Wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! – Leben von innen nach außen!

 Ach, ich kannte Edle, die verloren ihre höchste Hoffnung. Und nun verleumdeten sie alle hohen Hoffnungen. Nun lebten sie frech in kurzen Lüsten, und über den Tag hin warfen sie kaum noch Ziele. ‚Geist ist auch Wolllust‘ – so sagten sie. Da zerbrachen ihrem Geiste die Flügel; nun kriecht er herum und beschmutzt im Nagen. Einst dachten sie Helden zu werden: Lüstlinge sind es jetzt. Ein Gram und ein Grauen ist ihnen der Held.

Und es heißt in Nietzsches Also sprach Zarathustra noch:

Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich Dich: Wirf den Helden in Deiner Seele nicht weg! Halte heilig Deine höchste Hoffnung!

Mit diesen Worten, die fast seherhaft die gegenwärtige geistige Situation Deutschlands charakterisieren, setze ich den Beitrag zu Ernst Moritz Arndt und seinem deutschen Wesen fort, denn jenes war genau dadurch gekennzeichnet, dass viele Menschen unserer Kultur ein Bewusstsein davon hatten, dass in allem Geist ist, Geist, den sie nicht auf Wollust reduzierten, und ein Bewusstsein davon, dass, wenn man über Vorgänge unserer Wirklichkeit spricht, man deren Geist suchen muss, um sie zu verstehen. Nicht nur Nietzsche, viele andere haben das in ihrem Schaffen zum Ausdruck gebracht, ganz deutlich auch Friedrich Schiller in einem Gedichtentwurf zur Feier der Jahrhundertwende:

Das ist nicht des Deutschen Größe,
Obzusiegen mit dem Schwert,
In das Geisterreich zu dringen,
Vorurteile zu besiegen …
Männlich mit dem Wahn zu kriegen,
Das ist seines Eifers wert!

Was Nietzsche und Schiller und viele andere, natürlich vor allem Goethe in seinem Faust ansprechen, ist ein Zug deutschen Wesens, für den ich unendlich dankbar bin, in diesen Kulturraum hineingeboren zu sein, denn ich sehe nicht, wo er sonst weltweit noch so gründlich ausgeprägt wäre. Ich bedauere, dass nur noch so wenige Menschen zu diesem Zug und weiteren Eigenschaften unserer Kultur, die ich sehr schätze, stehen, nur weil sie befürchten, in eine rechte Ecke gestellt zu werden. Aber mit allen Fasern, dem ganzen Herzen zu leben und nicht auf den Schein hereinzufallen, sondern das Sein zu suchen, das und anderes mehr sind nun einmal wesentliche Charakteristika  – und was ist daran rechts oder links? Ich persönlich lehne ohnehin diese Rollatoren politischer Kultur ab, schon allein deshalb, weil ich Etikettierungen und in dem angesprochenen Fall das damit verbundene verkappte Kastenwesen total ablehne.

Kaum etwas wie dieses Begriffspaar von links und rechts hat den gesunden menschlichen Verstand so außer Kraft setzen können. Und typisch ist beispielsweise, dass manchmal Politiker sich nicht inhaltlich verteidigen müssen, sondern aufgefordert werden zu erklären, warum sie als Linke rechte Positionen vertreten – oder umgekehrt. – Der Grund ist schlicht, dass sie es tun, weil sie eine Position vernünftig finden. Aber das darf in einer links-rechts-verhirnten Gesellschaft nicht sein.

Es würde dieser Gesellschaft unendlich guttun, diese Denkschablonen auf den Müll zu werfen und nicht nur zunehmend von Tierwohl zu sprechen, sondern Menschenwohl zum Kriterium politischen Denkens und Handelns zu machen (vielleicht geht es Ihnen auch so, dass man manchmal den Eindruck hat, um Schweine kümmert sich unsere Gesellschaft mehr als um Menschen, die zunehmend zahreicher am Rande des Existenzminimums leben).

Heute wissen viele Menschen gar nicht mehr, was Schiller mit obigen Zeilen meint und womöglich verwechseln sie Geist mit der menschlichen Intelligenz. Die gibt es auch, und sie ist sehr wichtig, denn der Mensch muss logisch denken können und muss vor allem sein Denken beherrschen, nicht, dass geschieht, was zur Zeit festzustellen ist, dass er ständig Gefahr läuft, fremdgesteuert zu werden, nicht nur, weil sich zunehmend mehr Menschen Chips implantieren lassen und eine Entwicklung auf den Weg bringen, die unabsehbar endet, sondern weil die meisten annehmen, sie hätten die mediale Überflutung im Griff.

Abstimmungsergebnisse wie beim letzten Eurovision Song Contest (siehe 1. Arndt-Post) und das Auspfeifen einer Helene Fischer beim Pokalfinale geben mir allerdings Hoffnung, dass Menschen sich ihre innere Selbständigkeit und Gesundheit nicht einfach schleichend nehmen lassen wollen. Denn eine Amerikanisierung der Gesellschaft macht alle krank.

Intelligenz und somit Kraft des klaren Denkens sind also absolut notwendig, aber jener Geist, den Nietzsche und Schiller ansprechen, das ist ein anderer. Wir alle stehen in Beziehung mit ihm. Viele allerdings haben ihn in einen inneren Tresor entsorgt und den Zugangscode vergessen. Ja, sie haben vergessen, dass es überhaupt diesen Tresor – nicht von ungefähr bedeutet dieses  ursprünglich griechische Wort Schatzkammer – gibt.

So kommt es, dass vielen diese Ebene, die übrigens nur insofern etwas mit Religion – mit Kirche wohl immer weniger – zu tun hat, als damit angesprochen ist, was alle Menschen verbindet, seit sie sich vor Milliarden von Jahren auf der Erde begonnen haben zu entwickeln, zunächst Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen gemeinsam, bevor sich unterschiedlich ausdifferenzierte, was nun Grundlage menschlichen Lebens ist, immer weniger bewusst ist. Wenn wir jedenfalls den Dokumenten der Menschheitsgeschichte glauben, ist der Mensch so bedeutend, weil er den gesamten Kosmos im Kleinen als Mikrokosmos spiegelt, inclusive all derer, die es besser wissen.

Leben kann so tot sein

Ernst Moritz Arndt lässt in seinem genialen Gedicht den kleinen Jakob eine Erfahrung machen, die, als notwendig zu erkennen, Voraussetzung ist, um nicht unnötig lange im Totenreich, in der Geistlosigkeit sich aufzuhalten, während man zu leben glaubt.
Damit die Jakob-Not sich wenden kann, ist es not-wendig, in sich den Helden, von dem Nietzsche spricht, zu aktivieren, denn für diesen Weg bedarf es dieser Gestalt in uns. Gut, wenn in der Kindheit der Heldenkraft die Möglichkeit gegeben wurde, sich zu entwickeln.

Gebildet wird diese Kraft unter anderem durch die Lektüre von Märchen und Sagen (möglichst nicht per Film, weil die eigenen Seelenbilder wichtig sind!). Auch Astrid Lindgren z.B. ist eine Autorin, deren Helden sie zu entwickeln in der Lage sind (besonders empfehlenswert Die Brüder Löwenherz) oder aus neuerer Zeit Markus Zusaks Der Joker (Vorsicht, der Verfasser des Wikipedia-Eintrags hat den genialen Schluss, auf dessen Verständnis es so ankommt, nicht wirklich kapiert).

Kaum zu glauben, dass Arndts Gedicht eine politische Dimension hat, aber alles, was der Entwicklung eines Einzelnen dient, zieht Kreise, dient auch den Mitmenschen.

Arndts Zeilen sind auch deshalb bemerkenswert, weil sie von ganz vielen seiner anderen Gedichte sich abheben, inhaltlich und formal. Wir wissen, er liebte Mythen, schließlich gab er selbst Märchen und Sagen heraus. Von daher verwundern der Märchenton und entsprechende Motive in Klage um den kleinen Jakob nicht. Dennoch ist dieses Gedicht außergewöhnlich im Rahmen seines Schaffens. Obwohl schon im letzten Post veröffentlicht, möchte ich es hier nochmal einfügen – man entdeckt ohnehin bei jedem Lesen Neues:

.

Wo ist der kleine Jakob geblieben?
Hatte die Kühe waldein getrieben,
Kam nimmer wieder,
Schwestern und Brüder
Gingen ihn suchen in’n Wald hinaus –
Kleiner Jakob, kleiner Jakob, komm‘ zu Haus!

Wohin ist der kleine Jakob gegangen?
Hat ihn ein Unterird’scher gefangen,
Muß unten wohnen,
Trägt goldne Kronen,
Gläserne Schuh, hat ein gläsern Haus.
Kleiner Jakob, kleiner Jakob, komm‘ zu Haus!

Was macht der kleine Jakob da unten?
Streuet als Diener das Estrich mit bunten
Blumen und schenket
Wein ein, und denket:
Wärst du wieder zum Wald hinaus!
Kleiner Jakob, kleiner Jakob, komm‘ zu Haus!

So muß der kleine Jakob dort wohnen,
Helfen ihm nichts seine güldenen Kronen,
Schuhe und Kleider,
Weinet sich leider –
Ach! armer Jakob! – die Äuglein aus.
Kleiner Jakob, kleiner Jakob, komm‘ zu Haus!

.

Da ist viel Bewegung, und wer sich auf das Gedicht einlässt, wird natürlich schon durch die Eingangsfrage angesprochen und einbezogen.

Etwas wie einen auktorialen, also allwissenden Erzähler, wie wir ihn in Novellen und Romanen finden, gibt es in der Lyrik in diesem Sinn nicht, aber hier ist dennoch ein lyrisches Ich vorhanden, das sich, wenn es sich auch nirgends per Personal- oder Possessivpronomen wirklich zeigt, ständig präsent ist und über allem steht. Schließlich sind seine Wertungen – und Wertungen sind typisch für einen auktorialen Erzähler – unübersehbar, sein „Ach“ oder die Tatsache, dass Jakob als „armer“ bezeichnet wird, und spürbar ist seine emotionale Zuwendung gerade in der vorletzten Zeile in dem Diminutiv, also in der Verkleinerungsform „Äuglein“. Vor allem aber ist ein Kennzeichen eines allwissend Schreibenden, dass er sogar weiß, was der kleine Jakob in Strophe III, Vers 4 denkt: Wärst du wieder zum Wald hinaus!

Auffallend ist natürlich die Metrik des Gedichtes: Die ersten beiden Zeilen sind in allen Strophen jeweils vierhebig und metrisch sehr unregelmäßig, die mittleren Zeilen sind zweihebig, die letzte Zeile aber fungiert als Refrain, durchgehend trochäisch gestaltet und sechshebig. Das alles lässt im Verein mit einigen Zeilensprüngen, Bindestrichen, Frage- und Ausrufezeichen keine Betulichkeit aufkommen. Auch die Ellipsen, also das Weglassen von Wörtern, erzwingen ja im Grunde das ständige Mitdenken des Lesers, schon in der zweiten Zeile (Hatte die Kühe waldein getrieben), in der das Subjekt Er fehlt, wobei dieses Fehlen gerade bewirken mag, dass der Kleine umso mehr in den Mittelpunkt rückt.

Und natürlich wirkt eine Zeile wie Wärst du wieder zum Wald hinaus! mit den zahlreichen W-Alliterationen sich auf das Unbewusste des Lesenden aus: Alliterationen, also Wortanfänge mit gleichen Buchstaben, haben immer Sogwirkung – desgleichen die Assonanzen, also die Abfolge gleicher Vokale bzw. Diphtonge in Weinet sich leider.

Nicht, dass ich annehme, Arndt habe das alles absichtlich eingebracht. Vielmehr kommt da etwas von tief innen, was sich auf diese Weise Bahn sucht, eindeutig nicht so gedrechselt wie viele andere seiner Gedichte. Und dass dies so ist, hängt damit zusammen, dass er ein ewiges Thema des Menschseins gestaltet, wie ich es schon für Eisenhans und Hänsel und Gretel im vorausgehenden Beitrag angedeutet hatte: Jemand ist verschwunden. Im Wald. Im Unterbewussten.

Vielleicht ist er noch da, lebt unter den Menschen, aber sein wahres Wesen ist verschwunden.

Das ist ja das zentrale Thema der Märchen: Mit dem Tod der Eltern, oft ist es auch nur die Mutter, verschwindet das ursprüngliche, das wahre Bewusstsein und mit dem Einzug der Stiefmutter ändert sich alles. Bisweilen bringt sie noch eigene Kinder mit, die dem Märchenhelden übel mitspielen. Die drangsalieren z.B. Aschenputtel oder versuchen, auf billige Weise an das Wesentliche herankommen, indem sie beispielsweise den Bruder, der für den Vater das Wasser des Lebens geholt hat, überfallen und vor dem Vater tun, als hätten sie es geholt, weil sie sich um sein Leben und seine Gesundheit so Sorgen gemacht hätten.

Falschheit und Nicht-Beachten von ethisch anspruchsvollem Verhalten ist ein Kennzeichen dieses Menschen-Märchenpersonals, etwas in Besitz zu nehmen, was man nicht durch Arbeit und wahre Entwicklung verdient hat, sondern was man sich durch Trickserei und/oder Betrug aneignet. Die Märchen aber zeigen eindeutig, was mit jenen passiert, die sich so verhalten und sich Schätze aneignen, die ihnen nicht zustehen, man denke an Simeliberg oder Ali Baba und die 40 Räuber; wer sich Schätze aneignet, die ihm nicht zustehen oder solche, die eh die Motten und der Rost fressen, wie es in der Bibel heißt, stirbt.

Dem Stiefmutterbewusstsein geht es um Tand, um Glitter, um schönen Schein, ein Thema, das Schiller in Maria Stuart so wichtig war und auch Platon in seinem Höhlengleichnis. Genial, wie er da kurz und prägnant darauf aufmerksam macht, dass die Ehrungen, das Schulterklopfen und das Medaillenverleihen hier auf unserem Planeten Erfindungen des Höhlenbewusstseins sind, um sich die Höhle schmackhaft zu machen und von dem abzulenken, was sie wirklich ist, ein Bewusstseinsgefängnis, und dass es eigentlich nur ein Ziel geben kann, nämlich, aus der Höhle zum Licht zu gelangen, denn: Höhlenbewusstsein ist Stiefmutterbewusstsein. Nicht von ungefähr lässt Goethe in Faust II Faust zu den Müttern vordringen, den wahren; das Ganze erweist sich allerdings als eine Nummer zu groß für den Guten.

Wie Platon übrigens darüber schreibt, auf welche Weise mit denen umgegangen wird, die zum Licht gelangten, zum Sonnenbewusstsein, und in die Höhle zurückkehren, um den dort Leidenden zu helfen, ist einfach ein weiterer genialer und leider realistischer Aspekt des großen Griechen: Sie werden verspottet, schlimmstenfalls getötet.

Der Gedichterzähler weiß um das alles, er weiß, warum man dem kleinen Jakob eine goldene Krone aufgesetzt hat. In Wirklichkeit steht er im Dienst der Unterirdischen, ist deren Blumenstreuer und Mundschenk.

Der Dichter des Kleinen Jakob lässt den Leser aber etwas sehr Entscheidendes wissen:

Jakob weiß um seine Situation. Er will dem Bann der Unterirdischen entfliehen. Offensichtlich aber ist er noch nicht in der Lage, den Weg zu finden, die richtigen Mittel zur eigenen Befreiung einzusetzen. Noch weint er sich die Augen aus. Wenn es dabei bliebe, könnte er auf eine der größten Entwicklungsbremsen für Menschen hereinfallen: das Selbstmitleid. Das ist wie Kleb an den Füßen. Nichts geht mehr.

2017 will von dem, was in dem auf den ersten Blick so unscheinbaren Gedicht Ernst Moritz Arndts angesprochen ist, kaum jemand mehr etwas wissen. Für unsere Ahnen war dessen gedanklicher Mittelpunkt immer ein Thema. Nicht bei allen vollkommen bewusst; bei vielen zeigte es sich einfach in einem Lebensverhalten, das das pure Gegengift zur Jakob-Not ist und das ich im vorhergehenden Post angesprochen habe:

Wer arbeitet und sich bildet fast bis zum letzten Atemzug, der hat in sich ein Ziel, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist und er trägt ganz Wesentlichem unseres Lebens Rechnung: Wir nehmen alles, was sich im Inneren abspielt, alle Einstellungen, alles Bewusstsein, das wir uns erarbeitet haben, mit. Nichts an Bewusstsein geht verloren.
Es geht ja, um ein ganz entscheidenden Missverständnis anzusprechen, in unserem Leben nicht darum, die gigantischen Lern- und Bewusstseinssprünge zu machen, von denen so oft die Rede ist, den Drachen zu besiegen oder eine der Herakles-Aufgaben zu bewältigen – natürlich muss letztendlich jeder auch an sie ran.

Wichtig in erster Linie aber ist es, die kleinen Entwicklungsschritte zu gehen, aus denen sich alles Weitere ergibt. Das heißt, jedes Mal, wenn wir nicht gelästert haben, obwohl es uns so drängte, wenn wir keine Bla-Bla-Worte geredet haben, damit was gesagt ist, wenn wir eine Kleinigkeit, die uns nicht guttut, endlich abstellen, dann speichern wir in uns Kraft für den Weg aus der Höhle. Jedes Mal, wenn wir kein Urteil gesprochen haben, sondern die Seiten gewechselt haben, um etwas aus einer anderen Perspektive zu sehen, haben wir uns einen Riesengefallen getan, weil wir unseren gängigen Denkrastern zu entkommen versuchen.

– Es sind die kleinen Schritte, die zählen!

Im Gegensatz dazu sind es die vielen unkontrollierten Gedanken, die unsere Gegenwart belasten und die Menschen innerlich in einem viel größeren Ausmaß schädigen, als wir annehmen.

Vor allem aber ist es der Verlust des Bewusstseins, das den Altvorderen unserer Kultur fast heilig war: dass hinter aller vordergründigen Wirklichkeit eine geistige steht, die zählt; und dass es auf die innere Entwicklung ankommt.

Innerer Reichtum kann durchaus äußeren fördern

Was leider vollkommen aus dem Blickwinkel der Menschen Deutschlands geriet, ist, dass auch sein äußerer Reichtum eine Folge dieser inneren Einstellung war, weil dieser Reichtum und diese Einstellung ein Arbeitsethos und einen Umgang mit Familie und Beruf sowie dem eigenen Inneren mit sich brachte, der sich im Äußeren auswirkte!

Für mich ist sicher, dass, wenn es so weitergeht, der äußere Reichtum Deutschlands zusammenbrechen wird, weil die innere Substanz fehlt. Sie ist schlicht nicht mehr da, und ich kann nur allen empfehlen, sie, um diesem Land zu helfen, wo es geht, anzumahnen und selbst zu leben suchen. Natürlich auch wegen des äußeren Reichtums, warum nicht, wenn man angemessen mit ihm umgeht, sondern auch wegen der inneren Substanz, die jedem Menschen, der auf sie Wert legt, unendlich guttut. Wie sehr, mag sich für manchen erst im Leben nach dem Leben zeigen.

Für jemanden, der darauf achtet, ist diese innere Substanzlosigkeit bei einer Merkel so offensichtlich, wie es mehr kaum geht. Ihre Politik ist ziellos wie ein gebrochener Pfeil und der Frau fehlt ein inneres Koordinatensystem, das sie verwirklicht. Dass sie aber sich solcher Beliebtheit erfreut, zeigt, wenn die Zahlen stimmen – was ich manchmal nicht glauben kann -, wie sehr weite Teile der Bevölkerung ihrem Bewusstsein gleichgeschaltet sind.

Ein Horror für mich ist, um ein jüngstes Beispiel zu nehmen, dass Merkel mit Saudi Arabien vereinbarte, dass die Bundeswehr dessen Soldaten ausbildet. Saudi Arabien, in dem Menschen noch 2017 Hände abgeschlagen werden und regelmäßig freitags öffentliche Hinrichtungen stattfinden, unterstützt, das ist nun wahrlich genug bekannt, weltweit den Terror radikalster Gangart – gerade sind die Wahhabiten dabei, in Pakistan und Indien einen militanten Islam aufzubauen, auch das ist bekannt und wird sogar im Fernsehen kommuniziert. Und Riad unterstützt in Deutschland militante Salafisten. Wie kann man dieses Land militärisch fördern? Das ist meines Erachtens moralisch verkommen und zeigt eine innere Haltlosigkeit dieser Frau, die sie allerdings bestens in ihrem äußeren Auftreten und dem Eindruck, den sie von ihrer Politik zu erwecken sucht, zu kaschieren versteht. Alexander Mitscherlich hat einst über unsere vaterlose Gesellschaft geschrieben; hätte er lieber darüber geschrieben, dass diese Gesellschaft ein Mutterproblem hat; vielleicht wäre uns Mutter Merkel erspart geblieben oder mehr Menschen hätten sie durchschaut.

Und wie sehr sie Menschen einlullt, zeigt sich darin, dass ein Donald Trump Handel, vor allem Waffenhandel mit Saudi Arabien zunächst mit einem Volumen von 110 Milliarden US-Dollar (rund 98 Milliarden Euro) treibt – insgesamt wird das Volumen 380 Dollar umfassen -, ohne dass ein Aufschrei durch Deutschland – gefordert wäre ganz Europa – geht. Wie kann man so viele Waffen ausgerechnet in dieses Land pumpen!

Die moralische Verkommenheit ist allenthalben übergroß – und sie wird akzeptiert.

Um deutlich zu machen, warum das so tragisch ist und inwieweit das mit einem deutschen Wesen, wie ich es auf dem Hintergrund einer einzigartigen Kultur so schätze, zusammenhängt, zitiere ich Worte des spanischen Diplomaten und Schriftstellers Salvador de Madariaga (1886-1978) aus seinem Buch Porträt Europas, den man als Spanier kaum eines falschen Nationalismus deutscher Provenienz zeihen kann:

Deutschland bildet das Herzstück Europas, ist im Mittelpunkt seines Körpers, am Gipfel seines Geistes, in den innersten Räumen seines bewussten und unbewussten Wesens: die Quelle seiner erhabensten Musik, Philosophie, Naturwissenschaft, Geschichte, Technik – sie alle sind undenkbar ohne Deutschland. Wenn Deutschland fällt, so fällt Europa. Wenn Deutschland verrückt wird, so wird auch Europa verrückt. Die moralische Gesundheit des deutschen Volkes ist eine der Hauptbedingungen für die moralische Gesundheit Euro­pas, ja für seine Existenz selbst.

Um es noch einmal – wie schon im letzten Post – deutlich anzusprechen: Jede kulturell gewachsene Nation – bisweilen entspricht der Kulturraum auch dem Sprachraum -, hat Eigenschaften, die wertvoll sind für die Gesamtheit eines Kontinents, ja der Menschheit. Natürlich korrespondieren ihnen auch negative Eigenschaften, die, wenn der innere, der geistige Background fehlt, sich negativ auswirken: Klar sind Deutsche gern überpenibel, können ordnungsfanatisch sein und lehrerhaft.

Das ist immer dann der Fall, wenn sich Eigenschaften von ihrem inneren Kern lösen und verselbständigen. Man kann es in Frankreich derzeit bestens studieren, wo die einstmals vorhandene Vernunft, um die es dieser Nation so ging, durch eine rebellische, kindhafte Unvernunft boykottiert wird und notwendige Veränderungen und Reformen nicht vorgenommen werden, was Frankreich, wenn es so weitergeht, in den ökonomischen Ruin treiben wird.

Doch auch um Deutschland sieht es düsterer aus, als es momentan den Anschein hat.
Was Salvador de Madariaga schrieb, war einmal. Deutschland wird moralisch krank und kränker, immer geistloser.

Und das Schlimme ist: Ich sehe nicht, wie sich der einmal vorhandene wertschöpfende Geist wieder einstellen sollte.

Es stellt sich die bange Frage: Finden sich genügend Deutsche, die in dieser hohen Gefährdungslage wieder an den wahren deutschen Geist anknüpfen wollen, der sich dessen bewusst war, dass ohne Geist Leben wertlos ist, verkommt?

Eigentlich ist dieser Geist, von dem ich schreibe, dass er Deutschland auszeichne, einer, den jedes Land in gewisser Weise, auch jeder Mensch in sich trägt. Aber es war der Kultur Deutschlands vergönnt, diesen Geist zu einem zentralen Thema seines öffentlichen Lebens und seiner inneren Wirklichkeit zu machen.

Warum ist der Pfeil gebrochen?

Oder, wie es Nietzsche sagt: Warum sind dem Adler die Flügel gebrochen?

Wir können das Beispiel Geld wählen und wahrnehmen, dass eine geistige Energie dahintersteht. Wir können Hass nehmen, und es steht eine geistige Energie dahinter, wir können eine Institution wie die Kirche nehmen und es steht eine Energie dahinter, wir können den Rüstungskonzern Rheinmetall nehmen, der die Türkei mit Panzern beliefern wollte (will?) und es steht eine geistige Energie dahinter. Hinter allem und jedem und in allem und jedem ist das der Fall. Nicht die Hassworte, die jemand aus dem Mund fallen lässt, sind das Entscheidende, sondern deren entsprechender geistiger Kobold, der sich mit anderen Hasskobolden deutschlandweit, europaweit, weltweit vereinigt und etwas entstehen lässt, ein Ereignis, ein Unglück, auf Grund dessen sich dann Menschen mit offenem Mund fragen: Wie konnte das geschehen?

Oder sie fragen: Wie konnte Gott das zulassen?

Das ist eine der verlogensten Fragen, die es überhaupt gibt.

Schauen wir lieber ehrlich das Verhalten und die Worte der Menschen, ihre Verlogenheit, Falschheit und Gier nach Geld und Ruhm weltweit an. Zu glauben, all das bleibe folgenlos in den Kleidern hängen, täuscht. Was der Mensch sät, erntet er.

Menschen sollten, bevor sie mal wieder Gott zur Rede meinen stellen zu müssen, ihre Fragen an Menschen richten, die Dinge tun, die zwangsläufig zu Unglück und Not führen.

Leider sehen wir nicht, welche Energien Glück und Schönheit, Barmherzigkeit, aber auch klares und konsequentes ethisches Denken und Handeln zustande bringen. Liebe, von der so viel gesprochen wird, bedeutet ja nicht, Ungerechtigkeiten und Verkommenheiten tatenlos zuzusehen.

Jedenfalls müssen wir uns wieder angewöhnen zu sehen, dass alles auf seelischen Ebenen Auswirkungen hat. Und nichts ohne Konsequenz geschieht.

Und wenn wir gerade in unserem liebenswerten Land darauf achten, werden vielleicht wieder Antennen ausfahren, die das wahrnehmen können, was ein Fichte, ein Schelling, ein Goethe, ein Novalis, ein Richard Wagner, ein Caspar David Friedrich wahrgenommen und umgesetzt haben, auf ihrem Gebiet. Genau das kann sich auch auf politischem Feld abspielen, aber dazu müssen Menschen innerlich bereit sein. Unsere Politiker sind weitgehend Marionetten des Höhlenbewusstseins, Söhne und Tochter der Stiefmutter. Und unsere Politiker repräsentieren nur den Zeitgeist, der getragen wird von vielen, vielen Millionen Menschen in Deutschland. Wer glaubt, außen vor zu sein, steht im Dienst der Unterirdischen, unter denen der kleine Jakob leidet.

Ich hoffe nur, dass Menschen wieder einsichtiger werden und sich die richtigen Ziele wählen, denn kein gebrochener Pfeil, kein gebrochener Flügel erreicht sein Ziel. Schon gar nicht auf einer alles entscheidenden geistigen Ebene, die zu einem guten Ende zu bringen die Menschheit vor Milliarden von Jahren angetreten ist.

Wer auf jenen Geist zu hören, der die Kultur dieses Landes so geprägt hat, wieder oder weiterhin bereit ist, ist kein schwankendes Rohr, das der Zeitgeist umeinanderbeugt, mal hierhin, mal dorthin. Er lebt nicht von außen nach innen und schafft sich den Unrat des Zeitgeistes, dem Nikotin gleich, in die eigene Lunge bzw. Seele, sondern er lebt von innen nach außen, wissend, was der weise Novalis meinte, wenn er sagte: In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten.

Er wird sich durchaus modisch kleiden, wenn ihm danach ist, aber er wird nicht den Moden der Zeit frönen müssen. Er wird wissen, was Menschen meinen, wenn sie sagen, es gälte, ganz im Augenblick zu leben. Insgeheim aber weiß er, dass es gilt, dem Ewigen Rechnung zu tragen, jenem Ziel, von dem Nietzsche sprach, wenn möglich, in jedem Augenblick, jenem Geist also, von dem dieses Land und seine Kultur so viel wusste.

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Über Johannes G. Klinkmüller

Ich lebe und arbeite am Fuße der Rhön, in Bad Kissingen, und genieße die Saale, die Wiesen, den so vielfältigen Wald und die bemerkenswerten Veränderungen im Jahresverlauf. – Mein Interesse gilt, wie sich in Mythen und der Literatur die Entwicklung des Menschen spiegelt. Ohne den Prometheus in uns kommen wir nun eben mal nicht zu wahrem Bewusstsein und möglich, ja wahrscheinlich ist, dass wir als Kain Abel erschlugen; doch wenn es gutgeht, laufen wir mittlerweile auf dem Gralsweg des Parzival; dazu ist es notwendig, sich zu erlauben, wie jener den eigenen Karfreitag zu erleben. Ich glaube, dass Philosophen und Dichter früherer Zeiten ein höheres spirituelles Bewusstsein hatten, ob sie Platon, Wolfram von Eschenbach, Dante oder Goethe hießen; viel von ihrem Bewusstsein hat die Hochkonjunktur des Rationalen und des Materialismus verschüttet (eine für die Entwicklung des Menschen notwendige Phase, die nun allerdings vorübergehen sollte!). - Vor allem Michael Ende schließt an die Tradition der großen Alten an; seine "Unendliche Geschichte" beleuchtet eine mögliche Reise zu sich selbst durch die Heilung der kindlichen Kaiserin in uns. Sie steht stellvertretend dafür, dass in Menschen unserer Zeit ein entsprechendes Bewusstsein erwacht, wenn auch der Hype vom Wassermannzeitalter einer falsch verstandenen Esoterik viel Unheil angerichtet hat. - Viele der großen Dichter, heißen sie Schiller, Hofmannsthal, Rilke oder Trakl wollen auf dem Hintergrund ihrer Zeit und ihres Lebens verstanden sein und können damit Anregungen geben, uns und unsere Zeit zu verstehen. Gerade gilt mein Interesse Hölderlin und viel von mir finde ich in ihm wieder (was nicht heißt, dass ich glaube, ihm nur annähernd das Wasser reichen zu können). Es dauert noch ein bisschen, bis sich der gute Hölderlin in Posts niederschlägt :-)
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Eine Antwort zu Wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! – Leben von innen nach außen!

  1. luisman schreibt:

    Hat dies auf Nicht-Linke Blogs rebloggt und kommentierte:
    Für jemanden, der darauf achtet, ist diese innere Substanzlosigkeit bei einer Merkel so offensichtlich, wie es mehr kaum geht. Ihre Politik ist ziellos wie ein gebrochener Pfeil und der Frau fehlt ein inneres Koordinatensystem, das sie verwirklicht.

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