Glaubt mit Vernunft! Benedikt XVI.´ Regensburger Rede wird immer bedeutsamer.

 

Mit Benedikts Rede – hier im Original nachzulesen – verhält es sich wie mit gutem Wein: je älter, desto besser, desto mehr treten ihr Wahrheitsgehalt und ihre Bedeutung zu Tage. Ja, sie wird immer aktueller. Am 12. September jährt sie sich zum elften Mal, und da Benedikt vielleicht nicht mehr allzu lange unter uns weilt, seien an dieser Stelle die Gedanken gewürdigt, die der emeritierte Papst zu Recht in den Mittelpunkt gerückt sehen wollte.

Dass dies zunächst misslang, ist den Reaktionen auf seine Rede, dem fast weltweiten Hype seitens des orthodoxen Islam geschuldet, der sich aus zahlreichen islamischen Staaten fulminant Stimme verlieh; u.a. erklärte der stellvertretende Parteivorsitzende der regierenden türkischen AKP, Salih Kapusuz, der Papst sei durch seine Worte „in derselben Kategorie mit Führern wie Hitler und Mussolini in die Geschichte eingegangen“.

Benedikt bekannte, dass er mit dieser „riesigen Propagandaschlacht” nicht gerechnet habe und in einer Anmerkung zur schriftlichen Fassung seiner Rede, veröffentlicht in der Libreria Editrice Vaticana, distanzierte er sich erneut von den von ihm zitierten um das Jahr 1400 verfassten Worten des byzantinischen Kaisers Manuel II., welche besagen, dass Mohammed nur „Schlechtes und Inhumanes” gebracht habe „wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“.

Benedikt schrieb, der zitierte Satz habe nicht seine eigene Haltung dem Koran gegenüber ausgedrückt, „dem gegenüber ich die Ehrfurcht empfinde, die dem heiligen Buch einer großen Religion gebührt.” Ohnehin hatte er eigentlich schon 2006 am Ende seiner Rede expressis verbis zum „Dialog der Kulturen unsere Gesprächspartner (eingeladen).” und sich damit von den kaiserlichen Worten deutlich abgesetzt. Hinzu kommt, dass er in seinen auf das Zitat hinführenden Worten – von einer „für uns unannehmbar schroffe(n) Form“ der Aussage von Manuel II. Palaeologos gesprochen hatte.

Allerdings zeigen die Wucht der Reaktion sowie das Ausmaß an Beleidigung und Beschimpfung, dass er den Finger in eine offene Wunde gelegt haben muss. Zu Recht ist angemerkt worden, dass nicht ein einziges Mal angesichts der terroristischen und gewalttätigen Verbrechen von Islamisten in den folgenden Jahren eine ähnliche Reaktion wahrgenommen werden konnte, die viele zu Recht gerade von jenen Muslimen einforderten, die sich angesichts des Papst-Zitates über die Gewalttätigkeit des Islam so echauffiert hatten. Doch als sie Farbe hätten bekennen sollen gegen einen extrem gewalttätigen Islam der Gegenwart, taten sie es nicht.

Dabei war es Benedikt im Hinblick auf die zitierten Kaiserworte um etwas ganz anderes gegangen:

Ein Satz, der die Welt verändern könnte!

Im Zentrum von Benedikts Rede steht jener Satz des byzantinischen Herrschers, dessentwegen er ihn überhaupt zitiert hatte:

„Gott hat keinen Gefallen am Blut (…) und nicht vernunftgemäß, nicht „σὺν λόγω” zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider (…)”.

Ein auf den ersten Blick fast harmlos anmutender Satz, doch hat er die Kraft, die Welt zu verändern.

σὺν λόγω – das bekundet: mit Logos, mit Vernunft.

Logos bedeutet übersetzt Wort, Sinn, Christus, Sohn, Vernunft. (Über kaum ein Wort und seine Bedeutung ist so viel geschrieben worden.)

Dem Wesen Gottes ist es zu eigen, mit Vernunft zu handeln!

Mit genau diesem Satz hängen die Krise der christlichen Kirchen, die Krise des Glaubens und die Wertekrise der westlichen Gesellschaften zusammen, die sich zwar wirtschaftlich ständig fortentwickeln wollen, aber ihres geistigen Fundamentes vollkommen verlustig gegangen sind.

Deshalb sind die Worte Benedikts so bedeutsam. Wenn das einstmals Christliche Abendland sie in ihrer Konsequenz nicht versteht, wird es ethisch und moralisch und in der Folge auch wirtschaftlich, ggf. auch militärisch (digitale Kriegsführung eingeschlossen), untergehen, weil sein momentaner Versuch, Ethik zu praktizieren, ohne ein entsprechendes geistiges Fundament zu haben, scheitern muss.

Christliche Spiritualität und ein christlicher Wertekanon waren im Verein mit der philosophisch-ethischen Basis der jeweiligen Zeit Voraussetzung für das Erstarken Europas in wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Hinsicht. Wer diesen Zusammenhang nicht einzusehen in der Lage oder willens ist, wird sich mittels zukünftiger Entwicklungen eines Besseren belehren lassen müssen.

Ethik und entsprechende Werte verwirklichen sich nicht in einem geistig luftleeren Raum. Deshalb schrieb ich in meinem letzten Post, dass jeder in Deutschland spüre, dass etwas in diesem Land verkommt. Gott sei Dank noch nicht bei allen, denn:

Das Bewusstsein mancher Menschen hat sich in Richtung Logos verändert.

Erinnern wir uns zunächst der Quelle, auf die sich Logos bezieht. Wir kennen dieses Wort nicht nur aus jener berühmten Fauststelle (Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!” / Hier stock´ ich schon! Wer hilft mir weiter fort?), sondern vor allem aus dem Beginn des Johannes-Evangeliums, jener vielleicht geistig wichtigsten Stelle des Neuen Testaments, in der das Wort, Logos, von zentraler Bedeutung ist:

1 Im Anfang war das Wort {λόγος / Logos}, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.
3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. (…)
10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht.
11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. (…)
14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Blicken wir zurück in die Geschichte der Menschheit, so sehen wir, dass das Gottesverständnis nicht nur in unterschiedlichen Regionen verschieden war – ein Buddhismus wäre in Europa nicht möglich gewesen, hier fand sich zu gleicher Zeit die griechische Philosophie, die den Boden bereitete für die Sprache des Neuen Testaments -, sondern auch verschieden war zu unterschiedlichen Zeiten.

Wir sehen heute zurück auf ein animistisches Natur- und Gottesverständnis, auf Schamanismus, Mysterienwesen, Götter unterschiedlichster Hierarchien und im Rahmen des Christentums auf einen Weg, der erst mit Luther und durch Gutenbergs Kunst mehr und mehr Menschen an dem, was wir Religion nennen, so beteiligte, dass sie sich zunehmend selbst einbringen und eine eigene Meinung in Glaubensdingen bilden konnten. Als es so weit war, war es damit auch fast schon wieder vorüber, denn mit Beginn des Newtonschen Zeitalters begann eine Säkularisierung und ein Materialismus, dessen Höhepunkt heute fast schon wieder überschritten sein dürfte, zeigen doch entsprechende Untersuchungen durchaus ein Interesse der Menschen an religiösen Themen, allerdings mehr und mehr in außerkirchlichem und eher privatem Rahmen. Und zwar ein qualitativ verändertes Interesse. Das ist nicht mehr der Glaube unserer Eltern, ein mehr oder weniger ernstes Frommsein (was ich in meiner Kindheit oft als negativ erlebt und als Scheinheiligkeit wahrgenommen habe, aber keineswegs generell so einstufen möchte), sondern ein bewussteres Vordringen zu dem, was wirklich die Wirklichkeit unserer Erde und des Kosmos ausmachen könnte.

Benedikts großes Thema: das Verhältnis von Vernunft und Glaube

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Kirchen wirklich erkannt haben, wo der Schuh sie dermaßen drückt, dass er sie am Fortschreiten, an einer Weiterentwicklung hindert. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass sie Benedikt – vielleicht gilt auch in einer Kirche der eigene Prophet zu wenig – verstehen wollen; er verweist sie auf das Verhältnis von Vernunft und Glaube:

Menschliches Bewusstsein hat sich verändert; Menschen denken heute anders als früher, und wenn sie glauben, dann glauben sie anders als früher: Sie glauben denkend, sie stellen Fragen, und den Kirchen nehmen sie zunehmend die gängigen Antworten nicht mehr ab. Das ist z.B. ein Grund, warum ich nicht mehr in die Kirche gehe, denn was ich höre, klingt – es gibt Ausnahmen – noch wie vor 50 Jahren, als ob das Bewusstsein der Menschen sich nicht verändert hätte. Lassen Sie mich es drastisch ausdrücken: Es ist mir zu oft noch der gleiche frömmelnd stanzenhafte Sermon. Oft zeigt er für mich weder Herz noch Hirn. Manche mögen der Auffassung sein, dass das Herz das Wichtigste sei, der Kopf vernachlässigbar. Diese Einstellung aber entspricht immer weniger dem Menschen von heute. Und das nicht zu seinem Nachteil.

Ein sich bewegendes Denken

Menschen halten den Glauben nicht mehr für das allein Seligmachende, sondern sie suchen nach einer Antwort, die der Logos gibt. Ich will nicht sagen, dass sie die Antworten intellektuell versuchen anzugehen. Vielmehr ist es so, dass sich in unserer Zeit eine Art von Denken, das nicht mehr pur rational ist, entwickelt, kein kaltes Denken, sondern im Gegenteil eines, das sich denkend um das eigene Ich kümmert und um die Fragen, die das Innere bewegen, ein sich bewegendes Denken, ein durchaus auch intuitives, die Tiefenschichten unseres Seins suchendes, aufsuchendes Denken.

Damit einher geht keineswegs eine Absage an intuitive Formen der Religiosität, wie sie beispielsweise in Taizé oder klösterlichen Einrichtungen praktiziert werden oder in Formen der Meditation, mithin der bewussten Zuwendung zum eigenen Inneren. Ich war sehr erstaunt, als ich bei Nico Rosberg eine entsprechende Einstellung wahrnahm, die ich bei einem Formel-I-Fahrer wahrlich nicht vermutet hätte. Wir finden Entsprechendes bei mehr und mehr Menschen. Viele sprechen bewusst nicht darüber, wissend, dass Plappern dem, um was es geht, die Energie zur Entwicklung nimmt. Manche Dinge entwickeln sich eben am besten im Stillen!

Benedikts Weisheit trägt einer neuen geistigen Ausrichtung Rechnung. Sein Bestreben ging und geht darauf hinaus, den Logos, die Vernunft mit dem Glauben zu versöhnen. So weit aber ist die Kirche nicht; noch besteht sie (wenn auch nicht mehr so offensichtlich) auf der Verfügungsgewalt über das Innere ihrer Schäfchen. Den Grund, warum Letztere in Scharen weglaufen, könnte die Kirche, wenn sie sich treu bleibt, erst wahrzunehmen bereit sein, wenn ihr das Geld ausgeht. – Das kann dauern. Ihre finanziellen Polster könnten sie überleben.

Descartes´ revolutionierender Satz cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich, mit dem er gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts hin alles, was bisher galt, denkerisch auf den Prüfstand stellen wollte, führte den Menschen nicht zu Ich-Findung und jenem sich bewegenden Denken, sondern steilwärts in den Materialismus. Dort hängt er überwiegend fest. Und nur, wenn es einen Tsunami gibt oder ein Fukushima, dann tauchen die üblichen Fragen, nämlich, warum Gott so etwas zulassen könne, auf. Als ob uns nicht selbst Spiele, allen voran das Schachspiel, die Realität des Lebens zeigen können, nämlich, dass zunächst Weiß zieht, dann aber gnadenlos – manchmal mit tödlicher Konsequenz – Schwarz (und wenn es so negativ aufgeladen ist durch menschliches Denken, Reden und Handeln wie zur Zeit – und es ist kein Wandel abzusehen, im Gegenteil -, sollte sich auch niemand über die schwarze Vehemenz wundern!).

Wenn also Schwarz am Zug ist, dann fällt manchen auf einmal ein spiritus rector ein, der das Matt doch hätte verhindern müssen und an der jeweiligen Kalamität Schuld sein soll. Solange alles gutgeht, sieht der Mensch vor allem sich, wenn das Chaos ausbricht, dann gibt es auf einmal einen Gott, den es sonst nie gibt. Vergeblich bemühten sich die Mythen und Religionen mit und in ihren Bildern jahrtausendelang, darauf zu verweisen, worin die Ursachen liegen, dass es einen Tod gibt, dass es Schwarz gibt, Krankheit und Leid, und worin die Entwicklungschancen bestehen.

Allah ist auf fast kompromittierende Weise unberechenbar

Benedikt verweist in diesem Zusammenhang auf etwas Entscheidendes, wenn man sich auch von seiner Verwendung des Wortes Transzendenz nicht irritieren lassen darf:

Der christliche Gott, selbst Logos, selbst Vernunft, sich selbst also in den Rahmen des Logos eingliedernd, ist für Benedikt kein transzendenter Gott – im Gegensatz zu Allah.

Und der Papst nimmt Bezug auf einen herausragenden Vertreter des Islam, Ibn Hazm, welcher im Hinblick auf Allah erklärt, „daß Gott auch nicht durch sein eigenes Wort gehalten sei und daß nichts ihn dazu verpflichte, uns die Wahrheit zu offenbaren. Wenn er es wollte, müsse der Mensch auch Götzendienst treiben.”

Ein Gott dieser unberechenbaren Transzendenz kann für Menschen normalerweise nicht attraktiv sein.

Dass diese Worte von Ibn Hazm durch Benedikt einer so großen Weltöffentlichkeit noch einmal ins Bewusstsein gebracht wurden, mag die islamische Welt insgeheim mindestens genauso wie das Zitat des byzantinischen Kaisers auf die Palme gebracht haben, denn gerade auf dem Hintergrund des existierenden christlichen Logos weist es Allah in fast kompromittierender Weise als einen nicht berechenbaren Gott aus.

Benedikt zielt im Fortgang seiner Rede auf Positionen, „die denen von Ibn Hazm durchaus nahekommen können und auf das Bild eines Willkür-Gottes zulaufen könnten, der auch nicht an die Wahrheit und an das Gute gebunden ist. Die Transzendenz und die Andersheit Gottes werden so weit übersteigert, daß auch unsere Vernunft, unser Sinn für das Wahre und Gute kein wirklicher Spiegel Gottes mehr sind, dessen abgründige Möglichkeiten hinter seinen tatsächlichen Entscheiden für uns ewig unzugänglich und verborgen bleiben.”

Letztendlich lässt Benedikt offen, ob er hier einen Zusammenhang mit dem aktuellen Islam und dessen Gottesverständnis sehen will. Dass aber muslimische Gelehrte, obwohl Benedikt nur zitierte, not amused waren, ist nachvollziehbar. Vor allem, weil eben der christliche Gott dezidiert anders ist. Er ist im Zweifel nicht willkürlich, sondern:

Der christliche Gott ist Logos, verlässliche Vernunft.

Diesen Unterschied deutlich werden zu lassen, gehört zu den großen Verdiensten dieser Rede.

Seinen Logos hat Gott dem einzelnen Menschen angeboten, ihn zu ergreifen. Erinnern wir uns obiger Worte des Evangelisten, dann ist es allerdings wohl höchst selten geschehen, dass Menschen – über Lippenbekenntnisse hinaus (und hierzu zähle ich auch die Lippen von Bischöfen und Kardinälen) – dieses Angebot angenommen haben.

Ich bin Benedikt immer wieder auch kritisch gegenübergestanden. Mir kam der schmallippige Präfekt der Glaubenskongregation, der er früher war, manchmal kalt, unnahbar und sehr intellektuell vor. Als Papst habe ich ihn zunehmend weicher und herzlicher werdend erlebt, und bemerkenswert offen und selbstkritisch äußert er sich auch in Letzte Gespräche, dem von Peter Seewald herausgegebenen Interviewband

In seiner Regensburger Rede weist er seiner Kirche den Weg in die Zukunft, wissend, dass sich der Glaube der Menschen verändert und ihre Vernunft und es an der Zeit ist, dass Menschen den Logos-Begriff heute umfassender erfassen. Der Logos des Menschen, seine Vernunft, sein Denken, ist Teil des großen Logos. Für Benedikt – das wird deutlich – ist er dezidiert diesseitig. Nicht unnahbar, transzendent. Sondern mitten unter uns.

Im Anfang

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, so heißt es zu Beginn des Alten Testaments.

Im Anfang war das Wort, so beginnt das geistig so tiefgehende Evangelium, das Johannes-Evangelium.

Benedikt verweist auf die viel zu wenig beachtete Parallelität der Formulierung.
Wir alle gehen den Weg von Alpha, dem Urbeginn, bis Omega, zum Ende unserer Entwicklung; beide Buchstaben, das A und das O, markieren den ersten (Alpha) und letzten Buchstaben (Omega) des griechischen Alphabets. Wir sind auf diesem Weg, der erst mit dem siebten Schöpfungstag endet. Und wer weiß, ob nicht dann ein weiterer Zyklus beginnt.

Aber fest steht, dass der Mensch immer eigenverantwortlicher wird. Das ist nicht zu übersehen. Damit das gutgehen kann, hat sich das Urwesen, das manche Gott nennen, in seinem Sohn mit der Erde vereinigt. Die Bedeutung des Logos ist, dass er erkennbar geworden ist als Christus, als Logos, und dass er diesen, gleichsam sich selbst, den Menschen verantwortlich anbietet. Manchen ist das gewiss zu christlich und religiös und sie wenden sich ab.
Aber Tatsache ist, dass mit diesem Logos dieses Urwesen, das wir auch Gott nennen, den Menschen von sich abnabelt. Der jüdisch-christliche Gott möchte – im Gegensatz zum Islam (die Sprache und Diktion des Koran lässt für mich hier keine Zweifel) – keine trommelnd das Wort Gott bzw. Allah wiederholenden Marionetten.

Wer weiß, ob nicht das Nicht-Aufsteigen des Kain-Rauches ein göttliches Einwirken war; es findet sich in der Bibel kein Hinweis, dass Kain selbst die Ursache für die Ablehnung seines Opferrauches gewesen sei. – Jedenfalls wird Kain wie sein Rauch radikal auf die Erde verwiesen Kein Zufall. Abel geht, Kain bleibt.

Und nicht einmal Gottes Sohn möchte lauter Christusse. Als er nach seiner Auferstehung unter die Jünger tritt, verweist er (Joh.20,22) darauf, dass sie von nun an eigenverantwortlich mit dem Geist arbeiten, den er ihnen übermittelte. In jedem Menschen ist er Teil seines Wesens.

Manchem ist diese Option zu groß; lieber nimmt er den atheistischen Ausgang, für mich menschlich nachvollziehbar (es ist auch bequemer, wobei manche ihre Bequemlichkeit hinter Rationalität verstecken).

Nicht jeder, der Leistung zeigen könnte, tut das. das gilt gerade auch in spiritueller Hinsicht. Manche springen eben unter der Hochsprunglatte durch oder legen sie sich selbst so hoch, dass sie sie zwangsläufig reißen müssen. Bedauerlicherweise ist es so, dass in einer Gesellschaft, die Kindern und Jugendlichen nicht mehr grundlegende Tugenden vermittelt wie die, dass man auf Dinge verzichten können muss, um ein großes Ziel zu erreichen, diese mangelhafte Erziehung nicht die Kinder fördert, sondern deren Scheitern. – Das muss man nicht kommentieren. Es ist schlimm genug.

Wachsen zum Erwachsensein

Hingen die Menschen bis zu Christi Anwesenheit auf der Erde womöglich trotz Kain und Prometheus noch am Rockzipfel Gottes, so ist es mit diesem Kinderstatus endgültig vorbei.
Die Menschen werden erwachsen und sie werden es nur, wenn Vernunft und Glaube Hand in Hand gehen. – Auch das verbirgt sich meines Erachtens hinter den Worten Benedikts, aus denen seine Kirche keine für mich erkennbaren Konsequenzen zieht.

Ohne das Verwobensein des Kain mit der Erde, ohne dieses Ichbewusstsein, diese Ich-Findung, initiiert durch Jahve, ohne den Prometheus in sich kann niemand den Logos leben.

Jemand, der die Quellen, seien es die Veden, die Bibel, die Mythen, die uns auf diesen Weg verweisen und ihn erklären, nicht ernst nimmt, wird scheitern. Manche möchten sie für Phantasiegebilde halten. Doch wir verdanken sie dem Logos, den es seit allen Zeiten gibt und der sich zu allen Zeiten kundgetan hat, nie eben aber intensiver und hilfreicher als durch seine Präsenz in Jesus. Wenige haben wirklich dessen Bedeutung und eben die Bedeutung des Logos, einer Vernunft, die von uns selbst zur Anwendung gebracht sein will, für ihre spirituelle Entwicklung begriffen.

Benedikt hat in seiner Regensburger Rede den Glauben mit dieser Vernunft verbunden, und wenn man genau hinhört, geschieht es mahnend, bittend und wissend zugleich, wenn er fordert, dass „Vernunft und Glaube auf neue Weise zueinanderfinden“, indem wir „der Vernunft ihre ganze Weite wieder eröffnen.“

In nuce enthalten diese Worte, enthält seine Regensburger Rede Benedikts Vermächtnis.

Ich finde es wahrlich weise.

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