Angesichts des Todes – Abschiedsbrief eines Philosophieprofessors

Münster, den 18. Dezember 1939

Meine lieben Schüler!

Bereits am 16. Februar dieses Jahres habe ich mich nach der Morgenvorlesung von Ihnen auf dem Katheder verabschiedet. Eine dunkle Ahnung sagte mir damals, daß es das letzte Mal gewesen sei, wo ich zu Ihnen sprechen durfte. Es kamen dann die schweren Leiden und die tiefen Dunkelheiten der mir von Gott geschenkten Krankheit. […] Und wenn Sie mich fragen sollten, bevor ich jetzt gehe und endgültig gehe, ob ich nicht einen Zauberschlüssel kenne, der einem das letzte Tor zur Weisheit des Lebens erschließen könne, dann würde ich Ihnen antworten: „Jawohl“. – Und zwar ist dieser Zauberschlüssel nicht die Reflexion, wie Sie es von einem Philosophen vielleicht erwarten möchten, sondern das Gebet. Das Gebet, als letzte Hingabe gefaßt, macht still, macht kindlich, macht objektiv. Ein Mensch wächst für mich in dem Maße immer tiefer hinein in den Raum der Humanität – nicht des Humanismus -, wie er zu beten imstande ist, wofern nur das rechte Beten gemeint ist. Gebet kennzeichnet alle letzte „Humilitas“ des Geistes. Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt. […] Damit aber will ich mein „Schlußwort“ schließen, meine lieben Schüler und Schülerinnen. Vielleicht darf ich noch einmal mit Ihnen in dieser Welt Weihnachten feiern. Beten Sie also in diesen kommenden Tagen noch einmal in ganz besonderer Weise für mich. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft.
Und nun grüße ich Sie herzlichst noch einmal mit einem kindlich frohen: Auf Wiedersehen!

Ihr ergebenster
Peter Wust

humilitas: Niedrigkeit, Ohnmacht, Schwäche
zitiert nach http://www.caritas.erzbistum-koeln.de/

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Eine Antwort zu Angesichts des Todes – Abschiedsbrief eines Philosophieprofessors

  1. D.Ozory schreibt:

    und solches Gebet
    ist passiv
    ist STILLE
    SCHWEIGEN
    lauschend
    dem
    „Ruf des Herrn“………..

    Ja
    ok
    solche posts
    kann man nicht „kommentieren“
    nur
    still bleiben

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