2023: ein sorgenfreies Jahr? Wenn ja, warum? – Von Goethe lernen!

In der Gestalt des Faust hat Goethe uns einen Menschen vor Augen geführt, der sich vor diesen unseren Augen, wenn wir denn sehen wollen, entwickelt, Bewusstseinsschritt für Bewusstseinsschritt.

Im ersten Teil dieses großen Werkes lässt sich Faust auf Mephistopheles ein, nachdem er schon kurz davor war, am Leben zu verzweifeln und nur mit Hilfe eines österlichen Wunders am Leben bleibt. Allerdings bleiben die, mit denen er zu tun hatte, weitgehend nicht am Leben, am allerwenigsten Gretchen, das er schwängert, um die junge Dame dann schmählich sitzen zu lassen, verwechselt er doch, wie das Männer gerne tun, Begierde mit Liebe. Deshalb müssen nicht nur Margarete sterben, sondern deren Kind, Mutter und Bruder. Mephistopheles dagegen reibt sich vergnügt die Hände. Doch am Ende von Teil I erlebt der „Der Herr der Ratten und der Mäuse, / Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse“ – wie er sich selbst nennt – sein Waterloo: Er sieht Margarete, die ihr Kind aus purer Verzweiflung nicht austragen konnte und sich so in Schuld am Wertvollsten, was wir Menschen haben, dem Leben, verstrickt, gerichtet und verkündet im Kerker Gretchens lauthals: „Sie ist gerichtet!“
Da ertönt jene gewaltige Stimme aus dem – wie Atheisten (die es in Wirklichkeit gar nicht gibt) es gerne nennen – Off, und korrigiert ihn entscheidend mit den Worten: „(Sie) ist gerettet!“.

Im Deutschen, dieser wunderbar differenzierten Sprache, kennen wir ein Vorgangspassiv (im Präsens: sie wird gerettet) und ein Zustandspassiv. Es macht einen himmelweiten Unterschied zu ersterem, denn hier ist etwas in einen Zustand übergegangen, das wertvoller nicht sein kann, weil Gott nicht die Sünde kennt, wie sie uns über Jahrhunderte von der Kirche in Herz und Hirn gebrannt wurde, da es für jenen trotz allem Geschehenen so ist – wie es unter den letzten Worten des Faust I heißt: Sie ist gerettet.

Auch Faust ist gerettet, man mag es kaum glauben; der Beginn des zweiten Teils macht es deutlich:
Trotz großer Schuld – immerhin „zieren“ die vier erwähnten Toten seinen Weg – ist er durch heilsamen Schlaf in der Lage, weitere entscheidende Schritte auf jenes große Ziel hinzugehen, das das Männliche in uns nur zum Ziel haben kann: das Ur-Weibliche – Goethe nennt es das „Ewig-Weibliche“.
Ganz will es ihm in diesem Werk noch nicht gelingen. Aber Faust hat zu Helena, in der Goethe das Ewig-Weibliche sich personifizieren lässt – zum Abschluss nennt er, um was es ihm geht, in einer Wendung zum Christlichen hin „Mater Gloriosa“ – entscheidenden Kontakt aufgenommen und mit ihr sogar ein gemeinsames Kind gezeugt, Euphorion.
Doch ist es ein Trugschluss, dem sich zumeist allerdings nur diverse scheinheilige Esoteriker hingeben, zu glauben, man könne auf Erden leben, ohne noch immer einen Erdenrest in sich zu haben:
Helena und Euphorion entschwinden wieder; Faust bleibt ein Mensch, wenn auch ein seelisch-geistig sehr weit entwickelter, hat er doch den Schritt zu den drei Müttern zu gehen vermocht, ein Schritt, den zu gehen in den Mythen nur wenigen vergönnt war, u.a. Odysseus, Orpheus, Herakles – und, wie manche zur Kenntnis zu nehmen bereit sind: Christus.
Auf der Erde jedoch kann man ein Ewig-Weibliches nicht auf Dauer an sich binden. Immer wieder – bei entsprechendem Streben – aber in (zunehmend intensiveren) Kontakt treten.

Dass Faust noch zumindest ein letzter Schritt fehlt, machen nicht nur das Entschwinden Helenas und Euphorions im dritten Akt des zweiten Teiles deutlich, sondern auch in Akt 5, schon ganz gegen Ende des Werkes, das Auftauchen der vier grauen Weiber – dem Mangel, der Not, der Schuld und der Sorge. Zumindest eine der Vieren verbleibt in Fausts Haus: es ist die Sorge. Mit ihr muss er sich auf ein Wortgefecht einlassen, und es wird deutlich, für wie schwierig Goethe die Überwindung der Sorge hält („Wen ich einmal mir besitze, / Dem ist alle Welt nichts nütze“).

Das etymologische Wörterbuch des Deutschen kennt zwei Bedeutungsvarianten von „Sorge (wer mag, kann sich hier informieren: https://bit.ly/3G75eUS) und Faust scheitert noch an jener, die dort mit „Kummer“ bzw. „Gram“ bezeichnet wird. Faust grämt sich nämlich furchtbar darüber, dass an jener Stelle, wo er eine wunderbare Aussicht über sein Meisterstück, sein Lebenswerk haben könnte, auf seinem Grund unter den Linden droben also, die Hütte der beiden Alten, von Philemon und Baucis steht.
Goethe hat ja die Hütte zu einem der zauberhaftesten Motive der Weltliteratur gemacht (Faust in Teil I, in ihrem Zimmer hingerissen an Gretchen denkend: „Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.“) Indem er nun Mephistopheles befiehlt – jener hat ja beste Erfahrungen im Ausführen von solchen Befehlen Fausts, hat er doch auf dessen Wunsch hin der Mutter Gretchens, um ein Tête-à-Tête mit der Geliebten zu ermöglichen, einen Schlaftrunk verpasst, aus dem allerdings jene nicht mehr aufwachen sollte – indem Faust also Mephistopheles befiehlt, die beiden Alten zur Seite zu schaffen, erledigt jener das mit Hilfe dreier Schergen in gewohnt radikal zuverlässiger Weise, indem deren Zuhause abbrennt, was die beiden Alten vor Schreck sterben lässt. Zwar sucht Faust, seinen Kopf aus der Schlinge der Verantwortung zu ziehen („Tausch wollt´ ich, wollte keinen Raub“), doch kennen wir ja diesen Euphemismus von Worten zur Genüge aus unserer politischen Landschaft: Was Faust „Raub“ nennt, war im Grunde eine durchaus willkommene Tötung, weil es ihm nun möglich ist, „Zu überschauen mit einem Blick / Des Menschenwerkes Meisterstück“, was also er geleistet hat. Doch Lynkeus, der Türmer auf Faustens Schlosswarte, bringt es auf den Punkt, wenn er davon spricht, dass „die innere Hütte loder(t)“. Mit dem Abfackeln der Hütte der beiden Alten lodert vor allem die innere Hütte in Fausts Seele, dort also, wo eine geistige Heimat ihren Ort hätte finden können, ja sollen,

Für mich ist, bevor ich zum Schluss dieses Beitrages und seinem besonderen Sinn für das Jahr 2023 komme, ein Hinweis wichtig, damit nicht jene, die mit dem Christentum aufgrund seiner Kriminalgeschichte auf Kriegsfuß stehen (vgl. Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“), nämlich, dass das wahre Christsein und Christentum für mich eine Bewusstseinsstufe, keine Religion im üblichen Sinne ist, eine Bewusstseinsstufe, die sich gerade im Deutschen in der Tatsache niederschlägt, dass die erste Person des Personalpronomens in dieser unserer Sprache ausgerechnet jene Initialen enthält, die für mich eine wegweisende Bedeutung beinhalten: Iesus Christus: I-CH.

Goethe beschließt seinen „Faust“ ja im Grunde mit einem Verweis, den zwei Bibelzitate spiegeln. Das eine findet sich in einem Brief des Petrus und lautet: „Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Und Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper: „Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! / Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid.“

Sind wir in der Lage, alle Sorgen aufzugeben, und ist das überhaupt sinnvoll?
Wenn ein geliebter Mensch längst da sein sollte und einfach nicht kommt oder wenn der eigene Zug Verspätung hat, wo doch ohnehin für den Anschlusszug kaum Zeit zum Umsteigen bleibt – ist das nicht übermenschlich, sich keine Sorgen zu machen?

Goethe deutet an, dass es möglich sein könnte im Rahmen seiner Religiosität, die sich u.a. auch in seinen Geheimnissen und seinem Märchen von der grünen Schlange zeigt.
Aber es kann nicht sinnvoll sein, sich unnötig unter Druck zu setzen und so zu tun, als gäbe es Angst und Sorge einfach nicht. Man muss nicht mit Gewalt einen Erdenrest negieren wollen.

Wichtiger ist, was Goethe für mich mit dem „Faust“ vermitteln will: Es gibt einen Weg zum Ewig-Weiblichen, zu den Urgründen unseres Seins, den wir nur verstehen, wenn wir erkennen, dass alles Vergängliche ein Gleichnis ist und die Aufgabe von uns Menschen, in dem, was wir auf der Erde erfahren, Verweise auf ein Ewiges zu erkennen, um uns jenem wieder anzunähern, um sozusagen ins Reich der grünen Schlange zu gelangen.
In den Mythen steht das Weibliche für die Seele des Menschen, das Männliche für den göttlichen Geist. Er ist es, der die Seele befruchten will. Wir finden dies in der Tatsache, dass Osiris mit Isis Horus zeugt, wir finden das angesprochen in der so oft verkannten Jungfrauengeburt der Maria, die nicht anders ist als eine sehr reine Seele; wir finden es angesprochen in der Zeugung des Euphorion so wie Heinrich von Ofterdingen das Ewig-Weibliche in jenem Gesicht findet, das ihm die Blaue Blume zeigt.

Für uns ist dieses Ewig-Weibliche so wichtig, weil wir in einer Zeit leben, in der – so stellt es sich jedenfalls für mich dar – es gilt, das kaputte Männliche, das derzeit die Welt regiert (Namen zu nennen, die sich da besonders anbieten, ist wohl kaum notwendig) abzulösen und das Männliche zu heilen durch eine bewusste Weiblichkeit als einer bestimmten Qualität der Seele der Menschen.
Diese Weiblichkeit ist kosmischer Natur; sie kann hören und muss nicht ununterbrochen geredet oder geschrieben haben; dass sich Medien in so starkem Maße etabliert haben wie Twitter, Facebook, Whats App, Telegram und andere und so viele Worte produziert werden, die so oft geistiger Müll sind und den Wert des wahren Wortes, des Logos, hintertreiben, ist kein Zufall. Weiblichkeit gibt Wärme, die unsere Seelen dringend brauchen, wie es auf wunderbare Weise die Pietà Michelangelos und die Sixtinische Madonna Raffaels zeigen …

Ich glaube, dass es möglich ist, diesen Weg zum Ewig-Weiblichen zu beschreiten und dass das bereits in der letzten Zeit geschieht, denn die Menschheit ist mehr denn je an einem Punkt angelangt, an dem viele erkennen, dass sich Entscheidendes ändern muss und ich vermute, dass vor allem die jüngeren Generationen und auch die Frauen dieser Erde in Afghanistan, im Iran und anderswo nicht mehr lange hinnehmen werden, was die alten Männer dieser Erde treiben, auch die jungen Männer, wenn sie so alt sind wie die älteren Brüder der Grimm-Märchen.
Übersehen sollte man nicht, dass für die männliche Seite einer Frau Vergleichbares gilt; auch deren männliche Seite kann sehr krank sein.

Es liegt an uns, die seelisch-geistigen Bewegungen zum Ewig-Weiblichen hin, die sich auszeichnen durch eine Wertschätzung allen Lebens, zu unterstützen und bewusst selbst zu gehen, und ich vermute, wenn Goethe heute wieder da wäre, würde er nach wie vor zu dem, was er im Faust geschrieben hat stehen, er würde vor allem aber eines verändern, er würde sagen: Lasst Euch nicht nur ziehen vom Ewig-Weiblichen! Geht vielmehr bewussten Schrittes auf es zu!

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Kommt alle, ich bring euch nach Haus“ – Die Weihnachtsmadonna von Stalingrad.

Am Heiligen Abend 1942 bereitete der Oberarzt Dr. med. lic. theol. Kurt Reuber seinen Kameraden im Kessel von Stalingrad eine eigenartige und eindrucksvolle, unvergessliche Weihnachtsfreude, die ihnen zugleich zu einer starken Hilfe wurde. Als die Männer den notdürftig gegen Kälte und Geschosse schützenden Bunker zur einsamen Weihnachtsfeier unter den Schatten des Todes betraten, standen sie »wie gebannt, andächtig und ergriffen schweigend vor dem Bild« einer Mutter, die im weiten Mantel ihr Kind birgt. Dieses unter vielen Mühen mit Kohle auf der Rückseite einer großen russischen Landkarte gezeichnete Bild wurde bald die »Weihnachtsmadonna von Stalingrad« genannt und ist unter diesem Namen bereits weithin bekannt geworden. Das Bild ist aus dem Kessel herausgekommen, der, der es schuf, ist mit den vielen in Stalingrad geblieben, verschollen. Das Bild der Festungsmadonna hängt im Pfarrhaus zu Wichtmannshausen bei Eschwege in Hessen.

„Dort, im Hause des Freundes, habe ich ergriffen vor diesem Bilde, gestanden“, so schreibt Arno Pötzsch. „Vor der Weihnachtsmadonna und vor dem Selbstbildnis Kurt Reubers ist das hier folgende Muttergottesgedicht entstanden. Ich lege diese Verse in selbstverständlicher Bescheidenheit in die Hände der Freunde und habe nur den einen Wunsch, daß das Gedächtnis der in Stalingrad Gefallenen und Verschollenen unter uns lebendig erhalten bleibe.“ 

Niemand wird gerne, gerade an Weihnachten, an Stalingrad erinnert. Aber es gibt noch viele Menschen auf der Erde, die auch in der Heiligen Nacht in Stalingrad-Zuständen leben, sei es in Butscha oder Mariupol, seien es vor allem Frauen in Afghanistan oder im Iran. Ihnen ist auch heute noch dieses Gedicht gewidmet.
Auch mancher unter uns hat ja das Jahr über ein persönliches Stalingrad erleben müssen. Das Gedicht mag uns Anlass geben, der weiblichen Urkraft, die uns in der Madonna begegnen will, wieder zu vertrauen. Sie kann unsere Seele trösten und heilen, die aller Menschen!


Die Mutter Gottes von Stalingrad 
Weilt heut bei den deutschen Soldaten. 
Sie hat in der eisigen Winternacht 
der russischen Steppe sich aufgemacht, 
die Frau und die Mutter voll Gnaden.


Die Mutter Gottes von Stalingrad 
besucht heut die Ärmsten der Armen. 
Sie hocken in Trümmern in bitterster Not, 
nur einer ist nahe, und das ist der Tod; 
da will sich die Mutter erbarmen.


Die Mutter Gottes von Stalingrad,
sie kommt durch die eisigen Winde
in Hütten und Höhlen, sie findet sich ein
und lässt sich dort nieder im kärglichen Schein, 
die Frau mit dem himmlischen Kinde.


Die Mutter Gottes von Stalingrad
sitzt still bei den Jungen und Alten
Und den Männern weiten die Augen sich groß, 
sie schauen die Mutter, das Kind ihr im Schoß, 
und sachte die Hände sich falten.


Die Mutter Gottes von Stalingrad –
o hört doch, jetzt singt sie ganz leise!
Den Männern kling es wie Heimat und Licht. 
Da löst es sich heimlich im starren Gesicht. 
O Wunder der Göttlichen Weise!


Die Mutter Gottes von Stalingrad,
im weiten Gewande geborgen –
was seh ich! Jetzt breitet den Mantel sie aus!
Jetzt spricht sie: Kommt alle, ich bring euch nach Haus, 
ich will euch, die Mutter, versorgen!

Die Mutter Gottes von Stalingrad,
jetzt legt sie auf alle die Hände.
Da stillt sich der Kummer, das Leid und der Schmerz, 
da füllt sich mit Frieden das einsamste Herz, 
wird fröhlich und still bis ans Ende.


Die Mutter Gottes von Stalingrad
die weiß um unsägliche Schmerzen;
sie kennt allen Jammer, sie weiß alle Not, 
und tausendmal, tausendmal litt sie den Tod, 
sie trug doch ein Kind einst am Herzen!


Die Mutter Gottes von Stalingrad –
so kam sie, die Mutter voll Gnaden,
zu den Ärmsten der Armen in heiliger Nacht, 
weil die Mutter noch immer des Ärmsten gedacht, 
sie kam zu den deutschen Soldaten.


Die Mutter Gottes von Stalingrad,
aus Liebe vom Himmel entboten,
sie hat sie gesegnet in schauriger Welt, 
in Gräbern und Gruben, im grausigen Feld, 
die Lebenden und auch die Toten!

(zitiert nach https://bit.ly/3YLJztDc)

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EIN GESCHENK VON DIR FÜR DICH ZU WEIHNACHTEN: ⚜️ GEIST-REICH WERDEN ⚜️ Davon erzählen „Die Sterntaler“

„Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: „Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.“ Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: „Gott segne dir’s,“ und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: „Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.“ Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: „Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,“ und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.“

Wenn im Märchen Vater und Mutter sterben, dann ist es das Wissen um unsere Herkunft, die entschwunden ist. In Mythen stehen Mädchen und Frauen für die menschliche Seele. Irgendwann hat sie das Gefühl, gar nirgends mehr hinzugehören. Wie auch – ihre Heimat hat sie mit dem Tod von Vater und Mutter verloren. Mit dem sogenannten Sündenfall.
Unsere Reise durch all die Erdenwirklichkeiten beginnt.
Und sie führt dazu, dass wir zunehmend nur noch unser Herz haben, das uns dazu bringt, auch noch unser letztes Hemd herzugeben, weil wir sehen, wie wenig die Menschen doch haben, gerade die, wie wir wissen, die scheinbar reich sind – in Wahrheit haben sie doch meist nichts als ihr Geld.
Wie arm sie in Wahrheit sind.
In der dunklen Nacht der Seele geben wir alles auf und stehen nackt da. Wir haben nichts mehr.
Auf einmal meldet sich bei uns unsere wahre Heimat und sie überschüttet uns mit dem Reichtum, den nur sie hat.
Heut schleust er wieder auf die Tür, so heißt es in einem Weihnachtslied. 
Die Taler unserer wahren Heimat sind geistige Gaben, und die machen uns reich, geist-reich.
Weihnachten will das geschehen.
Immer kann Weihnachten sein.
An Weihnachten ganz besonders.

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„Die Leidenschaft bringt Leiden!“ – Lebenserfahrungen als Zugangsmöglichkeit zu geistigen Realitäten.

Goethes Gedicht „Aussöhnung“ zeigt einen möglichen Zusammenhang auf überzeugende Weise auf..

In Marienbad hatte Goethe in der Musik Trost gefunden. Anna Milder-Hauptmann hatte gesungen, vor allem aber hatte es ihm eine 28-jährige polnische Pianistin angetan, Maria Szymanowska, berühmt aufgrund der Virtuosität ihres Spiels – und ihrer Schönheit. Dann für 10 Tage zu Gast in Goethes Haus, speisen sie jeden Tag zusammen und sie spielt für ihn. Sie faltet ihn auseinander, wie man eine geballte Faust freundlich flach lässt, so gesteht er seinem Freund Zelter. Der Abschied ist herzzereißend. Die Szymanowska erscheint in schwarzem Kleid. Goethe bricht in Tränen aus, kann kaum an sich halten, blickt ihr fassungslos nach. Was sich in dem über 70-Jährigen abgespielt haben mag, bringen die folgenden Zeilen zum Ausdruck, die er der jungen Frau ins Poesiealbum geschrieben hatte:

Die Leidenschaft bringt Leiden! — Wer beschwichtigt
Beklommnes Herz, das allzuviel verloren?
Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt?
Vergebens war das Schönste dir erkoren!
Trüb‘ ist der Geist, verworren das Beginnen;
Die hehre Welt wie schwindet sie den Sinnen!

Da schwebt hervor Musik mit Engelschwingen,
Verflicht zu Millionen Tön‘ um Töne,
Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen,
Zu überfüllen ihn mit ew’ger Schöne:
Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen
Den Götter-Werth der Töne wie der Thränen.

Und so das Herz erleichtert merkt behende,
Daß es noch lebt und schlägt und möchte schlagen,
Zum reinsten Dank der überreichen Spende
Sich selbst erwidernd willig darzutragen.
Da fühlte sich — o daß es ewig bliebe! —
Das Doppel-Glück der Töne wie der Liebe.

Wenige Tage später wird er auf den Tod krank. Zelter diagnostiziert die Krankheit:„Lieb im Leib“. Eine Zeitlang muss er dem Patienten jeden Tag die Marienbader Elegie vorlesen. Goethe muss seine Liebe zu Ulrike Levetzow verarbeiten. Über Maria Symanowska aber sagt er später zu Kanzler Müller, dass diese Frau ihn sich selbst wiedergegeben habe.

Selig, wer Gefühle so leben darf und kann!

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Mit Flammenschrift ins treue Herz geschrieben – Goethes Marienbader Elegie: fromm sein durch Liebe!

Wie kaum ein anderes Werk hat Goethe seine Marienbader Elegie geliebt. Nur wenige enthalten so viel Goethe, so viel seiner tiefsten Überzeugung, die ja zugleich zutiefst religiös war. Wenn irgendwo die Aussage C.G. Jungs – anima naturaliter religiosa, dass also die Seele von Natur aus religiös sei – zutrifft, dann bei dem großen Alten aus Weimar. Für mich war und ist er die Inkarnation der religiösen Seele schlechthin. Immer lebendiger wird er in mir.

Seinem Freund Zelter, der ihn besuchte und um den Zustand Goethes wusste – Goethe litt unter den Nachwehen dieser Marienbader Liebe sehr, der Schluss des Gedichtes ist keineswegs übertrieben -, las er seine ELEGIE mehrfach vor; er hatte sie selbst sorgfältigst ins Reine geschrieben, eingebunden in rotes Maroquin-Papier und später versehen mit einem Einband, auf dem stand: Elegie, Marienbad 1823.

Nur jenes Werk, an dem er nahezu 60 Jahre arbeitete, sein Faust, erfuhr eine vergleichbare Ehre, wie ein Testament behandelt zu werden. In der Tat ist die ELEGIE ein Vermächtnis; es sollte allen Heranwachsenden in der Schule vermittelt werden, weil heute so wenig Bewusstsein über den Wert wahrer Liebe besteht. Inmitten der Marienbader Elegie finden wir ein wahres geistiges Juwel. Dazu am Schluss mehr.

Ihre Entstehung könnte fast tragikkomische Züge haben; manchem mag es scheinen, als ob sich der 72-jährige Goethe, als er sich in die 17-jährige Ulrike von Levetzow verliebte, fast oder wirklich lächerlich gemacht habe. Doch der große Weimarer hat immer mit allen Fasern seines Herzens geliebt, ob mit 18 oder mit 72 Jahren. Liebe nahm er immer ernst, auch damals. Er ließ sich ärztlich untersuchen, sein Großherzog sagte der Schwiegermutter in spe eine Stellung bei Hof und der Familie eine Pension zu; noch dazu sollte der Landesfürst Brautwerber für Goethe sein und schlussendlich schrieb der Dichterfürst einen Brief an die Mutter Ulrikes, der jene allerdings doch sehr verstörte. Kein Wunder, dass es ihr ratsam erschien, mit ihren beiden Töchtern recht überhastet Marienbad Richtung Karlsbad zu verlassen. Doch Goethe, nicht faul, reiste hinterher.

Als er einsah, dass sein Streben und Sehnen keine Erfüllung finden konnte, setzte er sich in die Kutsche nach Weimar, und von Station zu Station entstanden jene Strophen, die Ausdruck einer übergroßen Leidenschaft und Liebe bis heute sind.

Zu Beginn noch kommt sich der Liebende wie im Paradies vor, ja, er ist es; er steht vor der Pforte der Geliebten, die für ihn dem Himmelstor gleichkommt, schließlich vor ihr selbst. Doch bald schon trennt sie der letzte Kuss. Wie bei Adam und Eva findet sich von da an ein Cherub vor dem Paradies. Im Herzen jedoch bleibt die paradiesische Flamme der Liebe erhalten. Und dieses Herz findet zu jenen unvergessenen Worten über die Liebe, die nahezu einzigartig in deutscher Sprache sind.

Vor allem die Strophen 13 und 14 seien wirklich mit Flammenschrift allen Liebenden ins Herz geschrieben.

ELEGIE

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.

………………………………………….. (aus Torquato Tasso)

1

Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschlossner Blüte?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich´s im Gemüte! –
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt ans Himmelstor,
Zu ihren Armen hebt sie dich empor.

2

So warst du denn im Paradies empfangen,
Als wärst du wert des ewig schönen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen
Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Tränen.

3

Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuss, ein treu verbindlich Siegel:
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem Wandern
Wie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.

4

Der Kuss, der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß, die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.

5

Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
Dies Herz sich nie geöffnet, selige Stunden
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette
An ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Missmut, Reue, Vorwurf, Sorgenschwere
Belasten´s nun in schwüler Atmosphäre.

6

Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände,
Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Ernte, reift sie nicht? Ein grün Gelände,
Zieht sich´s nicht hin am Fluss durch Busch und Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große,
Gestaltenreiche, bald Gestaltenlose?

7

Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben
Schwebt, seraphgleich, aus ernster Wolken Chor,
Als glich es ihr, am blauen Äther droben
Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor;
So sahst du sie in frohem Tanze walten,
Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.

8

Doch nur Momente darfst dich unterwinden,
Ein Luftgebild statt ihrer festzuhalten;
Ins Herz zurück, dort wirst du´s besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu vielen bildet Eine sich hinüber,
So tausendfach und immer, immer lieber.

9

Wie zum Empfang sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf stufenweis beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuss mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte:
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben,
Mit Flammenschrift ins treue Herz geschrieben.

10

Ins Herz, das fest wie zinnenhohe Mauer
Sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret,
Für sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret,
Sich freier fühlt in so geliebten Schranken
Und nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.

11

War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden,
Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher Tat sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,
Ward es an mir aufs lieblichste geleistet;

12

Und zwar durch sie!- Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere:
Von Schauerbildern rings der Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.

13

Dem Frieden Gottes, welcher euch hinieden
Mehr als Vernunft beseliget – wir lesen´s -,
Vergleich´ ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn, ihr zu gehören.

14

In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen´s: fromm sein! – Solcher seligen Höhe
Fühl ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.

15

Vor ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor ihrem Atem, wie vor Frühlingslüften,
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert,
Vor ihrem Kommen sind sie weggeschauert.

16

Es ist, als wenn sie sagte: „Stund um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige ließ uns geringe Kunde,
Das Morgende, zu wissen ist´s verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die Sonne sank und sah noch, was mich freute.

17

Drum tu wie ich und schaue, froh-verständig,
Dem Augenblick ins Auge! Kein Verschieben!
Begegn´ ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sei´s zur Freude, sei´s dem Lieben.
Nur wo du bist, sei alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich.“

18

Du hast gut reden, dacht ich, zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes,
Und jeder fühlt an deiner holden Seite
Sich augenblicks den Günstling des Geschickes;
Mich schreckt der Wink, von dir mich zu entfernen –
Was hilft es mir, so hohe Weisheit lernen!

19

Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute,
Was ziemt denn der? Ich wüsst es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muss mich ihm entschlagen;
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rat als grenzenlose Tränen.

20

So quellt denn fort und fließet unaufhaltsam!
Doch nie geläng´s, die innre Glut zu dämpfen!
Schon rast´s und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb´s, des Körpers Qual zu stillen;
Allein dem Geist fehlt´s am Entschluss und Willen,

21

Fehlt´s am Begriff: wie sollt er sie vermissen?
Er wiederholt ihr Bild zu tausendmalen.
Das zaudert bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt, und jetzt im reinsten Strahlen;
Wie könnte dies geringstem Troste frommen,
Die Ebb und Flut, das Gehen wie das Kommen?

22

Verlasst mich hier, getreue Weggenossen!
Lasst mich allein am Fels, in Moor und Moos;
Nur immer zu! Euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und groß;
Betrachtet, forscht, die Einzelheiten sammelt,
Naturgeheimnis werde nachgestammelt.

23

Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
Sie trennen mich – und richten mich zu Grunde.

Zunächst nach Jena zurückgekehrt stürzte sich Goethe in Arbeit, um seinen Schmerz zu verarbeiten. Goethes Tränen sind grenzenlos, und doch waren sie bei ihm auch immer ein Zeichen der Verwandlung, ja Verjüngung. So jung wie in der Mitte dieses Gedichtes ist er selten:.

In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen´s: fromm sein! – Solcher seligen Höhe
Fühl ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.♥

In der Liebe vereinigt sich das Göttliche mit dem Menschlichen.

Die Hochzeit von Himmel und Erde, von Gott und Mensch, ist wahre Frömmigkeit, ist wahre Liebe.

Diese Gewissheit dürfen all die aus diesem Gedicht mitnehmen, die angesichts der Ausuferungen einer sexualisierten Gesellschaft sich unsicher geworden sind und eine Orientierungshilfe brauchen.

Liebe ist mehr als ein genitaler Akt, ist keine Sache nur von Testosteron und Östrogen.

Liebe ist Hinwendung zu Höherem, Reinen, zum ewig  Ungenannten. So heilig ist sie. Ob körperlich oder geistig.

Wenn beides nur Hand in Hand geht.

Zu dieser Thematik, siehe auch den Post
Wenn Sterne Wellen der Liebe lenken:
Über Friedrich Hebbels „Das Heiligste“
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Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. – Mehr unter diesem LINK

 

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Bei C.G. Jung spukte es im Außen – bei vielen von uns spukt es im Inneren (und wir halten diesen Spuk für normale Realität)

Es war die Zeit vor der Abfassung der“Septem Sermones ad Mortuos“, sieben Predigten, die an die Toten gerichtet waren, als C.G. Jung sich intensiv mit dem Unbewussten beschäftigte. Es war auch jene Lebensphase (ab 1914), als das berühmt-berüchtigte Rote Buch entstand, das seine Familie noch viele Jahre nach seinem Tod unter Verschluss hielt. Er schrieb in ihm von 1914 bis 1930, beginnend damit, als er in einer tiefen Krise war und an der Menschheit glaubte, verzweifeln zu müssen.  

Den einzigen Teil, den er privat drucken und an dem er Ausgewählte teilhaben ließ, waren obige sieben Predigten. Im Anhang seiner Autobiographie „“Erinnerungen, Träume, Gedanken …“ ist allerdings zu lesen: „Später bezeichnete er die Unternehmung als Jugendsünde und bereute sie.“ Ob damit die Veröffentlichung gemeint ist oder das Schreiben der Predigten, ist leider nicht ersichtlich. Das Original-Zitat kenne ich leider nicht. 

Seine Erinnuerungen an diese Zeit finde ich aus mehreren Gründen bemerkenswert – es heißt in seiner Autobiographie:

Ganz allmählich zeichnete sich ihn mir eine Wandlung ab. Im Jahre 1916 spürte ich einen Drang zur Gestaltung: ich wurde sozusagen von innen her gezwungen, das zu formulieren und auszusprechen, was gewissermaßen von Philemon hätte gesagt werden können. So kamen die „Septem Sermones ad Mortuos“ mit ihrer eigentümlichen Sprache zustande. 

Es begann damit, dass eine Unruhe in mir war, aber ich wusste nicht, was sie bedeutete, oder was „man“ von mir wollte. Es war eine seltsam geladene Atmosphäre um mich herum, und ich hatte das Gefühl, als sei die Luft erfüllt von gespenstischen Entitäten. Dann fing es an, im Hause zu spuken: meine älteste Tochter sah in der Nacht eine weiße Gestalt durch Zimmer gehen. Die andere Tochter erzählte – unabhängig von der ersten – es sei ihr zweimal in der Nacht die Decke weggerissen worden, und mein neunjähriger Sohn hatte einen Angsttraum. Am Morgen verlangte er von der Mutter Farbstifte, und er, der sonst nie ein Bild gemalt hätte, zeichnete den Traum. Er nannte es „Das Bild vom Fischer“. Durch die Mitte des Bildes läuft ein Fluss, ein Fischer mit einer Angelrute steht am Ufer. Er hat einen Fisch gefangen. Auf dem Kopf des Fischers befindet sich ein Kamin, aus dem Feuer schlägt und Rauch aufsteigt. Von der anderen Seite des Ufers kommt der Teufel durch die Luft geflogen. Er flucht, dass ihm die Fische gestohlen würden. Aber über dem Fischer schwebt ein Engel, der sagt: „Du darfst ihm nichts tun: er fängt nur die bösen Fische!“ Dieses Bild hatte mein Sohn an einem Samstagmorgen gezeichnet.  

Am Sonntag gegen 5 Uhr nachmittags läutet es an der Haustür Sturm. Es war ein heller Sommertag und die zwei Mädchen waren in der Küche, von der man den offenen Platz vor der Haustür übersehen kann. Ich befand mich in der Nähe der Glocke, hörte sie und sah wie der Klöppel sich bewegte. Alle liefen sofort an die Tür, um nachzuschauen, wer da sei, aber es war niemand da! Wir haben uns nur so angeschaut! Die Luft war dick, sage ich Ihnen! Da wusste ich: jetzt muss etwas geschehen. Das ganze Haus war angefüllt wie von einer Volksmenge, dicht voll von Geistern. Sie standen bis unter die Tür, und man hatte das Gefühl, kaum atmen zu können. Natürlich brannte in mir die Frage: „Um Gottes willen, was ist denn das?“ Da riefen sie laut im Chor:„Wir kommen zurück von Jerusalem, wo wir nicht fanden, was wir suchten.“ Diese Worte entsprechen den ersten Zeilen der „Septem Sermones ad mortuos“.  

Dann fing es an, aus mir rauszufließen, und in drei Abenden war die Sache geschrieben. Kaum hatte ich die Feder angesetzt, fiel die ganze Geisterschar zusammen. Der Spuk war beendet. Das Zimmer wurde ruhig und die Atmosphäre rein. Bis zum nächsten Abend hatte sich wieder etwas angesammelt, und dann ging es von neuem so. Das war 1916. (…)

Davon abgesehen, dass ich die Forschungsergebnisse Jungs heute spirituell für nicht mehr zielführend halte, wobei sie das Bewusstsein unserer Gesellschaft bisher maßgeblich mitgeprägt haben – ich denke da an die Archetypen der Anima und des Animus -, vermute ich, es spukt auch heute – den Begriff „Spuk“ halte ich im Übrigen für ziemlich unglücklich, weil irreführend -, allerdings im Inneren der Menschen, wobei sie diesen sogenannten Spuk recht stolz für ihre innere Realität halten. Doch ist es eben meist nicht die ihre. 

Alle Kräfte des Kosmos, sowohl die dunklen als auch die lichtvollen, denken und fühlen und wir sind oft genug die Briefkästen und Adressaten. Und wenn man unsere Welt derzeit anschaut, dann sind die dunklen, irreleitenden Kräfte im Erreichen der Adressaten, also uns, wesentlich erfolgreicher. 

Was schafft Abhilfe? 

Ein Kater. 

Er ist in der Lage, den – wie es in der Gralsmythe des Wolfram von Eschenbach heißt – Zauber des Clinschor zu bannen. 

Man muss dieses Bewusstsein und seine Fähigkeit nicht in der Gestalt eines Katers erfassen, aber das Märchen vom gestiefelten Kater tut es, und wenn man dieses Märchen versteht und sich danach ausrichtet, könnte die Erde binnem Kurzem ein ganz anderes Bewusstsein haben. 

Dazu im nächsten Beitrag mehr. 

Wer das Märchen vom ´Gestiefelten Kater´schon einmal lesen möchte: https://bit.ly/3RKhQ82

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´Umkreisen´ allein genügt nicht! – Rilke, Gott, Maria, die Mutter und seine überbordende weibliche Seite …

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Gottes Sohn hat Rilke, weiß Gott verachtet, was nicht nur in den Christus-Visionen deutlich wird (https://bit.ly/2WwYPJO), sondern auch in dem Satz eines Briefes aus dem spanischen Ronda, in dem es in Zusammenhang mit Mohammed – Rilke las gerade den Koran – heißt:

wie ein Fluss durch ein Urgebirge, bricht er sich durch zu dem einen Gott, mit dem sich so großartig reden lässt jeden Morgen, ohne das Telefon „Christus“, in das fortwährend hineingerufen wird: Hallo wer dort? – Und niemand antwortet.

Oder wenn er schreibt:

Für junge Menschen (…) ist Christus eine große Gefahr, der allzu Nahe, der Verdecker Gottes.

Und Gott kann auch schon mal etwas schlechter wegkommen, jedenfalls ist auf dem Hintergrund des Eindruckes seiner Russlandreise zu lesen:

Du bist der raunende Verrußte,
auf allen Öfen schläfst Du breit.

In Bezug auf was Rilke allerdings überhaupt nie genug bekommen konnte, war alles im Zusammenhang mit der Gottesmutter – und das hatte er gemeinsam mit der eigenen, mit der ihn durchaus eine gewisse Hassliebe verband (das mag einer der wichtigsten Gründe für die 1134 Briefe an sie gewesen sein …)

Heimo Schwilk schreibt in seinem Buch über Rilke und die Frauen:

Auf seinen zahllosen Reisen besucht Rilke jedes Marienheiligtum, das auf dem Weg liegt. Wenn er hier eine Kerze für seine Mutter anzündet und vor dem Bild der Mutter Gottes niederkniet, dann öffnet sich eine unsichtbare Tür. Er tritt ein und befindet sich wieder in jenem inneren Raum der Anbetung, der ihm seit früher Kindheit vertraut ist. Rilke und seine Mutter glauben an die Kraft des Gebetes und der positiven Gedanken. Eine Kerze in Avignons Kirche Vierge de la Délivrance oder vor der Madonna auf dem Mont Saint Michel oder am Sophientag vor dem Bild der Madonna in Santa Maria Formosa in Venedig angezündet, konnte ein Wunder bewirken. Die Kerze leuchtet daher nicht nur an dem Ort, wo sie entflammt wird, ihr Licht dringt durch unsichtbare innere Räume zur Mutter. In diesen Ritualen sind Raum und Zeit aufgehoben. Der Sohn kniet dann wieder neben der Mutter und die Mutter neben dem Sohn. Jeder erfährt in seinem Alleinsein die Nähe und Geborgenheit im anderen. In seiner Kriegsdichtung Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke (Der Cornet, 1899) wird Rilke die Mutter zur Gottesmutter erhöhen, eine Sakralisierung des Weiblichen, die auch in allen späteren Beziehungen zu Frauen mitschwingt.

Zunächst allerdings wird Rilke nach der Schule der Vorstellung ade sagen, dass Gott Gebete erhöre und er wird auch auf Distanz zur Mutter gehen, die er zum Teil gegenüber anderen ganz ordentlich beschimpft und verantwortlich sieht für zahlreiche Verletzungen. Sein sich wandelndes Verhältnis zu Gott kann hier allerdings nicht ansatzweise angesprochen sein; zu viel gäbe es da zu erwähnen, u.a. dass er für mich zu jenen gehört, die – ich nehme vielleicht die letzten Jahre aus – nicht wirklich näher zu Gott vorgedrungen sind, sondern auf der Engelebene oder der eigenen Gestalt ihres letzten Devachanaufenthaltes kleben geblieben sind – Rudolf Steiner macht auf diesen Tatbestand mehrfach aufmerksam, der auf Millionen von Menschen der Vergangenheit und Gegenwart, so glaube ich, zutrifft (mehr dazu hier: .https://bit.ly/3d5BtsN)

Hinter den vielen Engelgedichten und jenen, in denen Gott angesprochen wird, steht jedenfalls weitaus mehr spirituelles Drama, als jene, die Rilkes Gedichte so gern in Poesiealben schreiben oder in Predigten zitieren, vermuten.

Rilke hat um Gott gerungen, aber meistens wohl hat er mit seinem Engel gerungen.

Ich werde in der Facebook-Gruppe Spirituelles Reifen mittels kosmischer Ebenen und heilsamer Weiblichkeit bei Gelegenheit auf das Dilemma eingehen, das vorliegt, wenn eine weibliche Seite (im Mann) auf Kosten der männlichen überbordet, weil vielleicht der Sohn den Schlüssel unter dem Kopfkissen der Mutter nicht geklaut hat, um den wilden Mann in sich zu befreien, wie das Grimm-Märchen Eisenhans dringend empfehlen will (dazu hier demnächst mehr).

Vor Rilke als einem verzweifelt Suchenden habe ich großen Respekt! Ich wünsche, dass ihm gelinge, was Steiner in seinem Grundsteinspruch (https://bit.ly/3Q666fM) für mich eindrucksvoll formuliert, wenn er davon spricht, das eigene Ich im Gottes-Ich aufgehen zu lassen oder Angelus Silesius zu bedenken gibt, wenn er formuliert:

Halt an wo lauffstu hin / der Himmel ist in dir:
Suchstu GOtt anders wo / du fehlst Jhn für und für.

Mein Respekt vor Rilke gründet sich auch auf seinen letzten Tagebucheintrag, der zeigt, wie tapfer der Mann gelitten hat und fast die Vermutung nahelegt, Rilkes Umgang mit dem Schmerz – bis zuletzt lehnt Rilke jede medizinische Intervention ab, er starb an einer seltenen Form der Leukämie – lasse ihn hoffen, dass hinter seinem Ertragen ein Bewusstsein enthalten sei, dass keine Geheimnisse mehr kenne:

Komm du, du letzter, den ich anerkenne,
heilloser Schmerz im leiblichen Geweb:
wie ich im Geiste brannte, sieh, ich brenne
in dir; das Holz hat lange widerstrebt,
der Flamme, die du loderst, zuzustimmen,
nun aber nähr’ ich dich und brenn in dir.
Mein hiesig Mildsein wird in deinem Grimmen
ein Grimm der Hölle nicht von hier.
Ganz rein, ganz planlos frei von Zukunft stieg
ich auf des Leidens wirren Scheiterhaufen,
so sicher nirgend Künftiges zu kaufen
um dieses Herz, darin der Vorrat schwieg.
Bin ich es noch, der da unkenntlich brennt?
Erinnerungen reiss ich nicht herein.
O Leben, Leben: Draussensein.
Und ich in Lohe. Niemand, der mich kennt.

[Verzicht. Das ist nicht so wie Krankheit war
einst in der Kindheit. Aufschub. Vorwand um
grösser zu werden. Alles rief und raunte.
Misch nicht in dieses was dich früh erstaunte]

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Von heiterem, hellem Wasser und dem Andrang von Brüsten: Rainer Maria Rilke und ein Augenblick.

An der sonngewohnten Straße, in dem
hohlen halben Baumstamm, der seit lange
Trog ward, eine Oberfläche Wasser
in sich leis erneuernd, still ich meinen
Durst: des Wassers Heiterkeit und Herkunft
in mich nehmend durch die Handgelenke.
Trinken schiene mir zu viel, zu deutlich:
aber diese wartende Gebärde
holt mir helles Wasser ins Bewußtsein.

Also, kämst du, braucht ich, mich zu stillen,
nur ein leichtes Anruhn meiner Hände,
Sei´s an deiner Schulter junge Rundung,
sei es an den Andrang deiner Brüste.

´

Nein, er trinkt nicht, der Rainer Maria Rilke, beim Verfassen des Gedichtes 48 Jahre alt (1875 geboren). Aber wie so oft, macht er einen Augenblick zur Welt.

Das kann uns derzeitigen Weltbürgern nicht schaden, zerrinnen uns doch die Augenblicke zunehmend in ein Nichts.


Hier macht einer den Augenblick wertvoll, lässt uns daran denken, ob wir selbst heute noch so einfach Wasser aus einem Trog trinken würden bei all den Umwelt-Zeigefingern, die uns bedrängen.

Durststillen mittels heiterem, hellem Wasser.

Dessen Herkunft gedenken.

Deutlich wird, warum Literatur, warum Lyrik, warum Worte so wertvoll sein können; sie tauchen fast Verlorenes in ein aufscheindes Licht.

Dann wird deutlich: der 48-Jährige ist verliebt in eine junge Frau und mindestens genauso gern würde er sich stillen, diesen besonderen Durst nach ihr stillen mit einer Sanftheit, die der Weise seines Liebens entspricht – und er erfindet dafür ein Wort: Anruhn.

Und noch ein Wort erfindet er, ein Bild erfindet er, das deutlich macht, dass es schon Wünsche in ihm gibt, wenn er vom „Andrang deiner Brüste“ spricht.


Den Trog gibt es, das Wasser gibt es, die Gebärde gibt es. Nur ob es die Geliebte gibt, das ist, angesichts des Konjunktiv II von „kämst du“ nicht sicher.


Man würde es ihm, dem Rainer Maria, ursprünglich auf René Karl Wilhelm Johann Josef Maria getauft, gönnen, einem, der Zeit seines Lebens der irdischen Liebe hinterherlief, sie nie wirklich fand und sie gern deshalb ins Religiöse stilisierte?

Ich glaube, das wäre angesichts dieser spürbar alten Menschenseele zu einfach.

Doch dieses Kapitel, wie sehr einer unter einer fehlenden männlichen Seite leiden konnte, das schlagen wir hier nicht auf.

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Dann doch lieber nicht lesen können – Heinrich Heines „Dummköpfe“!

Kapitel XII

Die deutschen Zensoren – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –Dummköpfe – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

(aus Heinrich Heine, „Reisebilder“)

`

Heute auf Facebook veröffentlicht:

Blöd, dass in dem folgenden Zitat das Wort mit > 1x C, 2x O, 1x R, 1x N und 1x A < vorkommt. Womöglich würde das Zitat (Quelle NDR), wie schon mein letzter Beitrag gestern, wieder durch Facebook vom Netz genommen, weil er erneut gegen „unsere Gemeinschaftsstandards“ verstößt, denn hier erlaubt sich tatsächlich auch jemand, Kritik an der Spritzware zu äußern:

„Der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Pedram Emami, hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für seinen Vorschlag kritisiert, auch unter 60-Jährige ein viertes Mal gegen > 1x C, 2x O, 1x R, 1x N und 1x A < zu > 1x I, 1x M, 1x P, 1x F, 1x E und 1x N. Dies zum Regelfall zu erklären, finde er befremdlich, sagte er am Freitag im Hamburg Journal im NDR Fernsehen.“

Das erinnert mich an die Heine-Zeit (1. Hälfte 19. Jahrhundert, Vormärz), wo man kritische Bücher im Bibel-Cover über die Landesgrenzen geschmuggelt hat. Das hat ja auch meist geklappt, weil doch einige Zensoren gar nicht lesen konnten … Heute können sie lesen, aber wegen des fehlenden Rückgrates nur noch gebückt gehen … (dann doch lieber nicht lesen können).

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