„Der Herr der Ringe“: Ende einer Zeit, Ende eines Buches, Wehmut, Lehren und Blick nach vorn: Gewiss kommen die Elben zurück …

Selten ist mir ein Buch so schwer zu lesen gefallen.

Woran das lag, ist mir klar: Vergangenheit kann belasten, und diese alte Zeit von Mittelerde enthält viel Grauenvolles, zugleich enthält sie ein wunderbares Licht in der Gestalt Galadriels und viel Lehrreiches.

Ja, der Hass, den es unter lebenden Wesen gibt, ist unendlich groß und er wird auch da sein im neuen Abschnitt der Maya-Zeitrechnung, den wir nun leben. 

Im Roman Tolkiens manifestiert er sich an vielen Stellen, an denen beim Lesen die Luft so dünn wie im Buch wird und die Buchstaben wie klebende dunkle Substanzen sind und man kaum glaubt vorwärtszukommen. An vielen Stellen war das Lesen für mich Kampf.

Unglaublich faszinierend dennoch, wie Tolkien der Bedeutung von Licht und Dunkel gerecht wird, wie sehr deutlich wird, wie schwer Leben ohne Licht ist, wie schwer die Schritte werden, wie niederdrückend Leben ohne die Bewegung der Luft sein kann.

Wie habe ich die Stellen geliebt, wenn die Seele entspannen konnte, weil die Ringträger bei den Elben zu Gast waren oder diese in der Nähe oder Gandalf auftauchte und Rat wusste …

Kafka hat das in seinem Werk vergleichbar Dunkles abgebildet, aber ohne jede Hoffnung.

In Tolkiens Werk erlischt das glimmende Licht der Hoffnung nie. Immer hofft man darauf, dass Gandalf noch kommt, dass sich noch eine Tür auftut … und dann kommen sie wirklich, die Adler, und wenden buchstäblich in letzter Sekunde das Blatt, die Schlacht …

Kafkas Trostlosigkeit ist in dieser Dimension fast einmalig und sein Freund Brod hätte seinen Wunsch respektieren sollen, seine Werke nicht zu veröffentlichen.

Kafka wusste zu gut um die Macht des Dunkels, er wusste jedoch auch um die Macht des Lichts, wie sie in der Türhüterlegende zum Ausdruck kommt.

Frodo, der Ringträger, dem viel zu wenig Ehre nach seiner Heimkehr ins Auenland zuteil wird, zieht am Schluss mit den Elben aufs Meer hinaus. Er und die Elben verlassen ihr Land Lórien und Mittelerde.

Für eine bessere Zeit.

Die nun beginnt. 

Ein Frodo muss heute an seiner Wunde nicht mehr sterben, der neue Held heißt Parzival, vor 800 Jahren angekündigt in Wolfram von Eschenbachs Werk und zwei französischen.

Möge das Bewusstsein für ihn wirklich wach werden. Möge Anfortas überwunden werden.

Beide sind Bewusstseinszustände. Sie leben in unserem Inneren.

Auch die Elben werden wiederkommen und die Naturgeister werden im Bewusstsein der Menschen auferstehen.

Es beginnt eine Zeit, in der die Menschen sich wieder mit Respekt begegnen werden, eine Zeit, in dem man im Anderen das Besondere suchen und finden wird.


Unglaublich, die Leistung des Ringträgers Frodo durchzuhalten, den Ring zu vernichten und dennoch dem diabolischen Saruman Gnade zu erweisen.

Schrecklich dennoch dessen Ende, das der Ringträger nicht verhindern kann, als das Böse in Gestalt Schlangenzunges das Böse in Gestalt Sarumans umbringt und dennoch weiß Frodo und sagt das auch noch vor dessen Tod, den er dann nicht verhindern kann:

Er war einmal ein Großer und von so edler Art, dass wir nicht wagen sollten, die Hand gegen ihn zu erheben.

Bei Tolkien gibt es viele Anklänge an die Bibel, hier genauso, denn wir wissen, bevor Satan zu dem wurde, als  den wir ihn kennen, war er Satanael, ein großer Engel in der Gegenwart Gottes.

Die Silbe El bedeutet vorzugsweise Gott und sie zeichnet Erzengel wie Gabriel und Michael aus. Auch Satanael gehörte zu ihnen.

Vielleicht ist er zurückgekehrt. Auf ewig bleibt er nicht Satan.

Leider findet er einen Nachfolger. Ich fürchte, das wird immer so sein.

Für alle, die in der Zeit leben und über die Erde gehen bzw. das, was ihr folgt …

Welch eine biblische Größe zeigt jedenfalls Frodo, wie ist der durch all die Kämpfe hindurch gewachsen, immer begleitet von Gandalf, dem weißen weisen Zauberer.

Ja, Kämpfe lassen Wesen und Menschen stark werden. 

Leben ist nicht als Kampf gedacht, schreibt Stuart Wilde, doch wissen wir: In Wahrheit ist es Kampf, den wir nicht vermeiden können, denn es gibt allenthalben Saruman und seine Gehilfen.

Wunderbar aber, wie im Roman, als die Schlacht verloren scheint, die Adler auftauchen, gerufen und mit großer Macht ausgestattet, zu helfen, das Blatt zu wenden.

Ich weiß noch, wie beim Lesen ich nicht fassen konnte, dass doch noch Hilfe auftaucht …

Das Böse ist immer zum Untergang verurteilt.

Das ist die Botschaft der Märchen und solcher Romane wie dem Herrn der Ringe.

Auch wenn es manchmal so dunkel um uns wie eben auch im Buch ist.

Ich lasse das Buch mit seinen drei Bänden gern zurück, ich werde es gewiss nicht nochmal lesen. Jedenfalls denke ich das im Moment :-)

Vielleicht aber müssen Menschen wie ich durch diese alte Zeit hindurch, um zu wissen, was alle Vorkämpfer der Geschichte geleistet haben, was wir ihnen danken und wie dankbar wir sein können für jeden elbenhaften, sonnigen Tag.

Mein Eindruck ist, dass die Kinder der neuen Zeit, die ich auch schon unterrichte, das nicht mehr müssen.

Manche jedenfalls nicht.

Noch werden viele von ihren Eltern und Lehrern in die alte Zeit gezogen. In Kämpfe alter Art verwickelt.

Das ist nicht böse, nicht absichtlich böse. 

Solange wir der Vergangenheit Macht geben, wird das geschehen.

Aber das kann sich ändern.

 

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