Ein Bewusstseinsfossil als Präsident!

Die Kernschmelze mühsam errungener zivilisatorischer Werte ist in vollem Gange und vielleicht wird man sich einmal darin einig sein, dass dieser US-Wahlkampf weniger ein politischer war als einer, der Abgründe der menschlichen Seele offenbarte, ein zutiefst menschlicher, besser gesagt: ein menschelnder, um dem Wort Mensch seine wahre Bedeutung zu belassen, zumal erst am Ende der sieben biblischen Schöpfungstage es sich zeigen wird, dass, Mensch zu sein, ein Prädikat sein will.

Inmitten dieser gewaltigen Entwicklungsspanne zu diesem Ziel hin hat Trump Amerika vieles über die amerikanische Seele vor Augen geführt. Er – und Hillary Clinton auf ihre Weise – haben dieser Nation einen Spiegel vorgehalten, und es war doch für manchen eine erschreckende Offenbarung, mit welcher Bereitschaft, ja Begeisterung sich viele in ihm gespiegelt haben und nichts anderes wollten, als sich darin zu spiegeln.

Personale Sterilität ohnegleichen

Lasst mich aber zunächst noch einmal auf Hillary Clinton und ihren Abschiedsauftritt am vergangenen Mittwoch eingehen, zeigte er doch genau die Frau, die viele Amerikaner nur schwer ertrugen, zeigte ihre arrangierte Emotionalität, dieses maskenhafte Smiling, das vielleicht noch nie ein ehrliches war und genauso unehrlich wie die Ergriffenheit ihres „Ehemannes“, der gerade noch seine Krokodilstränen zurückhalten konnte. Jeder ihrer Sätze war – wie immer – kalkuliert, vor allem die Ansprache an die jungen Frauen der Nation und die jungen Mädchen, denen sie pädagogisch wertvoll ins Stammbuch schreiben wollte, dass für sie nun (wie sie es wohl bewiesen haben wollte) alles möglich sei.

Was sie dabei nur vergessen hat: dass womöglich sehr wenige nur werden wollen wie sie, eine maskenhafte Marionette der Macht, austauschbar, ohne wirkliche Identität.

Selten hat die Sprache eines Menschen so sehr wie bei Hillary Clinton eine personale Sterilität vermittelt, ein Phänomen, das wir bedauerlicherweise schon seit einiger Zeit auch bei deutschen Politikern wahrnehmen müssen. Wer könnte nicht, wenn Steinmeier, Merkel, Kauder, Oppermann oder Göhring-Eckhardt ans Mikrophon treten, die zu erwartenden Worte ziemlich genau vorab niederschreiben.

Zurück zu Clinton: Kein Wort darüber, dass sie ihre Anhänger in der Wahlnacht auf höchst unwürdige Weise im Regen stehen ließ, zudem dilletantischst abgespeist von ihrem Wahlkampfmanager, abgespeist auf eine Art, die gefühlloser kaum möglich ist: Geht nach Hause, hier gibt es nichts mehr zu tun! – Eine Erklärung für diese Abspeisung am Folgetag wäre zwingend gewesen.

Wenn sie wenigstens gesagt hätte: Ich konnte einfach nicht mehr, in mir ist eine Welt zusammengebrochen!
Oder: Entschuldigt, aber ich habe einfach nur allein sein und weinen wollen!

Solche Sätze hätten eine halbe Nation erlösen können. Es wären endlich einmal menschliche Töne dieser Frau gewesen.
Und jeder hätte sie verstehen können, sie gern verstehen wollen.
Nun aber möchte man spekulieren, dass sie womöglich einfach keine Rede für den Fall einer Niederlage geschrieben oder sich hatte schreiben lassen.
Oder dass sie gar nicht weinen kann.

Was man im Übrigen nicht übersehen sollte: Hillary Clinton hat dieses exzessive Ausleben übelriechendster Seiten menschlichen Seins im Rahmen des amerikanischen Wahlkampfs erst möglich gemacht.

Denkbar wäre ja gewesen, dass eine Frau, die als Präsidentschaftskandidatin so behandelt wird, wie ihr das widerfuhr, die Seiten ihres Gegenüber so offen- und bloßlegt, dass seinen Hass-Tiraden die Luft genommen wird. Dazu aber war sie nicht in der Lage, weil sich hinter ihrer Fassade zu viel verbirgt, was mit Trump auf bestimmte Weise affin ging.

Donald Trump wird sich neu erfinden

Bei jenem aber wird man staunen, was für ein Chamäleon er ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass jeder in Erinnerung behält, dass für diesen Mann Lügen selbstverständlicher sind als Wahrheiten, ja, dass er zwischen beiden nicht unterscheidet. Und wenn er gerade niemand beleidigt, es einfach nur besser ist, dass man nicht hört, was er denkt.

Unnachahmlich, wie er den Menschen weismachen konnte, gegen das korrupte Establishment dieses Landes vorgehen zu wollen, wo er doch selbst zu ihm gehört. Wer war nicht alles bei seiner dritten Hochzeit zugegen? – Dass er jedoch auch Hochzeitsgäste, wenn es notwendig ist, als Prellbock benutzt, um sich mit Hilfe von deren Diffamierung in die Höhe zu katapultieren, gehört zu den Charakteristika der Trump-Trümpfe.

Eines ist leider sicher: Das, was er getan hat, nämlich ausländische Regierungschefs zu beleidigen, ja ganze Staaten, Minderheiten und in den Frauen die Hälfte der Menschheit, ist nicht rückholbar. Er hat damit etwas losgetreten, was Fahrt aufnehmen bzw. vorhandene Tendenzen maßgeblich mit Nahrung versorgen könnte.

Und was man nie vergessen sollte: Immer, wenn es um Macht geht, wenn er ein Ziel erreichen möchte, das nur schwer erreichbar erscheint, dann greift dieser Mann zu Methoden, die die Menschheit um Epochen zurückzuwerfen vermag.

Die Diffamierungen Trumps sind die zeitgenössischen Foltermethoden einer vergangenen Inquisition. Sie schrecken vor keiner noch so schäbigen Qualität zurück.

Mancher von uns wird denken, dass er keine Anteile in sich habe, die denen von Trump vergleichbar seien.
Die Wahrheit ist: Diese Anteile zeigen sich nur in bestimmten Situationen, in existentiellen oder solchen, die das Ego zu existentiellen erklärt. In solchen Situationen zeigt sich die Wahrheit über jemanden. Auf einmal äußert er Worte und zeigt Verhaltensweisen, die er später wird gerne zurückholen wollen. Es sei denn, er ist ein Trump. Dann sind diese Seiten so dominant, dass er nicht im entferntesten zu wissen scheint, was er tut. Es fehlt diesem Mann das Kreuz. Das Koordinatenkreuz von Werten, die sich in der Menschheit seit Buddha, Lao-Tse, Salomon, Sokrates, Jesus, Franz von Assisi und anderen entwickelt haben. – Wer mit Trump zu tun hat, vergisst sie zwangsläufig. Oder er wird aus dem Weg gelogen.

Trumps seelisches Alter

Mit seinem Verhalten und seinen Aussagen tritt Trump auf eine Art und Weise menschliches Bewusstsein in die Gosse, wie niemand es zu Beginn des dritten Jahrtausends im Rahmen eines Wahlkampfs einer Nation für möglich gehalten hätte, die zu den entwickeltsten der Menschheit gehört.

Nach unterschiedlichen Schätzungen liegt Trumps seelisches Alter zwischen vier und 16 Jahren. Ob er deshalb gern Menschen wie Putin zu Vatergestalten macht oder ob in seinem Umfeld gute Bekannte wirtschaftliches Interesse an einer engen Verbindung zu Russland haben: Es wird sich zeigen. Kein Wunder aber ist, dass ihm Menschen wie Viktor Orban applaudieren: „Was für großartige Nachrichten. Die Demokratie ist immer noch am Leben.“ – Genau das muss es sein: Trumps Wahl als lebender Beweis für Demokratie.

Dabei war es womöglich einfach so: Gewisse Seelenanteile, die jeder in sich hat und die sich immer einmal wieder zu Wort melden oder melden wollen, hat Trump in vielen Amerikanern aktiviert und zwar auf eine Weise, dass sie sich auch dem Gedächtnis der Welt einprägen. Er hat seine Art des Umgangs mit Anderen salonfähig gemacht. Sein So bin ich, ich will nicht anders steht für lange Zeit taghell im Raum.

Wie der kleine Böhmermann in seiner Welt, so geht der große Trump in der seinen vor: Niemand ist für Diffamierungen zu schade oder vor ihnen sicher. Und wenn ich auch Erdogan auf der mentalen Ebene zu diesem Trumpbereich zähle, so hat er doch wie jeder Mensch eine grundsätzliche Würde, die wir zu achten haben, auch wenn er sich noch so würdelos despotisch verhält. Und auch wenn ich die Versäumnisse einer Politik a là Merkel zutiefst bedaure und bedaure, dass sie Bundeskanzlerin Deutschlands ist, so hat kein zukünftiger Präsident das Recht, die Regierungschefin eines Landes als krank zu bezeichnen, es sei denn, er begründet vorhandene pathologische Formen.

Dazu müsste er allerdings selbst gesund sein.

Gib uns Barabbas!

Donald Trump hat offengelegt, wie dünn die Bewusstseinsschicht wertebewussten Menschseins in Wahrheit noch ist. Und wie relativ leicht die Schattenformen zu aktivieren sind. Gib uns Barabbas! Was die Menschen vor knapp zweitausend Jahren angesichts der Frage des Pilatus grölten, grölen sie auch im Zweifel noch heute, wobei sie in den USA nicht wirklich eine Alternative hatten, denn diese war in der Tat nur, dass das wirklich korrupte Establishment in Form Hillary Clintons sich weiter perpetuiert und dass, so wie es Angela Merkel bei uns in Bezug auf die 5 Millionen an der Armutsgrenze Lebenden auch nicht tut, Hillary Clinton sich gewiss nicht wirklich interessiert für eine Mittelschicht, die Angst vor der Zukunft hat, weil Millionen von Menschen in einem Jahr nicht annähernd das verdienen, was Hillary Clinton für eine einstündige Rede bekommt, bis zu 350 000 US-Dollar, ein Minutenverdienst von 5800 Dollar.

Fest steht für mich, dass der Wahlsieg Trumps, wiewohl er bekanntlich nicht die Mehrheit aller Stimmen erhielt, dadurch zustandekam, dass er ein Verhalten zeigte, das in zumindest vielen schlummert, was sie aber auszuleben sich nicht erlaubten oder keine Mittel fanden. Trump tat das stellvertretend für alle. Er war unheiliger Messias und Sprachrohr all derer, die keine Worte fanden und finden, die das Gefühl haben, nicht gehört zu werden. Und er tat das auf einem Niveau und mit einer Selbstverständlichkeit, die Nachahmer finden wird.

Er brachte eine scheinbar persönliche, weil hemdsärmelige Note in die Politik, die Menschen bei anderen Politikern nicht mehr wahrnehmen, aber cool finden. Mit seinen rüden Attacken war Trump wie selbstverständlich ein Teil des eigenen Inneren, spricht er doch aus, was am inneren Stammtisch zu hören ist.

Für das Niveau breiter gesellschaftlicher Schichten kann das gravierende Folgen haben, ist nämlich das Mühlrad der Verrohung in Gang gesetzt, bricht sich diese verbale Gülle Bahn und findet ein gesellschaftliches Bett.

Wir sind als Menschen gehalten, niedere Instinkte und Verhaltensweisen wahrzunehmen und mit ihnen in der richtigen Weise umzugehen. Im Grunde betrifft das immer wieder unseren Alltag, die Frage, ob wir in der Steuererklärung einen Kilometer zum Arbeitsweg hinzuschummeln, jemanden schwarzarbeiten lassen oder uns Zeit nehmen, unser Kind und seine Sorgen wirklich zu verstehen, vor dem Fernseher sitzen bleiben oder doch noch ans Bett gehen und Gute Nacht sagen, ob wir den Mut und die Kraft finden, eine Auseinandersetzung anzunehmen oder doch lieber „großmütig“ verzichten, ob wir negative Gedanken weiterspinnen oder ihnen ein Stopp geben, über einen anderen herziehen, gar gegen ihn hetzen – oder eben nicht.

Rüpel verbreiten Angst!

Wobei sicherlich viele auch schon dem Umstand begegnet sind, dass die größten Rüpel sich alles Mögliche erlauben dürfen, ohne dass sich jemand beschwert; macht aber mal jemand, der immer korrekt ist, ein einziges Mal Vergleichbares, gibt es einen Aufstand und alle möglichen Leute sind empört.

Vor dem Rüpel haben sie Angst, stattdessen wird ein anderer stellvertretend abgestraft.

Wird irgendwann allerdings der Rüpel pflegeleichter, aus welchen Gründen auch immer, dann sind die Leute ihm so richtig dankbar. Wer aber schon immer pflegeleicht war, hat selbstverständlich ohne Dank weiterhin so zu sein. Er wird nicht erwähnt, der Rüpel aber wird als vorbildhaft hingestellt.

Ich bin sehr gespannt, ob sich genau dieses Phänomen bei Trump zeigt. Natürlich kann Trump sich anders benehmen. Dann wird ihm alles verziehen werden und viele werden ihm zu Füßen liegen und großmütig verzeihen, wie er Amerika verschmutzt hat.

Trump könnte sich für die Vereinigten Staaten dennoch als hilfreich erweisen.

Von beiden Übeln – über Clintons zwielichtige Seiten ist genug geschrieben worden – sehe ich das Trump-Übel als für Amerika günstiger an.

Clinton hätte es verstanden, die Konflikte ihres Landes unter der Decke zu halten, ihre Nähe zur Wall Street und den Großbanken weiter gepflegt und an diesem versumpften System nichts verändert.

Die Wahl Trumps aber wird die Nation zwingen, Dinge wirklich zu klären, zu klären,
ob sie wirklich nach innen aufrüstet und das sogar verstärkt, Minderheiten nicht integriert, sondern desavouiert, tatsächlich Millionen wieder ohne Krankenversicherung sein lässt, nichts fundamental tut für eine zunehmend verarmende Mittelschicht und außenpolitisch z.B. wirklich aus dem Klimaabkommen aussteigen will, zurück zu bewährter innerer und äußerer Fossilität.

Viele Menschen, die von Trump beleidigt worden sind, werden das nicht vergessen und sie werden nicht in Angst leben wollen, dass hier ein Mann, der nicht nur von gestern, sondern von vorgestern ist, das Rad der Entwicklung und des Bewusstseins zurückdreht, der sich nicht unter Kontrolle hat, wenn er wieder einmal es für nötig hält, außer Kontrolle zu geraten.

Möglicherweise kommt Amerika nicht mehr zur Ruhe und geht durch ein Tal der Tränen. Möglich auch, dass dadurch die Welt noch mehr Kopf steht, als sie das im Moment schon tut. Das Gute aber wird sein, dass Dinge sich klären werden, sich klären müssen.

Das gilt auch für Europa, für das einstmals Christliche Abendland, das einen Vorgeschmack dafür bekommen hat, dass ein Wertesystem sich über viele Jahrhunderte mit Mühe entwickelt, aber in wenigen Jahren zerschlagen sein kann, vor allem, wenn man nur einen Wert noch kennt wie gerade auch in der EU, ein Wert wie ein Tier: das goldene Kalb.

Jedes Land wird in diesen Klärungsprozess involviert sein, in gewisser Weise auch jeder von uns.

Mit Trump kommt das auf uns zu!

Es ist wohl notwendig – damit die Not auf der Erde sich wendet.

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2 Antworten zu Ein Bewusstseinsfossil als Präsident!

  1. Karin schreibt:

    Dank für diesen Artikel, unsere Welt gerät zunehmend aus den Fugen und ich hoffe auf die junge Generation, dass sie stark genug ist, Widerstand zu leisten ,das alte Establishment hat nur die eigenen Interessen im Kopf, egal welcher Couleur.

    • Ja, viele Jugendliche haben ein erstaunliches Bewusstsein und das lässt sich nicht mehr so einpferchen wie früher. Aber es ist auch wichtig, dass die älteren Frau- und Herrschaften, die zu denen gehören, welche nicht im Alter verbittert sind, ihre Stimme erheben, damit Fossile a là Trump, wenn überhaupt, nur kurze Zeit die Oberhand gewinnen.
      Ich glaube, es ist, wie so oft: Die Welt muss aus den Fugen geraten, damit sie sich neu zusammensetzen kann.

      Liebe Grüße,
      Johannes

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