Von einem heiligen Raum, der wartet, bis wir eintreten: Georg Trakls „Ein Winterabend“.

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Über Johannes G. Klinkmüller

Ich lebe und arbeite am Fuße der Rhön, in Bad Kissingen, und genieße die Saale, die Wiesen, den so vielfältigen Wald und die bemerkenswerten Veränderungen im Jahresverlauf. – Mein Interesse gilt, wie sich in Mythen und der Literatur die Entwicklung des Menschen spiegelt. Ohne den Prometheus in uns kommen wir nun eben mal nicht zu wahrem Bewusstsein und möglich, ja wahrscheinlich ist, dass wir als Kain Abel erschlugen; doch wenn es gutgeht, laufen wir mittlerweile auf dem Gralsweg des Parzival; dazu ist es notwendig, sich zu erlauben, wie jener den eigenen Karfreitag zu erleben. Ich glaube, dass Philosophen und Dichter früherer Zeiten ein höheres spirituelles Bewusstsein hatten, ob sie Platon, Wolfram von Eschenbach, Dante oder Goethe hießen; viel von ihrem Bewusstsein hat die Hochkonjunktur des Rationalen und des Materialismus verschüttet (eine für die Entwicklung des Menschen notwendige Phase, die nun allerdings vorübergehen sollte!). - Vor allem Michael Ende schließt an die Tradition der großen Alten an; seine "Unendliche Geschichte" beleuchtet eine mögliche Reise zu sich selbst durch die Heilung der kindlichen Kaiserin in uns. Sie steht stellvertretend dafür, dass in Menschen unserer Zeit ein entsprechendes Bewusstsein erwacht, wenn auch der Hype vom Wassermannzeitalter einer falsch verstandenen Esoterik viel Unheil angerichtet hat. - Viele der großen Dichter, heißen sie Schiller, Hofmannsthal, Rilke oder Trakl wollen auf dem Hintergrund ihrer Zeit und ihres Lebens verstanden sein und können damit Anregungen geben, uns und unsere Zeit zu verstehen. Gerade gilt mein Interesse Hölderlin und viel von mir finde ich in ihm wieder (was nicht heißt, dass ich glaube, ihm nur annähernd das Wasser reichen zu können). Es dauert noch ein bisschen, bis sich der gute Hölderlin in Posts niederschlägt :-)
Dieser Beitrag wurde unter Fülle des Lebens, Gedicht, geistige Welt, Leben und Tod, Symbol als Wirklichkeit abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Von einem heiligen Raum, der wartet, bis wir eintreten: Georg Trakls „Ein Winterabend“.

  1. Ulrich Schönberger schreibt:

    Lieber Herr Klinkmüller,

    bei der Suche nach Reinhold Schneiders „Nur den Betern kann es noch gelingen“ bin ich über Ihren Blog gestolpert.
    Der finstere Trakl, den ich dann gleich an der Seite fand, hat mich immer fasziniert und ist doch so schwer zu verstehen.
    Kann man es aber nicht auch einfacher sehen? Trakl beschreibt den Weihnachtsabend, der so viele ruft die frohe Botschaft anzunehmen, dem so wenige folgen, und an dem sich schließlich nur ein verirrter Wanderer in der Kriche findet. Auf dem Tisch – dem Altar – Brot und Wein als Kern der Wandlung?
    Der Wanderer auf dunklen Pfaden ist auch ein Suchender, wie Trakl, oft verzweifelt. weil er den Weg verloren hat. Die Pfade sind Dunkel, nicht die hell erleuchteten, auf denen die Vielen gehen. Dunkel sind vielleicht auch die Gestalten die sich dort finden, und doch ist es einer von Ihnen, der schließlich den Weg findet.

    Das ist zugegeben eine aus der Hüfte geschossene Interpretation, die Ihrer wissenschaftlichen Tiefe entbehrt.

    Gerne würde ich der Dordogne Grüße ausrichten. Am Wochenende starte ich mit meinem großen Sohn eine Wanderung durch die Auvergne, Wir werden bei Mont-Dore auch die Dordogne überqueren, ich meine sogar, sie entspringt dort.

    Mit den besten Grüßen aus Creglingen

    U. Schönberger

  2. Lieber Herr Schönberger,

    danke für Ihren Kommentar.
    Ich finde, Ihre Sicht unterscheidet sich kaum von der meinen, schließlich ist Weihnachtsabend nicht nur der 24. Dezember, sondern immer dann, wenn man zu jenem Kind in der Krippe einkehrt, ein Kind, das in jedem von uns ist – wir müssen es nur ent-decken.

    Ich hoffe, Sie haben der Dordogne Grüße ausgerichtet und Ihr Urlaub, Ihre Wanderung war schön. Man bringt ja immer einen Rucksack voller Erinnerungen mit zurück, von denen die Seele noch lange zehrt.

    Liebe Grüße und einen schönen Spätsommer wieder zu Hause,
    Johannes Klinkmüller

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