Zum ersten Advent: Lass Treu und Mut aufflammen licht und lichter!

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Annette von Droste- Hülshoff hat zum Geistlichen Jahr, so auch zum 1. Advent, Gedichte verfasst, die ihre tiefe Religiosität spiegeln.

Im Folgenden möchte ich die letzten vier Strophen ihres 11-strophigen Gedichtes zum 1. Advent wiedergeben.

Wie das von Reinhold Schneider kürzlich zitierte Gedicht spricht auch dieses hier die Not der Zeit an.

Jede Zeit hat ihre Not.

Die unsere hat sie erfreulicherweise nicht aufgrund einer drohenden Diktatur oder eines Krieges. Sie hat allerdings eine ungewöhnliche, eine ungewöhnlich traurige. Sie muss ankämpfen gegen ein Vergessen des Wertvollsten, was uns als Menschen zu eigen ist:

für ein reines Heiligtum, wie die Droste schreibt. 

Für ein Weihnachten in uns. 

Ihm nähern wir uns. Es ist Advent.

Da bedarf es des Mutes – so sieht es Annette von Droste-Hülshoff -, mit dem Schwert, mit klarem Wort also, einzutreten, damit sich keine Schatten auf Weihnachten legen, auf dieses unschätzbare Gut, was in jedem von uns tief innig leuchten will, damit der Ölzweig, die Botschaft von Standhaftigkeit, Demut und Frieden, seine Wirkung entfalte.

Mit Gottes Hilfe:

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Allmächt’ger du,

In dieser Zeit, wo dringend Not,

Dass rein dein Heiligtum sich zeige,

O, lass nicht zu,

Dass Lästerung, die lauernd droht,

Verschütten darf des Hefens Neige

Und, ach, den klaren Trank dazu!

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Lass alle Treu’

Und allen standhaft echten Mut

Aufflammen immer licht und lichter!

Kein Opfer sei

Zu groß für ein unschätzbar Gut,

Und deine Scharen mögen dichter

Und dichter treten Reih an Reih.

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Doch ihr Gewand

Sei weiß, und auf der Stirne wert

Soll keine Falte düster ragen;

In ihrer Hand,

Und fasst die Linke auch das Schwert,

Die Rechte soll den Ölzweig tragen,

Und aufwärts sei der Blick gewandt.

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So wirst du früh

Und spät, so wirst du einst und heut’

Als deine Streiter sie erkennen:

Voll Schweiß und Müh’,

Demütig, standhaft, friedbereit;

So wirst du deine Scharen nennen

Und Segen strömen über sie.

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Über Johannes G. Klinkmüller

Ich lebe und arbeite am Fuße der Rhön, in Bad Kissingen, und genieße die Saale, die Wiesen, den so vielfältigen Wald und die bemerkenswerten Veränderungen im Jahresverlauf. – Mein Interesse gilt, wie sich in Mythen und der Literatur die Entwicklung des Menschen spiegelt. Ohne den Prometheus in uns kommen wir nun eben mal nicht zu wahrem Bewusstsein und möglich, ja wahrscheinlich ist, dass wir als Kain Abel erschlugen; doch wenn es gutgeht, laufen wir mittlerweile auf dem Gralsweg des Parzival; dazu ist es notwendig, sich zu erlauben, wie jener den eigenen Karfreitag zu erleben. Ich glaube, dass Philosophen und Dichter früherer Zeiten ein höheres spirituelles Bewusstsein hatten, ob sie Platon, Wolfram von Eschenbach, Dante oder Goethe hießen; viel von ihrem Bewusstsein hat die Hochkonjunktur des Rationalen und des Materialismus verschüttet (eine für die Entwicklung des Menschen notwendige Phase, die nun allerdings vorübergehen sollte!). - Vor allem Michael Ende schließt an die Tradition der großen Alten an; seine "Unendliche Geschichte" beleuchtet eine mögliche Reise zu sich selbst durch die Heilung der kindlichen Kaiserin in uns. Sie steht stellvertretend dafür, dass in Menschen unserer Zeit ein entsprechendes Bewusstsein erwacht, wenn auch der Hype vom Wassermannzeitalter einer falsch verstandenen Esoterik viel Unheil angerichtet hat. - Viele der großen Dichter, heißen sie Schiller, Hofmannsthal, Rilke oder Trakl wollen auf dem Hintergrund ihrer Zeit und ihres Lebens verstanden sein und können damit Anregungen geben, uns und unsere Zeit zu verstehen. Gerade gilt mein Interesse Hölderlin und viel von mir finde ich in ihm wieder (was nicht heißt, dass ich glaube, ihm nur annähernd das Wasser reichen zu können). Es dauert noch ein bisschen, bis sich der gute Hölderlin in Posts niederschlägt :-)
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