Ein jeder spricht, was er im Herzen trägt. – Eugen Drewermanns trostloses „Friedensgespräch“. – Bitte Jugendliche vor ihm schützen!

Dieses Interview, das Sie am Ende diesese Beitrages sehen und hören können, ist, um das klarzustellen, nicht wegen der Interviewweise schrecklich – im Gegenteil hat Jens Lehrich, der Interviewer des Magazins Rubikon gegen Schluss dem Verzweiflungs-Hype Drewermanns gegenzusteuern versucht -, sondern aufgrund der Aussagen und der Vorgehensweise des so bekannten Psychotherapeuten und Theologen (hier der Wikipedia-Link zu seiner Person}.

Im Folgenden führe ich vier Punkte aus:

  1. Drewermann spricht fast ununterbrochen in der Wir-Form und insgesamt ist unfassbar, was er alles den Menschen unterstellt und wie sehr er sie im Grunde bevormundet. Leben hat für ihn offensichtlich keine Perspektive, auch wenn er hie und da anderes sagt; glaubwürdig ist es nicht. Auf keinen Fall sollte man ihn auf Jugendliche und junge Erwachsene loslassen. Er ist in der Lage, ihnen jeglichen Mut zur Veränderung zu rauben und sie zu lähmen, was umso fataler wäre, als wir eine Kanzlerin haben, die ganz Deutschland auf der politischen Ebene leider sehr effektiv lahmlegt.
  2. Auch wenn die Drewermann-Fan-Gemeinde groß ist und aufschreien wird: Leben und wirklichen Geist empfinde ich in seinen Aussagen nicht; da ist für mich nichts, was Wärme und Wachheit ausstrahlt und ins Innere dringt, auch wenn alles so wissend und aufgeklärt klingt. So kaputt ist die Welt nicht, wie er sie schildert. Im Gegenteil, sie entwickelt sich, auch, indem sie durch tiefe Täler geht. – Gerade weil sein Lieblingsthema das des Zusammenhangs von Denken und Fühlen ist: bei ihm fehlt genau dieser. So wird man den Verdacht nicht los, dass er eben deshalb so gern darüber redet (ich kenne allerdings kaum jemanden, der gefühl-loser spricht).
  3. Sein Menschenbild ist erschreckend unhistorisch. Da werden an den Menschen der vorchristlichen Zeit – er spricht von der Heroenzeit – dieselben Kriterien angelegt wie an den Menschen der Neuzeit und deshalb völlig unangemessene Schlussfolgerungen gezogen. – Desgleichen ist sein Naturverständnis nicht nachvollziehbar. Nicht einmal zwischen Natur und Mensch weiß er zu differenzieren.
  4. Man kommt nicht umhin, dass da jemand in seinem Inneren zutiefst verzagt ist und ein Kleingeist des Mutes. Er brilliert mit seinem Verstand und seiner Wortgewandtheit, aber seine Redeweise gleicht einem eintönigen Singsang und seine Inhalte gleichen einem Echoraum der Verzweiflung. – Mir ist, als ob dieser Mann in Wahrheit um Hilfe ruft.

„WIR töten, um nicht getötet zu werden“ (11.40‘)

Zu 1. Es fällt kaum auf, weil Drewermann von Beginn an zu diesem Verfahren – im Grunde ist es ein fragwürdiges rhetorisches Mittel – greift: Der Mann spricht von Beginn an in der Wir-Form. Das hat zur Folge, dass jedem, der zuhört, einiges zugemutet und unterstellt wird. Achten Sie einmal darauf, falls Sie das Video anschauen, wie oft Ihnen mit Hilfe des Wir unterstellt wird, was alles Sie gedacht und getan haben sollen. Drewermann steigert diesen rhetorischn Kniff sogar noch, indem er die Zuhörer persönlich anspricht (siehe der folgende Auszug). Problematisch ist das vor allen Dingen deshalb, weil die Aussagen, wenn man dieses Vorgehen nicht durchschaut, unkontrolliert ins Unbewusste eines jeden Zuhörers einziehen – wobei man einkalkulieren sollte, wie viele den guten Mann förmlich anhimmeln; man lese nur die Kommentare unter dem Video auf You Tube.

Gleich zu Beginn des Interviews mit dem Magazin Rubikon spricht er von der Menge, die ruhig gestellt werde um den Preis, dass die vielen Einzelnen sich nicht mehr kennen würden. Sie würden von sich entfremdet, kaum, dass sie auf der Welt seien. Wörtlich heißt es:

„Ihre Gefühle werden diszipliniert, manipuliert, korrigiert und in jeder Weise kanalisiert … Wir sind interessiert nicht an humaner Entwicklung von Menschen zu sich selber, wir sind interessiert an der Sicherung des Industriestandortes Deutschland im globalen Konkurrenzvergleich … Wir sind ersetzbar durch Maschinen … die Entfremdung ist total … Sie wissen, dass Sie kontrolliert werden. Sie können sagen, es ist mir egal, ich tue auch nichts Schlimmes, aber Sie werden kontrolliert und also verhalten Sie sich anders, als Sie frei sich bewegen würden … niemand ist er selber, also gibt´s eigentlich kein „wir“, es gibt einen großen Haufen, den man von außen zusammenpasst.“

Woher Drewermann z.B. sich berechtigt sieht, ganz selbstverständich anzunehmen, dass jemand sich anders verhalte und jedenfalls nicht er selber sei: ein Rätsel, um dessen Lösung nur er weiß.

Ich könnte viele, viele Passagen zitieren, die in diesem Stil abgefasst sind und ständige Unterstellungen transportieren, die leicht als solche zu decouvrieren sind, denn: Mehr denn je z.B. weiß unsere Gesellschaft, dass Lehrer und Erzieherinnen in Kitas nicht durch Maschinen ersetzbar sind, genausowenig Krankenschwestern oder Redakteure von Rubikon, dem Focus oder der Tagesschau; ersetzbar sind desgleichen nicht KFZ-Mechaniker und Bauarbeiter, Ärzte, Computerexperten, Haus- oder Schwimmmeister.


Was Drewermann anspricht, sind einzelne Bereiche unserer Gesellschaft, die er auf alles und jeden umlegt. Unglaublich, dass ein intelligenter Mensch als Theologe und Psychotherapeut sich solch ein suggestives Bevormunden erlaubt; solch eine rhetorische Strategie kennt man aus Reden totalitärer Diktatoren.

Natürlich ist die Überwachung in London lückenlos, auch in den Metrostationen von Paris (wer schon bei Nacht z.B. durch einsame Gänge des Gare du Nord gegangen ist, ist im Übrigen höchst dankbar dafür), genauso in unseren großen S-Bahnhöfen oder Kaufhäusern, wobei dieser durchaus auch bedenklichen Überwachung gegenübersteht, dass gerade in letzter Zeit hässliche Verbrechen durch Kameras aufgeklärt werden konnten. Ehrlich gesagt stören sie mich persönlich nicht im Öffentlichen Raum, gerade in diesen Zeiten; wenn wir sie wieder einmal werden abschaffen können, gehöre ich gewiss zu den Ersten, die dafür plädieren, denn natürlich darf diese Überwachung nicht in die falschen Hände kommen.

Was ich aber vor allem ganz schlimm finde, ist, dass Drewermann die vielen gesellschaftlichen Bewegungen totschweigt, die sich im Moment auftun, indem nicht nur in Deutschland, sondern z.B. in den USA Schüler der Schule, an der 17 Schüler erschossen wurden, ihre Ferien opfern und im ganzen Land unterwegs sind, um Wege gegen dieses waffenstarrende Amerika zu finden. Überall auf der Welt gibt es diese Bewegungen, vielfach auch bei uns. Gerade junge Menschen sind dank ihres Bewusstseins zum Teil überhaupt nicht auf eine marktkonforme Linie zu bringen, die Drewermann allen unterstellt; die Menschen wenden sich von den Parteien ab, sie wenden sich von der ausufernden EU-Bürokratie, die alles regulieren will, ab, sie wenden sich gegen die pseudo-humane Flüchtlingspolitik Angela Merkels, protestieren gegen Altersarmut, den Pflegenotstand … die Liste der zahlreichen gesellschaftlichen Engagements ist lang. Hier in Bad Kissingen kenne ich eine Frau, die sich um zwölf Flüchtlinge bwz. Flüchtlingsfamilien kümmert und für sie fast täglich unterwegs ist. Sie gehört keiner Partei oder Kirche an; sie macht es einfach so.

Es ist auf diesem Hintergrund schrecklich zu hören, was Drewermann ellenlang und wie aufgezogen erzählt. Er untergräbt dieses Engagement, dieses Sich-verantwortlich-Fühlen und Handeln in der Bevölkerung, das sich zunehmend beispielsweise abwendet von einer in dieser Form überholten Parteiendemokratie, die schon lange keine wirkliche Demokratie mehr ist.

Mit jeder Minute seines Redens spricht Drewermann zunehmend an der Realität vorbei, die gewiss für einige, vielleicht nicht wenige gilt, aber bei weitem nicht für alle. Das weiß er. Warum tut er es dann?

Wem stellt er sich mit diesem subversiven Verhalten zur Verfügung, schließlich untergräbt er das Tun der Menschen, die etwas tun?

Ihm zuzuhören macht depressiv statt handlungsfähig.

Er spricht von wir, meint allerdings nicht wir, weil er eigentlich von ihr sprechen müsste, denn er, der die ganzen Missstände wohl als Einziger erkannt hat  – wir blicken es ja offensichtlich nicht, weil wir seiner Meinung nach alles mit uns geschehen lassen – muss sich doch nicht einbeziehen, ja sollte es der Ehrlichkeit halber nicht. Nur: ihr zu sagen, das traut er sich nicht, denn das würde den ein oder anderen stutzig machen; also vereinnahmt er jeden einlullend mit wir und tut so, als beziehe er sich mit ein.

Ich muss sagen, dass ich als Lehrer nie in Deutsch und Ethik Kinder für den Industriestandort Deutschland ausgebildet habe, was er auch allen unterstellt, wenn ich auch gewiss nichts dagegen habe, dass sie später durch von mir vermittelte Fertigkeiten in der Industrie tätig sind (warum auch nicht?). Im Gegenteil habe ich ihnen – zumindest in der Oberstufe – gesagt, dass unsere Bildung darauf hinausläuft, dass sie sich in das bestehende System nahtlos integrieren und dass ihnen das bewusst sein sollte. Allerdings habe ich nicht wenige Schüler gehabt, die viel zu helle waren, als dass sie das mit sich hätten geschehen lassen. Und ich muss sagen, dass die Gesellschaft mittlerweile zu versuchen beginnt, nicht alle Kinder über einen (Bildungs-)Kamm zu scheren und zunehmend erkennt, wie wertvoll Individualität ist, ja, dass sie ein wertvoller Treibsatz einer gemeinsam gestalteten Gesellschaft ist.

Warum also erzählt Drewermann so destruktiv Falsches?

In wessen Dienst, wenn nicht gewollt, dann ungewollt, tut er das?

Es gibt schwarzen Humor, es gibt Schwarzmalerei. Drewermann praktiziert schwarzes Denken und Sprechen. Ob die Gefühle, auf die er so Wert legt, viel heller sind?

Er nimmt den Menschen den Mut, suggeriert ihnen Abhängigkeit und Zukunftslosigkeit (wer will so leben, wie er es schildert?). Gewiss gibt es Passagen, in denen er konstruktiv wirkt – ich denke z.B. an jene (ab 5.40′), als er davon spricht, dass wir  Räume bräuchten, wo der Einzelne selbst spürt, dass er selbst wahrgenommen wird, wo er wachsen und reifen darf; wenn er von einem Erlebnisraum spricht, den der Mensch brauche, und eine Passage findet sich am Schluss – ich habe sie, damit dieser Beitrag nicht zu unübersichtlich wird, ausgelagert (sie ist hier zu finden) -, als er von einer Ermutigung zu sich selber, die wachsen kann, spricht. An keiner Stelle allerdings sagt er konstruktiv, wie z.B. der Mensch zu diesem Erlebnisraum, der vielen fehlt, findet oder sich ihn schaffen kann oder wie jene Ermutigung, die zu wachsen vermag, entstehen kann. Nirgendwo wird er konkret; Zeit genug hätte er gehabt, er hätte nur die Hälfte seines destruktiven Redens weglassen müssen.

Selbst, wo ihn gegen Ende des Interviews der Interviewende um Signale der Hoffnung fast eindringlich gebeten hat, wirken seine Schluss-Sätze so, wie auf mich das Interview insgesamt, sie lauten:

Offen gestanden sehe ich finster, weil ich nicht ernsthaft das Bemühen sehe, in den fundamentalen Strukturen des Zusammenlebens wirklich eine Veränderung herbeizuführen. Wir machen buchstäblich so weiter, so lange wir können. Es ist, wie wenn sie Heuschrecken mit Bulldozzern ausstatten.

Mit diesen Worten schließt der als Friedensaktivist angekündigte Psychotherapeut das „Friedensgespräch“ ab.

Gewiss gehört zu den Höhepunkten der Drewermannschen inneren Entmachtung der Menschen auch die Aussage: „Dass jeder sich selber helfen könnte, glaube ich nie und nimmer.“ (Video bei 30.50′) Es ist die unverblümte Entmachtung des Menschen, die, so sehr der Psychotherapeut Drewermann gegen die Kirche wetterte und dies noch immer tut, genau dasselbe tut wie jene, als sie vorgab, dass nur mit ihrer Hilfe der Mensch Erlösung finden könne.
Die Hilfe des Menschen findet sich in seinem Inneren, in ihm selbst; in gewisser Weise kann er sich in der Tat nur selbst helfen; er muss nur aus diesem Echoraum der Drewermannschen Trostlosigkeit. Jener sagt: „Wirklich verändern kann man nur etwas in den Menschen selber“, eben aber nicht ohne Psychotherapie oder die Drewermannsche Theologie, die letztendlich auch Psychotherapie ist – oder wen oder was er  unter „man“ versteht. Letztendlich bleibt der Mensch nach Drewermann immer an der Nabelschnur.

Ich finde tatsächlich, ein Mann wie Drewermann sollte nicht mehr öffentlich sprechen, vor allem nicht vor Jugendlichen und jungen Erwachsenen. – Wir brauchen Menschen, die Mut für Zukunft schaffen und die Gegenwart lebendig gestalten helfen!

Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt (Goethe im „Faust“)

Ein jeder spricht, was er im Herzen trägt, Herr Drewermann

zu 2.

Noch leben wir in einer Zeit, in der es wenig auffällt, dass in jemandes Sprechen das Herz fehlt (herzlos darf man sein, nur nicht kopflos). Uns imponiert die rhetorische und intellektuelle Brillanz eines Richard David Precht, auch wenn er das Verhältnis von Tieren und Menschen nicht wirklich verstanden hat.

Jahrhundertelang fuhren die Menschen auf einen Philosophen namens Kant ab, der so gelehrt schrieb und doch kaum zu verstehen war und ist und ihnen weismachte und vielen noch weismacht, an das Ursprüngliche, an das Wesen der Dinge – Kant nennt es Ding an sich – komme der Mensch nicht heran (und das, obwohl er einen Gottesbeweis durchführt in Bezug auf einen Gott, dessen Sohn genau das Gegenteil lehrte).

Viele Kardinäle, die ich in Rom zu bestimmten Anlässen im Fernsehen sehe, blicken genauso trost- und leblos wie Drewermann, obwohl die Botschaft ihrer und seiner Theologie, auf die er sich auch im Interview bezieht, eine frohe ist, voller Geist, funkensprühend von Liebe, wenn wir an die Worte eines Paulus denken oder an das Hohelied Salomos.

Drewermann strahlt die Wärme und Lebendigkeit eines Rednerpultes aus, nicht in allen Interviews, die ich von ihm gesehen habe so gravierend; in diesem aber empfinde ich ihn so.

„Es ist alles  umsonst, was WIR von Platon bis Schopenhauer je gelernt haben“ (14.02)

 Drewermann weiß das wieder für alle sehr genau. Offensichtlich hätten WIR uns Platon bis Schopenhauer sparen können. – Als ich zum ersten Mal Platons Höhlengleichnis gelesen habe, ahnte ich anhand dessen, was in mir vorging, was wertvolle Philosophie in einem Menschen auslösen kann und Platons Welt der Ideen hat mir vor allem mit Hilfe von Goethes Verständnis vermittelt, warum es gilt, hinter allem die zugrundeliegende Idee zu suchen, das Leben sozusagen mit deren Hilfe zu durchgeisten. – Ich bin sicher, so wie mir mag es noch einigen anderen gegangen sein, die sich auch beruflich mit dieser Materie beschäftigen durften. – Jedenfalls finde ich, dass Drewermann auch mit obiger Aussage sich höchst unsensibel ein Urteil erlaubt, das ihm absolut nicht zusteht. – Wie grob dieser Mann, der so zerbrechlich erscheint, mit anderen Menschen und ihren unterschiedlichen Lebensweisen umgeht.

Zu 3.

Ab 14.40′ weist Drewermann darauf hin, dass im heroischen Zeitalter, von dem Homer berichtet, man sich Unsterblickeit durch Sieg auf dem sogenannten Schlachtfeld schaffte. Jedes Jahr im Sommer fanden räuberische Kriege zwischen den Stadtstaaten Griechenlands statt. Es galt Sklaven einzufangen, Frauen zu erbeuten, materielle Werte sich anzueignen; das fand man nicht unmoralisch, es war normal. Und um da mitzumachen, musste man so sein, dass es funktionieren konnte. Es galt für Heldentum, es so zu machen. Und in der Bronzezeit sehen wir, dass kein Mann beerdigt wird mit einigem Rang und Ruhm ohne Dolch und Schwert; das sind die Abzeichen von Würde, Ehre und  Selbstidentität, all das weiß Drewermann zu berichten. Die Menschheit ist groß geworden im Schlachthof, so unser Theologe wörtlich, und umso schwieriger ist es da herauszukommen. Und im Hinblick auf die Neuzeit meint er: Soldaten wollten sich nicht opfern, sie wollten töten, damit sie selbst nicht getötet werden; das hat man ihnen beigebracht.

Sie wollten töten? Mir ist da auch ganz anderes bekannt. Warum Drewermann grundsätzlich nicht differenziert, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Absolut verantwortungslos, wie er mit denen umgeht, die eh genug unter ihrem erzwungenen Soldatsein litten, vor allem im Dritten Reich.
Jedenfalls kann man Geschichte wie er darstellen, ganz ohne die Sternenweisheiten Babylons, die Verbundenheit mit dem Nil und dem Euphrat und Tigris, die Ägypten und Sumer in ihrer Naturverbundenheit so prägten, ganz ohne Zarathustra, Buddha, Christus, Gutenberg oder Luther, ohne Hinweis auf die offensichtlichen Fortschritte der Menschheit, ohne das offensichtlich notwendige Wechselspiel von Zerstörung und Weiterentwicklung, ohne Polarität und Steigerung, von der ein Goethe spricht.

„Wir rüsten in einerner Weise hoch, dass die Mechanismen des heroischen Zeitalters in den totalen Wahnsinn führen“ (23.12) – Man kann das so sehen.

Ich kenne einige ältere Menschen, die so sprechen wie Drewermann, weil sie alt sind und keine Rücksicht nehmen auf die Gefühle derer, die noch ihr Leben vor sich haben, obwohl sie keine fünf Minuten vorher noch betont haben, wie wichtig Gefühle sind. Es lässt sich eben gut über den Zusammenhang von Denken und Fühlen sprechen. Wie man aber fühlt, wenn es  um den Nächsten geht und nicht um einen selbst, ist eine ganz andere Sache. Nach mir die Sintflut, denkt Drewermann, der totale Wahnsinn kommt gewiss. Er weiß das. Nietzsche warf den Menschen vor, Gott getötet zu haben. – Gott ist Leben. Ich würde gerne hören, was Nietzsche diesem Theologen sagen würde, in Bezug auf seinen Umgang mit Leben und der Zukunft unserer Kinder.

„Wir sind inmitten einer Natur, die selber unmenschlich ist … der Natur sind wir überflüssig.“

Das sagt ein christlicher Theologe, der wissen müsste, dass es Natur ohne den Menschen nicht gibt, den Menschen nicht ohne Natur und dass es die Aufgabe der Menschheit ist, an ihrem Verhältnis zur Natur zu wachsen, was sie auch m. E. gegen allen Anschein tut – wir hoffen, nicht zu spät. Dass damit unterschiedliche Sichtweisen in Bezug auf die Natur einhergehen, sollte für einen Psychologen selbstverständlich sein.

Die Natur, die in der Christlichen Theologie eine Existenzform des Göttlichen ist, als unmenschlich zu bezeichnen, also noch dazu die Kriterien des Menschseins auf sie anzuwenden, ist für mich mit Verlaub schlicht hirnrissig. – Warum tut Drewermann das? Um seine geistig leblosen und flachen, ja zum Teil falschen Inhalte problemlos transportieren zu können?  Ich meine in der Tat: Ihm ist fast jedes Mittel recht.

zu 4.

Man kommt nicht umhin, dass da jemand tief in seinem Inneren vollkommen verzagt ist und ein Kleingeist des Mutes. Er brilliert mit seinem Verstand und seiner Wortgewandtheit, aber seine Sprache ist ohne Leben und auch in seinem Inhalt hallt immer wieder Verzweiflung wieder. – Mir ist, als ob dieser Mann in Wahrheit um Hilfe ruft.

Dem, was ich bereits oben zusammenfassend geschrieben hatte, habe ich nichts hinzuzufügen, aber auf einer persönlichen Ebene möchte noch anmerken:

Natürlich ist ein Eugen Drewermann aus bestimmten Gründen so geworden, aus bestimmten Gründen spricht er so monoton, wie eine Platte, die etwas abspult. Und natürlich raubt er aus bestimmten Gründen den Menschen ihren Mut, sieht so vieles defätistisch und es zeugt für mich im Grunde nichts von einer Glut im Herzen, obwohl er so wortgewandt über solch eine Glut sprechen könnte.

Ich wünschte, dass ein Drewermann auch offen lachen könnte und sich nicht nur ein leise angedeutetes Lächeln gönnt, wie es einmal im Video sich kurz andeutet. Möglich, dass er Dinge erlebt hat, die ihn haben so werden lassen, aus meiner Sicht maskenhaft starr. Möglich, dass er einen geistigen Weg geht, der ihn in diese äußerlich wirkende Trostlosigkeit geführt hat; möglich, dass er sie für genau richtig hält. Vielleicht ist sie es auch; auch meine Sicht ist relativ und subjektiv. 

Als Mensch wünsche ich ihm, dass er einen Weg aus dieser Situation finden möge (falls er nicht wirklich der fast Heilige ist, als den ihn nicht wenige seiner Anhänger sehen).

Ich persönlich bedaure, dass er in der Öffentlichkeit steht. Viele mustern ihn über Stunden sehr genau, verehren ihn, hören ihm intensiv zu, und er erreicht tausende und dieser Geist, den er hier so offen verbreitet, weht natürlich auch aus seinen Veröffentlichungen, wenn auch verdeckt. Sein Sprechen und Schreiben erinnert mich an die psychologische Abstraktheit eines C.G. Jung, vor dem man vielleicht, wie ich vor einigen Jahren noch voller Ehrfurcht förmlich stillesteht, bis man spannt, dass sein Archetypus des Heilands leblos, kalt und analytisch ist, wie vieles, was er schreibt. Bei allem Verdienst, der Jung zukommt.

So sehr ich den Menschen Drewermann als Menschen schätze; den Rattenfänger der Trostlosigkeit und der intellektuellen Geisteskälte, so sehr er sich auch bemüht, herzbewegend zu sprechen, halte ich für eine große Gefahr. Diese Mentalität entspricht noch dem Intellektualismus unserer Zeit, wobei er selten so schwarz daherkommt, ohne dergestalt wahrgenommen zu werden.

Ich hoffe, dass sich mehr und mehr Menschen finden, die diese Gestaltung des Denkens kraft ihrer Persönlichkeit, ihrer inneren Wärme überwinden. In der Politik fehlen sie uns ja weitestgehend auch.

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5 Antworten zu Ein jeder spricht, was er im Herzen trägt. – Eugen Drewermanns trostloses „Friedensgespräch“. – Bitte Jugendliche vor ihm schützen!

  1. Wolf schreibt:

    Ein sehr guter Artikel! Vor allem die Einschätzung, dass Drewermann selber Hilfe braucht, sehe ich auch so.

  2. Roger Schaumberg schreibt:

    Was für ein blinder, naiver Beitrag.
    Aber so sind die geistig domestizierten:
    marschieren singend in den Abgrund, denken dabei positiv, wissen alles besser und verteidigen den Status Quo bis auf´s Messer – als wäre es ihr eigener.
    Wie sagte Einstein:
    „Sie haben ihr großes Gehirn völlig zu Unrecht erhalten: das Rückenmark hätte völlig genügt!“
    150 Jahre vor dem Aussterben der Menschheit wieder einer, der Philosophie mit der mentalen Einstellung von Jungpionieren betreiben möchte:
    denn es darf nicht sein, was nicht sein kann.
    …Was übrigens das, was nicht sein darf überhaupt erst ermöglicht.
    Ich denke, wenn überhaupt, sollte man Kinder und Jugendliche vor dieser systemimmanenten, gefährlich naiven Sicht schützen.
    Ich rate zu etwas mehr Lacan, Kant, Maturana, Damasio, C.G.Jung, Chomsky, Morris Berman, Alice Miller, Bahro, Fromm etc.,
    dafür etwas weniger Rosamunde Pilcher und esotherisch-psychologische Selbsthilfe-Literatur…

    PS: Schon mal darüber nachgedacht, dass „positive thinking“ eine perfide Herrschaftstechnik sein könnte? Cui bono est – ist die Frage der Stunde.

    • Hab mich köstlich amüsiert, Herr Schaumberg.
      Wie man in einem Berg von Schaum den Überblick verlieren und vor lauter verbaler Kleckereien alles Niveau aus den Augen verlieren kann, dafür ist Ihr Kommentar ein echtes Shampoo. Vielleicht haben Sie auch zu viel Kant gelesen, der hat schon manche verwirrt, nicht nur Kleingeister. Ob einige der anderen von Ihnen Genannten (sapperlot aber auch, wen Sie alles gelesen haben, Sie sind schon ein toller Typ . . .) im Zusammenhang mit Ihnen angeführt werden möchte, wage ich allerdings zu bezweifeln.
      Vielleicht sollten Sie, bevor Sie mehr Demokratie wagen wollen, erstmal ein bisschen mehr Verstand riskieren . . .
      Danke jedenfalls für das Amüsement!

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