„Im ersten Licht“! Christlich-spirituelle Lyrik vorgestern und gestern – ob sie sich heute nur tarnt?

„und wenn ich dann im ersten Licht / deinen fetten Arsch sehe“ – Diese zwei Zeilen fand ich in einem zeitgenössischen Gedicht, als ich aufgrund von dessen Überschrift wähnte, es könne ein spirituelles sein. In Bezug auf vergangene Jahrhunderte hatte sich im Rahmen meiner Vorbereitung für den Themenabend des Bad Kissinger Literaturkreises zu christlich-spiritueller Lyrik mehr als genug Material angeboten. Schließlich gehören zu ihr nicht nur die Gedichte Dietrich Bonhoeffers, Reinhold Schneiders oder von Ricarda Huch, sondern auch die eindringliche Lyrik des Barock und das Liedgut, das vielleicht weltweit seinesgleichen sucht und sich mit Namen wie Martin Luther, Paul Gerhardt und Gerhard Tersteegen verbindet. Auch Goethes Selige Sehnsucht wollte einbezogen sein, Hofmannsthals Weltgeheimnis und ein Nietzsche, ein Wilhelm Busch, eigentlich auch Novalis, Mörike, Mascha Kaléko und andere. Als ich jedoch nach zeitgenössischer spiritueller Lyrik fahndete – u.a. in Conradys dicker Gedichtanthologie und im letzten Band von Reich-Ranickis 1000 Deutsche Gedichte, begegnete ich u.a. obigen Zeilen und empfand doch den Unterschied zu vergangenen Epochen recht krass, wenn es auch überhaupt nicht sinnvoll ist, hier Wertungen vorzunehmen, weil sie ein Verständnis für die Zeit, in der wir leben, untergraben.

Zweifelsohne sind die folgenden Ausführungen insgesamt recht umfangreich und sind nicht für Schnell-Leser oder Wegklicker geeignet; aber das wollen sie auch nicht sein; dazu ist das Thema zu wertvoll.

Bevor ich zu zeitgenössisch „spiritueller“ Lyrik komme, möchte ich drei Gedichte einbringen, die als ein gewisser Maßstab für das gelten mögen, was mir als spirituelles Gedicht zusagt; Kriterium ist für mich – und das ist gewiss subjektiv -, ob ich dem jeweiligen Gedicht anzuspüren glaube, dass es aus tiefem Inneren geschrieben ist, von einem Menschen, dem ich eben auch eine gewisse Tiefe anzuspüren glaube.

Eines dieser Gedichte ist Bonhoeffers (1906 – 1945) weithin und früher vielfach auswendig gelerntes Von guten Mächten wunderbar geborgen, das viele sicherlich kennen und das er, ohne es zu wissen, zu seinem letzten Silvester schrieb, das er erleben durfte, bevor er im Konzentrationslager Flossenbürg grausam hingerichtet wurde:

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

.

Das zweite ist von Reinhold Schneider, der nur knapp dem Schicksal Bonhoeffers entging. Sein 1936 geschriebenes Gedicht wurde 1941 veröffentlicht (wie mutig!). Es ist in Sonettform geschrieben, bestehend also aus zwei Quartetten und zwei Terzetten, eine Form, die spirituellen und tiefgehenden Inhalten sehr entgegenkommt:

Allein den Betern kann es noch gelingen
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug‘ entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

.

Ein Sonett weist im ersten gegenüber dem zweiten Quartett gern Gegensätze auf (hier BeterTäter), die dann in den Terzetten oft in eine höhere Erkenntnis münden. Auch die Reimform ist mitunter ungewöhnlich, hier gleichen sich erstes und zweites Quartett; sie weisen einen umarmenden Reim auf; in den Terzetten reimen sich die entsprechenden Verse (abc – abc).

Das dritte Gedicht ist von Ricarda Huch (1864-1947), Schriftstellerin, Philosophin, Historikerin.
Eine beispielhafte Information zu ihrem Leben aus Wikipedia vermittelt einen Eindruck von ihrer großen Persönlichkeit:

>Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verweigerte Ricarda Huch eine von den Mitgliedern der Preußischen Akademie der Künste verlangte Loyalitätserklärung gegenüber dem neuen Regime mit der Begründung, dass sie „… verschiedene der inzwischen vorgenommenen Handlungen der neuen Regierung aufs schärfste mißbillige“.<   –  Mutig!

Ihr Werk Luthers Glaube finde ich absolut lesenswert und ich zitiere im Folgenden eine meiner Lieblingsstellen (man denkt unwillkürlich an den schweren Kelch, von dem Bonhoeffer spricht):

Die meisten Berufenen scheitern daran, dass sie nicht kämpfen und leiden wollen. Sie möchten wohl Auserwählte sein, aber, wie Papageno [in Mozarts Zauberflöte; J.K.], nicht durch Feuer und Wasser gehen, und gleichen Frauen, die sich nach Kindern sehnen, aber die Qual, sie zu tragen und hervorzubringen, nicht auf sich nehmen mögen. Es gibt Menschen, die dem Leiden ausweichen, und es gibt Menschen, die das Leiden suchen und denen das Leiden ausweicht; wen Gott auserwählt hat, dem zwingt er das Leiden auf. Und zwar zwingt er es ihm auf durch das Mittel, durch welches er überhaupt im Menschen wirkt, nämlich durch das Herz; insofern nun jedem sein Herz selbst angehört, macht jeder sich sein Schicksal selbst.

Ihre tiefe Religiosität ist in all ihren Schriften spürbar, ganz besonders auch in ihrem folgenden Sonett:

Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen zu betreten,
Dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

.

Nun zu den Gedichten, die ich aufgrund meines Durchblätterns des zehnten Bandes von Reich-Ranicki rasch zu finden hoffte – was sich als ein Irrtum erwies, weshalb ich mir im Inhaltsverzeichnis einige anstrich, die aufgrund des Titels einen Spiritualitäts-Verdacht aufkommen lassen konnten – viel mehr als vier fand ich nicht; das erste im Folgenden:

Nicolas Born (1937 – 1979) Es ist Sonntag

Es ist Sonntag
die Mädchen kräuseln sich und Wolken
ziehen durch die Wohnungen –
wir sitzen auf hohen Balkonen.
Heute lohnt es sich
nicht einzuschlafen
das Licht geht langsam über in etwas
Bläuliches
das sich still auf die Köpfe legt
hier und da fällt einer
zusehends ab
die anderen nehmen sich
zusammen.
Diese Dunkelheit mitten im Grünen
dieses Tun und Stillsitzen
dieses alles ist
der Beweis für etwas anderes

.

Hadayatullah Hübsch (1946 – 2011), ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Aktivist der 68er-Bewegung und langjähriger Pressesprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e. V. hat das Gedicht Borns auf zwei Seiten interpretiert. Hübsch war in der Nuur-Moschee in Frankfurt Imam Dschuma (Leiter der Freitagspredigt). Mit bürgerlichem Namen Paul-Gerhard Hübsch, veröffentlichte er über 100 Bücher. Bei Wikipedia heißt es über ihn:

„Um 1970 erschienen noch unter dem Namen Paul-Gerhard Hübsch mehrere Gedichtbände bei Luchterhand, im Maro Verlag und in der Verlagsedition Dittmer. Acht Jahre war Hübsch für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig, die auch seine Gedichte veröffentlichte, bis er 1979 nach seiner Konversion zum Ahmadiyya-Islam eine bekannt gewordene Kündigung bekam, in der es zur Begründung heißt, Hübsch sei „eine außergewöhnliche, jeglichen bürgerlichen Rahmen des Abendlands sprengende Erscheinung“.

Er schrieb auch für Die Welt, die taz und die Süddeutsche Zeitung sowie diverse alternativen Literaturzeitschriften. Von 1991 bis 1998 war er dazuhin Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller in Hessen und arbeitete für den Ethikrat des Landes. Ein, wie es scheint, durchaus im Leben stehender Mann.

Zu Borns Gedicht nun schreibt Hadayatullah Hübsch bei Reich-Ranicki:

”Ich mag diese geheimnisvollen Stunden, denen Born auf der Spur ist, ich mag seine Traumwelt von morgen, die wir, ohne schlaflos zu sein, in diesen Zeilen wiederfinden. Es ist die gelebte, geliebte Vorstellung von den anderen Welten in uns und außer uns, die den Weg zeigen, zum Paradies. (…) Wer sich zusammennimmt, wird wieder ganz. Keine panische Krankheit befällt ihn. (…) Ich gehe mit Born, weil er mich an seinen feinfühligen Zeilen teilhaben lässt, weil er nicht aufhört zu sagen, dass wir auch morgen noch anwesend sein können. (…) Wir werden aufgefordert, den neuen Menschen in uns entstehen zu lassen. Wir werden die geflüsterte Nachricht von der Anderen Welt in uns aufnehmen und das Warten lernen.”

Weg zum Paradies? Ganzheit, der man zugeführt werden kann?
Ich lese bei Born gewiss von einem bläulichen Licht, das sich auf die Köpfe legt, aber auch von abfallenden Köpfen, von Leuten, die sich zusammennehmen, von Dunkelheit, Tun und Stillsitzen als einem Beweis für etwas Anderes. – Ich bin mir nicht sicher, ob Hübsch und ich dasselbe Gedicht gelesen haben :-(

Angekreuzt hatte ich mir auch Stadtkirche am Vormittag, geschrieben von Rainer Malkowski (1939 – 2003). Zunächst bei Berliner Zeitungsverlagen tätig, arbeitete er etliche Jahre in der Werbung und war zuletzt Geschäftsführer und Teilhaber einer großen Werbeagentur, bevor er sich nach frühen literarischen Versuchen ganz dem Schreiben widmete.
Bei Reich-Ranicki lese ich unter Stadtkirche am Vormittag folgende Malkowski-Zeilen:

Wer die Tür nicht festhält,
löst einen Schuss aus:
Totenstille danach im Kirchenschiff.

Die alte Frau in der letzten Bank,
vornübergenickt,
rührt sich nicht

Das Haus des Lebendigen –

erhellt durch eine Orange,
die in der Dämmerung allmählich
aus dem Einkaufsnetz der Frau
zu leuchten beginnt.

.

In einem Gedicht von Malkowski heißt es:
„So kann man leben: / jeden Tag ein paar Sätze aufschreiben. / Andere sind Arzt / oder fahren einen Omnibus“ (es geht mir selbst nicht um eine Wert-Bewertung dieser Tätigkeiten, nur dachte ich eigentlich schon, dass Schreiben mehr mit dem eigenen Inneren zu tun hat als Omnibusfahren).

Was mir auffiel:

Strophe 1: Mit 13 Worten erfasst und bringt Malkowski eine Situation auf den Punkt, die fast jeder kennt (ich erinnere mich an solche Schüsse).
Strophe 2: Kirchen sind immer wieder mal, wenn man sie beispielsweise auf der Durchreise betritt, totenstill, ja fast abweisend, nichtssagend (mir geht es so); leblos sind da, wirken da selbst Lebewesen, die sich dort aufhalten. – Das erfasst Malkowski mit wenigen Worten.
Strophe 3: Ein Versprechen, das sich subjektiv oft nicht einlöst. Wie gesagt, Kirchen können kalt und abweisend wirken bzw. sein. Ob Malkowski diese Zeile ironisch meint?
Strophe 4: Ausgerechnet Materielles wird an einem Ort wichtig (und fängt an zu leuchten), an einem Ort, der doch eigentlich Immaterielles betont sehen möchte.
Man könnte den Schluss auch als bewusst antireligiös gedacht lesen (nicht der Lebendige leuchtet, sondern eine Orange …) – um das selbst mit aller Vorsicht beantworten zu können, müsste man Malkowski oder zumindest weitere Teile seines Werkes kennen.

Die Frage, die sich mir aufgrund der Zeilen stellte:
*  Wenn ich in eine Kirche gehe: Will ich dann etwas finden, was ich nicht habe?
*  Oder will ich etwas finden, das ich eigentlich bei mir/ in mir habe?
….Was mir zu finden vor allem bzw. nur in der Kirche gelingt?

In der Kirche gewinnt im Gedicht auf einmal das Materielle Gewicht.
Es beginnt zu leuchten.
Die alte Frau ist sich dieses Leuchtens nicht bewusst.
Vielleicht wäre sie nicht so leblos, wenn sie wüsste, dass die Orange zu leuchten beginnt.
Vielleicht täte es ihr gut?
Ob dann auch ihr Seelisches zu leuchten begänne?

Das dritte Gedicht mit dem Titel Mit Blick auf den Kölner Dom ist von Doris Runge (*1943) verfasst. Die Überschrift erinnerte mich an den Anblick des Straßburger Münsters und Goethes Zeilen dazu – hier ein Auszug:

Mit welcher unerwarteten Empfindung überraschte mich der Anblick, als ich davortrat. Ein ganzer, großer Eindruck füllte meine Seele, den, weil er aus tausend harmonierenden Einzelnheiten bestand, ich wohl schmecken und genießen, keineswegs aber erkennen und erklären konnte. Sie sagen, daß es also mit den Freuden des Himmels sei, und wie oft bin ich zurückgekehrt, diese himmlisch-irdische Freude zu genießen, den Riesengeist unsrer ältern Brüder in ihren Werken zu umfassen. Wie oft bin ich zurückgekehrt, von allen Seiten, aus allen Entfernungen, in jedem Lichte des Tags zu schauen seine Würde und Herrlichkeit. Schwer ist’s dem Menschengeist, wenn seines Bruders Werk so hoch erhaben ist, daß er nur beugen und anbeten muß. Wie oft hat die Abenddämmerung mein durch forschendes Schauen ermattetes Aug mit freundlicher Ruhe geletzt, wenn durch sie die unzähligen Teile zu ganzen Massen schmolzen und nun diese, einfach und groß, vor meiner Seele standen und meine Kraft sich wonnevoll entfaltete, zugleich zu genießen und zu erkennen. Da offenbarte sich mir in leisen Ahndungen der Genius des großen Werkmeisters. Was staunst du? lispelt‘ er mir entgegen. Alle diese Massen waren notwendig.

Goethe schrieb seinen berühmten Aufsatz, um dem Baumeister des Domes, einem Erwin von Steinbach (um 1244 – 1318) Ehre zu erweisen.

Hier nun Doris Runges (*1943) Mit Blick auf den Kölner Dom

wir sehen nicht
was wir wissen
den doppellauf
der türme
den himmlischen
rücken küssen
wir frühstücken
apfel und ei
erkennen
daß wir im nebel
reisen müssen

.

Vielleicht liegt es noch an Malkowskis Schuss in der Kirche, dass ich bei doppellauf eher an den Doppellauf eines Gewehres dachte als an Dom-Türme – „Jagdlied” heißt allerdings auch der erste Gedichtband Doris Runges.
Bei dem himmlischen Rücken handelt es sich wohl um den des Partners oder der Partnerin – ob das lyrische Ich, das sich hier zu Wort meldet, ein Mann oder eine Frau ist, bleibt unklar.
Das Gedicht bezieht sich wohl auf einen Blick aus einem Kölner Hotelfenster, wobei man eben – siehe den Anfang – sich den Kölner Dom mit seinem doppellauf denken muss, weil er nicht zu sehen ist.

Keine Frage: Wirklichkeit fangen die zitierten Gedichte alle ein, jedes auf seine Weise, und man muss dieses Einfangen nicht beurteilen – wenn man sich auch einer gewissen Wertung wird vielleicht nicht enthalten können oder wollen . . . Sicherlich enthalten sie eine gewisse Spiritualität bzw. Anti-Spiritualität. Vermutlich aber bilden sie durchaus das Dichten in unseren Zeiten ab, wobei es auch Gedichte gibt wie Kunerts Wie ich ein Fisch wurde, eine Ballade, angesprochen im Literaturkreis Bad Kissingen am vorausgehenden Abend, die ganz und gar unser Inneres anspricht.

Dome und Kathedralen sind vor Jahrhunderten geschaffen mit der Absicht, Himmlisches auf Erden abzubilden. Das ist sozusagen ein freimaurerisches Anliegen, denn den Freimaurern ging und geht es darum, das Leben auf Erden zu veredeln, einer höheren Bestimmung zuzuführen.

Die oft zu findenden Doppeltürme der Dome und Kathedralen (Runge spricht von doppellauf) – selbst das Straßburger Münster hätte zwei, wenn der Südturm wie geplant gebaut worden wäre – gibt das duale Prinzip von Gott und seinem Widersacher, von Himmel und Erde, von Hell und Dunkel wieder, Polaritäten, die unser Leben ausmachen und göttlich sind, denn der Mensch wurde der Bibel nach, dem göttlichen Ebenbild entsprechend, männlich-weiblich geschaffen (Luther übersetzte hier leider ungenau und spricht von Mann und Frau). Von daher entspricht die polare Struktur unserer Wirklichkeit einer göttlichen Wirklichkeit: Wie im Himmel, so auf Erden, heißt es im Vater unser und vergleichbar bei Hermes Trismegistos in seiner Tabula Smaragdina.
Dafür stehen auch Jachin und Boas (die Säulen am Eingang des altesttamentarischen Tempels), Abel und Kain, Jesus und sein Versucher, zwei Seelen in der Brust, von denen im Faust die Rede ist, und die beiden Sphinxen in Michael Endes Unendlicher Geschichte, durch die Atréju hindurch muss – gleiches gilt für Odysseus hinsichtlich Scylla und Charybde  . . .

Dieses Bewusstsein hat Rainer Maria Rilke, der meines Wissens kein Freimaurer war wie ein Goethe, ein Herder, ein Mozart und viele andere, 1899 ein Gedicht schreiben lassen, das die drei wichtigen Freimaurergrade deutlich anspricht (Lehrling, Geselle, Meister) und auch ansonsten in diesem Geist verfasst ist:

Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,
in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küsste,
die strahlend und als ob sie Alles wüsste
von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.s
Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.

Gott, du bist groß.

.

Rilkes religiöse Vorstellungen wandeln sich im Laufe seines Lebens. Doch immer
bleibt der Dichter einem „nahen und schwer fassbaren Gott“  verbunden, den er nicht in ein festes Gottesbild eingesperrt sehen will, so formuliert es Burkhard Reinartz im Deutschlandfunk.

Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
Und die, die dich finden, binden dich
An Bild und Gebärde.

Ich aber will dich begreifen
Wie dich die Erde begreift,
Mit meinem Reifen
Reift
dein Reich.

Auffallend jedoch bei Rilke ist, dass das Alte Testament so präsent ist; er schrieb:
„Denn was suche ich mehr als den einen Punkt, den alttestamentarischen, an dem das
Schreckliche mit dem Größten zusammenfällt.“ Unübersehbar ist, wie sehr hier die Ablehnung – ja ich möchte fast von Verachtung sprechen – von Christus und Jesus durchschlägt, wie wir sie in seinen 11 Christusvisionen finden. Rilke wirft kunterbunt Jesus und Christus durcheinander und differenziert nicht zwischen dem Menschen Jesus und Christus, dem Logos. Und wir finden Jesus auf dem Prager Judenfriedhof in einer wenig angenehmen Atmosphäre, ja, in  Der Narr zerfetzt Jesus einem Mädchen namens Anna das Kleidchen . . .

Gewiss ist auch für seine Dichtung zu berücksichtigen, dass Rilke ein ziemlich problematisches Verhältnis zu Frauen hatte. Heimo Schwilk weist in Rilke und die Frauen  z.B. darauf hin, dass die von dem Dichter subtil umworbenen Fürstinnen, Baronessen und Gräfinnen nicht nur reizvoll, sondern auch vermögend waren und immer dienstbar, was die Förderung des rastlosen Dichters anging; er verweist auf sein extravagantes Leben auf Schlössern und in Adelszirkeln, auch darauf, dass er ein Meister des Rückzugs  war und zwar für einen tabufreien Umgang mit der Sexualität plädierte,  sie allerdings selbst kaum praktizierte, worunter er durchaus litt – er formuliert: „Rilke war ein Sänger der Liebe, aber gewiss kein guter Liebhaber.”

Etwas, was seine spirituelle Entwicklung meines Erachtens sehr beeinflusste, waren seine okkulten Aktivitäten (hier ein wenig dazu), die durchaus ausgeprägt waren und Rilke meiner Ansicht nach negativ beeinflussten; eventuell rührt aus möglichen energetischen Besetzungen ein Teil der Schwermut, die wir gegen Ende seines Lebens in den Duineser Elegien und den Sonetten an Orpheus immer wieder finden. Und es verwundert nicht, dass  Lou Andreas-Salomé ihm schrieb: Gehe denselben Weg Deinem dunklen Gott entgegen. – Wir finden bei Rilke einen sehr hellen Gott, aber eben auch einen dunklen.

Kein Mensch hat nur helle Seiten; das gilt natürlich auch für Rilke. Gewiss aber erforderte seine Sensibilität ein Verhalten, das mit gewöhnlichen Maßstäben nicht zu messen ist; von daher mag man mit Wertungen gerade ihm gegenüber sehr vorsichtig sein.

Um noch einmal auf obiges Gedicht zu sprechen zu kommen: Tatsächlich sind wir, wie Rilke schreibt, alle Werkleute und es liegt an uns, ob wir eine Würstchenbude bauen, ein solides Haus oder gar eine Kirche.
Mancher allerdings, der glaubt, hier eine Kathedrale gebaut zu haben, findet in der geistigen Welt vielleicht nur einen Kiosk vor (ich vemute, es trifft auf nicht wenige Politiker zu, deren Antrieb bei all ihrem Tun vor allem war, ihr Ego zu protegieren und ihre Machtgelüste zu befriedigen; mancher unscheinbare Mensch aber hat vielleicht ein Münster gebaut, weil er an sich arbeitete, ehrlich und der Wahrheit verpflichtet, so gut er es konnte …)

Und um auch noch einmal auf Doris Runge zu sprechen zu kommen:
Seltsam wie wahr das ist, was Doris Runge schreibt, dass sie nicht sieht, was sie eigentlich weiß. Vermutlich weiß sie, was ich oben im Zusammenhang mit einem Dom angesprochen habe.
Klar steht ihr frei zu schreiben, wie es ihr geht und was sie konstatiert: dass sie im Nebel reisen. – Vielleicht ist ihr Schluss kein Zufall!

   Im Nebel schrieb schon Hermann Hesse (1877-1962).

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

.

Man kann allerdings auch Nebel auf den Kopf stellen oder von hinten lesen. Manchmal ist das ganz gut! Man weiß dann, was auf dem Spiel steht! —

Ich habe mir dann noch Karin Kiwus´ Im ersten Licht zugemutet; es klang doch ganz verheißungsvoll und ich glaubte, ich könne auf Spirituelles treffen. Es wird einem jedoch nicht licht, wenn man ihre Zeilen liest, weshalb ich sie lieber nur verlinkt habe (man stelle sich also – siehe den Anfang – auf Derbes ein).

Immer mal wieder lese ich im Netz auf drei, vier Gedichte-Blogs, unter anderem dem von  Hannah Buchholz. Sie schreibt terzinenhaft, sozusagen im Dreiertakt, dem Walzertakt des Herzens – sie selbst bezeichnet ihre Strophen als Haikus. Ihre Sprache empfinde ich als einfach, unverschnörkelt, ehrlich:

I
Unendlich erschöpft
und zugleich: so lebendig
wie niemals zuvor!
*
So viel gesprochen,
geschrieben, geliebt! So viel
geweint – und gelacht!
*
So viel gelebtes
Leben: in so kurzer Zeit!
So viel Dankbarkeit!

II
So viele Freunde
getroffen und gesprochen!
So viele Briefe!
*
So viel Trauer – und
noch viel mehr Glück erfahren –
in so kurzer Zeit!
*
So viel Schmerz und Glück,
so viel Wärme und Kälte,
so viel Dankbarkeit!

III
So viele Blumen,
so viel Schönheit, soviel Kraft,
so viel Energie!
*
So viele Engel
in Menschengestalt! So viel
himmlischer Beistand!
*
So viel Zuspruch – und

so viele Umarmungen!
So viel Dankbarkeit!

IV
So viel vergessen,
so viel erinnert, so viel
gelebt – und durchlebt!
*
So viele Sterne,
so viele Worte, so tief
gefühlt – und geliebt!
*
So viel Dankbarkeit
für all eure Worte – und
für dieses Leben!

.

Dankbarkeit bewirkt Lebensfreude: Paulus nennt Freude im Galaterbrief an zweiter Stelle unter den neun Früchten des Geistes.

Richtig gern lese ich auch die Gedichte von Constanze auf ihrem Gedichte-Blog, den sie zusammen mit Wolfregen betreibt. Eines ihrer Gedichte lautet:

~ Maizimmer ~

Ein Vogel singt dir im Gemach
Mailieder von Tapetenwänden,
du wünschst, es möge niemals enden,
still hängst du deinen Träumen nach…
und plötzlich streift dich sachte nur der Wind
durch Flügel, Fenster, die geöffnet sind,
du wandelst, stehst und trittst ganz nah heran
und Blick und Seele von der Brüstung gleiten
hinaus in Gärten, die das Innre weiten
– klar tönt durchs Dickicht dir ein Eulenruf -,
nie grüner, bunter scheint es dir sodann
an diesem wunderbaren Ort;
er wird für dich zu einem Hort
von allem, was in Schönheit klingt,
dir lieblich leis im Herzen schwingt –
ein Frühling, den Gott nur für dich erschuf!

.

Diese Gedichte spechen, auch wenn sie es nicht sonderlich dezidiert tun, immer auch eine seelisch-geistige Ebene an, die oft mehr aus dem Zwischenraum der Zeilen spricht.

Die Münchenerin Saskia Lucia Birkner nimmt immer wieder mal die Jahreszeiten zum Anlass, sich Gedanken über sich selbst und das Leben zu machen. Gern schreibt sie auch über Liebe und wie sie diese erfährt und ihr begegnet. Bemerkenswert finde ich acht Worte von ihr, geschrieben am 7. August 2016, –

In eurer Besinnungslosigkeit,
Worte,
komme ich zu euch

–  um dann am 9. August zu formulieren:

An den Ort
an dem Sprache und Sinn
Hochzeit halten
.
sehne ich mich
seit Urgedenken
.
er muss heilig sein.

 

Ihre Gedanken finde ich vergleichbar denen, die Goethe Mephistopheles in seinem Faust ansprechen lässt, dem es angelegen ist, Geist und Buchstabe auseinanderzudividieren – wie wir in unserer Realität sehen, mit viel Erfolg, erleben wir doch zur Zeit einen Kult der Lügen, des Spaltens und des Hasses und ist es doch so hohl, was wir oft in diesem mephistophelischen Sinne hören, Worte ohne Sinn, ohne Geist:

Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
 / Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
 / Dann hat er die Teile in seiner Hand,
 / Fehlt, leider! nur das geistige Band.

Was Saskia Lucia anspricht, findet sich auch in Hugo von Hofmannsthals (1874-1929) Weltgeheimnis thematisiert. Seine Terzinen beginnen mit der Zeit, bevor Gott sprach (zu Adam und Eva) – im Sinne Rilkes könnte man von einem Weltinnenraum sprechen, einem Weltinnenraum der Intuition:

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Einst waren alle tief und stumm,
Und alle wussten drum.

Wie Zauberworte, nachgelallt
Und nicht begriffen in den Grund,
So geht es jetzt von Mund zu Mund.

Der tiefe Brunnen weiß es wohl;
In den gebückt, begriffs ein Mann,
Begriff es und verlor es dann.

Und redet´ irr und sang ein Lied-
Auf dessen dunklen Spiegel bückt
Sich einst ein Kind und wird entrückt.

Und wächst und weiß nichts von sich selbst
Und wird ein Weib, das einer liebt
Und-wunderbar wie Liebe gibt!

Wie Liebe tiefe Kunde gibt!-
Da wird an Dinge, dumpf geahnt,
In ihren Küssen tief gemahnt…

In unsern Worten liegt es drin,
So tritt des Bettlers Fuß den Kies,
Der eines Edelsteins Verlies.

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
Einst aber wussten alle drum,
Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.

.

Wer möchte, mag hier  weiterführende Gedanken zum Hofmannsthal-Gedicht nachlesen. Im Grunde hat in Gut und Böse  Wilhelm Busch (1832 – 1908) diese Thematik ebenfalls, wenn auch auf ganz andere Weise, angesprochen:

Wie kam ich nur aus jenem Frieden
 / Ins Weltgetös?  
/ Was einst vereint, hat sich geschieden,
  / Und das ist bös.
Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,
 / Nun heißt es: Nimm!
   / Ja, ich muß töten, um zu leben,
  / Und das ist schlimm.
Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,
  / Die niemals ruht.
 / Sie zieht mich heim zum alten Glücke,
  / Und das ist gut.

Viel dringlicher wirken Nietzsches (1844 – 1900) Zeilen in Vereinsamt.
Sein Gedicht bezieht sich – nach seiner Sicht – auf unser Menschsein als einer Zeit der Winterwanderschaft und unserer Welt als einem Tor zu tausend Wüsten:

     Die Krähen schrei´n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei´n –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

     Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr
Vor Winters in die Welt – entflohn?

     Die Welt – ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.

     Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

     Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

     Die Krähen schrei´n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei´n,
Weh dem, der keine Heimat hat!

 

Von fern erinnern Nietzsches Zeilen an jene aus  Rilkes Herbsttag, wenn es dort heißt: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, / Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben. Doch bezieht sich Nietzsche, wenn auch die Reise eines Einzelnen im Mittelpunkt zu stehen scheint, auf die der Menschheit und wie Recht hat er in Bezug auf unsere Situation, wenn er im Dritten Buch der Fröhlichen Wissenschaft über den tollen Menschen schreibt und die spirituelle Situation der Menschheit im Blick hat:

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: „ich suche Gott! Ich suche Gott!“ – Da dort gerade Viele von Denen zusammen standen, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein grosses Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der Eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der Andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? – so schrieen und lachten sie durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. „Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich! Wir Alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir diess gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? (…) Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besass, es ist unter unseren Messern verblutet, – wer wischt diess Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnfeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Grösse dieser That zu gross für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine grössere That, – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser That willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!“ – Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in Stücke sprang und erlosch. „Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.“

.
Ich möchte im Folgenden zurückgehen zu einer Zeit, als es um Gott und Religiosität noch ganz anders bestellt war, in die Zeit des Barock, des 17. Jahrhundert, um den Kontrast zu beleuchten:

Eine vergleichbare Not wie der Zweite Weltkrieg (vgl. Bonhoeffer und Schneider), war einer der grausamsten Kriege, die es je gab, der Dreißigjährige Krieg von 1618 – 1648.
Eine der bemerkenswertesten Frauen der deutschen Literatur, Sibylla Schwarz, die leider kaum bekannt ist, wurde nur 17 Jahre alt und musste ihr ganzes Leben in Zeiten des Krieges verleben, nämlich von 1621 bis 1638. Sie war Tochter einer angesehenen Greifswalder Familie, und verlebte zunächst eine relativ unbeschwerte Kindheit, bis 1627 die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges ihre Heimatstadt Greifswald erreichten, wie wir auf wortblume.de lesen können. Als Anfang 1630 ganz plötzlich ihre Mutter starb, versuchte ihr Vater den Haushalt mit der Hilfe seiner beiden ältesten Töchter Regina und Emerentia und später auch Sibylles, weiterzuführen. Trotz dieser schwierigen Umstände erhielt sie eine gute Ausbildung und begann mit etwa zehn Jahren Gedichte zu schreiben. Viele ihrer Gedichte handeln vom Krieg und ihrer Sehnsucht nach Fretow, dem väterlichen Landgut außerhalb Greifswalds, das die Familie kriegsbedingt verlassen musste. Außerdem verfasste sie Gelegenheitsgedichte zu verschiedenen Familienanlässen. Ein wichtiges Thema ihrer Dichtung ist die Würdigung der Freundschaft, daneben auch die Liebe und der Tod. In einigen ihrer Gedichte beklagt sie sich über die Gehässigkeit derer, die es missbilligen, dass eine junge Frau Gedichte schreibt. Am 23. Juli 1638 erkrankte Sibylle plötzlich an der Ruhr und starb eine Woche später am 31. Juli 1638 im Alter von 17 Jahren.
Ihr Werk wurde 1650 posthum von ihrem Lehrer Samuel Gerlach (1609-1683) in Danzig unter dem Titel Deutsche Poëtische Gedichte in zwei Teilen veröffentlicht.

Hier möchte ich vier Strophen aus ihrem Bußlied überschriebenen Gedicht zitieren:

Zu wem sol ich mich wenden /
Weil ja an allen Enden
Die Missethat erscheint?
Zu GOTT komm ich geschritten /
Ach laß dich doch erbitten /
Du thewrer Menschen Freund!

Den Todt hab ich verdienet /
Dein Sohn hat mich versöhnet /
Gestillet deinen Zorn /
Der ist für mich gestorben /
Hat mir das Heyl erworben /
Sonst wer ich gantz verlohrn.

Auff Ihn setz ich mein Hoffen /
Drumb lest er mir auch offen
Die tieffe Gnadenquell /
In seinen rohten Wunden
Hab ich mir Ruh gefunden /
Trotz Teuffel / Welt und Hell.

Und wenn nun meine Seele
Auß diser finstern Höle
Des Leibes weichen sol /
So wolst du bey mir stehen /
Und nimmer von mir gehen /
So ist mir ewig wol.

Unter Ist Lieb ein Feuer, und kann Eisen schmiegen? – Sibylla Schwarz hat die Erde nur berührt findest Du mehr über sie.

Manche Landstriche blieben sowohl von vandalierenden Soldaten – mal von Katholiken, mal von Protestanten – als auch von der Pest verschont, andere traf es mehrfach und umso härter. Wer über die Not der Menschen damals gelesen hat, versteht, warum die spirituelle Lyrik der damaligen Zeit so inbrünstig flehend ist, zu Herzen geht und die Erde oft nur als ein Jammertal oder eine Rennbahn ansehen kann, gleichsam ein Hindernisparcours. Ein Name sei hier stellvertretend genannt, Andreas Gryphius (1616-1664). Sein Gedicht Tränen des Vaterlandes, anno 1636 ist im Grunde ein einziges Seufzen:

(vorab sei darauf verwiesen: völker schar (schwedische Heere, deutsche Heere, Wallenstein, Gustav Adolf, Tilly; Posaun nimmt Bezug auf die Posaunen des Gerichts in der Offenbarung des Johannes; karthaun: Geschütz mit großem Kaliber; Türme ~ Stadtbefestigung;  Rathaus und Kirche: Kennzeichen des Bürgertums und der Religion)

Tränen des Vaterlands

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch‘ ist umgekehret.
Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,
Daß auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

.

Alles, was der Hände Fleiß geschaffen hat, ist durch Heere und ihr Kriegsinstrumentarium niedergemacht (1. Quartett). Was das aufkeimende Bürgertum auszeichnete, die Sicherheit der Stadtmauern, die bürgerliche und religiöse Ordnung, verkörpert durch das Rathaus und die Kirche, ist außer Kraft, auf den Kopf gestellt (2. Quartett). Doch wenn auch der Blutzoll schrecklich hoch ist (1. Terzett), so sollte es nicht geben, was Gryphius nicht direkt benennt, dadurch aber gerade besonders akzentuiert: Gewiss meint er mit der Seelen Schatz nicht einen erzwungenen Konfessionswechsel, sondern zielt darauf ab, dass durch das große Leid und Elend mancher seinen Glauben verloren hat, etwas, was schlimmer als der Tod ist.

Die Links zu den Prunkbauten lassen die großen Kontraste des Barock zwischen Reichtum (für Bayern: https://goo.gl/LdTx35; für Württemberg https://goo.gl/jcaYAs ) und Armut deutlich werden. In seinem Schloss zu Versailles beispielsweise gehörten zur Hofhaltung 20 000 Menschen, wobei Ludwig XIV. auf die Kleidung des gesamten Hofstaates großen Wert legte; aber jedes Kleidungsstück musste finanziert sein, herausgepresst mittels rücksichtslos erzwungener Abgaben der einfachen Landbevölkerung; kein Wunder wurde das Leben als Jammertal empfunden, und der Begriff der vanitas, der Nichtigkeit des Daseins, prägte diese Zeit; Gryphius hat genau deshalb eines seiner berühmten Gedichte Es ist alles eitel überschrieben.

Im Folgenden ist mit der Glieder Kahn der Körper und zugleich das Lebensschiff angesprochen, wobei der Port, also der Hafen zugleich das Lebensende meint, das unweigerlich auf das Lebensschiff zukommt – normalerweise bewegt sich das Schiff auf den Hafen zu!):

Abend

DEr schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn /
Vnd führt die Sternen auff. Der Menschen müde Scharen
Verlassen Feld und Werck / wo Thir und Vögel waren
Traurt itzt die Einsamkeit. Wie ist die Zeit verthan!

Der Port naht mehr und mehr sich zu der Glider Kahn.
Gleich wie diß Licht verfil / so wird in wenig Jahren
Ich / du / und was man hat / und was man siht / hinfahren.
Diß Leben kömmt mir vor als eine Renne-Bahn.

Laß höchster Gott / mich doch nicht auff dem Lauffplatz gleiten /
Laß mich nicht Ach nicht Pracht / nicht Lust nicht Angst verleiten!
Dein ewig-heller Glantz sey vor und neben mir /

Laß / wenn der müde Leib entschläfft / die Seele wachen
Vnd wenn der letzte Tag wird mit mir Abend machen
So reiß mich aus dem Thal der Finsternüß zu dir.

.

In vielen Dokumenten dieser Zeit ist diese große und tiefe Gläubigkeit der Menschen zu spüren, ihr Vertrauen, dass es mit Sicherheit einen gibt, der einen aus der Finsternis zu sich reißt.

In den Liedern von Martin Luther (1483-1546) hat sich dies bereits Jahrzehnte zuvor angedeutet und es ist, als ob er mit einem seiner Lieder schon die bittere Not der durch die Reformation ausgelösten Kriegswirren geahnt hätte (wobei die Herrschenden die Reformation oft nur als Vorwand nahmen und gute Möglichkeit, um mittels kriegerischer Aktionen ihren Machtgelüsten nachzugehen) in einem Lied, das er um die Jahreswende 1523/24 schrieb und dessen erste Strophe lautet:

Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne;
denn so du willst das sehen an,
was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?

Und es ist, als ob 130 Jahre später ein Paul Gerhardt (1607-1676), einer der begnadetsten Liederdichter, die wohl jemals auf dieser Erde gelebt haben, mit der 12. Strophe seines Liedes Befiehl Du Deine Wege dem Schreien des Reformators ein Ziel gegeben habe:

MACH ENd, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und lass bis in den Tod
und allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein.

Gewiss gehört Paul Gerhardts 1653 geschriebenes Lied zum eindrücklichsten, was im religiösen Lied-Bereich je geschrieben worden ist, hier die ersten beiden Strophen:

BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

DEM HERREN musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

Paul Gerhardts Lieder sind nicht nur vielfach in Gesangbüchern zu finden, sondern er ist auch in Volksliedsammlungen vertreten mit einem Lied wie dem 15 Strophen umfassenden

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

Ein weiteres sehr bekanntes von ihm: Ich singe dir mit Herz und Mund. – Alle drei Paul-Gerhardt-Lieder finden sich mit allen Stropen hier.

Ein kleiner Ausschnitt aus seinem Leben (nach Wikipedia):

Am 31. 1. 1666 verweigerte Gerhardt wie viele andere das Toleranzedikt des Brandenburgischen Kurfürsten zu unterzeichnen und wurde daraufhin am 13. Februar als Pfarrer entlassen. Die Berliner Bürger und Gewerke waren mit der Amtsenthebung Gerhardts nicht einverstanden und forderten in mehreren Eingaben seine Wiedereinsetzung unter Befreiung der Unterschriftsleistung. Der Berliner Magistrat wandte sich daher an den Kurfürsten, der dieses Ansinnen zunächst ablehnte. Da sich Gerhardt mit seinen geistlichen Liedern auch außerhalb Berlins Ansehen erworben hatte, intervenierten auch die märkischen Landstände gegen Gerhardts Entlassung. Der Kurfürst setzte Gerhardt am 12. Januar 1667 wieder in sein Amt ein. Der jedoch verzichtete aus Glaubens- und Gewissensgründen nun darauf. Konsequenterweise verfügte der Kurfürst am 4. Februar 1667 die endgültige Entlassung Gerhardts, der nun ohne Einkommen war.

Man mag sich unschwer vorstellen, wie es Gerhardt in jener Zeit ergangen ist und wie sehr ihn die Entscheidung zur Arbeitslosigkeit mitgenommen haben mag; kein Wunder wirken seine Lieder so überzeugend und tief gegründet.

Natürlich hat auch Martin Luthers Ein feste Burg ist unser Gott Eingang in die Gesangbücher, ja in Volksliedsammlungen gefunden. Kaum ein Kirchenlied ist mehr interpretiert worden als dieses – es hängt auch mit dessen 4. Strophe zusammen, die nicht recht dazu passen will – hier die erste Strophe:

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst
ers jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Auch dieses Lied (alle vier Strophen hier) ist, wie gesagt, Volksliedgut geworden.

Leider muss angemerkt sein, dass Martin Luther vielfach für jene, die seinem Glaubens- und Weltbild nicht entsprachen, qualvolle Todesstrafen gefordert hat – er schreckte nicht einmal davor zurück zu fordern, behinderte Kinder zu ersäufen.

Eine heute kaum bzw. nicht mehr auffindbare, intensive Religiosität findet sich nicht nur in Liedern die sich mit dem Namen Paul Gerhardts (1607 – 1676) verbinden, sondern auch mit Namen wie Gerhard Tersteegen (1697 – 1769), Matthias Claudius (1740 – 1815) und August Hermann Franke (1853 – 1891).

Sie seien hier zumeist mit der ersten Strophe eines ihrer bekannteren Lieder vorgestellt. Sie sind Zeugnisse einer Religiosität, deren Worte und Bilder man sich, ist man bereit, sie mitzudenken und mitzufühlen, kaum entziehen kann. Es ist, als ob der Geist dieser Menschen noch heute in den Buchstaben zugegen wäre, das geistige Band also spürbar.

Gerhard Tersteegens wohl bekannteste Strophe findet sich als 4. Strophe in dem Lied Für dich sei ganz mein Herz und Leben – sie lautet Ich bete an die Macht der Liebe:

1. Für dich sei ganz mein Herz und Leben,
mein süßer Gott und all mein Gut!
Für dich hast du mir´s nur gegeben;
in dir es nur und selig ruht.
Hersteller meines schweren Falles,
für dich sei ewig Herz und alles!

4. Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesu offenbart,
ich geb mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Ein weiteres bekanntes Lied von Gerhard Tersteegen: Gott ist gegenwärtig

Gott ist gegenwärtig!
Lasset uns anbeten
Und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte!
Alles in uns schweige
Und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt,
Wer ihn nennt,
Schlag die Augen nieder,
Kommt, ergebt euch wieder.

(Die Lieder können hier vollständig nachgelesen werden)

von Matthias Claudius sind ca. 80 Lieder bekannt; sein bekanntestes ist natürlich das Abendlied (Der Mond ist aufgegangen); es enthält im Grunde eine Philosophie im Kleinen  (auf der EthikPost und auf meinem Methusalem-Blog finden sich zwei Beiträge zu ihm)
Mit den beiden ersten Strophen sei noch August Hemann Frankes wohl bekanntestes Lied zitiert:

Nun aufwärts froh den Blick gewandt
und vorwärts fest den Schritt!
Wir gehn an unsers Meisters Hand,
und unser Herr geht mit.

Vergesset, was dahinten liegt
und euern Weg beschwert;
was ewig euer Herz vergnügt,
ist wohl des Opfers wert.

hier in Gänze

Menschen in Not bedürfen in solchen Zeiten seelisch-geistiger Kraftquellen, deren sie sich fast automatisch bedienen können, und das sind auswendig gelernte Texte wie Befiehl du deine Wege oder der Psalm 23.

Als ich in einem Gottesdienst einen Pfarrer zu seinen Konfirmanden sagen hörte, dass sie drei Texte auswendig lernen würden, wurde mir bewusst, dass der größte Fehler der Kirchen ist, dass sie ihre Ansprüche und ihr Bekennen zu dem, was Not tut, so sehr reduziert haben. In diesem Zusammenhang vermisse ich ebenso die  Klarheit in Bezug auf den Weg Jesu, dass er nämlich ein Bewusstseinsweg ist, der wichtgste und schwierigste zugleich, den es für einen Menschen gibt, weltweit. Damit verleugnen ausgerechnet die Kirchen meiner Ansicht nach die Bedeutung von ihm. Dieses Verleugnen ist mitverantwortlich für den Niedergang der Kirchen und den der Religiosität in unserer Kultur.

Der Weg Jesu – wie er sich auch im Liedgut vergangener Jahrhunderte vermittelt – ist für mich ein überkonfessioneller, für alle gültig, aufgezeigt insbesondere im Johannes-Evangelium (Fußwaschung, Versuchung, Gethsemane usw.), es ist der Rosenkreuzerweg, jener der Alchemie (vgl. Edward F. Edinger, Der Weg der Seele), der Parzivalweg, der Weg der Märchenhelden. In vielen Gottesdiensten  wird vermittelt, man müsse nur ein paarmal das Vater unser oder den Rosenkranz herunterbeten, dann sei Gott schon gnädig – für mich ein gewaltiger Irrtum und eine spirituelle Falschinformation. Was beide Konfessionen viel zu oft machen, ist meines Erachtens, dass sie das Göttliche durch das fehlende Benennen klarer Ansprüche hintertreiben. Ausgerechnet die Kirchen!

Die Lieder der oben Genannten lassen, soweit sie dieses Thema ansprechen, keinen Zweifel an den Herausforderungen des Glaubens! Deshalb waren sie so wichtig für die Entwicklung unserer Kultur. Deshalb aber verwässert diese so sehr, weil sie keine Ansprüche mehr hat, schon gar keine überzeugend religiösen.

Für mich hat zudem ein Lied wie Paul Gerhardts Geh aus mein Herz und suche Freud heilkräftigen Charakter. Kaum jemand wird sich der positiv suggestiven Kraft der Worte und so lebensfroher Bilder, die ins Innere dringen, entziehen können.

Den Anspruch, von dem oben gesprochen war, formuliert Selige Sehnsucht, ein Gedicht Goethes, ganz klipp und klar; zugleich wird deutlich, dass (leider) dieser Anspruch und mit ihm das diesbezügliche Wissen nicht für jeden bestimmt sein kann. Goethe verwendet den Schmetterling als Symbol für die Seele. Die Griechen kannten für diese mehrere Symbole, eines war die Biene, die das tut, was der Mensch tun sollte, möglichst ununterbrochen Wertvolles seiner Seele zuzuführen; der Schmetterling aber ist ein Archetypus der ätherischen Feinheit, der Zartheit und Verletzlichkeit (es sollte uns zu denken geben, dass wir respektvoller und vorsichtiger mit unserer und der Seele unserer Mitmenschen umgehen:

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

.

geschrieben am 31. Juli 1814 in Wiesbaden. Es befindet sich an vorletzter Stelle im Buch des Sängers, des ersten Abschnitts aus dem West-östlichen Divan (erschienen 1819, erweitert 1827), Goethes umfangreichster Gedichtsammlung; sie wurde durch die Werke des persischen Dichters Hafis inspiriert.
————-

Verloren, wie sich mancher in Zeiten des Barock, aber auch ein Wilhelm Busch und Nietzsche in Vereinsamt fühlte, muss sich auch Georg Trakl gefühlt haben.
Geboren am 3. Februar 1887 in Salzburg als fünftes Kind einer wohlhabenden Bürgerfamilie, wusste Trakl: „Ich werde doch immer ein armer Kaspar Hauser bleiben.“
Er absolviert ein dreijähriges Praktikum in einer Salzburger Apotheke; mit seinen Experimenten mit Drogen und Alkohol begann wohl auch seine Drogenabhängigkeit. Gleichzeitig fing er zu schreiben an. Sein Studium in Wien beendet er mit dem Magister der Pharmazie.
Er starb mit 27 Jahren in Krakau in einem Militärhospital an einer Überdosis Kokain. Anlass war, dass er Hunderten von Verletzten anlässlich der Schlacht von Grodek nicht wirklich hatte helfen können – er war abkommandiert als Rettungssanitäter in einer Scheune, in die man die Schwerstverwundeten brachte, ein Mediziner jedoch war nicht zugegen. – Gegen Ende seines Lebens erzählte er einem Arzt seine Leidensgeschichte, u.a., dass er schon als Kind versucht habe, sich selbst zu töten. Seit seiner Kindheit habe er zeitweise Gesichtshalluzinationen gehabt, es sei ihm vorgekommen, als wenn hinter seinem Rücken ein Mann mit gezogenem Messer stünde.
Es scheint, dass über seinem Leben das Unglück wie ein Damoklesschwert hing.

Trotz aller inneren Not – oder vielleicht gerade deshalb – entrangen sich seiner Seele Zeilen, die in ihrer Empfindsamkeit und stillen Trauer eine innere Schönheit besitzen, wie wir sie selten finden, ich denke u. a. an seine Herbstgedichte, eines davon lautet:

Verfall

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,

Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.

.vgl. auch Herbst des Einsamen und Verklärter Herbst

Ein besonderes Gedicht – und eines mit unübersehbar christlicher Symbolik ist das folgende:

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.

Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.

Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinert die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.

mehr zu ihm hier

Eine Antwort auf Nietzsche und all die, die sich ihres Weges nicht sicher waren und sind, kommt von einer Frau, die, geboren im Münsterland, Zeit ihres Lebens kränklich war, aber große Literatur schuf: Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848). Bekannt sind ihre Ballade Der Knabe im Moor und die Novelle Die Judenbuche sowie der Gedichtzyklus Das Geistliche Jahr, in dem sich für jeden Sonntag und den dazugehörigen Predigttext ein Gedicht findet. Über zwanzig Jahre arbeitete sie an ihm; er trägt damit natürlich auch autobiographische Züge, vermittelt er doch durchaus auch Zweifel und Ängste sehr persönlicher Natur und Art.

Hier die letzten Strophen ihres Gedichtes zum ersten Advent

nach der Schriftlesung: Einritt Jesu in Jerusalem. Matth. 21. »Saget der Tochter Sions: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig. – Hosanna dem Sohne Davids, gelobt sei, der da kömmt im Namen des Herrn!«

(…)
Allmächt’ger du,
In dieser Zeit, wo dringend not,
Daß rein dein Heiligtum sich zeige,
O laß nicht zu,
Daß Lästerung, die lauernd droht,
Verschütten darf des Hefens Neige
Und ach den klaren Trank dazu!

Laß alle Treu
Und allen standhaft echten Mut
Aufflammen immer licht und lichter!
Kein Opfer sei
Zu groß für ein unschätzbar Gut,
Und deine Scharen mögen dichter
Und dichter treten Reih‘ an Reih‘.

Doch ihr Gewand
Sei weiß, und auf der Stirne wert
Soll keine Falte düster ragen;
In ihrer Hand,
Und faßt die Linke auch das Schwert,
Die Rechte soll den Ölzweig tragen,
Und aufwärts sei der Blick gewandt.

So wirst du früh
Und spät, so wirst du einst und heut
Als deine Streiter sie erkennen:
Voll Schweiß und Müh‘,
Demütig, standhaft, friedbereit,
So wirst du deine Scharen nennen
Und Segen strömen über sie.

.

Zum zweiten Advenstsonntag schrieb sie:

nach der Schriftlesung: Vom Zeichen an der Sonne. Lukas 21. »Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in einer Wolke mit großer Macht und Herrlichkeit. Wenn aber dieses zu geschehen anfängt, dann euer Erlöser kömmt. – Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.«

Wo bleibst du, Wolke, die den Menschensohn
Soll tragen?
Seh‘ ich das Morgenrot im Osten schon7
Nicht leise ragen?
Die Dunkel steigen, Zeit rollt matt und gleich;
Ich seh‘ es flimmern, aber bleich, ach bleich!

Mein eignes Sinnen ist es, was da quillt
Entzündet,
Wie aus dem Teiche grün und schlammerfüllt
Sich wohl entbindet
Ein Flämmchen und von Schilfgestöhn umwankt
Unsicher in dem grauen Dunste schwankt.
(…)
Gib dich gefangen, törichter Verstand!
Steig nieder
Und zünde an des Glaubens reinem Brand
Dein Döchtlein wieder,
Die arme Lampe, deren matter Hauch
Verdumpft, erstickt in eignen Qualmes Rauch.

Du seltsam rätselhaft Geschöpf aus Ton
Mit Kräften,
Die leben, wühlen, zischen wie zum Hohn
In allen Säften,
O bade deinen wüsten Fiebertraum
Im einz’gen Quell, der ohne Schlamm und Schaum,

Wehr ab, stoß fort, was gleich dem frechen Feind
Dir sendet
Die Macht, so wetterleuchtet und verneint,
Und starr gewendet
Wie zum Polarstern halt das Eine fest,
Sein Wort, sein heilig Wort, und – Schach dem Rest!

Dann wirst du auf der Wolke deinen Herrn
Erkennen;
Dann sind Jahrtausende nicht kalt und fern,
Und zitternd nennen
Darfst du der Worte Wort, des Lebens Mark,
Wenn dem Geheimnis deine Seele stark.

Und heute schon, es steht in Gottes Hand,
Erschauen
Magst du den Heiland in der Seele Brand,
Glühndem Vertrauen.
Zerfallen mögen Erd‘ und Himmels Höhn,
Doch seine Worte werden nicht vergehn.

– – – – – – –

Für ein anderes Mal muss das vielleicht bekannteste romantische Gedicht vorbehalten sein, es ist von Clemens Brentano und beginnt:

Sprich aus der Ferne
Heimliche Welt,
Die sich so gerne
Zu mir gesellt.

Wenn das Abendrot niedergesunken,
Keine freudige Farbe mehr spricht,
Und die Kränze still leuchtender Funken
Die Nacht um die schattigte Stirne flicht:

Wehet der Sterne
Heiliger Sinn
Leis durch die Ferne
Bis zu mir hin.

Leider konnte auch auf Novalis (1772-1801) nicht näher eingegangen werden (wie im übrigen auch nicht auf Mörike, Mascha Kaléko und viele andere, schade); ich werde zu Novalis einiges nachreichen können, wenn das Heilige Symbol der Blauen Blume im Rahmen des Bad Kissinger Literaturkreises im Mittelpunkt eines Abends stehen wird; vorab seien einige Strophen aus einem seiner schönsten Lieder, die sich ja vielfach in Gesangbüchern finden, wiedergegeben:.

Was wär ich ohne dich gewesen?
Was würd‘ ich ohne dich nicht sein?
Zu Furcht und Ängsten auserlesen,
Ständ‘ ich in weiter Welt allein.
Nichts wüsst‘ ich sicher, was ich liebte,
Die Zukunft wär ein dunkler Schlund;
Und wenn mein Herz sich tief betrübte,
Wem tät‘ ich meine Sorge kund?

(…)

Hat Christus sich mir kund gegeben,
Und bin ich seiner erst gewiss,
Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben
Die bodenlose Finsternis.
Mit ihm bin ich erst Mensch geworden;
Das Schicksal wird verklärt durch ihn,
Durch ihn muss mir im kalten Norden
Ein Paradies im Herzen blühn.

Das Leben wird zur Liebesstunde,
Die ganze Welt sprüht Lieb‘ und Lust.
Ein heilend Kraut wächst jeder Wunde,
Und frei und voll klopft jede Brust.
Für alle seine tausend Gaben
Bleib‘ ich sein demutvolles Kind,
Gewiss ihn unter uns zu haben,
Wenn zwei auch nur versammelt sind.

O! geht hinaus auf allen Wegen,
Und holt die Irrenden herein,
Streckt jedem eure Hand entgegen,
Und ladet froh sie zu uns ein.
Der Himmel ist bei uns auf Erden,
Im Glauben schauen wir ihn an;
Die Eines Glaubens mit uns werden,
Auch denen ist er aufgetan.

(…)

Das ganze Lied und ein weiteres von Novalis hier

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7 Antworten zu „Im ersten Licht“! Christlich-spirituelle Lyrik vorgestern und gestern – ob sie sich heute nur tarnt?

  1. hannahbuchholz schreibt:

    Lieber Johannes,
    es freut mich, daß du meine Gedichte hier erwähnst!
    Nun möchte ich dich allerdings fragen, was du damit meinst:
    „sie selbst bezeichnet ihre Strophen als Haikus“?
    Würdest du diese Gedichte denn nicht als Haikus bezeichnen?
    Vielleicht, weil sie nicht oder nicht alle nur von der Natur handeln?
    Liebe Grüße, Hannah

  2. Liebe Hannah,

    dass ich diese Anmerkung in den Text mit aufgenommen habe, geschah allein, weil Du auf dem Literaturkreisblog Deine Strophen so bezeichnet hast und ich dem gerecht werden wollte. Ich selbst wäre nie darauf gekommen, sie so zu bezeichnen, zum einen, weil ich bisher nur über ganz wenige Haikus (von Basho) gestolpert bin und sie von daher als eher kryptisch und also eher verrätselt wahrgenommen habe (was für sie vielleicht allgemein gar nicht stimmt) – ich weiß im Grunde so gut wie nichts über diese japanische Versform.

    Dass jemand so schreibt wie Du, also in dieser terzinenhaften Form, wie ich sie genannt habe, fand ich von Beginn an, seit ich bei Dir gelesen habe, schon sehr ungewöhnlich, aber eigentlich ziemlich deutsch, weil es mich an die Terzinen bei Brecht (Die Liebenden) und bei Hofmannsthal erinnert hast, wenn die da halt auch zuallermeist gereimt und mit einer bestimmten Anzahl von Hebungen verbunden sind; im Grunde haben Deine Zeilen in der Form außer dem Dreizeiligen wenig mit den beiden zu tun. Ich fand sie aber eine gute Möglichkeit, etwas sehr kompakt zum Ausdruck zu bringen; deshalb hat mir diese Form gefallen.

    Schreibst Du ganz bewusst in ener ganz bestimmten festen Form (was mir noch nicht aufgefallen wäre) oder nennst Du Deine Strophen einfach Haikus, weil sie dieser Form einfach sehr nahe kommen?

  3. hannahbuchholz schreibt:

    Lieber Johannes,
    ich schreibe diese Gedichte so, daß die erste Zeile stets 5 Silben hat, die zweite sieben Silben, die dritte wieder 5. Dies ist die klassische, strenge alte japanische Haiku-Form.
    So schreibe ich natürlich ganz bewußt – indem ich beim Schreiben die Silben zähle.
    Ich mag diese strenge Form, sie hilft mir, die Dinge kurz und knapp auf den Punkt zu bringen.
    Nicht alle meine Gedichte sind Haikus – aber alle meine dreizeiligen Gedichte sind tatsächlich Haikus.
    Liebe Grüße, Hannah

    • Ups, was bin ich doch für ein Kunstbanause. Das ist mir bisher gar nicht aufgefallen.
      Aber vielleicht kommt genau daher das Eindrückliche. Würde mich interessieren, ob die Zahlen, also 5 und 7, im Japanischen dieselbe Bedeutung haben wie bei uns. Ich bin ja kein Numerologe, aber die Fünf, das Pentagramm, bildet (für mich) den Menschen, das Menschliche ab, und die 7 ist die Abfolge des göttlich geordneten Geschehens in der Zeit (die 7 Schöpfungstage) – so für mich formuliert :-)

      Komme gerade von Deinem Beitrag vom 20 November „Aus Bruch … “ – Den kann ich momentan nicht einmal liken, weil ihm das gar nicht gerecht würde, so viel, wie man dabei nachempfindet. – Und kommentieren kann ich ihn auch nicht, weil sein Inhalt eine Privatheit besitzt (die er vielleicht gar nicht hat, weil er ja ganz fiktiv sein kann, aber man empfindet ihn so), die man sich nicht zu berühren erlaubt. – Deine Haikus (ich gewöhne mich noch daran) berühren wirklich oft sehr!

      Liebe Grüße,
      Johannes

  4. hannahbuchholz schreibt:

    Über diese deine Worte zu meinen Gedichten freue ich mich sehr, lieber Johannes!
    Hab vielen herzlichen Dank… !! Ja, das Gedicht Aus Bruch ist sehr persönlich, andererseits aber ist es auch offen für jeden Leser – und jeder, der schon einmal aus den schmerzhaften Mustern ambivalenter Beziehungen ausgebrochen ist (oder der ausbrechen möchte… ; ) kann sich, wie ich hoffe, darin wieder finden. Es muß sich dabei gar nicht um Paarbeziehungen und / oder Liebesbeziehungen handeln. In meinem Fall geht bzw. ging es um eine geschwisterliche Beziehung. So ein Ausbruch ist immer schmerzhaft – aber letztendlich auch heilsam, denke ich.
    Viele liebe Grüße, Hannah

  5. Ja, man muss in sich ja auch tradierte Vorgaben über die Rolle von Vater, Mutter und Geschwistern überwinden; die wirken ja wie Tabus. Aber es ist ja oft nicht nur heilsam für einen selbst, sondern auch für den Anderen. Wenn es um der eigenen Gesundung willen geschieht, spürt das der Andere, und er kann fühlen, wie wichtig es ist, Gesundwerden ernst zu nehmen. – Jedenfalls spürt man, wie wertvoll das für Dich war.

    Hab eine schöne Adventszeit. Schön, dass es Dich gibt!
    Johannes

  6. hannahbuchholz schreibt:

    Vielen lieben Dank für deine einfühlsamen Worte, lieber Johannes!
    Ich wünsche dir auch eine schöne Adventszeit…!
    Wir werden sicherlich bald wieder von einander lesen…!
    Herzlichst, Hannah

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