Wirkliche Globalisierung besteht in der Wertschätzung der Einzigkartigkeit allen Seins. – Gedanken von Paracelsus

Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541), war nicht nur ein berühmter Arzt und wegen seines Könnens und seiner vielen Neider des Öfteren auf der Flucht und angefeindet, sondern auch Alchemist, Astrologe, Mystiker, Philosoph und Theologe; vor allem aber war ihm die Natur ein offenes Buch uns sein wahrer Lehrmeister. Im Grunde gab es zwischen all diesen Bereichen für ihn nicht den großen Unterschied, den wir Heutigen gern sehen, denn in sein medizinisches Wirken floss die Astrologie mit ein, waren doch z.B. die einzelnen Körperpartien planetarischen Einflüssen unterworfen bzw. standen mit den Planeten in Zusammenhang;  um heilen zu können, galt es, das zu berücksichtigen. Auch galt es für ihn, den Stein der Weisen im Geistigen und nicht im Materiellen zu finden.

„Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe …
Im Herzen wächst der Arzt,
aus Gott geht er,
des natürlichen Lichts ist er,
der Erfahrenheit.“

Wenn ich im Folgenden aus seinem Buch von den Nymphen, Sylphen, Pygmaeen, Salamandern und den übrigen Geistern den Beginn zitiere, dann deshalb, weil nur wenige wissen, dass er vor nun bald 500 Jahren Wegweisendes zum Thema Globalisierung gesagt hat. Doch im Gegensatz zu manchem Globalisierungsfetischisten basiert, damit dem Menschen alles bekannt und nutzbar wird, für Paracelsus das menschliche Wesen auf der Wertschätzung der Einzigkartigkeit eines jeden Menschen, eines jeden Ortes, eines jeden Landes. Kein Wunder, dass er seine Vorlesungen zum Erstaunen seiner Kollegen nicht in lateinischer Sprache, sondern in deutscher hielt, denn für ihn galt, „Die Wahrheit müsse nur deutsch gelehrt werden“.

Das war keine falsche Deutschtümelei, sondern Bewusstsein des Wertes der Deutschen Sprache für deutsche Zuhörer.

Man würde sich wünschen, dass die EU-Parlamentarier und UN-Botschafter das Folgende auswendig lernen und verstehen müssten, weil sie dann erkennen würden, dass wahre Globalisierung im Erkennen der Einzigartigkeit eines jeden Menschen, eines jeden Standes, eines jeden Ortes, einer jeden Stadt und ihrer Region, eines jeden Landes und seiner Sprache besteht, eines jeden Geistes, den ein Mensch in sich hat.

Lesen Sie mit Genuss und Hingabe das Folgende, fast fünfhundert Jahre Alte; bewusstseinsmäßig ist es allerdings noch Zukunftsmusik:

Prologus

Wenn wir über die Schöpfung der natürlichen Dinge – von allem und jedem, was Gott geschaffen hat – recht unterrichtet sind, dann nur, indem ein jedes Land das Eigene erkennt, das in ihm ist und wächst, indem ein jeder Mensch die eigene Erkenntnis seiner selbst hat, auch, indem Handwerke und Gewerbe Kenntnisse überliefern in ihren Gegenständen.

Auf diese Weise lassen sich alle Geschöpfe erkennen, die Gott geschaffen hat, und nichts ist verborgen, das der Mensch nicht wüßte oder wissen könnte.

Nicht, daß alles in Einem wäre, d. h. daß ein Mensch alles weiß, sondern ein jeder weiß das Seine: Wenn sie alle zusammen kommen, dann wird alles bekannt.

Ebenso gilt auch, daß nicht ein Land die Kenntnisse aller Länder hat, aber es hat seine eigene Kenntnis: Wenn alle Länder zusammen genommen werden, dann ist wieder alles bekannt. Und eine jede Stadt, ein jedes Dorf, Gehöft etc. hat sein eigenes Wissen von allen natürlichen Dingen.

Dazu kommen die Handwerke und Gewerbe, bei denen alles Geschaffene nutzbar gemacht wird – das dazu, das hierzu – und so wird alles nutzbar gemacht und bei allem in Erfahrung gebracht, wozu es geschaffen ist. Und das mündet zuletzt darin, daß alles dem Menschen dient und ihm untergeben ist.


[…] der Mensch ist mehr als die Natur. Er ist Natur. Er ist auch Geist. Er ist auch Engel: Er hat die Eigenschaften derer drei. Wandelt er in der Natur, so dient er der Natur, wandelt er im Geist, so dient er dem Geist, wandelt er wie die Engel, so dient er als ein Engel. Das erste gehört dem Leib an, die beiden andern sind der Seele eigen und sind ihr Kleinod. Darum also, weil der Mensch eine Seele hat und damit die zwei, darum schreitet er über die Natur hinaus und kann auch das erforschen, was nicht der Natur angehört, kann etwa die Hölle, den Teufel und dessen Reich erfahren und ergründen. Ebenso kann der Mensch auch den Himmel und dessen Wesen ergründen, nämlich Gott und sein Reich. Denn wer an einen Ort gehen muß, soll zuvor das Wesen des betreffenden Ortes kennen, dann kann er wandern, wohin es ihn verlangt.
[…] er ist darum geschaffen, um von den Wunderwerken Gottes zu reden und auf sie hinzuweisen.

Bei jedem Werk, das Gott geschaffen hat, vermag der Mensch, es nach Wesen und Eigenschaft zu ergründen: Denn nichts ist geschaffen, das der Mensch nicht ergründen könnte, und ist darum geschaffen, auf daß der Mensch nicht müßiggehe, sondern wandle in den Wegen Gottes, d. h. in seinen Werken. Nicht im Laster, nicht in Hurerei, nicht im Spielen, nicht im Saufen, nicht im Stehlen, nicht im Güter-Anhäufen oder Schätze-Sammeln für die Würmer, sondern er soll seinen Geist, sein Licht, seine Engels-Art auf die Betrachtung der Dinge richten, die von Gott sind. Seliger ist es, die Nymphen zu beschreiben, als zu beschreiben die Orden, seliger ist, den Ursprung der Riesen zu beschreiben, als zu beschreiben höfisches Ritual, seliger ist, Melusina zu beschreiben, als zu beschreiben Reiterei oder Artillerie, seliger zu beschreiben die Bergleutlein unter der Erde, als zu beschreiben Fechtkunst und Frauendienst. Denn bei diesen Dingen wird der Geist dazu gebraucht, um in Gottes Werken zu wandeln, bei den andern Dingen wird der Geist dazu gebraucht, ihn nach Art der Welt zu benutzen und ihr wohlgefällig zu sein, in Hoffahrt und Unlauterkeit.

Wer auf Erden viel erfährt und auffaßt, der wird auch gelehrt sein in der Auferstehung, wer nichts weiß, der wird es weniger sein.

Denn im Hause Gottes sind viele Wohnungen, ein jeder wird, entsprechend dem, was er gelernt hat, seine Wohnung finden. Wir haben alle gelernt, aber nicht gleich viel, sind alle weise, aber nicht gleichermaßen, alle kenntnisreich, aber nicht in gleicher Weise. Wer sich am gründlichsten müht, der ist’s am meisten.

Denn Suchen oder Forschen treibt einen zu Gott […].

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Über Johannes G. Klinkmüller

Ich lebe und arbeite am Fuße der Rhön, in Bad Kissingen. Mein Interesse gilt den Mythen und der Literatur, spiegelt sich doch in ihnen die Entwicklung des Menschen: Ohne den Prometheus in uns kommen wir nicht zu einem selbständigen Bewusstsein und möglich, ja wahrscheinlich ist, dass wir als Kain Abel erschlugen, eher vielleicht ein Bewusstseinsakt als ein Verbrechen, stehen beide doch für eine Weise menschlicher Entwicklung. Manche unter uns mögen mittlerweile auf dem Gralsweg des Parzival unterwegs sein. Philosophen und Dichter früherer Zeiten hatten ein sehr hohes spirituelles Bewusstsein, ob sie Platon, Wolfram von Eschenbach, Dante, Goethe, Schiller oder Hölderlin hießen; in neuerer Zeit gilt das u.a. für Nietzsche, Trakl, Hofmannsthal, Rilke und Michael Ende. Viel von deren Bewusstsein hat die Hochkonjunktur des Rationalen und des Materialismus verschüttet, sicherlich eine für die Entwicklung des Menschen notwendige Phase, die nun allerdings vorübergehen sollte. Die Auseinandersetzung und Beschäftigung mit den Gedanken der oben Angesprochenen kann uns bereichern und Verschüttetes ins Bewusstsein rufen. Manches kann unseren Lebensweg wesentlich beeinflussen.
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