte, woran er unaussprechlich litt. Unbarmherzig rissen sie ihm das Skapulier von der Brust, und er stand schrecklich zerrissen und verschwollen in seiner Nacktheit, die Schulter und Achsel war bis auf die Gebeine zerrissen, und die weiße Wolle des Skapuliers klebte hier und da auf den Wundrinden und im trockenen Blute seiner Brust.

Nun rissen sie ihm den letzten Gürtel von den Hüften, er stand nackt und krümmte sich schamhaft, und als er ihnen unter den Händen umzusinken drohte, setzten sie ihn auf einen herbeigewälzten Stein, stießen ihm die Dornenkrone von neuem wieder auf das Haupt und boten ihm das andere Gefäß mit Essig und Galle zum Trinken dar, doch er wandte schweigend das Haupt ab.
Jetzt aber, da die Schergen ihn an den Armen, mit denen er seine Blöße bedeckte, anpackten und aufrichteten, um ihn auf das Kreuz zu werfen, erhob sich Ärger, lautes Murren und Wehklagen unter allen seinen Freunden über die schmähliche Entblösung. Seine Mutter betete heftig, sie war im Begriff, ihren Schleier abzureißen und, in den Kreis dringend, ihm denselben als Hülle zu reichen; aber Gott erhörte sie, denn in diesem Augenblick stürzte ein Mann, der vom Tore, quer durch das Volk durch, außerhalb des Weges heraufgelaufen war, geschürzt und außer Atem in den Kreis unter die Schergen und reichte Jesus ein Tuch, welches dieser dankend annahm und so um die Mitte des Leibes wand, dass das längere Ende zwischen den Füßen durch rückwärts wieder durch den Bund geschlungen war.
Dieser von Gott durch das Gebet der heiligen Jungfrau erflehte Wohltäter seines Erlöses hatte in seinem Ungestüme etwas Gebieterisches, er drohte mit der Faust gegen die Schergen und sagte nichts als: „Und dass ihr den armen Menschen sich bedecken lasset!“ Er sprach mit niemandem sonst und eilte eben so schnell wie er herangekommen, wieder von dannen. (…)

Jesus, ein Bild des Jammers, wurde von den Schergen auf das Kreuz gestreckt, er setzte sich selbst darauf, und sie stießen ihn nieder auf den Rücken und rissen seinen rechten Arm mit der Hand auf das rechte Nagelloch des rechten Kreuzarmes und schnürten den Arm fest, und es kniete einer auf seiner heiligen Brust, und einer hielt die sich schließende Hand auf, und der andere setzte den langen dicken Nagel, der spitz zugefeilt war, in das dicke Teil seiner segnenden Rechten und schlug wütende Schläge mit dem eisernen Schlegel. Ein süßes, helles, gebrochenes Wehgeschrei tönte aus dem Munde des Herrn. Sein Blut spritzte auf die Arme der Schergen. Die Bänder der Hand wurden zerrissen und mit dem dreischneidigen Nagel in das engere Nagelloch hineingetrieben. Ich habe die Hammerschläge gezählt, aber in meinem Elende wieder vergessen. Die heilige Jungfrau wehklagte leise und schien bewusstlos, Magdalena aber war ganz von Sinnen.
Die Bohrer waren ein großes Stück Eisen, wie ein lateinisches T, es war kein Holz daran, auch die großen Hämmer waren mit den Stielen ganz von Eisen aus einem Stück, und beinah von der Form, wie bei uns die hölzernen Schlegel der Tischler, mit welchem Sie auch die Meißel schlagen.
Die Nägel, bei deren Anblick Jesus so sehr geschaudert hatte, waren so lang, dass sie in die Faust gefasst, oben und unten etwa ein Zoll hervorstanden. Sie hatten oben ein Blättchen mit einer Kuppe, welches im Umfange eines Kronentalers die Hand füllte. Die Nägel waren dreischneidig, oben so dick wie ein mäßiger Daumen, unten wie ein kleiner Finger, und dann spitz zugefeilt. Eingeschlagen sah die Spitze an der hinteren Seite des Kreuzarmes ein wenig hervor.
Nach der Annagelung der rechten Hand unseres Herrn fanden die Kreuziger, dass seine linke Hand, die auch auf den Kreuzarm festgebunden war, nicht bis zu der Stelle des Nagelloches reichte, das sie wohl zwei Zoll vor den Fingerspitzen gebohrt hatten; sie banden daher die Stricke an seinen linken Arm allein und zogen, sich mit den Füßen gegen das Kreuz stemmend, so heftig an diesem Arme, bis die Hand die Nagelstelle erreichte. Jesus wehklagte ganz rührend, sie rissen die Arme ganz aus den Gelenken, seine Achseln waren ausgedehnt und hohl, und an den Ellenbogen sah man die Knochenabsätze. Seine Brust hob sich hoch empor, die Knie zogen sich gegen den Unterleib. Sie knieten ihm auf den Armen und der Brust, sie knebelten ihm die Arme fest und schlugen dann den zweiten grausamen Nagel durch die Linke des Herrn: das Blut spritzte empor, der süße, helle Wehruf Jesu tönte durch die Schläge des schweren Hammers. – Die Arme Jesu waren in gerader Linie so ausgespannt, dass sie nicht mehr die schräg aufsteigenden Kreuzarme deckten, man sah zwischen den Kreuzarmen und seinen Achselhöhlen hindurch.
Die heilige Jungfrau fühlte alle Peinigung mit Jesus, sie war bleich wie eine Leiche und leise Schmerzenstöne erklangen von ihren Lippen. Die Pharisäer höhnten und schimpften nach der Seite des Walles hin, wo sie stand, und man führte sie darum etwas ferner von dem Kreise zu den anderen heiligen Frauen. Magdalena war wie wahnsinnig, sie zerriss sich das Angesicht, ihre Augen und Wangen waren blutig. (…)
Der ganze Leib unseres Erlösers hatte sich durch die gewaltsame Ausspannung der Arme nach den zu weit auseinandergebohrten Annagelungsstellen in die Höhe gezogen, und seine Knie hatten sich aufgerichtet. Nun aber fielen die Schergen über diese her und banden sie, mit Strickschlingen ziehend, nieder, und es reichten durch die boshafte Stellung der Nagellöcher seine heiligen Füße bei weitem nicht nach dem Fußklotze hin. Da erhob sich unter den Schergen ein Fluchen und Höhnen, einige meinten, man müsse andere Löcher bohren an den Armen, denn den Klotz herauszurücken war beschwerlich, andere höhnten schauderhaft, „er wolle sich nicht strecken, aber sie wollten ihm helfen“; und sie banden ihm Stricke an das rechte Bein und zogen mit schrecklich marternder Gewalt den Fuß auf den Standklotz und knebelten das Bein mit Stricken fest. Es war die Ausspannung des Körpers so entsetzlich, dass die Brust Jesu krachte und er laut jammerte: „O Gott, o Gott!“ Sie hatten ihm die Brust und die Arme auch gebunden, damit die Hände nicht aus den Nägeln rissen. Sein Unterleib zog sich ganz hinweg, und es war, als brächen ihm die Rippen von dem Brustbeine. Es war ein schauderhaftes Leiden.
Sie knebelten nun den linken Fuß ebenso gewaltig mit Stricken über den rechten Fuß nieder und durchbohrten ihn oben am Riste, weil er zum Annageln nicht fest genug über dem rechten Fuß ruhte, mit einem feineren, plattköpfigen Stift, als die Nägel der Hände waren, es war wie ein Vorbohrer mit einem Pfriem [Werkzeug, mit dem Löcher gestanzt werden]. Nun aber ergriffen sie den schrecklichsten, viel längeren Nagel und trieben ihn mit großer Anstrengung durch den verwundeten Rist des linken und durch den des unten ruhenden rechten Fußes krachend hindurch in das Loch des Standklotzes und durch diesen in den Kreuzesstamm hinein. Ich habe am Kreuze, von der Seite sehend, den einen Nagel durch beide Füße durchgehen sehen.

Das Annageln der Füße war grausamer als alles durch die Ausdehnung des ganzen Leibes. Ich zählte an 36 Hammerschläge unter dem Wehklagen des armen Erlöses, das mir so süß und hell und rein klang; die Stimmen des Hohnes und Grimmes umher klangen mir dumpf und trübe. (…)
Ich sah weinende Engel über Jesus während dieser schrecklichen Peinigung erscheinen. (…)
Man meißelte noch während der Annagelung auf dem Kreuzhügel an dem Loche, worin das Kreuz aufgerichtet werden sollte, denn es war zu klein und der Fels sehr hart. Es hatten aber einige Schergen den gewürzten Wein der heiligen Frauen nicht Jesus gegeben, sondern selbst getrunken, und sie waren ganz rauschig davon und empfanden ein Brennen und Schneiden im Leibe, so dass sie wie toll wurden; sie schimpften Jesus einen Zauberer, waren wütend über seine Geduld und liefen mehrmals den Kalvarienberg hinab und soffen Eselsmilch. Es waren Weiber aus dem nahen Lager der Ostergäste mit melkenden Eselinnen in der Nähe, sie verkauften die Milch.
Nach dem Stand der Sonne war es ungefähr ein Viertel nach 12 Uhr, als sie Jesus kreuzigten, und da sie das Kreuz aufrichteten, hallte ein großes Trompetengetöse vom Tempel her. Das Osterlamm war geschlachtet.

Nach der Annagelung unseres Herrn zogen sie mit Stricken, die an Ringen hinten am Kreuze befestigt wurden, den oberen Teil des Kreuzes auf den erhöhten Standort, und warfen dann diese Stricke über einen jenseits errichteten Querbalken oder Bock, und viele Schergen zogen vermittelst dieser Stricke das Kreuz in die Höhe, andere steuerten mit Hakenstöcken an dem Stamme nach und richteten den Fuß in das Loch, dann schoben sie den Gipfel des Kreuzes etwas vorwärts, dass es in senkrechte Richtung kam und seine ganze Last mit einem erschütternden Stoße in die Grube niederfuhr. Das Kreuz erzitterte von dem Stoße, Jesus wehklagte laut, die ausgespannte Last des Leibes zog nieder, die Wunden wurden weiter, das Blut rann reichlicher, und die ausgerenkten Gebeine stießen sich. Nun rüttelten Sie das Kreuz noch fest und schlugen fünf Keile umher in das Loch. Einen von vorn, einen zur Rechten, einen zur Linken und zwei an die hintere etwas runde Seite des Kreuzes.
Es war ein erschreckender und zugleich rührender Eindruck, als unter Hohngeschrei der Schergen und Pharisäer und vielen entfernten Volkes, das ihn nun auch sehen konnte, dass Kreuz emporschwankte und erschütternd niederstieß; aber auch fromme, wehklagende Stimmen erhoben sich zu ihm. Die heiligsten Stimmen der Erde, die jammernde Stimme der Mutter und der Freundinnen und des Freundes, und alle, die reinen Herzens waren, begrüßten das am Kreuz erhöhte, ewige, Fleisch gewordene Wort mit rührender Wehklage, und alle Hände der Liebenden streckten sich bang, als wollten sie helfen, empor, da der Heiligste der Heiligen, der Bräutigam aller Seelen, lebendig an das Kreuz genagelt, in den Händen der tobenden Sünder emporschwankte; als aber das Kreuz mit lautem Hall aufrecht in die Standgrube hineinsank, trat ein kurzes Schweigen ein. Alles schien von einem neuen, nie da gewesen Gefühle überrascht. Selbst die Hölle fühlte den Stoß des sinkenden Kreuzes mit Schrecken und bäumte sich nochmals in ihren Werkzeugen mit Hohn und Fluch gegen dasselbe; bei den armen Seelen aber und in der Vorhölle war eine bang harrende Freude, sie horchten auf jenen Stoß mit sehnsüchtiger Hoffnung, er tönte ihnen wie das Pochen des nahenden Sieges an den Toren der Erlösung. Das heilige Kreuz stand zum ersten Male in der Mitte der Erde aufgerichtet wie ein anderer Baum des Lebens im Paradiese, und aus den erweiterten Wunden Jesu träufelten vier heilige Ströme auf die Erde nieder, ihren Fluch zu sühnen und sie ihm, dem neuen Adam, zu einem Paradiese zu befruchten.

Als unser Heiland an dem Kreuze aufgerichtet stand, und das Hohngeschrei auf wenige Minuten durch ein Schweigen des Staunens unterbrochen war, schallte der Ton vieler Trompeten und Posaunen vom Tempel herüber und kündete das begonnene Schlachten des Osterlamms, des Vorbildes, an, indem er das Hohn– und Wehgeschrei um das wahre geschlachtete Lamm Gottes mit ahnungsreicher Feierlichkeit unterbrach; und es ward manches harte Herz erschüttert und gedachte der Worte des Täufers: „Siehe das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt auf sich genommen hat!“ (…)

Es war nun ungefähr halb zwei, und ich wurde in die Stadt geführt, zu sehen, wie es dort hergehe. Ich fand eine allgemeine Angst und Bestürzung, Nebel und Nacht lagen in den Straßen, die Menschen tappten verwirrt umher, viele lagen in Winkeln mit verhülltem Haupte und schlugen an die Brust, viele schauten nach dem Himmel und standen auf den Dächern und wehklagten. Die Tiere brüteten und verbargen sich, die Vögel flogen niedrig und fielen nieder. Ich sah, dass Pilatus den Herodes besucht hatte und dass sie in großer Bestürzung nach dem Himmel schauten, auf derselben Terrasse, von welcher Herodes am Morgen die Verspottung Jesu mit angesehen. Dies sei nicht natürlich, sagten sie, Jesus sei gewiss zu viel geschehen. Ich sah hierauf Herodes und Pilatus nach dessen Palast über das Forum gehen, sie waren beide sehr geängstigt und gingen mit starken Schritten von Wachen umgeben. (…)
Es sammelte sich unterdessen viel Volk vor Pilatus’ Schloss, und wo sie morgens geschrien: „Kreuzige ihn, hinweg mit ihm“, schrien sie jetzt: „Ungerechter Richter! Sein Blut, auf seine Mörder!“ Pilatus musste sich mit Soldaten umgeben, und jener Zadoch, der am Morgen, als Jesus ins Richthaus ging, seine Unschuld laut ausgerufen, schrie und lärmte dermaßen vor dem Palaste, dass Pilatus ihn beinahe festnehmen ließ. Pilatus, der elende Mensch ohne Seele, machte den Juden die größten Vorwürfe: „Er habe keinen Teil daran, es sei ihr König, ihr Prophet, ihr Heiliger gewesen, den sie zum Tode gebracht, und nicht der seine, ihn gehe es nichts an, sie hätten seinen Tod gewollt.“

Im Tempel herrschte Angst und Schrecken im höchsten Grade, sie waren im Schlachten des Osterlammes begriffen, als die plötzliche Nacht einfiel, alles war verwirrt und hier und da brach bange Wehklage aus. Die Hohenpriester taten alles, um die Ruhe und Ordnung zu erhalten; man steckte alle Lampen beim hellen Tage an, aber die Verwirrung wurde noch größer, ich sah Annas in peinliche Angst geraten, er lief aus einem Winkel in den anderen, sich zu verbergen. Als ich wieder zur Stadt hinausging, bebten die Schirme und Gitter vor den Fenstern der Häuser, und es war doch kein Sturm. Die Dunkelheit ward immer größer. Ich sah auch im äußeren Teile der Stadt an der Nord-West-Gegend zur Stadtmauer hin, wo viele Gärten und Gräber sind, einzelne Grabeingänge einsinken, als wanke der Boden.

Auf Golgatha machte die Finsternis einen wunderbar fürchterlichen Eindruck, das gräuliche Toben und Martern, das Geschrei und die fluchende Tätigkeit bei der Kreuzaufrichtung, die Anknebelung und das Gebrüll der beiden Schächer, das Höhnen und Umherreiten der Pharisäer, der Wechsel der Soldaten, das lärmende Abziehen der berauschten Henker hatte im Anfang der Verfinsterung den Eindruck zerstreut, und dann folgte die Strafrede des reumütigen Dismas und die Wut der Pharisäer gegen ihn, nun aber wuchs die Finsternis, die Zuschauer wurden ernster und vom Kreuze abgewendeter. Da empfahl Jesus seine Mutter dem Johannes, und sie wurde hierauf aus dem Kreise hinausgebracht. Es trat jetzt eine dumpfe Pause ein, das Volk wurde bange bei der zunehmenden Finsternis, die meisten schauten zum Himmel, in vielen regte sich das Gewissen, manche wandten die Augen reumütig zum Kreuze, viele schlugen an die Brust und bereuten, die Gleichgesinnten zogen sich nach und nach zusammen, die Pharisäer, heimlich bang, erklärten alles noch natürlich, aber ihre Reden wurden immer kleinlauter und verstummten endlich fast ganz. Hier und da stießen sie wohl noch ein freches Wort aus, aber es machte sich sehr gezwungen. Der Kern der Sonne war fahl dunkel wie Berge im Mondschein, ein roter Ring umgab sie, die Sterne traten mit rötlichem Lichte hervor, die Vögel fielen aus der Luft auf dem Kalvarienberge und in den nahen Weinbergen zwischen die Menschen nieder und ließen sich mit Händen greifen, die Tiere umher brüllten und zitterten, die Pferde und Esel der berittenen Pharisäer drängten sich zusammen und hingen die Köpfe. Dampf und Nebel umgab alles.

Um das Kreuz war es stille, alles war abgewandt, viele Leute flohen zur Stadt. Der gekreuzigte Heiland war mit dem Gefühle der tiefsten Verlassenheit in seiner unendlichen Marter, seine Feinde liebend und für Sie betend, zu seinem himmlischen Vater gewandt. Er betete, wie während seines ganzen Leidens, stets in Psalmenstellen, die nun an ihm in Erfüllung traten. Ich sah Engelsgestalten um ihn. Als die Dunkelheit aber zunahm, und die Angst drückend auf allen Gewissen und eine dumpfe Stille über allem Volke lag, sah ich Jesus ganz einsam und trostlos hängen. Er litt alles, was ein armer, gepeinigter, zermalmter Mensch in der größten Verlassenheit, ohne menschlichen und göttlichen Trost leidet, wenn der Glaube, die Hoffnung, die Liebe ganz einsam, ohne Erwiderung und Genuss, ohne alles Licht, nackt und ausgeleert in der Wüste der Prüfung stehen, und mit unendlicher Marter allein von sich selbst leben. (…) In diese Wüste der inneren Nacht brauchen wir nicht mehr einsam und gefährdet hinabzusteigen! Jesus hat in den Abgrund des bitteren Meeres dieser Verlassenheit seine innere und äußere Verlassenheit am Kreuze hinabgesenkt, und so hat er den Christen in der Verlassenheit des Todes, in der Verfinsterung allen Trostes nicht mehr einsam gelassen. Es gibt keine Wüste, keine Einsamkeit, keine Verlassenheit, keine Verzweiflung in letzter Todesnot mehr für den Christen, denn Jesus, der das Licht, der Weg und die Wahrheit ist, ist auch diesen finsteren Weg segnend und alle Schrecken bändigend gewandelt und hat sein Kreuz in dieser Wüste aufgerichtet. (…)
Und so rief er in seinem Leiden das Zeugnis seiner Verlassenheit aus und eröffnete damit allen äußerst Bedrängten, welche Gott als ihren Vater erkennen, die Freiheit zu vertrauter kindlicher Klage. – Jesus rief gegen drei Uhr mit lauter Stimme: „Eli, Eli, lamma sabacthani!“, das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“
Als dieser laute Ruf unseres Herrn die bange Stille umher unterbrach, wandten sich die Spötter wieder zu dem Kreuze, und einer sprach: „Er ruft den Elias“, ein anderer: „Wir wollen sehen, ob Elias kommt und ihm herunterhilft.“ Die Mutter aber, da sie die Stimme ihres Sohnes hörte, konnte nichts mehr zurückhalten, sie drang wieder zu dem Kreuze hin, und Johannes, Maria Kleophä, Magdalena und Salome folgten ihr. (…)

Bald nach drei Uhr wurde es heller, der Mond begann von der Sonne zu weichen, und zwar nach entgegengesetzter Richtung. Die Sonne erschien strahllos, umnebelt und rot, und der Mond sank schnell nach der entgegengesetzten Seite, als wenn er falle. Es kamen auch die Sonnenstrahlen nach und nach zurück, und die Sterne verschwanden, doch war es noch immer trübe. Mit dem nahenden Lichte wurden die Spötter wieder kühner und triumphierten, und da geschah es, dass sie sagten: „Er ruft den Elias“. Abenadar [der Hauptmann der Soldaten] aber Gebot Ruhe und Ordnung.
Als es heller wurde, erschien der Leib des Herrn am Kreuze bleich, schwach, wie ganz verschmachtet, und weißer als vorher, so sehr war er verblutet. Er sagte auch, ich weiß nicht, ob betend und mir allein vernehmlich, oder ob halblaut: „Ich bin gepresst wie der Wein, der hier zuerst gekeltert worden, all mein Blut muss ich geben, bis das Wasser kommt und die Hülsen weiß werden, es soll aber kein Wein mehr hier gekeltert werden.“
Ich sah später in Bezug auf diese Worte ein Bild, wie Japhet [einer der drei Söhne Noahs, Überlebender der Sintflut] hier auf dieser Stelle den Wein gekeltert, das ich später erzählen will.
Jesus war ganz verschmachtet und sprach mit vertrockneter Zunge: „Mich dürstet!“ – Und da die Seinigen ihn traurig ansahen, sagte er: „Konntet ihr mir nicht einen Trunk Wasser geben?“ Er meinte, während der Finsternis hätte sie wohl niemand gehindert; Johannes sagte betrübt: „O Herr, wir haben es vergessen“; und Jesus sagte noch so viel als: „Auch die Nächsten mussten mich vergessen und mir keinen Trunk reichen, auf dass die Schrift erfüllet würde.“ – Es hatte ihm aber dieses Vergessen bitter wehe getan. Auf seine Klage baten sie die Soldaten und boten ihnen Geld an, ihm einen Trunk Wasser zu reichen, sie taten es aber nicht, sondern einer tauchte einen birnförmigen Schwamm in Essig, der in einem Tönnchen von Bast dastand, und goss auch Galle hinein. Aber der Hauptmann Abenadar war von Jesus gerührt, er nahm dem Soldaten den Schwamm, drückte ihn aus und füllte ihn mit reinem Essig. Er steckte hierauf das eine Ende des Schwarmes in ein kurzes Ysoprohr, welches wie ein Mundstück zum Saugen diente, und hob diese auf der Spitze seiner Lanze befestigte Vorrichtung so zu dem Antlitze Jesu empor, dass das Rohrstück zu dem Munde Jesu gelangte, und dieser durch dasselbe den Essig aus dem Schwamme saugen konnte. (…)

Da nun die Stunde des Herrn gekommen war, rang er mit dem Tode, und ein kalter Schweiß drang aus seinen Gliedern. Johannes stand an dem Kreuze und trocknete Jesu Füße mit seinem Schweißtuch. Magdalena lehnte, ganz von Schmerz zermalmt, an der Rückseite des Kreuzes. Die heilige Jungfrau stand zwischen Jesus und des guten Schächers Kreuz, von den Armen der Maria Kleophä und der Salome unterstützt, und sah zu ihrem sterbenden Sohn hinauf. Da sprach Jesus: „Es ist vollbracht!“ Und richtete das Haupt empor und rief mit lauter Stimme: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Es war ein süßer lauter Schrei, der Himmel und Erde durchdrang; dann senkte er sein Haupt und gab seinen Geist auf, und ich sah seine Seele wie einen leuchtenden Schatten bei dem Kreuze zur Erde hinab in den Kreis der Vorhölle fahren. – Johannes und die heiligen Frauen sanken zur Erde auf ihr Antlitz nieder.


Abenadar, der Hauptmann, von Geburt ein Araber, als Jünger nachmals Ctesiphon getauft, hielt, seit er Jesus mit dem Essig tränkte, auf seinem Pferde dicht am Kreuzeshügel, so dass der Vorderteil des Tieres erhöht stand. Er schaute lange tief erschüttert, ernst, unabgewandt ins dornengekrönte Antlitz unseres Herrn. Des Rosses Haupt war bang und krank gesenkt, und Abenadar, dessen Stolz sich beugte, zog auch den Zügel nicht mehr an. Da sprach der Herr die letzten Worte laut und kräftig und starb mit Erde, Hölle und Himmel laut durchdringendem Geschrei. Die Erde bebte und der Fels zerbarst weit klaffend zwischen Jesu und des linken Schächers Kreuz. Das Zeugnis Gottes ging mit Schreck und Schauder mahnend tief durch die trauernde Natur. Es war vollbracht, – die Seele unseres Herrn verließ den Leib, und bei dem Todesschrei des sterbenden Erlösers erbebten alle, die es hörten, mit der Erde, die wallend ihren Heiland anerkannte, doch die verwandten Herzen nur durchfuhr ein scharfes Schwert des Schmerzes. Da war es, dass die Gnade über Abenadar kam, da zitterte sein Ross und wankte seine Leidenschaft und brach sein stolzer, harter Sinn gleich dem Kalvarienfelsen, er warf den Speer von sich und schlug mit starker Faust gewaltig an sein Herz, laut schreiend mit der Stimme eines neuen Menschen: „Gelobt sei Gott, der Allmächtige, der Gott Abrahams und Jakobs, dieser war ein gerechter Mann, wahrhaftig, er ist Gottes Sohn!“ Und viele der Soldaten, von des Hauptmanns Wort erschüttert, taten ebenso wie er.

Es wollte aber Abenadar, der nun ein neuer, ein erlöster Mensch war, nachdem er öffentlich dem Sohne Gottes huldigte, nicht länger mehr im Dienste seiner Feinde stehen. Er wandte sein Pferd zu Cassius, den Unteroffizier, den man Longinus nennt, stieg ab, hob seine Lanze auf und gab sie ihm, sprach einiges zu den Soldaten und zu Cassius, der nun das Pferd bestieg und hier befehligte; denn Abenadar eilte vom Kalvarienberg und durch das Tal Gihon zu den Höhlen des Tales Hinnom, er kündigte den dort verborgenen Jüngern den Tod des Herrn an und eilte weiter zu Pilatus in die Stadt.
Es kam ein tiefes Erschrecken über alle Anwesenden mit dem Todesschrei Jesu, als die Erde bebte und der Kreuzigungshügel zersprang, es war ein Schrecken, der durch die ganze Natur ging, denn da zerriss auch der Vorhang des Tempels, da stiegen viele Tote aus den Gräbern, da sanken Wände im Tempel, stürzten Berge und Gebäude in vielen Weltgegenden ein.
Abenadar rief sein Zeugnis aus, viele Soldaten zeugten mit ihm, viele aus dem anwesenden Volke und den zuletzt gekommenen Pharisäern bekehrten sich. Viele schlugen an die Brust, wehklagten und irrten vom Berge durch das Tal nach Haus. Andere zerrissen ihre Kleider und streuten Staub auf ihr Haupt. Alles war voll Furcht und Schrecken. (…)
Das Licht der Sonne war noch trüb und nebelig, es war schwül und drückende Luft bei dem Beben der Erde, nachher aber folgte eine empfindliche Kühle. – Die Gestalt von unseres Herrn Leichnam am Kreuze war ungemein ehrbar und rührend. Die Schächer hingen in schrecklicher Verdrehung wie betrunken da, sie schwiegen zuletzt beide, Dismas betete.

Es war bald nach 3 Uhr, als Jesus verschied. (…) Aus der Ferne, im Tal und auf entlegenen Höhen erschien hier und da scheu einer der Jünger und schaute furchtsam und neugierig nach dem Kreuze und zog sich bei jeder Annäherung von Menschen wieder zurück.

PS.

Mehr zu den Auszügen Anna Katharina Emmericks im Rahmen einer Facebook-Gruppe: https://www.facebook.com/groups/1430812607350020

Die Bilder entstammen dem Stationenweg auf der Halbhöhe von Bad Kissingen

PPS.

Ein weiterer Beitrag zum Passionsgeschehen – diesmal bezogen auf den Ostersonntag – findet sich auf meinem Wortbrunnen-Blog https://bit.ly/3vp5Lfx

Veröffentlicht unter über unsere Seele, Bibel, Fülle des Lebens, geistige Welt, Leben und Tod, Liebe, Religion | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

„Halt an, wo läufst du hin, die Hölle ist in dir“ (frei nach Angelus Silesius) > für ein Weltkulturerbe Mariupol

Wir Menschen schmücken uns ja gern mit Dingen, die beweisen, was für eine tolle Spezies wir sind. 

Das alles präsentiert sich in der von der UNESCO geführten Liste des Welterbes der Menschheit, insbesondere den 897 Stätten des Weltkulturerbes.

Wie großartig ist doch die Chinesische Mauer!
Wie toll ist doch das historische Zentrum Roms!
Und erst der weihrauchgeschwängerte Vatikan …

Ja, das haben Mitglieder unserer Spezies geschaffen.
Aber es ist nur die halbe Wahrheit.

Zur ganzen gehört, dass wir als Menschheit eine ganz dunkle, um nicht zu sagen schwarze Kultur haben, die der bewussten Zerstörung.

Und ich finde, der Ehrlichkeit halber sollten wir allen so hehren und lichtvollen Weltkulturerben jeweils eines gegenüberstellen, das dazu beiträgt, den ganzen Menschen, die ganze Wirklichkeit zu zeigen:

  • Chinesische Mauer versus Hiroshima
  • Venedig und seine Lagune versus Mariupol
  • Alte Brücke und Altstadt von Mostar versus Ausschwitz
  • Heiligtum Bom Jesus do Congonhas versus Massaker von Srebrenica
  • Aachener Dom versus Warschauer Gettho
  • Akropolis von Athen versus zerbombtes Aleppo
  • Archäologische Stätte von Olympia versus Nagasaki
  • Die neun persischen Gärten Irans versus Tschernobyl
  • Historisches Zentrum von Prag versus zerbombtes Grosny
  • Sophienkathedrale von Kiew versus Napalmbomben auf Vietnam
  • Historische Stätte Machu Picchu versus Gräueltaten gegen die Rohingya in Myanmar
  • und und und …

„Halt an, wo laufst du hin, der Himmel ist in dir“, dichtete Angelus Silesius.

Heute gilt mehr denn je:
Halt an, wo laufst du hin, die Hölle ist in dir …

Wenn wir uns nur im Himmel suhlen, um die Hölle nicht zu sehen, wird die Hölle siegen …

Ist möglicherweise ein Bild von 7 Personen, außen und Text „thueringer-allegemeine.de“
Veröffentlicht unter über unsere Seele, Fülle des Lebens, Religion, unsere Gesellschaft | 4 Kommentare

Nur weil ein Mann meint, Gott spielen zu müssen: Rose Ausländers „Damit kein Licht uns liebe“ – so aktuell wie nie!

Zur Situation der Menschen in der Ukraine fällt mir ein Gedicht von Rose Ausländer ein:

Damit kein Licht uns liebe

Sie kamen
mit scharfen Fahnen und Pistolen 
schossen alle Sterne und den Mond ab
damit kein Licht uns bliebe
damit kein Licht uns liebe

Da begruben wir die Sonne
Es war eine unendliche Sonnenfinsternis


Wie bezeichnend: Rose Ausländer, geboren 1901 in Czernowitz, West-Ukraine, damals Österreich-Ungarn.

PS Noch wenigen Wochen hätte ich es nicht für möglich gehalten, was da vor den Augen der Weltöffentlichkeit geschieht.

Nur weil EIN Mann glaubt, Gott spielen zu müssen …
Nur weil ein MANN glaubt, Gott spielen zu müssen …

Trotz aller Sinnlosigkeit gibt leider jeder Halb-Satz einen so tragischen Sinn.

Die Wahrheit ist: Der Mensch ist kein Mann, sondern er ist Mann-Frau.
Wenn er nur Mann ist, dann ist er eigentlich kein Mensch.

Nach außen hin ist der Mann ein Mensch
Nach außen hin ist die Frau ein Mensch.

Eigentlich aber sind beide nur Mensch, wenn sie Mann-Frau sind, denn der Mensch ist so angelegt, er wurde geschaffen als Mann-Frau.
Die fatale Übersetzung der Schöpfungsgeschichte durch Luther lautete: Und Gott schuf sie, einen Mann und eine Frau.

Das aber steht so nicht im Original, da fehlt das „und“: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, und er ist eben nicht Herr Gott oder Frau Gott, sondern er ist Mann-Frau oder männlich-weiblich. So ist Gott, so ist der Mensch.

Dass fast das ganze Abendland, wenn an Gott gedacht wird, an einen Mann denkt, das hat die Kirche installiert in die Köpfe der Menschen. 

Auch dass wir unterscheiden in Monotheismus und Polytheismus, das ist eine Installation der Kirchen, welche die Religionswissenschaft übernommen hat, denn auch das Christentum ist polytheistisch. Wenn die Menschen sehen würden, was allein die Erzengel – zur Zeit ganz besonders – für die Menschen leisten, würde es auch hochachtungsvoll von Göttern sprechen, natürlich im Bewusstsein der Bedeutung Christi, aber der Himmel wäre nicht so schrecklich entleert, was er eben in Wirklichkeit nicht ist.

Für die Erde würde Obiges – der Mensch als männlich-weibliches Wesen – im Extrem bedeuten, dass Menschen, die sich nur männlich aufführen oder nur weiblich, keine Menschen sind.
Aber gedanklich möchte das niemand wirklich durchdenken. Das Ergebnis wäre eine Entvölkerung der Erde von Menschen oder anders ausgedrückt gäbe es drei Kategorien von menschenartigen Lebewesen: Es gäbe Männer, Frauen und Menschen.

Wenn ich von dem, der Gott spielt, also Putin, spreche, dann IST er in diesem Sinne weder Gott noch Mensch. Das aber würde alle aufbringen gegen mich, die für Putin menschliches Gedankengut in die Waagschale werfen.

Die Wahrheit ist ja: Er ist weder Gott noch Mann oder Frau.

Denn ein wirklicher Mann ist in Wahrheit auch Frau.

Für mich spielt er eine Rolle, die ich mit den Worten einer von mir geschätzten Frau ausdrücke: Der letzte Walzer des Tyrannen.

Vielleicht ist es der letzte Walzer des letzten Tyrannen, weil der Menschheit die Augen aufgehen und sie kapiert, was Männer dieses Schlages anrichten.

Veröffentlicht unter Bibel, Fülle des Lebens, Gedicht, geistige Welt, Mann und Frau, Religion, Weiblichkeit | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Irrsinniger Putin, der Irrsinn von 11 US-amerikanischen Flugzeugträgern, Gretel, ein not-wendendes Hexenfeuer und die Wahrheit der Märchen:


Vor einigen Tagen habe ich einen Beitrag auf Facebook veröffentlicht, den doch einige meiner Leser angesichts der  Vereinbarungen der OSZE-Charta und des Versprechens des Westens, dass es keine NATO-Osterweiterung geben werde, einseitig fanden, auch angesichts der Tatsache, wie der Westen überhaupt mit Putin umgegangenen sei. Hier zunächst mein Beitrag:


Irrsinniger Putin

Der Wahnsinn an der ukrainischen Grenze kostet jeden Tag Millionen von Euro, wobei die regulären Unterkünfte, die Garnisonen im Landesinneren Russlands, ja weiter unterhalten sein müssen. Aber die Zelte und Baracken, die an der Grenze errichtet worden sind, die notwendigen Installationen für die Wartung von Panzern und die Unterbringung von Waffen und Gerätschaften, die Transportkosten von Menschenmaterial (ist es mehr für Putin?) und Waffen, die Logistik für Essen und Trinken und Sanitär hat Milliarden gekostet und kostet und kostet.
Und die über 100 000 Soldaten wollen unterhalten sein, vor allem durch militärische Spielchen, durch das Verschießen von Munition und Räuber- und Gendarmspiele in der Umgebung, die die Soldaten beschäftigen und verhindern, dass sie auf dumme Gedanken kommen …
Und das angesichts einer zum Teil bettelarmen Bevölkerung in der Sowjetunion. Nicht einmal Akademiker können zum Teil von ihrem Gehalt leben. Viele, auch junge Menschen, wohnen bei ihren Eltern, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können.
Das interessiert den Kreml-Chef nicht, der auf seinen persönlichen Milliarden sitzt. Wie groß müssen die Unterdrückungsmechanismen sein, damit die Bevölkerung in diesem Ausmaß zum Stillhalten gezwungen wird angesichts von Zuständen, die im Grunde zum Himmel schreien.
Das ist ein Aspekt; von anderen, dass z.B. Millionen von Menschen in der Ukraine in Angst versetzt worden sind und die gesamte Welt unnötig in Unruhe ist, ganz zu schweigen.
Was für ein Irrsinn.
Das aber ist die Situation auf unserer Erde, dass ein paar bescheuerte alte Männer – wir erinnern uns an einen namens Trump, meine Gedanken gehen auch Richtung Ungarn, die Türkei, China und einge Regionen Afrikas – diese Macht haben, ihrem persönlichen Ego zuliebe solche Zustände zu inszenieren.
Wie kann man diese Menschen entmachten?
Was muss geschehen, dass allüberall auf der Welt diese alten, kaputten Männer sich nicht mehr ausagieren können?


Namen wie „Putin“, „Erdogan“ , „Orban“, „Biden“, „Scholz“ und weitere mögliche Buchstabenfolgen stehen in meinen Augen für eine Realität, die einer Transformation entgegenstrebt. Deshalb habe ich folgenden Beitrag angeschlossen:


PUTIN, 11 FLUGZEUGTRÄGER, GRETEL UND DAS NOT-WENDENDE HEXENFEUER

Einige meiner Leser waren doch irritiert, dass ich Putin Irrsinn zugeordnet habe, wo doch der Irrsinn ganz wo anders zu suchen sei.
Das ist er und ist er zugleich nicht, denn er regiert unsere Erde sozusagen weltweit (ja, er ist universal und ist so mächtig, weil er auch im Universum existiert – noch viel realer und mächtiger als unter uns Menschen).
Dieser Irsinn existiert aus geistiger Sicht nicht, wenn man so will, denn existent ist nur wahrer Geist. Nur ist mir persönlich diese Denke zu abgehoben, solange nämlich mein dürftiger Geist neben dem wahren existiert, existiert für mich eine Realität, die man Maya oder wie auch immer nennen mag (> https://anthrowiki.at/Maya_(Religion)).
In dieser, meiner Realität existiert nicht nur ein verirrter Sinn Putins, sondern es existieren beispielsweise 11 Flugzeugträger der USA, die auf den Weltmeeren patrouillieren – ein weiterer ist in Planung, zwei bereits in Bau -, jeder von ihnen eine Kleinstadt für sich, jeder kostet jährlich Millionen, insgesamt verschlingen die elf Bastionen Milliarden und das, obwohl die Infrastruktur einiger Staaten in den USA völlig am Boden liegt und in diesem gesamten Land ein riesiges Armenhaus existiert. 
Was auch immer Menschen dazu treibt, die Realität von 120 000 Soldaten an einer Grenze zu inszenieren oder höchst überflüssige Flugzeugträger auf den Weltmeeren patrouillieren zu lassen (die Bundeswehr könnte sich Gott sei Dank nicht auch nur annähernd einen einzigen leisten): Ich hoffe, dass aus diesem – wie ich es sehe – verirrten Sinn sich möglichst bald ein wirklicher Sinn ergibt.

Ich habe, wie angesprochen, den Eindruck, dass sich manche daran stören, dass ich einer Buchstabenfolge wie -P-u-t-i-n- diesen Irrsinn zuordne. Für mich steht er für diese irr-sinnige, verirrte Geistigkeit weltweit. Um es in der Märchensprache auszudrücken:
die Menschheit tappt wie Hänsel und Gretel orientierungslos und verirrt im Wald. Doch ich hoffe – und ich bin sogar zuversichtlich -, dass bald sich jener weibliche Mut findet, den Gretel gezeigt hat, als sie die Hexe ins Feuer trat und damit Hänsel und sich rettete, ja erlöste (und damit im Übrigen auch das Hexenbewusstsein, das durch das machtvoll reinigende Feuer gehen muss – die Hexe, sie ist im Übrigen auch ein Teil von uns, so wie das Feuer).
Wenn das geschieht, ist die Zeit der Stiefmutter beendet.  

Märchenhelden wollen oft den alten Zustand des Glücks herstellen. Das gelingt nie, doch ich hoffe, es gelingt uns bald, jenen neuen Glückszustand zu finden, den Jesus im Lukas-Evangelium anspricht:

ICH bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete schon!

Es ist dieses Hexenfeuer, das im Hänsel-und-Gretel-Märchen brennt und welches das sogenannte Böse selbst entzündet hat.
In dieser ganzen derzeitigen (Corona-, Putin- und Flugzeugträger-) Existenz entfacht sich dieses Feuer und es wird entflammen, wenn sich eine machtvolle Weiblichkeit zeigen kann (es ist unsere Aufgabe, uns an ihrer (Wieder-)Geburt auf der Erde zu beteiligen), die mit mit ihrer kraftvoll männlichen Seite die Hexe ins Feuer tritt:

Frühmorgens mußte Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufhängen und Feuer anzünden. „Erst wollen wir backen,“ sagte die Alte, „ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet.“ Sie stieß das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen „Kriech hinein,“ sagte die Hexe, „und sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschieben können.“ Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen und Gretel sollte darin braten, und dann wollte sie’s aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach: „Ich weiß nicht, wie ich’s machen soll; wie komm ich da hinein?“ – „Dumme Gans,“ sagte die Alte, „die Öffnung ist groß genug, siehst du wohl, ich könnte selbst hinein,“ krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Stoß, daß sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe mußte elendiglich verbrennen.

Veröffentlicht unter über unsere Seele, Fülle des Lebens, geistige Welt, Märchen, Mythologie, Religion, Weiblichkeit | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Man muss den Dingen / die eigene, stille / ungestörte Entwicklung lassen. – Aus Briefzeilen Rainer Maria Rilkes.

Jenen Menschen, der aus den tiefen Gedanken der Briefzeilen Rainer Maria Rilkes (1875-1926) an den Schriftsteller und Journalisten Franz Xaver Kappus (1883-1966) ein Gedicht formte, überschrieben „Über die Geduld“, kenne ich leider nicht. Das Gedicht findet sich nicht unter den Gedichten Rilkes und doch ist es wert, als solches angesehen zu werden.

Im Brief selbst (http://www.rilke.de/briefe/230403.htm) finden sich bemerkenswerte Zeilen wie:

Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären. Jeden Eindruck und jeden Keim eines Gefühls ganz in sich, im Dunkel, im Unsagbaren, Unbewußten, dem eigenen Verstande Unerreichbaren sich vollenden lassen und mit tiefer Demut und Geduld die Stunde der Niederkunft einer neuen Klarheit abwarten: das allein heißt künstlerisch leben: im Verstehen wie im Schaffen.
(…) Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit.

Daraus von mir unbekannter Hand geworden ist

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit …

Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, 
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Veröffentlicht unter über unsere Seele, Fülle des Lebens, Gedicht, Literatur, Rilke | Verschlagwortet mit , , , | 4 Kommentare

Wege aus der Corona-Zeit: „Die Skelettfrau.“ Ein Märchen.

In einer seelenlosen Gesellschaft ist die Welt zu einer großen Börse geworden. Entscheidungen sind in Sekundenbruchteilen zu treffen, die Menschen bestimmen nicht mehr selbst ihr Leben, sondern die Kurse, von deren Launen die Menschen sich abhängig gemacht haben. Wie in Hans Christian Andersens Märchen „Die roten Schuhe“ tanzen dieselben, wie sie wollen und wirbeln in irrem Tanz an den Dingen vorbei, nach denen Menschen sich am meisten sehnen. Die aber stecken in ihren roten Schuhen fest und sind auf Gedeih und Verderben mit dem, was jene mit ihnen tun, verbunden. Eine Allianz des Schreckens und entfremdeten Lebens.

Glaubt ernsthaft noch jemand, mit Corona sei es anders? Auf Gedeih und Verderben sind wir von dem Virus abhängig und der macht mit uns, was er will. Vermutlich hatte er nie geglaubt, dass er so leichtes Spiel mit den Menschen hat. 

Die Männer, die bei uns das Sagen haben, haben null Alternativen zu ihrem einfallslosen Handeln. Das Märchen von der Skelettfrau zeigt, wie es gehen kann. Gefunden habe ich es in Clarissa Pinkola Estés wunderbarem Buch „Die Wolfsfrau. Die Kraft der weiblichen Urinstinkte.“

Auch in Bezug auf Corona gilt Obiges? Ja, auch in Bezug auf Corona. Denn dieser Virus zeigt uns, wie krank unsere Gesellschaft wirklich ist. Nicht krank wegen des Virus. Sie war schon vorher krank, ja todkrank. Nun lässt sie sich von einem Virus durch die Gegend jagen, und er genießt es und tanzt und tanzt und tanzt und der RKI-Wieler guckt bedenklich und schon ganz krank und Lauterbach sieht mal wieder schwarz und Scholz sagt wieder mal nix und bitte, hört bitte alle zu und dass das aber wirklich jetzt klar ist: Lasst Euch boostern, dieser Weg allein gibt Sicherheit … in alle Ewigkeit …

Die Skelettfrau

Jahre vergingen, bis sich niemand mehr daran erinnern konnte, gegen welches Gesetz das arme Mädchen verstoßen hatte. Die Leute wussten nur noch, dass ihr Vater sie zur Strafe von einem Felsvorsprung ins Eismeer hinabgestoßen hatte und dass sie ertrunken war. So lag sie für eine lange Zeit am Meeresboden. Die Fische nagten ihr Fleisch bis auf die Knochen ab und fraßen ihre kohlschwarzen Augen. Blicklos und fleischlos schwebte sie unter den Eisschollen, und ihr Gerippe wurde von der Strömung um- und um- und umgedreht. 

Die Fischer und Jäger der Gegend hielten sich fern von der Bucht, denn es hieß, dass der Geist der Skelettfrau dort umginge. Doch eines Tages kam ein junger Fischer aus einer fernen Gegend hergezogen, der nichts davon wusste. Er ruderte sein Kajak in die Bucht, warf seine Angel aus und wartete. Er ahnte ja nicht, dass der Haken seiner Angel sich sogleich in den Rippen des Skeletts verfing! Schon fühlte er den Zug des Gewichts und dachte voll Freude bei sich: „Oh, welch ein Glück! Jetzt habe ich einen Riesenfisch an der Angel, von dem ich mich für lange Zeit ernähren kann. Nun muss ich nicht mehr jeden Tag auf die Jagd gehen.“ 

Das Skelett bäumte sich wie wild unter dem Wasser auf und versuchte freizukommen, aber je mehr es sich aufbäumte und wehrte, desto unentrinnbarer verstrickte es sich in der langen Angelleine des ahnungslosen Fischers. 

Das Boot schwankte bedrohlich im aufgewühlten Meer, fast wäre der Fischer über Bord gegangen, aber er zog mit aller Kraft an seiner Angel, er zog und ließ nicht los und hievte das Skelett aus dem Meer empor . „Iii, aiii“, schrie der Mann, und sein Herz rutschte ihm in die Hose, als er sah, was dort zappelnd an seiner Leine hing.

„Aiii“ und „igitt“ schrie er beim Anblick der klappernden, mit Muscheln und allerlei Getier bewachsenen Skelettgestalt. Er versetzte dem Scheusal einen Hieb mit seinem Paddel und ruderte, so schnell er es im wilden Gewässer vermochte, an das Meeresufer. Aber das Skelett hing weiterhin an seiner Angelleine, und da der Fischer seine kostbare Angel nicht loslassen wollte, folgte ihm das Skelett, wohin er auch rannte: über das Eis und den Schnee; über Erhebungen und durch Vertiefungen folgte ihm die Skelettfrau mit ihrem entsetzlich klappernden Totengebein. 

„Weg mit dir“, schrie der Fischer und rannte in seiner Angst geradewegs über einige frische Fische, die jemand dort zum Trocknen in die Sonne gelegt hatte. Die Skelettfrau packte ein paar dieser Fische, während sie hinter dem Mann hergeschleift wurde, und steckte sie sich in den Mund, denn sie hatte lange keine Menschenspeisen mehr zu sich genommen. 

Und dann war der Fischer bei seinem Iglu angekommen. In Windeseile kroch er in sein Schneehaus hinein und sank auf das Nachtlager, wo er sich keuchend und stöhnend von dem Schrecken erholte und den Göttern dankte, dass er dem Verderben noch einmal entronnen war. Im Iglu herrschte vollkommene Finsternis, und so kann man sich vorstellen, was der Fischer empfand, als er seine Öllampe anzündete und nicht weit von sich in einer Ecke der Hütte einen völlig durcheinander geratenen Knochenhaufen liegen sah. Ein Knie der Skelettfrau steckte in den Rippen ihres Brustkorbs, das andere Bein war um ihre Schultern verdreht, und so lag sie da, in seine Angelleine verstrickt. 

Was dann über ihn kam und ihn veranlasste, die Knochen zu entwirren und alles vorsichtig an die rechte Stelle zu rücken, wusste der Fischer selbst nicht. Vielleicht lag es an der Einsamkeit seiner langen Nächte, und vielleicht war es auch nur das warme Licht seiner Öllampe, in dem der Totenkopf nicht mehr ganz so grässlich aussah – aber der Fischer empfand plötzlich Mitleid mit dem Gerippe. 

„Na, na, na“, murmelte er leise vor sich hin und verbrachte die halbe Nacht damit, alle Knochen der Skelettfrau behutsam zu entwirren, sie ordentlich zurechtzurücken und sie schließlich sogar in warme Felle zu kleiden, damit sie nicht fror. Danach schlief der Gute erschöpft ein, und während er dalag und träumte, rann eine helle Träne über seine Wange. Dies aber sah die Skelettfrau und kroch heimlich an seine Seite, brachte ihren Mund an die Wange des Mannes und trank die eine Träne, die für sie wie ein Strom war, dessen Wasser den Durst eines ganzen Lebens löscht. 

Sie trank und trank, bis ihr Durst gestillt war, und dann ergriff sie das Herz des Mannes. das ebenmäßig und ruhig in seiner Brust klopfte. Sie ergriff das Herz, trommelte mit ihren kalten Knochenhänden darauf und sang ein Lied dazu. 

„Oh, Fleisch, Fleisch, Fleisch“, sang die Skelettfrau. „Oh, Haut, Haut, Haut.“ Und je länger sie sang, desto mehr Fleisch und Haut legte sich auf ihre Knochen. Sie sang für alles, was ihr Körper brauchte, für einen dichten Haarschopf und kohlschwarze Augen, eine gute Nase und feine Ohren, für breite Hüften, starke Hände, viele Fettpolster überall und warme, große Brüste. Und als sie damit fertig war, sang sie die Kleider des Mannes von seinem Leib und kroch zu ihm unter die Decke. Sie gab ihm die mächtige Trommel seines Herzens zurück und schmiegte sich an ihn, Haut an lebendige Haut. So erwachten die beiden, eng umschlungen. Fest aneinander geklammert. Die Leute sagen, dass die beiden von diesem Tag an nie Mangel leiden mussten, weil sie von den Freunden der Frau im Wasser, den Geschöpfen des Meeres. ernährt und beschützt wurden. So sagt man bei uns, und viele unserer Leute glauben es heute noch.

Dieser junge Fischer hält sich nicht an die üblichen Regeln und was schon immer so gemacht wird. Manchmal tut man etwas unbewusst, man kann aber auch ganz bewusst mal etwas ausprobieren, anders tun, für das Ende von Blockaden sorgen, die ein Leben lang ansonsten existent sein können.

Kein Zufall, was der junge Fischer da an Land zieht. Es ist ein skelletiertes Weibliches. Was einst so voller Lebenssaft und Freude war, hat nicht einmal mehr Augen, keine Haut mehr, nur noch Knochen.

Es ist so wie im Leben der Menschen: Der Tod hat sich vom Leben getrennt, beide existieren für sich, beide haben nichts mehr voneinander mit der Folge, dass ein Teil im Grunde gar nicht mehr existiert, der andere aber panisch reagiert, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht (wo doch, wie sich herausstellt, Leben einziehen will). Wie wehrt er sich, sich nicht ändern zu müssen, alles beim Alten bleiben zu lassen.

Gut, dass das Skelett nicht wirklich tot ist.

Jene Teile in uns, die sich von uns getrennt haben und kein Leben mehr haben, sind nicht wirklich tot. Auch der Gralskönig ist nicht wirklich tot, nur todkrank und die sogenannte Mitleidsfrage des Parzival kann ihn von der tödlichen Krankheit erlösen.

Mitfühlen ist notwendig, denn ohne es zu wissen, fühlen wir mit etwas Wichtigem in uns selbst mit. Parzival erlöst im Grunde mit seiner einfachen Frage: „Oheim, was ist mit Dir?“ seine alte Natur, die überholt ist, todkrank. Sie darf gehen. 

Auch der junge Fischer hat ein Herz, das fühlt

Etwas Neues darf entstehen. Wir wissen es: das Weibliche wird wieder singen. Diese Töne werden die Welt der beiden verändern.

Im Märchen geht es auch um das Auflösen der Grenze zwischen Tod und Leben, eine Grenze, die all unsere Kräfte lahmlegen kann; das Glück des jungen Fischers aber hat hier auch und gerade mit dem Weiblichen der Menschheit zu tun. Wo es von den alten ideenlosen Männern fortgejagt worden ist, die herrschen und ihre Macht festigen, indem sie Menschen in Leblosigkeit zwingen, stirbt Leben ab. Wir brauchen uns nur umblicken.

Man mag es nicht glauben, was im Märchen abgeht und was auch in unseren Leben abgehen könnte … wenn wir dem Weiblichen die Möglichkeit geben, sich zu entfalten, zu singen.

Möglich ist es, nur müsste man, was wie tot erscheint, neu ordnen, sich überhaupt ihm zuwenden und schauen, zu was es in der Lage ist: Wir würden staunen …

Wenn wir aber immer das Übliche tun und das, was alte – auch eben geistig verbrauchte und einfallslose Männer uns vorschreiben, dann entgehen uns feine Ohren, breite Hüften, starke Hände, viele Fettpolster überall und warme, große Brüste.

Manche leben ihr Leben lang in Wirklichkeit mit einem Skelett, wie es unter Wasser, also unbewusst, in ihnen lebt, sie aber regiert.

Ich persönlich bin eher für breite Hüften, starke Hände, warme, große Brüste …

Wir müssten halt das skelettierte Weibliche an Land ziehen …

Die ganzen alten Männer (die so alt sind wie die älteren Brüder im Märchen, die in Wirklichkeit nichts auf die Reihe kriegen) und all die männlichen Frauen, die von ihrer lebendigen Weiblichkeit in Wahrheit nichts wissen, tun es nicht …

Veröffentlicht unter über unsere Seele, Fülle des Lebens, Leben und Tod, Liebe, Mann und Frau, Märchen, Mythologie, unsere Gesellschaft, Weiblichkeit | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

„Keine Hierarchie / Von Heiligen auf goldnen Stühlen / Sitzend / Kein Niedersturz / Verdammter Seelen / Nur / Nur Liebe“ – Gedanken einer großen Dichterin zu Allerheiligen und Allerseelen und dem Leben nach dem Tode.

Glauben Sie fragte man mich 
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich 
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte 
Dort 

Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldenen Stühlen 
Sitzend 
Kein Niedersturz
Verdammter Seelen
Nur 
Nur Liebe frei gewordene
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend

Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnenwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen …
Wortfetzen
Komm du komm

Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg- und Talfahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner
So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein
Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort

Mehr also, fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode? 
Und ich antwortete
Weniger nicht.

(Marie Luise Kaschnitz, „Ein Leben nach dem Tode“)

Vor wenigen Tagen starb meine ältere Schwester Gabriele und ich bin froh und dankbar, dass sie gehen durfte. Sie war ein tapfere Kämpferin gewesen, die es sich wahrlich verdient hatte, Ruhe zu finden, wenn ich allein an die 33 Vollnarkosen denke, die sie wegen einer misslungenen Hüftoperation und anderen Leiden über sich hat ergehen lassen müssen. Ich habe nie ein Jammern von ihren Lippen gehört und im Nachhinein mutet mich das fast unfassbar an.
In einem den Trauergottesdienst vorbereitenden Gespräch mit der Pfarrerin ihrer Konfession, in dem die Frage nach der Bedeutung des Leidens von jener gestellt wurde, sagte ich, dass ich das nur im Zusammenhang vieler Leben, die wir leben, sehen könne. Am Ende der Gesamtheit unserer physischen Leben wird sich für mich, wenn es gutgeht, jenes Wort aus dem 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes bewahrheiten, wenn es heißt: „Gott wird ihnen alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, keine Klage und keine Schmerzen; denn was einmal war, ist für immer vorbei.“

Aber dann wusste ich keine Antwort zu geben

Ich finde, es tut gut, wenn jemand nicht zu verschleiern sucht, dass er keine Ahnung von etwas hat. Marie Luise Kaschnitz – jene 1901 in Karlsruhe geborene und 1974 in Rom verstorbene große Dichterin, die ich in eine Reihe stelle mit Autorinnen wie Annette von Droste-Hülshoff, Ricarda Huch, Gertrud Kolmar und Ingeborg Bachmann und die in diesem Gedicht vermutlich den Tod ihres 1958 verstorbenen Mannes Guido Kaschnitz von Weinberg verarbeitete – tut das ebenfalls nicht; ihre Worte

Aber dann wusste ich 
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
 

können kaum ehrlicher sein und manche Esoteriker, die ihre gedanklichen Spekulationen als Wahrheiten ausgeben, könnten sich eine dicke Scheibe abschneiden.

Für mich war vor vielen Jahren die Lektüre von Anthony Borgias „Das Leben in der Unsichtbaren Welt“ eine erste absolut Aufsehen erregende Begegnung mit der Thematik, wie es im sogenannten Jenseits – manches scheint dort viel umfassender lebendig zu sein als in unserer Realität – aussehen könnte und ich habe auf meinem Blog Wortbrunnen Auszüge aus einem Vortrag Rudolf Steiners reingestellt (https://bit.ly/3GDiC2o), der beleuchtet, wie tatsächlich lebendig die sogenannten Toten sind und dass wir uns einen großen Gefallen tun, wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass einige ständig um uns sind und manches, was wir als zufälligen Einfall werten, in Wahrheit aus ihrem „Munde“ kommt. Mancher mag das belächeln, für mich allerdings weiß ich, dass wenn man zur Kenntnis nimmt, woher mancher Geistesblitz kommt und diese Herkunft mental auch akzeptiert, man sich eine Quelle umfassender erschließt, die zu unserem Vorteil intensiv sprudeln kann; dabei ist nicht einmal jener Dämon, den Platon im Zusammenhang mit dem Leben des Sokrates erwähnt und der ebenfalls eine sehr vorteilhafte Bedeutung für uns haben kann, einbezogen, der in den kommenden Krisenzeiten der Menschheit, in denen wir wieder leben werden, uns eine fast unerlässliche Hilfe sein wird – zumindest sein kann. 
Die Beziehung zu den Toten wird ja auch in einem für mich fast existentiellen Buch zur Nahtod-Thematik, nämlich Raymond Moodys Leben nach dem Tod angesprochen (https://bit.ly/3w0HbRY). Jene Toten, die erscheinen, um Sterbende abzuholen, sind auch sehr oft jene, die uns jetzt schon begleiten.

Kein Niedersturz verdammter Seelen

Es mag – und ich vermute auch, dass es so sein kann – Seelen geben, die, alle Zeiten überdauernd, sich der Liebe verweigern. Ein Gedanke, den man sich nicht vorstellen mag. Deshalb wohl kommen jene Zeilen der Kaschnitz so wohltuend bei mir an …

Kein Niedersturz
Verdammter Seelen
Nur 
Nur Liebe frei gewordene
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend

… die sich dem Jahrhunderte währenden Trommelfeuer der Kirchen des Christlichen Abendlandes und Religionen wie dem Islam und deren angstmachenden Aussagen, die sehr bewusst den Hintergrund der großen Weltbühne mit jenem Popanz eines großen Weltgerichtes drohgebärdend und furchteinflößend wackeln lassen, widersetzen. 

>Ge-richt-e< geben >Richt-ung<; nicht von ungefähr offenbart ihre Bedeutung sich in der gemeinsamen etymologischen Grundlage beider Worte, sich ableitend aus dem gemeingermanischen Adjektiv >reht<, unter anderem mit der Bedeutung aufrichten, sich recken, geraderichten.
Darin besteht der Sinn von Gerichten, dass sie etwas, was sich verbogen hat, neu ausrichten, und wir begegnen ihnen in vielerlei Varianten, sei es im Rahmen des Kamaloka, durch welche die Seele eine neue Ausrichtung erfährt (https://bit.ly/3GyvAP3), oder dem aktuellen Gericht unseres Gewissens, wenn wir dessen Bedeutung zu nutzen die Kraft und den Mut haben und in der Lage sind, uns selbst neu zu justieren.

Gerichte haben ja in ursprünglicher Bedeutung nichts mit Verurteilungen zu tun, sondern erfassen den Tatbestand des von uns Geleisteten und wollen im Sinne des biblischen Wortes metanoia, das Luther leider mit Buße übersetzte, uns die Möglichkeit bieten, in diesem Moment unser Sein in eine neue Richtung auszurichten, falls notwendig [metanoia bedeutet, den Sinn zu wenden].
Im Grunde blitzt hier eine Institution unseres eigenen Inneren auf, die wir als Menschen nach außen verlagert haben, wie es auch Franz Kafka, literarisch so bemerkenswert, in seiner Türhüterlegende spiegelt (https://bit.ly/3GFWKDI). Doch ist der Türhüter nichts anderes als ein verborgener Teil unseres Selbst, der sogenannte Hüter der Schwelle.

Unser Umgang mit einem Urstrom namens Liebe

Manche retten sich vor ihr in Seitenarme und dümpeln in Kehrwassern der Liebe vor sich hin (oft sind es gerade jene, die sehr viel über Liebe erzählen und Kennerschaft vermitteln wollen …), manche bauen auch ein Wehr und lassen nur per Schleuse durch, was sie gestatten (und das ist meist recht wenig), während das eigentlich frei strömen wollende Wasser an einer verzementierten Stelle sich flussabwärts durch jene hindurchquält.
In der Flut der Liebe zu strömen, will erübt sein; man kann auch recht besinnungslos in ihr dahintreiben.
Möglich aber ist, bewusst eine Liebeswelle zu sein und Teil des großen Liebesganzen.
Dass das viel mit dem sogenannten Tod zu tun hat, darauf verweist der Bruder aller Liebenden, der, damit Menschen die Liebe erleben können, sein Leben opferte.
Ein überwiegender Teil der Menschheit hat das (noch) nicht begriffen.

Warum mich obiges Gedicht der Kaschnitz so berührt, ist, weil sie keine der fromm und hehr dahersalbadernden Pseudo-Heiligen ist. Ja, sie sieht den Menschen als Esel, wie er als solcher ein Drehkreuz selbst im Kreis bewegt, um an das Wasser (des Lebens) heranzukommen, es an die Oberfläche zu befördern – wahrlich kein Leben in Saus und Braus:

Die Gärten untergepflügt
Die Wälder zermahlen
Auf dem Nacktfels die Hütte gebaut
Umzäunt mit geschütteten Steinen
Eine Cactusfeige gesetzt
Einen Brunnen gegraben
Mich selbst
Ans Drehkreuz gespannt
Da geh ich rundum
Schöpfe mein brackiges Lebenswasser
Schreie den Eselsschrei
Hinauf zu den Sternen.

Obwohl solche Schreie qualvoll durch die Nacht des Lebens schallen können, sehe ich sie als ein positives Zeichen, weil sich aus dem Inneren etwas herauslösen will. Wie eindrucksvoll hat Edvard Munch einen dieser Schreie zur Darstellung gebracht (https://bit.ly/3kc3tvx) für eine Zeit – literarisch ist es der Expressionismus -, die mit dem Gedicht eines Jakob von Hoddis („Weltende“, 1911) wie ein Fanal in dessen erster Strophe beginnt:

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

In allen Lüften hallt Geschrei: Das gilt auch für heute und auch heute steigt von neuem wieder das Wasser – und zwar tatsächlich -, den Schreienden zugleich auch im übertragenen Sinne bis zum Hals stehend. Möge die Menschheit die derzeitige Prüfung bestehen; das kann nur sein, wenn sie ihr Vertrauen dem einzig Vertrauenswürdigen anvertraut. Nicht wenige schrecken davor zurück und unterstützen eine geistlose, materialistische Ausrichtung – sie scheint ja auch so viel sicherer als ein geistiger Schutz, dessen man doch gerade in Corona-Zeiten so dringend bedarf.

Und lass, solang ein Leben währen kann, / Die Liebe währen.

Einen bemerkenswerten Abschluss der angesprochenen Thematik findet sich mittels eines Sonetts unserer Autorin; es gehört zu jenen Gedichten, die mich sehr berühren; überschrieben ist es mit „Ewigkeit“:

Sie sagen, dass wir uns im Tode nicht vermissen
Und nicht begehren. Dass wir, hingegeben
Der Ewigkeit, mit andern Sinnen leben
Und also nicht mehr voneinander wissen,

Und Lust und Angst und Sehnsucht nicht verstehen,
Die zwischen uns ein Leben lang gebrannt,
Und so wie Fremde uns vorübergehen,
Gleichgültig Aug dem Auge, Hand der Hand.

Wie rührt mich schon das kleine Licht der Sphären,
Das wir ermessen können, eisig an,
Und treibt mich dir ans Herz in wilder Klage.

O halt uns, Welt, im süßen Licht der Tage,
Und lass, solang ein Leben währen kann,
Die Liebe währen.

Mich berührt, wie sehr Marie Luise Kaschnitz die Liebe als Anker sehen kann. Mich berührt auch, dass sie nicht über dieses Leben hinauszusehen vermochte. In diesem aktuellen Moment vermag sie es sicherlich, lebend in jenem großen Weltinnenraum, wie auch meine Schwester Gabriele.
Und heute und jetzt mögen beide um das Paulus-Wort wissen, das jener der Gemeinde zu Korinth schrieb: „Die Liebe wird niemals vergehen.“

Das bedeutet auch, dass sie nie entstand und immer schon besteht.

Wenn wir darum wissen dürfen, muss nicht mehr Klage sein, noch Geschrei, noch Leid … Und Gott wird abwischen alle unsere Tränen … Er wird das ganz persönlich tun … auf einer geistigen Ebene … falls wir ihr vertrauen. – Selbstverständlich ist das nicht.

PS. Das Foto zeigt „Bruder Tod. Menschengruppe“, eine von Christiane Weiel gefertigte Holzplastik, zu finden auf dem Franziskus-Weg in der Rhön (https://www.franziskusweg.de)

Veröffentlicht unter über unsere Seele, Fülle des Lebens, Gedicht, geistige Welt, Leben und Tod, Liebe, Mann und Frau, Religion | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Hütet euch vor Sarumans Stimme! – Über die Enttarnung eines Blenders in Tolkiens „Herr der Ringe“.

„Unsere Gelüste, unsere Launen, unsere heimlichen Laster und selbst unsere sorgsamst gehüteten Gedanken übertrugen sich auf den Klang unserer Stimme, wurden offenbar in ihrer Modulation, in ihrem Rhythmus.“

Nicht nur diese eben wiedergegebene Stelle, sondern die gesamten in einem Post auf meiner EthikPost  zitierten Aussagen Jacques Lusseyrans aus seinem Buch „Das wiedergefundene Licht“ in Bezug auf das, was er in einer Stimme wahrzunehmen in der Lage ist, sind schon beeindruckend.

Der ein oder andere mag in seinem Bekannten- und Freundeskreis jemanden haben, der eine besonders angenehme Stimme hat. Manche angenehme Stimme hat allerdings etwas Aalglattes, Öliges, Salbungsvolles.
Mancher auch sonnt sich in seiner Stimme, von der er weiß, wie sie überzeugt. Und wenn man sich dafür sensibilsiert, darauf zu achten, ob eine Stimme stimmig ist, mag es einem auch zunehmend auffallen, wie es um sie bestellt ist.

Gegenüber zu schmeichelnd einschmeichelnden sanften Stimmen bin ich skeptisch geworden. Ich glaube, manches Mal hat der berühmte Wolf im Schafspelz Kreide gefressen wie der Wolf im bekannten Märchen der Gebrüder Grimm. 
Die Stimme kann der Schafspelz sein.

Wie eine Stimme wirkt und was sich oftmals dahinter verbergen mag, dafür gibt es ein hervorragendes Beispiel im zweiten Band des Herrn der Ringe. Die Ents und Huorns haben gerade die Schlacht um Isengard geschlagen und die Orks platt gemacht. Nur was sie hatten nicht verhindern können, war, dass der Oberschurke Saruman, einst ein Weiser, also in der Sprache Tolkiens ein Weißer, einer der Istari, sich in den Turm von Orthanc hatte zurückziehen können.

Leider war Saruman in früherer Zeit auf den Sog der Macht hereingefallen. Seine Machtgelüste hatten ihn dazu verführt, dass er den Einen Ring begehrte. Deshalb hatte er Isengard befestigt und dort Orks und Dunländer angesiedelt. Er begann Gandalf, dem großen Zauberer und Wissenden nachzuspionieren. Ohne dass er es merkte, wurde er aber von Sauron, der Dunklen Macht, gelenkt, wohl nicht damit rechnend, dass seine Dunkelheit noch überboten werden könne.

Durch seine Bauweise war jener Turm, in den sich Saruman nach der Einnahme Isengards zurückgezogen hatte, selbst für die riesigen Ents uneinnehmbar.

Gandalf, der mit König Theoden und seinen Reitern aus Rohan soeben im eroberten Isengard eingetroffen war und die ganze Arbeit, die die Ents geleistet hatten, hatte bewundern können, wollte noch einen Versuch machen, die Auseinandersetzung mit Saruman ohne weiteres Blutvergießen enden zu lassen. Doch kannte er die Gefahr, die von diesem ausging, weshalb er zu allen, die ihn zu dem Orthanc-Turm begleiten wollten, sagte:

„Hütet euch vor seiner Stimme!“


Gerade warteten sie vor dem Turm, als sie eine Stimme, leise und melodisch, allein durch den Klang schon betörend (vernahmen). Wer arglos dieser Stimme lauschte, wusste nachher meistens nicht mehr, was sie eigentlich gesagt hatte; erinnerte er sich aber, so wunderte es ihn, wie wenig Kraft die Worte allein noch besaßen. Die meisten wussten dann nur noch, dass es eine reine Freude gewesen war, diese Stimme anzuhören, und dass alles, was sie sagte, gerecht und vernünftig klang und im Zuhörer den Wunsch erweckte, durch rasche Zustimmung die eigene Klugheit zu beweisen. Was andere sagten, klang dagegen grob und ungeschlacht (…). 

Interessant, im Grunde aber beunruhigend, dass normale menschliche Stimmen so abgewertet werden gegenüber einer so einölenden Stimme. 
Gekonnt, wie hier Tolkien, der Verfasser des Herrn der Ringe, die Wirkung einer solchen darzustellen weiß.

Viele hielt allein der gegenwärtige Klang der Stimme im Bann, aber bei denen, die ganz von ihr bezwungen waren, wirkte der Zauber fort, wenn sie weit entfernt waren; und immer hatten sie dann diese leise Stimme im Ohr, die auf sie einredete und sie anspornte. Niemand aber blieb unberührt, und niemand konnte ohne Anstrengung des Willens und Geistes ihre Bitten und Befehle zurückweisen, solange ihr Herr sie noch in der Gewalt hatte. »Nun?«, fragte sie im Ton milden Vorwurfs. »Warum müsst ihr meine Ruhe stören? Wollt ihr mich denn bei Tag wie bei Nacht nicht in Frieden lassen?« Es klang nach gutherzigem Bekümmertsein durch unverdiente Kränkungen. 

Der Träger einer solchen Stimme weiß meistens geschickt mit Mitleid zu operieren. Und wer selbst gern selbstmitleidig ist, fällt auf diese Art von Selbstmitleid garantiert herein …

Erstaunt blickten sie hinauf, denn sie hatten niemanden kommen gehört; und oben am Geländer stand nun einer und schaute auf sie herab, ein alter Mann in einem langen Mantel, dessen Farbe schwer zu bestimmen war, denn sie wechselte, wenn sie die Augen bewegten oder wenn er sich rührte. Er hatte ein langes Gesicht mit hoher Stirn und dunklen, tief liegenden Augen, deren Ausdruck kaum zu ergründen war, obwohl sie jetzt ernst und gütig und ein wenig müde dreinschauten. Haar und Bart waren weiß, doch mit manchen schwarzen Strähnen um Lippen und Ohren. (…)

Gütig und ein wenig müde … ! – Übrigens sah dieser Saruman Gandalf ziemlich ähnlich. Das ist auch bezeichnend, das sind die Mittel, die das Dunkle einsetzt. Manchmal ist das Dunkle mit dem Lichten zum Verwechseln ähnlich. Da verraten nur einzelne dunkle Strähnen, wes Geistes Kind vor einem steht!
Gut, dass ein Zwerg es ist, der den dunklen Zauber durchschaut:

Gimli der Zwerg war es, der das Schweigen jäh brach. »Die Worte dieses Zauberers stehen kopf«, rief er, die Hand am Griff seiner Axt. »Helfen heißt verderben in der Sprache von Orthanc, und retten heißt töten, so viel ist klar. Doch wir sind nicht hier, um zu betteln.« 

»Bitte!«, sagte Saruman, und für einen Moment war seine Stimme nicht mehr ganz so einschmeichelnd, und in seinen Augen flackerte ein Funke auf und verschwand wieder. »Noch rede ich nicht mit dir, Gimli Glóinssohn«, sagte er. »Fern von hier liegt deine Heimat, und wenig kümmern dich dieses Landes Nöte. Doch nicht aus eigener Absicht wurdest du in sie hineingezogen, und darum will ich dir nicht zum Vorwurf machen, welche Rolle du darin gespielt hast – eine wackere Rolle, wie ich nicht bezweifle. Aber sei so gut und lass mich zuerst mit dem König von Rohan reden, meinem Nachbarn, der einst mein Freund war. 

Was habt Ihr zu sagen, König Theoden? Wollt Ihr nicht Frieden mit mir schließen und all die Hilfe empfangen, die mein in langen Jahren begründetes Wissen gewähren kann? Sollen wir nicht gemeinsam Rat halten. wie die bösen Zeiten zu überstehen sind, und einander mit so viel gutern Willen Schadenersatz leisten, dass unsere Länder eins wie das andere schöner erblühen denn je?« 

Theoden gab noch immer keine Antwort. Ob es Zorn oder Zweifel war, was ihm die Zunge lahmte, konnte niemand sagen. Eomer nahm das Wort. 

»Hört mich an, Gebieter!«, sagte er. »Jetzt spüren wir die Gefahr, vor der wir gewarnt wurden. Sind wir als Sieger hierher geritten, nur um uns von einem alten Lügner mit Honig auf seiner gespaltenen Zunge beirren zujassen? So wie er spräche der Wolf in der Falle mit den Hunden, wenr er’s könnte. Welche Hilfe kann er Euch denn überhaupt leisten? Er will! nur eins: sich aus seiner erbärmlichen Lage herauswinden. Aber wollt Ihr feilschen mit einem, der nichts zu bieten hat als Mord und Verrat? Denk an Théodreds Tod an der Furt und an Hamas Grab in Helms Klamm!« 

»Wenn wir schon von giftigen Zungen reden, was wäre dann von deiner zu sagen, du junge Schlange?« sagte Saruman, nun unüberhörbar erbost. »Doch lass gut sein, Éomer, Éomunds Sohn!«, fuhr er fort, wieder in den besänftigenden Ton zurückfindend. »Jedem das Seine. Dein ist das Waffenhandwerk, und damit erlangst du hohe Ehren. Schlage tot, wer deinen König Feind nennt, und damit gib dich zufrieden! Mische dich nicht in die Staatsgeschäfte ein, von denen du nichts verstehst! Doch vielleicht, solltest du einst König werden, wirst du erkennen, dass du deine Freunde mit Bedacht wählen musst. Sarumans Freundschaft und Orthancs Macht sind nicht leichthin zu verwerfen, was man auch für Beschwerden, ob begründet oder nicht, gegen sie erheben mag. Ihr habt eine Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg – und selbst die Schlacht nur dank einer Hilfe, auf die ihr ein zweites Mal nicht zählen könnt. Vielleicht findet Ihr den Schatten des Waldes demnächst vor der eigenen Tür: Er ist störrisch und unverständig und den Menschen nicht wohlgesinnt. 

Aber, König von Rohan, muss ich mich einen Mörder schimpfen lassen, weil wackre Männer im Kampf gefallen sind? Wenn Ihr ins Feld zieht, unnötigerweise, denn ich wollte keinen Krieg, werden Männer erschlagen. Bin ich aber deshalb ein Mörder, so ist Eorls ganzes Haus mit dem gleichen Makel behaftet; denn viele Kriege habt ihr geführt, in denen ihr oft auch die Angreifer wart, wenn man euch trotzte. Doch mit manchen Feinden habt Ihr nachher Frieden geschlossen – nicht zu Eurem Nachteil, denn die Staatsklugheit gebot es. Ich sage Euch, König Theoden: Sollen (229) wir nicht Frieden und Freundschaft halten, Ihr und ich? Nur wir haben darüber zu befinden!« 

»Wir werden Frieden haben«, sagte Theoden endlich, mühsam und mit belegter Stimme. Mehrere Reiter brachen in Freudengeschrei aus. Theoden hob die Hand. »Ja, wir werden Frieden haben«, sagte er, nun mit klarer Stimme. »Wir werden Frieden haben, wenn du mitsamt all deinen Werken vernichtet bist – und ebenso die Werke deines dunklen Gebieters, dem du uns ausliefern möchtest. Ein Lügner bist du, Saruman, und ein Verführer der Menschenherzen. Du streckst mir die Hand hin, und ich bemerke, dass sie nur ein Finger der Klaue Mordors ist. Grausam und kalt. Wäre dein Krieg gegen micn selbst ein gerechter Krieg – was er nicht war, denn auch, wenn du zehnmal so weise wärest, hättest du kein Recht, mich und mein Volk, wie du es wünschtest, zu deinem Nutzen zu regieren -, aber selbst dann, was sagst du zu den Bränden, die in der Westfold gelegt, und den Kindern, die dort getötet wurden? Und Hamas Leib haben deine Leute vor dem Tor der Hornburg zerhackt, als er schon tot war. Erst wenn du vor deinem Fenster am Galgen baumelst, deinen Krähen zum Fraß, dann werde ich mit dir und Orthanc Frieden haben. So stehst du mit dem Haus Eorl. Nur ein minderer Sohn großer Ahnen bin ich, hab es aber doch nicht nötig, dir die Hand zu lecken. Betöre andere! Aber ich fürchte, deine Stimme hat ihre Zauberkraft eingebüßt.« 

Unglaublich geschickt, wie Saruman vorgeht. Er versteht es, des ein oder anderen Aussage zu entwerten, er operiert nach wie vor mit Ängsten, die er geschickt im Inneren des Gegenüber lanciert, und er lässt leise, aber gekonnt, versteckte Drohungen einfließen. Da sind sogar die Reiter des Königs beeinflusst, und wie:

Die Reiter starrten zu Theoden hinauf wie Menschen, die aus einem Traum gerissen werden. Rau wie das Gekrächz eines alten Raben klang ihnen nach Sarumans Gesäusel die Stimme ihres Königs im Ohr. Doch fürs Erste war Saruman nun außer sich vor Zorn. Er beugte sich übers Geländer, als wollte er auf den König mit seinem Stab einschlagen. Manche glaubten für einen Augenblick eine Schlange zu sehen, die sich vor dem Ansprung zusammenrollt. 

»Galgen und Krähen!« zischte er, und die Veränderung war so erschreckend, dass es ihnen kalt über den Rücken lief.

Als Saruman die Wahrheit hört, fällt er zunehmend aus der Rolle und sein wahres Gesicht, eine hässliche Fratze, die nur auf Mord und Totschlag und Machtgewinn aus ist, zeigt sich mehr und mehr.
Doch wird eben gerade an den Reitern deutlich, wie sie in Gefahr waren, auf seine Stimme hereinzufallen nach dem Motto: Eine solch angenehme Stimme kann doch keinen schlechten Menschen verbergen … man tut dem Armen Unrecht. Guckt doch mal, wie er leidet … – und wie ihnen auf einmal die eigentlich doch vertraute Stimme ihres Königs vorkam! Wie das Gekrächz eines alten Raben!
Unglaublich, die Wirkung von Sarumans Stimme. 
Was wäre geschehen, wenn Gandalf sie nicht von vornherein enttarnt hätte, alle gewarnt hätte? 

Ich glaube, es gilt, der Stimme der Menschen mehr Bedeutung zuzumessen, die entsprechenden Sinne  zu schärfen und genau hinzuhören, denn es gibt mehr Sirenen, deren Opfer auch Odysseus geworden wäre, wenn er nicht dem Rat Circes gefolgt wäre, als wir deDer nken, und es gibt nicht nur eine einzige Loreley, die den Fischer mit Hilfe ihrer Stimme ins nasse Grab zu schicken wusste, genauso wie es nicht nur einen Saruman gab und gibt, sondern zu allen Zeiten tauchen sie auf.

Gewiss aber gibt es auch Menschen, die wirklich eine wohltönende Stimme haben, die innere Stimmigkeit spiegelt.

Veröffentlicht unter Fülle des Lebens, Literatur | Verschlagwortet mit , | 3 Kommentare

„Dieses Video wurde entfernt“ – woran wir merken, in was für einer Zeit wir leben. – Wieder so wichtig: Peter Rühmkorfs „Bleib erschütterbar und widersteh“!

Dem und der ein oder anderen wird es wiederholt gegangen sein wie mir: Man bekommt von einem Bekannten den Link zu einem Video zugeschickt und will ihn öffnen, dann aber erscheint

In diesem Fall war es die Ausleitungsanweisung einer Ärztin für die körperlichen Folgen der Corona-Impfung.

Vielleicht war diese Anweisung zu obszön, zu vulgär oder … 

Ehrlich gesagt hätte ich vor zwei Jahren mich vehement geweigert anzunehmen, es könne wieder eine so massive Zensur in Deutschland geben, wie sie uns in unserer Geschichte aus der Vormärzzeit (vor der März-Revolution 1848) oder Nazi-Deutschland bekannt ist und wie sie derzeit stattfindet; ich kenne einige Leute, die auf You Tube und Facebook gesperrt sind und ich bin gespannt, ob diese neue Form real gelebter Demokratie auch auf WordPress und Blogger übergreift (ich hoffe nicht – es sei denn, Bill Gates kauft sich auch hier ein …).

Es ist schon eklatant, wie sehr bei uns die großen Verlage auf Linie liegen und dasselbe verbreiten wie ARD, ZDF, N24, NTV und wie sie alle heißen …

Nie und nimmer hätte ich gedacht, wie brüchig Meinungsfreiheit ist, wie sehr eine westliche Welt auf Linie gebracht wird.

Nicht, dass Menschen sich impfen lassen, ist das Problem (für mich jedenfalls wird sich noch herausstellen, wie sehr es ein Problem auf der seelischen und körperlichen Ebene werden wird); jeder mag sich entscheiden, wie er es für richtig hält!

Das Problem ist die Spritze im Kopf – und das mit Impfstoff infiltrierte Herz. Und die Spritze bedienen unsere Politiker, allen voran Merkel und Spahn, Lauterbach und Scholz, Baerbock und Co.

Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass ausgerechnet die BILD-Zeitung für mich ein Hoffnungsanker sein würde mit zwei ihrer Ausgaben und der Forderung, ein Volk nicht künstlich in Geimpfte und Nicht-Geimpfte zu spalten

und einer absolut bemerkenswerten Ansprache ihres Chefredakteurs Julian Reichelt  an die Kinder dieses Landes mit der Bitte um Entschuldigung

Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass das Gedicht von Peter Rühmkorf (1929-2008), geschrieben für die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, wieder so brandaktuell werden würde:


Bleib erschütterbar und widersteh

Also heut: zum Ersten, Zweiten, Letzten:
allen Durchgedrehten, Umgehetzten,
was ich, kaum erhoben, wanken seh,
gestern an- und morgen abgeschaltet:
Eh dein Kopf zum Totenkopf erkaltet:
Bleib erschütterbar-doch widersteh.

Die uns Erde, Wasser, Luft versauen
(Fortschritt marsch! mit Gas und Gottvertrauen)
Ehe sie dich einvernehmen, eh
du im Strudel bist und schon im Solde,
wartend, dass die Kotze sich vergolde:
Bleib erschütterbar-und widersteh.

Schön, wie sich die Sterblichen berühren-
Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren,
dass der Liebe gleich der Mut vergeh…
Wer geduckt steht, will auch andre biegen
(Sorgen brauchst du dir nicht selber zuzufügen;
alles was gefürchtet wird, wird wahr-)
Bleib erschütterbarBleib erschütterbar-und widersteh.

Widersteht! im Siegen Ungeübte;
zwischen Scylla hier und dort Charybde
schwankt der Wechselkurs der Odyssee…
Finsternis kommt reichlich nachgeflossen;
aber du mit-such sie dir!-Genossen!
teilst das Dunkel, und es teilt sich die Gefahr
Leicht und jäh–
Bleib erschütterbar-
Bleib erschütterbar-doch widersteh.


PS
Für Interessierte: Die Seite der Ärztin, die das Ausleitungsprotokoll der Öffentlichkeit mitzuteilen versuchte:  https://www.drlessenich.com

und: Scylla und Charybde sind Gestalten der griechischen Sagenwelt: Beide Ungeheuer lauerten an einer Meerenge, jeweils auf einer Seite; wer mit seinem Schiff – wie Odysseus, Leidtragende waren seine Gefährten – nicht genau Mittelkurs hielt, wurde unweigerlich verspeist bzw. verschluckt. 

Veröffentlicht unter Fülle des Lebens | 3 Kommentare