Respekt vor der Wahrheit! Damit das Schachbrett des Lebens nicht zum Schlachtfeld des Lebens wird! – Schillers „Das verschleierte Bild zu Saïs“.

Warum ich kürzlich den Beitrag über Novalis´ Märchen geschrieben habe und auch diesen über Schillers Ballade Das verschleierte Bild zu Saïs: Vor allem die Protagonisten unserer Kultur, also Geistes- und Naturwissenschaftler sowie Politiker, haben m. E. nicht verstanden, was diese so wertvoll macht – unter allen Kulturen: unvergleichlich wertvoll.

Wie gehaltvoll ihre Substanz ist, möge das doch relativ unbekannte Novalis-Märchen gezeigt haben mit seinem Verweis auf das Ewig-Weibliche, und auch Schillers Ballade könnte uns helfen, notwendige Prüfungen zu bestehen, richtig zu ziehen, Fallen zu umgehen.

Ihre Thematik hat auch Goethe wiederholt zur Darstellung gebracht, auf einer thematisch breiten und allgemein verständlichen Ebene in Der Zauberlehrling, verborgen-sinnig in seinem Märchen und auf einer im Grunde okkulten Ebene in Faust II. Es steht zu befürchten, dass diese Schätze verloren gehen, ehe sie gehoben sind.

Bevor es um sie gehen soll, hier zunächst Schillers in Blankversen, das heißt in reimlosen, zumeist fünfhebigen Jamben verfasste Ballade, in der der Autor schnörkellos wie selten schreibt, jedoch lyrische Mittel gewohnt gekonnt einsetzt, beispielsweise die Enjambements, die Zeilensprünge also, die Gedanken und Handlung vorwärtstreiben, beispielsweise auch die Dialoge des Jünglings mit sich und seinem Gewissen sowie dem Hierophanten, seinem Lehrer, zugleich Priester und Wahrer von Mysterienwissen:

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Ein Jüngling, den des Wissens heißer Durst
Nach Saïs in Ägypten trieb, der Priester
Geheime Weisheit zu erlernen, hatte
Schon manchen Grad mit schnellem Geist durcheilt,
Stets riss ihn seine Forschbegierde weiter,
Und kaum besänftigte der Hierophant
Den ungeduldig Strebenden. »Was hab ich,
Wenn ich nicht alles habe?« sprach der Jüngling.
»Gibts etwa hier ein Weniger und Mehr?
Ist deine Wahrheit wie der Sinne Glück
Nur eine Summe, die man größer, kleiner
Besitzen kann und immer doch besitzt?
Ist sie nicht eine einzge, ungeteilte?
Nimm einen Ton aus einer Harmonie,
Nimm eine Farbe aus dem Regenbogen,
Und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang
Das schöne All der Töne fehlt und Farben.«
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Indem sie einst so sprachen, standen sie
In einer einsamen Rotonde still,
Wo ein verschleiert Bild von Riesengröße
Dem Jüngling in die Augen fiel. Verwundert
Blickt er den Führer an und spricht: »Was ists,
Das hinter diesem Schleier sich verbirgt?«
»Die Wahrheit«, ist die Antwort. – »Wie?« ruft jener,
»Nach Wahrheit streb ich ja allein, und diese
Gerade ist es, die man mir verhüllt?«
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»Das mache mit der Gottheit aus«, versetzt
Der Hierophant. »Kein Sterblicher, sagt sie,
Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Und wer mit ungeweihter, schuldger Hand
Den heiligen, verbotnen früher hebt,
Der, spricht die Gottheit –« –
»Nun?« – »Der sieht die Wahrheit.«
»Ein seltsamer Orakelspruch! Du selbst,
Du hättest also niemals ihn gehoben?«
»Ich? Wahrlich nicht! Und war auch nie dazu
Versucht.« – »Das fass ich nicht. Wenn von der Wahrheit
Nur diese dünne Scheidewand mich trennte –«
»Und ein Gesetz«, fällt ihm sein Führer ein.
»Gewichtiger, mein Sohn, als du es meinst,
Ist dieser dünne Flor – für deine Hand
Zwar leicht, doch zentnerschwer für dein Gewissen.«
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Der Jüngling ging gedankenvoll nach Hause.
Ihm raubt des Wissens brennende Begier
Den Schlaf, er wälzt sich glühend auf dem Lager
Und rafft sich auf um Mitternacht. Zum Tempel
Führt unfreiwillig ihn der scheue Tritt.
Leicht ward es ihm, die Mauer zu ersteigen,
Und mitten in das Innre der Rotonde
Trägt ein beherzter Sprung den Wagenden.
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Hier steht er nun, und grauenvoll umfängt
Den Einsamen die lebenlose Stille,
Die nur der Tritte hohler Widerhall
In den geheimen Grüften unterbricht.
Von oben durch der Kuppel Öffnung wirft
Der Mond den bleichen, silberblauen Schein,
Und furchtbar wie ein gegenwärtger Gott
Erglänzt durch des Gewölbes Finsternisse
In ihrem langen Schleier die Gestalt.
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Er tritt hinan mit ungewissem Schritt,
Schon will die freche Hand das Heilige berühren,
Da zuckt es heiß und kühl durch sein Gebein
Und stößt ihn weg mit unsichtbarem Arme.
Unglücklicher, was willst du tun? So ruft
In seinem Innern eine treue Stimme.
Versuchen den Allheiligen willst du?
Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund,
Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.
Doch setzte nicht derselbe Mund hinzu:
Wer diesen Schleier hebt, soll Wahrheit schauen?
»Sei hinter ihm, was will! Ich heb ihn auf.«
(Er rufts mit lauter Stimm.) »Ich will sie schauen.«
Schauen!
Gellt ihm ein langes Echo spottend nach.
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Er sprichts und hat den Schleier aufgedeckt.
Nun, fragt ihr, und was zeigte sich ihm hier?
Ich weiß es nicht. Besinnungslos und bleich,
So fanden ihn am andern Tag die Priester
Am Fußgestell der Isis ausgestreckt.
Was er allda gesehen und erfahren,
Hat seine Zunge nie bekannt. Auf ewig
War seines Lebens Heiterkeit dahin,
Ihn riß ein tiefer Gram zum frühen Grabe.
»Weh dem«, dies war sein warnungsvolles Wort,
Wenn ungestüme Frager in ihn drangen,
»Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld,
Sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein.«

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Mit dem Beginn der Ballade tauchen wir ein in die Zeit der Mysterienkulte, die mit Herannahen des Christentums und der aristotelischen Philosophie verblassen werden. Liest man die ersten Zeilen, so ist man unwillkürlich an Pythagoras erinnert, der, seine ersten religiösen und wissenschaftlichen Weihen von seinen griechischen Landsleuten Pherekydes, Anaximander und dem  damals schon fast neunzigjährigen Thales von Milet erhaltend, von Letzterem ermuntert wurde, nach Ägypten zu reisen und sich besonders an die Priester von Memphis und Diospolis, dem ägyptischen Theben zu wenden. Pythagoras aber blieb nicht bei einem Besuch stehen, ihm gelingt, was vor ihm noch keinem Griechen und nach ihm auch keinem mehr gelingen sollte: Obwohl unbeschnitten und damit als unrein geltend und nicht durch die notwendige Erblichkeit privilegiert, vermag er in die Priesterstände der bedeutendsten religiösen Zentren einzutreten, drei Sprachen zu erlernen und u.a. Mathematik, Musik, Astronomie, Geschichte zu studieren, um Priester unter Priestern zu sein, 22 Jahre lang lernend, eine Zeit der Vorbereitung für seine dann ganz besondere Schule im italienischen Kroton und sein Sein als Reformator, Mathematiker, Philosoph und großer Menschheitslehrer.

Wer diesen Weg geht, muss demütig sein, muss sich enthalten können, gehorsam sein und lernen, seine Emotionen und Begierden in Zaum zu halten. Ohne diese Fähigkeiten erhielt damals niemand Zugang zu Mysterienwissen und auch heute kommt jemand in seinem Fach nur wirklich weit, wenn er obige Fähigkeiten besitzt, kommt jemand in seiner seelisch-geistigen Entwicklung nur voran, wenn er anstrebt, Meister seiner Gedanken, Gefühle und seines Willens zu werden – Buddha wusste, warum er den Achtfachen Pfad lehrte, Jesus wusste, warum seine so genannte Bergpredigt so essentiell sein würde.

Der Jüngling zu Saïs, ganz offensichtlich erfreulich wissbegierig, scheitert. Er vermag seine Gier nicht zu zügeln. Und das, obwohl ihn der Lehrer aufmerksam macht darauf, dass er ein wesentliches Gesetz bricht, wenn er den Schleier hebt.
Wer Zugang zu höchstem Wissen erlangen möchte, muss einen starken Charakter, einen starken Willen haben und die Fähigkeit zu Demut und Gehorsam.

In die Sonne kann niemand sehen

Natürlich stellt sich die Frage, was denn der Jüngling sah und sie wird unterschiedlich beantwortet, abhängig davon, wie Isis als Gottheit verstanden wird. In meinem letzten Post habe ich dargelegt, dass ich sie – gerade in Zusammenhang mit Horus, ihrem Sohn – als vorchristliche Gestaltung des Ewig-Weiblichen sehe und das Ewig-Weibliche als Synonym für des Menschen wahre Größe, seine wahre Seele, zu der wir uns hinentwickeln.

Diese Seele war es, die in der nordischen Mythologie als Walküre den auf dem Feld der Ehre gefallenen Helden abholte und nach Walhall brachte. Nicht abgeholt wurden die, die den Strohtod, den gewöhnlichen Tod auf dem Stroh-Bett starben. In der Eddha und im Nibelungenlied sind die Kämpfenden in Wahrheit Helden des Bewusstseins und natürlich ist Siegfrieds Blöße auf dem Rücken, verursacht durch das Lindenblatt während des Badens im Drachenblut, eine geistig-seelische Blöße. Vorchristlichen Helden fehlt jene Ganzheit, die erst jener Heiland, übersetzt, jener Ganzmachende bringen wird, der mit seinem Wirken jene Siegfried-Stelle durch das Kreuz zu versiegeln vermag, weil er es auf jener Lindenblatt-Stelle hinauf nach Golgatha trägt. – Große mythische Bilder für ein in seiner Tragweite von der Menschheit noch nicht erfasstes Geschehen.

Ob Achill und Ödipus an der Ferse oder Siegfried auf dem Rücken: vorchristliche Helden bleiben verletzlich.

In der Bibel finden wir die Gestalt des Ewig-Weiblichen in den Jungfrauen des Gleichnisses, die Öl für das Kommen des Bräutigams bereithalten, und in dem Sonnenweib der Offenbarung des Johannes.

Wenn ich mir das zu sagen erlauben darf, ist dieses Ewig-Weibliche gewiss Jahwe vergleichbar; aber selbst der große Moses durfte jenen nicht sehen; auch ihm wäre es gegangen wie dem Jüngling zu Saïs.

Wir wissen auch von Ikarus wie es ist, der Sonne, dem Göttlichen zu nahe kommen zu wollen.

Nebenbei bemerkt ist das eigentliche Dilemma gewisser Drogen nicht nur, dass sie Menschen körperlich ruinieren, sondern sie öffnen nicht ohne Grund noch verschlossene Tore im Seelischen, durch die mittels der Halluzinogene dann unkontrolliert hindurchströmt, was die Abhängigen nicht verkraften. Zumeist sehen wir den körperlichen Verfall. Es mag gut sein, dass wir den seelischen nicht zu sehen vermögen; es könnten grausame Bilder sein. In dem Grimm-Märchen Simeliberg (Sesam, öffne dich!)und in dem orientalischen Ali Baba und die vierzig Räuber ist vorgezeichnet, was mit denen geschieht, die sich Schlüssel zu einem Inneren verschaffen, das ihnen nicht zusteht.

Niemand kann ins Ewige sehen, der sich nicht durch den siebenstufigen Weg der Seele, wie ihn Jesus vorgelebt hat, qualifiziert hat, wer nicht zur Fußwaschung demütig den Rücken beugen kann, wer nicht der Versuchung des Satans widersteht oder auch nicht bereit ist, den Spott der Menschen und die Dornenkrone zu tragen, wer nicht in der Lage ist, ins Reich des Todes abzusteigen.

Das Scheitern des Jünglings in Schillers Ballade geschieht frühzeitig und er scheitert kläglich. Aber er scheitert wie viele andere. Und man vergesse nicht, dass wir in einer Zeit leben, in der viele nicht einmal bis zu diesem kläglichen Scheitern kommen, weil sie eine geistige Ebene von vornherein blockieren. Und das Schreckliche unserer Zeit ist, dass mehr und mehr Kinder aufwachsen, die um all das nicht einmal mehr wissen. In den großen Grimm-Märchen ist dies Wissen samt und sonders enthalten.

Im Grunde ist das Scheitern des Jünglings nicht einmal kläglich. Immer auch zieht Schwarz. Und manchmal gewinnt es. – Nie aber, so glaube ich, auf immer. Auch am Schluss des Faust II zieht – nachdem vielmals Schwarz am Zug gewesen war – zu guter Letzt Weiß im Schachspiel von Raum und Zeit.

Wenn Schwarz zieht, bleibt Weiß nichts anderes, als zu warten. So kann der Hierophant nur zusehen, wie der Neophyt, sein Schüler, zugrunde geht.

Schlimm nur, wenn Menschen das Ziehen von Weiß so beeinträchtigen, dass, wie das momentan in vielen Regionen unserer Erde der Fall ist, das Schachbrett ein Schlachtfeld werden muss. Noch ist es so, dass es den daran Interessierten und dafür Verantwortlichen gelingt, andere Völker bluten und Regionen außerhalb ihrer eigenen heimatlichen verkommen zu lassen. Bedauerlich, dass Putin, Obama, Assad und andere nicht in Aleppo vegetieren.

Dem Bösen immer einen Schritt voraus

Der Weg ist im Übrigen nicht, Schwarz zu negieren und verbannen zu wollen. Das ist nicht möglich. Und wer es glaubt, ausschalten zu können, muss scheitern. Von daher sollten wir vor denen, die sich so Weiß geben, besonders auf der Hut sein. Mephistopheles ist da, in jedem, auch in uns.

Es geht um einen angstfreien und vorausschauenden Umgang mit den dunklen Kräften und das Vertrauen in Weiß.

Das Scheitern des Jünglings hat Goethe nicht nur im Zauberlehrling gestaltet. Viel nachdrücklicher noch hat er dies im Rahmen von Faust II getan, als der gleichnamige Protagonist auf Wunsch des Kaisers Helena und Paris dem Regenten zu Gesicht bringen soll. Faust muss ins Reich der Mütter, in den tiefsten Bereich ursprünglichen Seins hinab; dorthin kommt er nur mit Hilfe Mephistos, nur mit Hilfe des Schlüssels, den jener ihm überreicht, weil er als Diabolo selbst in jenes Reich keinen Zutritt hat. Doch scheitert Faust; auf dieser Ebene muss der scheitern, der nicht Herr seiner Leidenschaften ist und angesichts  des Erscheinens der Helena überborden Faustens Gefühle. Konnte Paris noch sichtbar werden, so wird Faust angesichts Helenas ohnmächtig und alles zerstiebt. Auch der erneute Versuch ein Leben an der Seite Helenas ins Werk zu setzen – meisterlich niedergeschrieben im dritten Akt des Schauspiels – gelingt letztendlich nicht.

Faust II kreist in seiner Mitte um die schönste, das vorchristliche Urbild der Frauen, mit der Faust auf Dauer vereint sein möchte, die übrigens in der esoterischen Ausformung ihrer Geschichte nie die Frau des Paris war und nie in Troja, nur als Idol, als Bild, um das die Griechen gleichsam wie um eine Chimäre kämpften – zu entnehmen der Helena des griechischen Dramatikers Euripides.

Doch hat es seine tiefe Bedeutung, dass Goethes großes Werk nicht auf dieser vorchristlichen Ebene verbleibt, sondern marianisch-christlich endet mit der eindrucksvollen Schlussszene und jenem berühmten Verweis auf das Ewig-Weibliche, das uns hinanzieht.

Überlebt Faust seine Helena-Bemühungen, so stirbt in Goethes Märchen der Jüngling bei dem Versuch, sich der schönen Lilie – Bild der reinen menschlichen Seele – zu nähern. Doch ist jene in der Lage, den Jüngling wieder zum Leben zu erwecken. War auch dessen Annäherungsversuch wie der des Jünglings zu Saïs unangemessen, so war doch sein Tod nur Durchgang, nicht endgültig.

Der Tod des Jünglings zu Saïs wird ebenfalls nicht endgültig sein, auch wenn Schiller seine Ballade so enden lässt.

Wie Lazarus schläft er nur, so wie im Märchen Schneewittchen, ebenfalls Bild der reinen menschlichen Seele, nur schläft.

Auch unser Tod wird nicht endgültig sein, wenn auch dieses Bewusstsein für das Leben der Menschen zur Zeit kaum eine Bedeutung einnimmt. Das wird sich wieder ändern. Die aktuellen Entwicklungen werden die Menschen mehr denn je zum Wesentlichen führen.

Ohne den Weg zur Wahrheit keine Wahrheit

Dem Dichter der Räuber, Maria Stuarts, der Jungfrau von Orleans  und des Wallenstein kam es darauf an zu zeigen,

  • dass unangemessenes Bemühen tödlich enden kann und alles, was auf mephistophelische Einflüsterungen und Unterstützungen angewiesen ist, tödlich enden muss;
  • dass wir vorsichtig und angemessen mit der Wahrheit umzugehen haben;
  • dass wir viele Wahrheiten haben mögen, aber die entscheidende eine ist, der wir uns nur schrittweise, uns lehren lassend, annähern können,
  • weil sie so wahr ist, dass wir sie nur in Ausnahmefällen unvorbereitet ertragen; Saulus mag eine Ausnahme gewesen sein, Jakob Böhme und einige wenige andere (und ob jene wirklich unvorbereitet waren, ist die Frage).

Viele scheuen die Anstrengungen des Weges oder resignieren und machen vor Mephistopheles und jenen Begierden, die mit ihm einhergehen, die Augen zu und werden selbst zu Mephistopheles, indem sie ihm, der in ihnen triumphiert, ihren Mund zur Verfügung stellen, die geistige Welt für nichtig erklärend.

Das ist der Sieg des Dunkels. Der Triumph der Sinn- und Geistlosigkeit, der Verabsolutierung des Menschen, der sich zum Gott macht, indem er Gott und alles Geistige negiert.

Es war das zentrale Bestreben und Streben Goethes, dem unsere Kultur und wir unendlich viel verdanken, zu vermitteln, nicht bei jener vorchristlichen Sicht der Schillerschen Ballade stehen zu bleiben. Auch der Faust des zweiten Teils wird erneut – man erinnere sich der vier Toten des Faust I – schuldig an Philemon und Baucis und erkennt nicht, wie sehr über die am Ende sich personalisierende SORGE Mephistopheles ihn immer noch am Schlafittchen hat. Nur sagt die Schlussszene Bergschluchten allein mittels ihrer Überschrift: Das Leben ist ein Auf und Ab, immer wieder Schlucht und immer wieder Berg.

Aber Deine Seele lassen das Ewig-Weibliche und jene Wesen, die, wie es in der Szene zur Darstellung kommt, Dich zu ihm bringen, nicht fallen.

Das letzte Wort dieses großen Werkes lautet: hinan.

Möge das für unsere Kultur auch wieder gelten!

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Über Johannes G. Klinkmüller

Ich lebe und arbeite am Fuße der Rhön, in Bad Kissingen. Mein Interesse gilt den Mythen und der Literatur, spiegelt sich doch in ihnen die Entwicklung des Menschen: Ohne den Prometheus in uns kommen wir nicht zu einem selbständigen Bewusstsein und möglich, ja wahrscheinlich ist, dass wir als Kain Abel erschlugen, eher vielleicht ein Bewusstseinsakt als ein Verbrechen, stehen beide doch für eine Weise menschlicher Entwicklung. Manche unter uns mögen mittlerweile auf dem Gralsweg des Parzival unterwegs sein. Philosophen und Dichter früherer Zeiten hatten ein sehr hohes spirituelles Bewusstsein, ob sie Platon, Wolfram von Eschenbach, Dante, Goethe, Schiller oder Hölderlin hießen; in neuerer Zeit gilt das u.a. für Nietzsche, Trakl, Hofmannsthal, Rilke und Michael Ende. Viel von deren Bewusstsein hat die Hochkonjunktur des Rationalen und des Materialismus verschüttet, sicherlich eine für die Entwicklung des Menschen notwendige Phase, die nun allerdings vorübergehen sollte. Die Auseinandersetzung und Beschäftigung mit den Gedanken der oben Angesprochenen kann uns bereichern und Verschüttetes ins Bewusstsein rufen. Manches kann unseren Lebensweg wesentlich beeinflussen.
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