Denn sehet, er ist mitten unter euch, / Den ihr verkennt!

Den 4. Sonntag im Advent widmet Annette von Droste Hülshoff in ihrem letzten Adventsgedicht Johannes dem Täufer, jenem Mann, dessen ganze Mission mit dem Advent verbunden ist, mit der Ankunft des Erlösers..

Ein Wesen bin ich sonder Farb´und Licht.

so sagt er von sich und verweist auf  den, 

Dem auch der wilde Dorn die Rose trägt..

Die zweite Strophe lautet nämlich:.

In Nächten voller Pein kam mir das Wort
Von ihm, der Balsam sät an Sumpfes Bord,
Im Skorpion der Heilung Öl gelegt,
Dem auch der wilde Dorn die Rose trägt,
Der tote Stamm entzündet sein Geglimme..

Ungewöhnlich hat die Droste dieses Gedicht gestaltet:

Es besteht aus 9 Strophen zu jeweils 5 Versen in der Reimfolge aa bb c, wobei die beiden Paarreime eine männliche Kadenz aufweisen, die Waise, also c (Geglimme), weiblich endet – und das durchweg.

Das gibt dem Gedicht sein eigentümliches Gepräge, denn diese Waise, ein Vers also ohne Reimkorrespondenz, ist nicht wirklich eine, weil sich alle 5. Verse untereinander reimen; so lautet zum Beispiel der fünfte Vers der fünften Strophe:

Der weiße Lotos wie ein Kindlein schwimme..

Johannes der Täufer ist sich bewusst:.

Ich weiß es auch, daß in der ganzen Welt
Dem Teufel die Altäre sind gestellt,
Daß Mancher kniet demütig nicht gebeugt;
Und überm Sumpfe engelgleich und leicht
Der weiße Lotos wie ein Kindlein schwimme..

Gefährlich ist es, diesen Drachen zu wecken, dessen Reich der Sumpf ist:.

Es tobt des tollen Strudels Ungestüm,
Und zitternd fliehen wir das Ungetüm;
Still liegt der Sumpf und lauert wie ein Dieb:
Wir pflücken Blumen, und es ist uns lieb
Zu schaun des Irrlichts tanzendes Geflimme..

Johannes weiß also um die Gefahren, doch auch in diesem Gedicht endet die letzte Strophe voller Zuversicht, dennoch in dem Bewusstsein, dass die Möglichkeit besteht, dass Du, ich, die Menschen IHN verkennen.

Bemerkenswert ist, dass es nicht mehr wie im Vater unser heißt, dass Sein Reich komme, sondern dass sein Reich unter euch ist. 

Wenn es so ist, muss Weihnachten ganz nah sein:.

Ich bin ein Hauch nur; achtet nicht wie Tand
Mein schwaches Wehn, um dess, der mich gesandt.
Erwacht, erwacht! Ihr steht in seinem Reich;
Denn sehet, er ist mitten unter euch,
Den ihr verkennt, und ich bin seine Stimme!

.

Das ganze Gedicht ist hier nachzulesen

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