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Klar stehen für die meisten Leser des Rapunzel-Märchens die Haare der jungen Dame im Mittelpunkt. Schließlich kommt das auch reichlich selten vor, dass sie eine Turmlänge lang sind und dem Königssohn den Weg zur Geliebten bahnen.

Das wirklich Wunderschöne dieses Märchens aber besteht darin, dass der Königssohn, als er das Augenlicht verliert, nicht um diesen Verlust jammert, sondern nichts anderes zu tun hat, als sein Rapunzel zu suchen.

Ich finde das einfach umwerfend.

Deshalb hier zunächst das Märchen der Gebrüder Grimm zusammen mit dem zweiten Wunder, dem Wunder der Heilung durch Tränen; dazu im Anschluss mehr:


Es war einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfüllen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und Kräuter stand; er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehörte, die große Macht hatte und von aller Welt gefürchtet ward. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war: und sie sahen so frisch und grün aus, daß sie lüstern ward und das größte Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wußte, daß sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blaß und elend aus. Da erschrak der Mann und fragte »was fehlt dir, liebe Frau?« »Ach,« antwortete sie, »wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege, so sterbe ich.« Der Mann, der sie lieb hatte, dachte »eh du deine Frau sterben lässest, holst du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten, was es will.« In der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer in den Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Handvoll Rapunzeln und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und aß sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, daß sie den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so mußte der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der Abenddämmerung wieder hinab, als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrak er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. »Wie kannst du es wagen,« sprach sie mit zornigem Blick, »in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb mir meine Rapunzeln zu stehlen? das soll dir schlecht bekommen.« »Ach,« antwortete er, »laßt Gnade für Recht ergehen, ich habe mich nur aus Not dazu entschlossen: meine Frau hat Eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt, und empfindet ein so großes Gelüsten, daß sie sterben würde, wenn sie nicht davon zu essen bekäme.« Da ließ die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu ihm »verhält es sich so, wie du sagst, so will ich dir gestatten, Rapunzeln mitzunehmen, soviel du willst, allein ich mache eine Bedingung: du mußt mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will für es sorgen wie eine Mutter.« Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien sogleich die Zauberin, gab dem Kinde den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.

Rapunzel ward das schönste Kind unter der Sonne. Als es zwölf Jahre alt war, schloß es die Zauberin in einen Turm, der in einem Walde lag, und weder Treppe noch Türe hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich unten hin und rief

»Rapunzel, Rapunzel,

laß mir dein Haar herunter.«

Rapunzel hatte lange prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zöpfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zauberin stieg daran hinauf.

Nach ein paar Jahren trug es sich zu, daß der Sohn des Königs durch den Wald ritt und an dem Turm vorüberkam. Da hörte er einen Gesang, der war so lieblich, daß er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit damit vertrieb, ihre süße Stimme erschallen zu lassen. Der Königssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Türe des Turms, aber es war keine zu finden. Er ritt heim, doch der Gesang hatte ihm so sehr das Herz gerührt, daß er jeden Tag hinaus in den Wald ging und zuhörte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er, daß eine Zauberin herankam, und hörte, wie sie hinaufrief

»Rapunzel, Rapunzel,

laß dein Haar herunter.«

Da ließ Rapunzel die Haarflechten herab, und die Zauberin stieg zu ihr hinauf. »Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will ich auch einmal mein Glück versuchen.« Und den folgenden Tag, als es anfing dunkel zu werden, ging er zu dem Turme und rief:

»Rapunzel, Rapunzel,

laß dein Haar herunter.«

Alsbald fielen die Haare herab, und der Königssohn stieg hinauf. Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten, doch der Königssohn fing an ganz freundlich mit ihr zu reden und erzählte ihr, daß von ihrem Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, daß es ihm keine Ruhe gelassen und er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst, und als er sie fragte, ob sie ihn zum Mann nehmen wollte, und sie sah, daß er jung und schön war, so dachte sie »der wird mich lieber haben als die alte Frau Gotel,« und sagte ja, und legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach »ich will gerne mit dir gehen, aber ich weiß nicht, wie ich herabkommen kann. Wenn du kommst, so bringe jedesmal einen Strang Seide mit, daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn die fertig ist, so steige ich herunter und du nimmst mich auf dein Pferd.« Sie verabredeten, daß er bis dahin alle Abend zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Alte. Die Zauberin merkte auch nichts davon, bis einmal Rapunzel anfing und zu ihr sagte »sag sie mir doch, Frau Gotel, wie kommt es nur, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge Königssohn, der ist in einem Augenblick bei mir.« »Ach du gottloses Kind,« rief die Zauberin, »was muß ich von dir hören, ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du hast mich doch betrogen!« In ihrem Zorne packte sie die schönen Haare der Rapunzel, schlug sie ein paarmal um ihre linke Hand, griff eine Schere mit der rechten, und ritsch, ratsch waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten lagen auf der Erde. Und sie war so unbarmherzig, daß sie die arme Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in großem Jammer und Elend leben mußte.

Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoßen hatte, machte abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und als der Königssohn kam und rief

»Rapunzel, Rapunzel,

laß dein Haar herunter,«

so ließ sie die Haare hinab. Der Königssohn stieg hinauf, aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn mit bösen und giftigen Blicken ansah. »Aha,« rief sie höhnisch, »du willst die Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt nicht mehr, die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen auskratzen. Für dich ist Rapunzel verloren, du wirst sie nie wieder erblicken.« Der Königssohn geriet außer sich vor Schmerzen, und in der Verzweiflung sprang er den Turm herab: das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Walde umher, aß nichts als Wurzeln und Beeren, und tat nichts als jammern und weinen über den Verlust seiner liebsten Frau. So wanderte er einige Jahre im Elend umher und geriet endlich in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem Knaben und Mädchen, kümmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme, und sie deuchte ihn so bekannt: da ging er darauf zu, und wie er herankam, erkannte ihn Rapunzel und fiel ihm um den Hals und weinte. Zwei von ihren Tränen aber benetzten seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst. Er führte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen ward, und sie lebten noch lange glücklich und vergnügt.


In einer ähnlich existentiellen Situation wie der Königssohn befindet sich Faust zu Beginn des gleichnamigen Schauspiels von Goethe. Jener Gelehrte weiß, er hat alles studiert, er weiß alles, was man damals wissen kann, aber er spürt, dass ihm Entscheidendes fehlt. Das aber erträgt er nicht, zu verzweifelt ist er, dass er nicht zu den Quellen vordringen kann, die ihn wissen lassen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Dass er dieses Wissen dann mit Hilfe von Mephistopheles sucht und vier Menschen einschließlich seines Gretchens in den Tod treibt, ist ein Merkmal seines und unseres menschlichen Seins, denn Mephistopheles ist ein Begleiter und Teil jedes Menschen und ihn aus unserem Inneren herauszureinigen kommt der Tempelreinigung von Jesus gleich.

Fausts Selbstmord zu Beginn der Handlung gelingt ihm nicht. Ein Osterlied und die Osterglocken befreien ihn von dem Alp, von dieser Erde flüchten zu wollen und führen ihn zurück ins Leben.

Und wie so oft im Werk Goethes sind es hier auch seine Tränen, die den Wandel in seiner Seele aufzeigen. Tränen sind bei Goethe ein Zeichen der Verjüngung.

Es heißt im Faust im Anschluss an den Beginn des österlichen Tages – und noch immer finden wir einen Faust, der zweifelt, zunehmend aber im Fluss seiner Tränen eine andere Sicherheit gewinnt:


Was sucht ihr, mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuss
Auf mich herab in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
Und ein Gebet war brünstiger Genuß;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lieb verkündete der Jugend muntre Spiele,
Der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle,
Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!


Schon zu Beginn des Faust,  in der Zueignung, den Eingangsversen also, hieß es:


Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich,
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich,
Ein Schauer fasst mich, Träne folgt den Tränen,
Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich;
Was ich besitze, seh ich wie im Weiten,
Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.


Ja, Goethe schämte sich der Tränen nicht. Er, der sich oft verliebte, verabschiedete sich oft unter Tränen von seinen Lieben.

In jene Zeit, in der er von seiner Liebe zu Ulrike von Levetzow Abschied nehmen musste, die ihren Niederschlag in der Marienbader Elegie gefunden hat, einem Werk, in dessen Mittelpunkt sich die ergreifendsten Aussagen Goethes über die Liebe finden, fällt das Zusammentreffen mit der jungen polnischen Pianistin Maria Szymanowska, die sich mit ihrer Schwester zusammen fast 14 Tage in Weimar aufhielt und täglich bei Goethe zu Tisch war. Ihre Musik, die so hinreißend Klavier spielen konnte, tröstet ihn und söhnt ihn mit seinem Schicksal aus.

Als sie sich endgültig verabschiedet und dies ausgerechnet in schwarzer Kleidung tut, kann der große Alte nicht mehr an sich halten, bricht in Tränen aus und umarmt sie lang.

Auch diese Liebe hat ihren Niederschlag gefunden in einem Gedicht, das Goethe in sich noch einmal aufwühlte und zugleich mit sich versöhnte; auf wunderbare Weise stellt es zugleich den Zusammenhang zwischen Musik, Liebe und Tränen her.

Überschrieben ist es mit Aussöhnung:


Die Leidenschaft bringt Leiden! – Wer beschwichtigt
Beklommnes Herz, dich, das zu viel verloren?
Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt?
Vergebens war das Schönste dir erkoren!
Trüb ist der Geist, verworren das Beginnen;
Die hehre Welt, wie schwindet sie den Sinnen!

Da schwebt hervor Musik mit Engelsschwingen,
Verflicht zu Millionen Tön um Töne,
Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen,
Zu überfüllen ihn mit ew’ger Schöne:
Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen
Den Götterwert der Töne wie der Tränen.

Und so das Herz erleichtert merkt behände,
Dass es noch lebt und schlägt und möchte schlagen,
Zum reinsten Dank der überreichen Spende
Sich selbst erwidernd willig darzutragen.
Da fühlte sich – o dass es ewig bliebe! -
Das Doppelglück der Töne wie der Liebe.

Es gibt viele Formen des Aufbruch: Manche gleichen einem Ausbruch, einem Vulkanausbruch vergleichbar. Was zu lange angestaut war, fließt nun wie die Lava unkontrolliert davon. Das Innere kann die Energie nicht mehr auf ein Ziel hin leiten. John Bradshaw artikuliert das so: „Er stieg auf sein Pferd und ritt in alle Richtungen davon.“ – Ob sich so jemand in seinem Leben wieder wirklich bei und in sich versammeln kann, bleibt fraglich.

Manche brechen nach innen aus und emigrieren nach innen; schlimm, wenn man zu sich selbst auswandert – die Sprache zeigt das ganze Dilemma.

Manche wollen ins gelobte Land und landen erst mal in der Wüste, tanzen um goldene Kälber, kämpfen mit Amalekitern, verärgern ihren inneren Mose und lassen diesen die Gesetzestafeln zerbrechen, wie es jener große Mensch in berechtigtem und heiligem Zorn tatsächlich ja tat; die Menschheit hat deshalb nur eine Zweitschrift der 10 Gebote erhalten … bedeutungslos ist das nicht!

Manche artikulieren die Sehnsucht rein theoretisch und verbringen ihr Leben lang auf dem Sofa mit der Illusion, wirklich mit dem Geschehen verbunden zu sein. Das jedenfalls suggeriert ihnen ihr Fernseher.

Über Max Frischs Stiller und dessen Ausbruch haben wir an anderer Stelle geschrieben, über den verlorenen Sohn und all die Märchenhelden, die freiwillig oder vom Schicksal getrieben auf die Reise gehen. Manchmal ist es eine Reise von sich weg, manchmal in Wirklichkeit eine Reise nach Hause, zu sich selbst. Dafür steht Odysseus.

Mancher findet sich fern der Heimat und erkennt, dass Heimat immer da ist, wo er sich selbst findet.

Es gibt viele phaszinierende Geschichten, Theaterstücke und Lebensläufe zu diesem Thema.

Wir beginnen schlicht mit Udo Jürgens’ Variante, ein inhaltlich herausfordernder Song von einem durchaus genialen Barden, gewiss mit menschlichen Schwächen, aber mit zunehmendem Alter, wie ich finde, immer glaubwürdiger werdend.

New York steht im Folgenden als Metapher für den Mut, konventionelles Denken und konventionelle Lebensformen zu verlassen, für den Mut, etwas zu wagen, noch einmal jung zu sein, zu leben und nicht nur zu existieren, zu reisen und unterwegs zu sein und nicht nur auf der Chaiselongue des Lebens dahinzudümpeln.

Der Text lautet:

Und nach dem Abendessen sagte er,
lass mich noch eben Zigaretten holen geh’n,
sie rief ihm nach nimm Dir die Schlüssel mit,
ich werd inzwischen nach der Kleinen seh’n,

er zog die Tür zu, ging stumm hinaus,
ins neon-helle Treppenhaus,
es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit.
und auf der Treppe dachte er, wie wenn das jetzt ein Aufbruch wär,
ich müsste einfach geh’n für alle Zeit,
für alle Zeit…

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii,
ging nie durch San Francisco in zerriss’nen Jeans,
ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei,
einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh’n.

Und als er draußen auf der Straße stand,
fiel ihm ein, dass er fast alles bei sich trug,
den Pass, die Eurochecks und etwas Geld,
vielleicht ging heute Abend noch ein Flug.

Er könnt’ ein Taxi nehmen dort am Eck oder Autostop und einfach weg,
die Sehnsucht in ihm wurde wieder wach,
nach einmal voll von Träumen sein, sich aus der Enge hier befrei’n,
er dachte über seinen Aufbruch nach,seinen Aufbruch nach …

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii,
ging nie durch San Francisco in zerriss’nen Jeans,
Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei,
einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh’n.

Dann steckte er die Zigaretten ein und ging wie selbstverständlich heim,
durchs Treppenhaus mit Bohnerwachs und Spießigkeit,
die Frau rief „Mann, wo bleibst Du bloß, Dalli-Dalli geht gleich los“,
sie fragte „War was?“ – „Nein, was soll schon sein.“

Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii,
ging nie durch San Francisco in zerriss’nen Jeans,
Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei,
einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh’n.


Apropos Bohnerwachs: Unwillkürlich sieht man Hermann Hesses Steppenwolf namens Harry Haller vor sich, den Mann, der nie zur Ruhe kam und immer wieder beißen und Wolf spielen musste, den einsamen Wolf, ständig auf der Pirsch um sich herum.

Ihm  allerdings ging es ganz anders als jenem Mann in Udo Jürgens Lied, der unter Bohnerwachs und Spießigkeit leidet. Den Steppenwolf finden wir nämlich, sitzend in einem Treppenhaus, das nach Bohnerwachs riecht. Und diesen Geruch genießt er. Denn er hat eine heimliche Sehnsucht, eine heimliche Sehnsucht nach Spießigkeit, Bürgerlichkeit und Zur-Ruhe-Kommen. Es sind zwei Seelen in seiner Brust, die eine ist verbunden mit dem Wolf, die andere mit dem Spießbürger; doch der Wolf lässt nicht zu, dass Harry Haller bürgerlich wird. Wenn das droht, dann beißt er und heult …

Wie eine Mauer umgiebt den Steppenwolf dieses Verhaltensmuster und womöglich geht es ihm so wie jenem Betrunkenen, der spät in der Nacht durch die Straßen wankt, sich tastend von einem Alleebaum zum anderen. Schließlich trifft er auf eine Wand. Fein, sie wird ihn ein schönes Stück weiter bringen. Er darf nur den Kontakt mit ihr nicht verlieren. Und so tappt er mit beiden Händen dahin. Immer an der Wand lang …

Was er nicht weiß: Die Wand ist eine Litfasssäule. Die umwandert er. Vertrauensvoll. Endlos.

Irgendwann merkt er, dass er im Kreis geht. Ein gequälter Seufzer entringt sich seiner Brust: „Mist, eingemauert.“

Von Hermann Hesses Steppenwolf hat man den Eindruck, er weiß, dass sein Wolf-Dasein wie eine Mauer ist, die ihn umgibt. Eines Tages wird er jedoch „zufällig“ die Tür in der Mauer finden, die ihn zum Magischen Theater bringt.

Dem Dalli-Dalli-Gucker im Lied von Udo Jürgens – Dalli Dalli war in den 70er- und 80er Jahren eine von Hans Rosenthal moderierte sehr beliebte Fernsehshow – fällt die Decke, zusammengesetzt aus Spießbürgerlichkeit und Bohnerwachs förmlich auf den Kopf. Er könnte aufbrechen, er hat fast alles, was er braucht, dabei, als er Zigaretten holen geht. Einfach ein Taxi nehmen und ab in den Flieger.

Er tut es nicht.

Als er heimkehrt, bekommt er die Höchststrafe durch die Worte seiner Frau: „Dalli Dalli geht gleich los …“ .

Das Personal von Max Frisch bricht wirklich auf. Stiller haut ab nach Mexiko. Und auch jener Staatsanwalt in Graf Öderland, von dem hier die Rede sein soll, der in seinem Arbeitszimmer über Akten brütet, in denen es um einen Bankangestellten geht, der einfach die Axt nahm und zuschlug. Der Leser/Zuschauer nimmt teil an jenem Prozess, als in dem Staatsanwalt auf einmal eine Tür aufgeht und er den Bankangestellten zu verstehen beginnt. Es wird nicht viel Zeit vergehen, da wird es von dem Staatsanwalt heißen: Graf Öderland mit der Axt in der Hand.

Das Theaterstück Graf Öderland beginnt im Arbeitszimmer des Staatsanwaltes, der über den Akten sitzt; morgen muss er den Bankangestellten anklagen:

l. Ein Staatsanwalt hat es satt

Arbeitszimmer in der Villa des Staatsanwalts. Nacht. Auf dem Schreibtisch brennt eine Arbeitslampe. Der Staatsanwalt, ein Herr von fünfzig Jahren, kräftig und groß, steht reglos, Hände in den Hosentaschen, Blick gegen die Wand, die aus lauter Ordnern besteht, aber er blickt nicht auf diese Ordner, sondern ist in Gedanken verloren. Eine Turmuhr schlägt zwei. Später hört man eine Frauenstimme.

stimme Martin? Martin!

Der Staatsanwalt nimmt keinerlei Notiz davon, bis die Stimme plötzlich aus nächster Nähe tönt: er knipst das Licht aus, so dass die Suchende in ein finsteres Zimmer tritt. Martin? Martin!… Wo ist er nur hingegangen -Sie schaltet die große Deckenlampe an. – da bist du ja!

Der Staatsanwalt steht wie zuvor, die Gattin trägt einen Schlafmantel und ist schön, aber verschlafen.

ELSA  Ich suche dich im ganzen Haus, wieso gibst du keine Antwort? Ich dachte schon, du bist ausgegangen -

STAATSANWALT   Wohin?

ELSA   Was ist los?

staatsanwalt Ich habe mich nur angezogen.

ELSA  Mitten in der Nacht?

STAATSANWALT   Es scheint so.

ELSA  Wieso schläfst du nicht? staatsanwalt Wieso schläfst du nicht?

Er nimmt sich eine Zigarre und schneidet sie gelassen.

Es tut mir leid, Elsa, ich habe dich nicht wecken wollen. Was soll schon los sein? Ich habe mich angezogen, um eine Zigarre zu rauchen, wie du siehst. Das ist alles.

Er zündet sich die Zigarre an.

Ich kann nicht schlafen.

ELSA  Du rauchst zuviel.

STAATSANWALT   Möglich …

‘ELSA  Du arbeitest zuviel.

STAATSANWALT  Sicher . . . das tun wir ja alle hierzulande. Bis es einmal reißt. Und dann wundern sie sich, unsere braven Geschworenen, wenn einer zur Axt greift. Er raucht, dann lacht er.

Dein Doktor Hahn, das finde ich ja besonders witzig: dass der Anwalt, der den armen Kerl verteidigen soll, von seiner Tat am allerwenigsten begreift!

ELSA  Ich weiß nicht, wovon du redest.

STAATSANWALT  Heute hat er gestanden.

ELSA  Wer?

STAATSANWALT  Der Mörder. Er raucht. Nicht Doktor Hahn, sondern der Mörder …

ELSA  Was willst du damit sagen?

STAATSANWALT  Mord aus Gewinnsucht, Mord aus Rache, Mord aus Eifersucht, Mord aus Rassenwahn, alles geht in Ordnung. Lässt sich erklären, Lässt sich verurteilen. Aber ein Mord einfach so? Das ist wie ein Riss in der Mauer. Man kann tapezieren, um den Riss nicht zu sehen. Der Riss bleibt. Man fühlt sich nimmer zu Hause in seinen vier Wänden. Er raucht. Das ist alles . . .

ELSA  Martin, es ist zwei Uhr.

STAATSANWALT  Ich weiß, in acht Stunden stehe ich vor Gericht, um die Anklage zu führen, ich, schwarz und fürchterlich — und auf der Bank sitzt ein Mann, den ich immer besser begreife. Bald besser als mich selbst. Obschon er nichts erklären kann. Ein Mann von siebenunddreißig Jahren, Kassierer bei einer Bank, brav, gewissenhaft zeit seines Lebens, gewissenhaft und bleich, und eines schönen Abends nimmt er die Axt und erschlägt einen Hauswart, der nichts dafür kann. Warum?

ELSA  Warum denn?

Der Staatsanwalt raucht und schweigt.

Du solltest nicht immer an deine Akten denken, Martin. Du machst dich krank. Jede Nacht arbeiten, das verträgt kein Mensch.

STAATSANWALT  Nimmt einfach die Axt …

ELSA  Hörst du nicht, was ich sage? Der Staatsanwalt raucht und schweigt. Ich sage, es ist zwei Uhr vorbei.

STAATSANWALT  Es gibt Stunden, wo ich ihn begreife …

ELSA  Wenn du nicht schlafen kannst, warum nimmst du kein Pulver? Nun gehst du wieder die ganze Nacht hin und her. Was hat das für einen Sinn! Wie ein Gefangener. Was kommt dabei heraus? Am andern Morgen bist du wieder wie gerädert, du bist nicht mehr jung, Martin -

STAATSANWALT  Ich bin es nie gewesen. Er nimmt ein Foto vom Schreibtisch. So sieht er aus!

ELSA  Ich verstehe dich nicht, Martin.

STAATSANWALT   Ich weiß.

ELSA  Wieso bist du nicht jung gewesen?

Der Staatsanwalt raucht und betrachtet das Foto. Warum machst du keine Ferien?

STAATSANWALT   Vierzehn Jahre an der Kasse, Monat um Monat, Woche um Woche, Tag für Tag, ein Mann, der seine Pflicht erfüllt wie wir alle. Schau ihn an! Ein Mensch ohne Laster, alle Zeugen bestätigen es, ein stiller und friedlicher Mieter, Naturfreund, Fußgänger, unpolitisch, Junggeselle, seine einzige Leidenschaft war das Sammeln von Pilzen, ein Mensch ohne Ehrgeiz, scheu und

arbeitsam, ein geradezu vorbildlicher Angestellter.

Er legt das Foto wieder hin.

Es gibt Augenblicke, wo man sich wundert über alle, die keine Axt ergreifen. Alle finden sich damit ab, obschon es ein Spuk ist. Arbeit als Tugend. Tugend als Ersatz für die Freude. Und der andere Ersatz, da die Tugend nicht ausreicht, ist das Vergnügen: Feierabend, Wochenende, das Abenteuer auf der Leinwand —

Elsa gähnt.

Du hast recht, Elsa, es ist zwei Uhr. Vielleicht kann ich mich nicht ausdrücken. Du bist müde, ich langweile dich. Du gähnst, sobald ich rede.

ELSA  Verzeihung.

STAATSANWALT  Du musst schlafen.

ELSA  Ich kann dir nur immer das gleiche sagen: -

STAATSANWALT  Dass ich zu einem Arzt gehen soll.

ELSA  Aber das tust du ja nicht. Weil du weißt, was er dir sagen wird: —

STAATSANWALT   dass es so nicht weitergeht.

ELSA  Das sagen auch deine Freunde.

STAATSANWALT  Wer zum Beispiel?

ELSA  Hahn – Doktor Hahn, zum Beispiel.

STAATSANWALT  Doktor Hahn ist nicht mein Freund.

ELSA  Sondern -?

STAATSANWALT  Deiner.

ELSA  Martin!

STAATSANWALT  Das nebenbei.

Er setzt sich an den Schreibtisch.

Lassen wir das. Darum geht es ja nicht . . . Ich bin der einzige Mensch, sagt er, der erste Mensch, der ihn versteht, sagt er.

ELSA  Wer?

STAATSANWALT  Der Mörder.   -

ELSA  Martin, ich friere.

STAATSANWALT  Es ist kalt hier.

ELSA  Du bist übermüdet, Martin, das ist alles. Du bist nervös. Ein Prozess nach dem andern! Und ein Mensch wie du, der alles so ordentlich nimmt, so gewissenhaft —

STAATSANWALT   Ich weiß.

ELSA  Warum machst du keine Ferien?

STAATSANWALT  Ferien in Spanien.

ELSA  Der Mensch braucht das, Martin.

STAATSANWALT  Vielleicht.

Er blättert in den Akten

Vielleicht auch nicht … Hoffnung auf den Feierabend, Hoffnung auf das Wochenende, all diese lebenslängliche Hoffnung auf Ersatz, inbegriffen die jämmerliche Hoffnung auf das Jenseits, vielleicht genügte es schon, wenn man den Millionen angestellter Seelen, die Tag für Tag an ihren Pulten hocken, diese Art von Hoffnung nehmen würde: – groß wäre das Entsetzen, groß die Verwandlung. Wer weiß! Die Tat, die wir Verbrechen nennen, am Ende ist sie nichts anderes als eine blutige Klage, die das Leben selbst erhebt. Gegen die Hoffnung, ja, gegen den Ersatz, gegen den Aufschub …

Die Turmuhr schlägt

ELSA  Nimm es mir nicht übel, Martin, aber ich bin wirklich zum Umsinken müde.

STAATSANWALT   Ich seh‘s.

ELSA  Grübeln ändert nichts.

STAATSANWALT  Da hast du recht.

Er erhebt sich und gibt der Gattin einen Kuss auf die Stirne. Geh schlafen, Elsa!

ELSA  Und du auch.

STAATSANWALT   Gutnacht.

ELSA   Gutnacht.

STAATSANWALT  Ich rauche bloß noch meine Zigarre.

Elsa entfernt sich, der Staatsanwalt steht, wie er zu Anfang gestanden hat. Er raucht. Er bemerkt nicht, dass durch eine andere Türe eine weibliche Gestalt eingetreten ist, barfuß, fast noch ein Kind, Holz unter dem Arm. Erst als sie vor dem Kamin kniet und ein Scheit auf den Boden fällt, erschrickt er.

HILDE  Ich habe Sie erschreckt?

STAATSANWALT  Wer bist du?

HILDE   Hilde.

STAATSANWALT Was ist denn?

HILDE  Herr Staatsanwalt haben geklingelt.

STAATSANWALT   Ich?

HILDE  Es ist kalt hier. Vielleicht soll ich Feuer machen. Herr Staatsanwalt verzeihen mein offenes Haar, ich komm aus dem Bett.

STAATSANWALT  Ich habe nicht geklingelt.

HILDE  Ich will Feuer machen.

Der Staatsanwalt schaut ihr zu.

Es schneit noch immer so. Eine Lawine ist vom Dach gerutscht. Daran bin ich aufgewacht. Das hat gedonnert wie im Sommer. Haben Herr Staatsanwalt es nicht gehört? Und alles hat gewankt wie bei einem Erdbeben. Pause

Herr Staatsanwalt lesen wieder die ganze Nacht?

STAATSANWALT  Du hast geträumt, Kind, ich habe nicht geklingelt.

HILDE  Jetzt brennt’s.

Feuerschein

Warum sehen Herr Staatsanwalt mich so an?

Der Staatsanwalt schweigt.

Immer sagen Herr Staatsanwalt, ich seh aus wie eine Fee. Aber Herr Staatsanwalt glauben ja nicht an Feen, das hab ich schon gemerkt. Herr Staatsanwalt machen sich lustig über mich. Bei uns droben, im Wald, da glauben’s auch die Männer, nicht bloß so ein dummes Dienstmädchen wie unsereins.

STAATSANWALT  Du siehst aus wie eine Fee.

HILDE  In der Stadt, da glauben sie ja überhaupt nichts, das hab ich schon gemerkt, da lächeln sie bloß, wenn ich erzähle davon.

STAATSANWALT   Wovon?

HILDE  Ach so, Geschichten.

Sie schürt das Feuer.

Jetzt brennt’s!

STAATSANWALT  Ja …

HILDE  Warum verbrennen Sie es nicht, Herr Staatsanwalt, das viele Papier, das Herr Staatsanwalt alleweil lesen müssen?

STAATSANWALT  Verbrennen?

HILDE  Ich würde das tun.

STAATSANWALT  Du sprichst wie ein Kind.

HILDE  Ich würde das tun.

STAATSANWALT  Dann tu’s

HILDE   Ich tu’s!

Der Staatsanwalt lacht und gibt ihr ein Aktenbündel.

Ich tu’s .

Sie wirft das Aktenbündel ins Feuer, der Staatsanwalt sieht zu, als wäre es nicht getan, sondern bloß gedacht, und lacht tonlos, Hilde holt ein zweites Bündel, ein drittes, schließlich den ganzen

Rest, es lodert, dass das ganze Zimmer in Röte aufleuchtet.

– Wie das scheint!

STAATSANWALT  Ja …

HILDE  Wie bei den Köhlern im Wald!

STAATSANWALT  Ja …

HILDE  Dass man möchte tanzen dazu!

STAATSANWALT  Ja …

HILDE  Wie bei den Köhlern, als der Graf Öderland kam. Hoch lebe der Graf! und da sagte die Fee, als die Köhler erschraken, denn es brannten ihre eigenen Hütten, es brannten die Dörfer und Städte -

STAATSANWALT  Was sagte da die Fee?

HILDE Wie das scheint!


Hilde verkörpert den Wunsch des Staatsanwaltes nach einem anderen Leben, ein Leben, das er mit Elsa an seiner Seite nicht leben kann. Sein Bedürfnis nach Veränderung kreiert eine jugendliche Frau, mit dem er diesen Aufbruch verwirklichen kann, eine Fluchtmöglichkeit, zu der alternde Männer gern greifen.

Doch zunächst finden wir Doktor Hahn, den Verteidiger und juristischen Gegenspieler des Staatsanwaltes, am nächsten Tag im Gespräch mit dem Mörder; der Verteidiger versteht den Mann allerdings nicht, wie sich zeigt:


2. Der Mörder

Gefängniszelle. Doktor Hahn sitzt auf der Pritsche, Hut auf dem Kopf, Akten auf dem Knie. Der Mörder steht, die Hände in den Hosentaschen, und blickt zum Gitterfenster hinaus.

MÖRDER  Schnee …

DOKTOR HAHN  Was sagen Sie?

MÖRDER  Ich sage: Schnee …

DOKTOR HAHN  Wenn Sie mir keine Antwort geben auf meine Fragen, wie soll ich Sie verteidigen? Ich frage nicht als Staatsanwalt. Seine Verhöre haben Sie erschöpft, das kann ich ja verstehen, seine Verhöre sind berühmt, sein Blick, sein Verständnis. Wie stehe ich heute da? Ich war von Ihrer Unschuld überzeugt.

MÖRDER  Ich weiß …

DOKTOR HAHN  Warum haben Sie plötzlich gestanden? Der Mörder zuckt die Achsel.

Heute wird das Urteil gefällt. Und ich weiß noch immer nicht, woher ich die mildernden Umstände nehmen soll. Ich weiß es nicht! wenn Sie mir nicht helfen. Pause

MÖRDER  Doktor, haben Sie noch eine Zigarette?

Doktor Hahn bietet Zigaretten an.

Das stimmt übrigens nicht, Doktor, was Sie vorher gesagt haben: dass er’s mit Zigarren gemacht habe, der Staatsanwalt.

DOKTOR HAHN  Sondern?

MÖRDER  Weiß nicht.

Doktor Hahn gibt Feuer.

Er versteht mich einfach. Wenn man Monate lang gefragt wird und gefragt und wieder gefragt, und dann, plötzlich, steht einer im Saal, der einen versteht, Staatsanwalt hin oder her, Herrgott nochmal, es hat mir einfach wohlgetan …

Er raucht.

Danke.

DOKTOR HAHN  Ich komme auf meine Frage zurück: Was haben Sie gedacht, beziehungsweise empfunden, als Sie damals, ich spreche vom 21. Februar vergangenen Jahres, von dem besagten Ort kamen?

MÖRDER  - was Sie wollen.

DOKTOR HAHN  Erinnern Sie sich!

MÖRDER  Das ist leicht gesagt, Doktor.

DOKTOR HAHN  Sie gingen aufs Klosett —

MÖRDER  Wie manchmal noch!

DOKTOR HAHN  Ich stütze mich auf die Akten.

MÖRDER  Wenn es wahr ist, Doktor, was in diesen Akten steht, man könnte meinen, ich verbrachte mein ganzes Leben auf dem besagten Ort.

DOKTOR HAHN  Was in den Akten steht, sind Ihre eignen Aussagen.

MÖRDER  Ich weiß.

DOKTOR HAHN  Also.

MÖRDER  Mag sein —!

DOKTOR HAHN  Was mag sein?

MÖRDER  Dass es wahr ist. Gewissermaßen. Dass ich mein Leben

gewissermaßen auf dem besagten Ort verbracht habe. Ich erinnere mich, oft hatte ich durchaus dieses Gefühl.

DOKTOR HAHN  Dass Sie stets die Arbeitszeit dafür genommen haben, sagten Sie schon. Das ist ein Spaß, der die Geschworenen zum Lachen gebracht hat. Ich habe nichts dagegen, dass man die Geschworenen einmal zum Lachen bringt. Aber wesentlich ist das nicht; das machen alle Angestellten.

MÖRDER  Dieses Gefühl hatte ich auch, Doktor, dass es nicht, wesentlich ist, auch wenn ich vor dem Spiegel stand und mich rasierte jeden Morgen, wir mussten immer tadellos rasiert sein, oder wenn ich meine Schuhe nestelte und dazwischen frühstückte, um Schlag acht Uhr an meinem Schalter zu sein jeden Morgen … jeden Morgen

DOKTOR HAHN  Was haben Sie sagen wollen?

MÖRDER  In sechs Jahren wäre ich Prokurist geworden. Er raucht.

Sie haben recht, auch das hätte nichts verändert. Es fällt mir nur so ein. Überhaupt beklage ich mich in keiner Weise über die Bank-Union. Unser Betrieb war musterhaft, das muss ich sagen, unser Hauswart hatte einen Kalender, wo man nachsehen konnte, wann jede Flügeltür zum letzten Mal geschmiert worden ist. Diesen Kalender habe ich mit eignen Augen gesehen. Da gab es keine girrende Türe und nichts. Das muss man sagen.

DOKTOR HAHN  Um auf unsre Frage zurückzukommen: -

MÖRDER  Ja: Was ist wesentlich?

DOKTOR HAHN  Ich rekapituliere: Sonntagnachmittag beim Fußball-Länderspiel, die Niederlage unsrer Mannschaft bedrückt Sie, abends im Kino, aber der Film fesselt Sie nicht, Sie gehen zu Fuß nach Haus, laut Akten empfinden Sie keinerlei Unwohlsein -

MÖRDER  Nur Langeweile.

DOKTOR HAHN  - Zuhause Fernsehen, aber das fesselt Sie auch nicht, 11 Uhr 20 nochmals in die Stadt, Besuch einer Milchbar, kein Alkohol, Sie klingeln kurz vor Mitternacht an der Hinterhoftüre der Bank-Union -

MÖRDER  Weil das Hauptportal geschlossen war.

DOKTOR HAHN  Als der Hauswart öffnet, sagen Sie ihm, Sie müssten auf den besagten Ort … Ich verstehe noch immer nicht, warum Sie zu diesem Zweck (es war Sonntag) ausgerechnet auf die Bank-Union gehen.

MÖRDER  Ich versteh’s ja auch nicht.

DOKTOR HAHN  Weiter!

MÖRDER  Macht der Gewöhnung.

DOKTOR HAHN  Jedenfalls lässt Hofmeier Sie herein.

MÖRDER   Er war eine Seele von Mensch.

DOKTOR HAHN  Ohne sich zu wundern über Ihren nächtlichen Besuch?

MÖRDER  Natürlich wunderte er sich.

DOKTOR HAHN  Aber?

MÖRDER  Ich wunderte mich ja auch, ich schaute zu, wie er die Heizkessel bediente, und wir plauderten noch mindestens fünf Minuten.

DOKTOR HAHN  Worüber?

MÖRDER  Ich sagte: Dich sollte man auf der Stelle erschlagen! Wir lachten.

DOKTOR HAHNn  Und dann?

MÖRDER  Ging ich auf den besagten Ort.

DOKTOR HAHN  Und dann?

MÖRDER  - hab ich’s getan.

Er zertritt die Zigarette auf dem Boden.

Ich weiß nicht, Doktor, was Sie noch wissen möchten …

Pause

DOKTOR HAHN  Haben Sie eine schwere Jugend gehabt?

MÖRDER  Wieso?

DOKTOR HAHN  Hat Ihr Vater Sie misshandelt?

MÖRDER  Wie kommen Sie denn darauf?

DOKTOR HAHNn  Hat Ihre Mutter Sie vernachlässigt?

MÖRDERmmIm Gegenteil.

DOKTOR HAHN  Hm.

MÖRDER  Ich würde es Ihnen schon sagen, Doktor, aber ich habe kein Motiv

DOKTOR HAHN  Hm.

MÖRDER  Ehrenwort.

DOKTOR HAHN  Karl Anton Hofmeier, der Ermordete, hatte, wie ich in den Akten sehe, eine verhältnismäßig junge Frau

MÖRDER  Sie tut mir leid.

DOKTOR HAHN  Sie kannten Frau Hofmeier?

MÖRDER  Sie hat mir die Wäsche geflickt.

DOKTOR HAHN   Hm.

MÖRDER  Um Geld zu verdienen.

DOKTOR HAHN  Karl Anton Hofmeier, Hauswart bei der Bank-Union, hatte keinen Grund zur Eifersucht?

MÖRDER  Das weiß ich nicht.

DOKTOR HAHN  Ich meine: Ihretwegen?

MÖRDER  Davon habe ich nichts bemerkt.

DOKTOR HAHN  Ich meine: Hofmeier ist Ihnen nicht im Weg gestanden?

MÖRDER  Wieso?

DOKTOR HAHN  Und ein politisches Motiv haben Sie auch nicht!

MÖRDER  Ich versteh nichts von Politik.

DOKTOR HAHN  Sie glauben also zum Beispiel nicht daran, dass durch Gewalt die Welt verbessert werden kann?

MÖRDER  Das weiß ich nicht.

DOKTOR HAHN  Ich meine: Sie betrachten den Mord unter allen Umständen als eine verbrecherische Handlung?

MÖRDER  Unter allen Umständen.

DOKTOR HAHN  Hm.

MÖRDER  Ich versteh Ihre vielen Fragen nicht, Doktor.

DOKTOR HAHN Karl Anton Hofmeier ist tot -

MÖRDER  Ich weiß.

DOKTOR HAHN  Was haben Sie sich davon versprochen?

MÖRDER  Nichts.

DOKTOR HAHN  Ich weiß nicht, wie ich Sie verteidigen soll. Soll ich dem Gericht vielleicht sagen, Sie haben es getan, bloß weil Sie gerade eine Axt hatten, bloß weil kein andrer zugegen war als Karl Anton Hofmeier?

MÖRDER  So war’s aber.

Doktor, haben Sie noch eine Zigarette?

Doktor Hahn bietet Zigaretten an.

Danke.

Er wartet vergeblich auf Feuer.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn ich mehr verstanden hätte vom Geld.

DOKTOR HAHNn  Wie meinen Sie das?

MÖRDER  So

DOKTOR HAHN  Millionen sind durch Ihre Hände gegangen. Es ging Ihnen nicht um Geld. Darauf fußt meine ganze Verteidigung. Sie hätten Millionen unterschlagen können, ohne zur Axt zu greifen. Was Sie begangen haben, ist Mord, aber kein Raubmord. Und das setze ich durch!

MÖRDER  Ich meine es auch nicht so.

DOKTOR HAHN  Wie denn?

MÖRDER  Wenn ich mehr verstanden hätte vom Geld, meine ich, vielleicht hätte ich rnich nicht so gelangweilt vierzehn Jahre lang.

DOKTOR HAHN  Gelangweilt?

MÖRDER  Klar.

DOKTOR HAHN  Wollen Sie dem Gericht vielleicht sagen, dass Sie den alten Hauswart erschlagen haben aus – Langeweile, aus purer Langeweile? – Es klopft.

Herein!

Eintritt ein Wärter mit einem Brief.

WÄRTER  Ich soll auf Ihren Bescheid warten.

Doktor Hahn öffnet den Brief und liest.

Das Essen kommt gleich.

DOKTOR HAHN  Was soll das bedeuten?

WÄRTER  Keine Ahnung.

DOKTOR HAHN  Näheres weiß man nicht?

WÄRTER  Die Frau Staatsanwalt wartet unten.

DOKTOR HAHN  Ist der Gerichtshof unterrichtet?

WÄRTER  Jawohl, Herr Doktor!

DOKTOR HAHN  Ich komme sofort.

Der Wärter geht, Doktor Hahn sammelt seine Akten.

Sie haben Glück.

MÖRDER  Wie das schneit . . .

DOKTOR HAHN  Das Gericht ist vertagt.

MÖRDER  Sie können sich nicht vorstellen, Doktor, wie vertraut mir dieser Anblick ist: Immer diese sieben Stäbe, dahinter die Welt, so war es auch hinter dem Schalter, als ich noch arbeitete, als ich noch frei war . . .

DOKTOR HAHN  Haben Sie nicht gehört, was ich sage? Das Gericht

ist vertagt. Überlegen Sie sich, was ich Sie gefragt habe. Überlegen Sie es in aller Ruhe. Heute ist Freitag, wir sprechen uns wieder am nächsten Montag. Ich bin sehr eilig.

Der Wärter kommt.

WÄRTER  Fertig?

DOKTOR HAHNn  Fertig.

Doktor Hahn geht, der Wärter bleibt, er hat das Essen gebracht, einen blechernen Teller und einen großen Eimer.

WÄRTER  Was sagen Sie jetzt?

MÖRDER  Wieder Bohnensuppe?

WÄRTER  Einfach verschwunden und verschollen, ein Staatsanwalt, einfach verschwunden und verschollen! Das ist noch nicht vorgekommen. Zu mir hat er immer gesagt, ich sehe aus wie ein Bienenzüchter -

MÖRDER  Brot gibt’s auch?

WÄRTER  Ich frage, was Sie dazu sagen.

MÖRDER  Schade.

WÄRTER  Wieso schade?

MÖRDER  Der Einzige, der mich verstanden hat…

Der Mörder beißt in sein Brot, dann löffelt er die Suppe, die der Wärter unterdessen geschöpft hat. Der Wärter wartet umsonst auf ein Gespräch, dann geht er; man hört, wie die Gefängnistüre von außen geschlossen wird.


Manche werden zu einem Graf Öderland und bewältigen ihren Lebensfrust, indem sie zur Axt greifen. Der Mann im Lied von Udo Jürgens wird keine Axt ergreifen, doch wird sich sein Frust nach innen wenden und eine Krankheit wird die Rolle der Axt übernehmen.

Den Alltag als großes Lernfeld zu erkennen, in welchem Beruf man auch immer arbeitet, gehört zu der Lebens-Kunst, die es für uns zu lernen gilt. Elsa und Hilde sind Teile eines jeden Mannes und einer jeden Frau, genauso wie Graf Öderland, der Staatsanwalt und Doktor Hahn.

Wer dies nicht wahrhaben will, greift zur Axt, einer Rasierklinge, zu Tabletten oder der täglichen Dosis Alkohol, um den inneren Rufer nicht zu hören.

Für einen Post über die Schweinegrippe und die diesbezüglichen Folgen für Kinder, den ich auf FreieWelt.net veröffentlicht habe, stelle ich hier folgende Informationen ein, wobei ich den Leser bitte, sich nicht an dem bisweilen etwas polemischen Tonfall des klein-klein-Newsletters zu stören, sondern die sachliche Information herauszudestillieren und zu sehen, welche wertvolle und wichtige Arbeit mit dem Newsletter überhaupt geleistet wird.

Zunächst geht es in dem Newsletter um ein Geschehen in Murrhardt, das bezeichnend ist für das Verhalten von Behörden in unserem Land und dass diese dienstbeflissen jeden Mist pflichterfüllen (sorry, meine Meinung):

Betreff: I-Pfui! Schweinerei mit Kindern Newsletter klein-klein-verlag 10.9.2009
Datum: Thu, 10 Sep 2009 22:56:25 +0200

*I-Pfui! Schweinerei mit Kindern*
Newsletter klein-klein-verlag 10.9.2009
(…)


Die Stadt Murrhardt verweigerte mit Datum vom 14.8.2009 <http://www.hiv-ist-tot.de/sbo/viewtopic.php?f=11&t=43> (siehe Dateianhang am Ende dieses Schreibens auf www.staatsbuerger-online.de <http://www.staatsbuerger-online.de/> die Sondernutzungserlaubnis für einen Info-Tisch, von dem aus Informationen zur Schweinegrippeimpfung verbreitet werden sollten.
Die Stadt Murrhardt beruft sich dabei auf eine Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis (Waiblingen, Amtsleiterin Frau Dr. Rosemarie Längle-Sanmartin <http://www.gesundheitsamt-bw.de/servlet/PB/menu/1149361/>).
Die Eltern, die auf das Geld nicht verzichten können, können also nichts über den Krankheitserreger und auch nichts über den Inhalt und die Wirkweise des Impfstoffes wissen.
Jedermann weiß, dass dann, wenn über die Inhalte des Impfstoffes nichts gesagt werden kann, eine rechtswirksame Einwilligung zu den Impfversuchen ausgeschlossen ist und jede dieser Impfungen den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt, in der Verantwortung der verantwortungslosen Gesundheitsbehörden und deren Führerinnen Ulla Schmidt und Angela Merkel.
Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach § 7, Abs. 1, Nr. 2 Völkerstrafgesetzbuch.
Das ist Völkermord im Sinne des Gesetzes.
Wir haben in den Wahlen nicht die USA gewählt, die diese Politik via Weltgesundheitsorganisation (WHO) – in der Schweinepandemie nun ganz offen und für jeden nachvollziehbar – betreibt.
Wir haben Abgeordnete gewählt (auch durch Nicht-Wahl!), die in unserem Namen den Kanzler wählen, der die Minister ernennt und deren Mitarbeiter in den Ministerien uns und unserem Leben und unserer Gesundheit zu dienen haben. Deswegen heißen die auch Staatsdiener.
Das Volk hat nicht der Regierung und nicht den Staatsdienern zu dienen. Die Staatsdiener, bis hin zum Bundeskanzler/in haben nach dem Grundgesetz dem Volk zu dienen!
Im Falle der Schweinepandemie dienen sie nachweislich den Interessen der USA. Der Pandemie-Beauftragte und ehemaliger Gesundheitsamtsleiter der Stadt Stuttgart, Dr. Thomas Schönauer <http://www.landkreis-ludwigsburg.de/deutsch/politik-und-verwaltung/dezernate-fachbereiche-zustaendigkeiten/dezernat-v-dr-med-thomas-schoenauer/>, stellvertretend für alle Gesundheitsamtsleiter so wörtlich:
*Mich interessiert es nicht, dass es die Viren nicht gibt, ich führe nur die Befehle der WHO aus!*
Aus diesen Behörden und der Politik kommen die Parolen, dass die Pharmaindustrie die Schuldige sei, die via Lobby die Regierung bestimmt. In Wirklichkeit wissen alle Staatsdiener in den Gesundheitsbehörden, dass sie die Vorgaben, die Zulassungen und die Überprüfungen der Pharmaindustrie via Gesetze und Verordnungen vorgeben und nicht umgekehrt.
Mit dem üblen Trick die Pharmaindustrie – die nur macht, was der Staat über die Gesundheitsbehörden vorgibt, kontrolliert und zulässt – als Blitzableiter und zur Tarnung der staatlichen Verbrechen zu benutzen, kaschieren die Gesundheitsbehörden, dass sie nach 1945 nur Hitler durch die USA ausgetauscht haben.
Diese sich dadurch klein machenden heutigen deutschen Gesundheitsbeamte sind nicht grau und ahnungslos, sondern groß und rot: Voll mit dem Blut zehntausender durch AIDS und Impfen getöteter Deutscher und Millionen ihrer Opfer weltweit.
Aber zurück zur Gesundheitsamtsleiterin Frau Dr. Rosemarie Längle-Sanmartin (Waiblingen):
Sie war am 9.7.2002 anwesend, als Prof. Kimmig <https://www.uni-hohenheim.de/67720.html?typo3state=persons&lsfid=2756> und Dr. Dr. Pfaff <http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1147508/index.html>, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, erstmalig eingestanden haben, dass kein als Krankheitserreger beschuldigtes Virus jemals direkt nachgewiesen worden ist.
In dieser Kenntnis behauptet ihr Gesundheitsamt Waiblingen gegenüber der Stadt Murrhardt die dreiste Lüge, dass *ausschließlich dem Robert Koch-Institut bzw. den im Einzelfall beratenden Medizinern* das Recht zusteht, über Impfung und über die Schweinegrippe-Impfung zu informieren (siehe Schreiben der Stadt Murrhardt vom 14.8.2009 im Dateianhang am Ende des Schreibens <http://www.hiv-ist-tot.de/sbo/viewtopic.php?f=11&t=43>).
Tatsächlich hat das Robert Koch-Institut und haben die Gesundheitsämter und haben die impfenden Ärzte die Pflicht zur Information.
Die Gesundheitsamtsleiterin behauptet eine Pflicht als Ausschließlichkeitsrecht.
Das können nur Lakaien, zynisch menschenverachtender Diktaturen behaupten oder eben  *xxxxxxxxxxxxxxx Xxxxxxxxxx*,  wie Dr. Lanka schon im Rosenheim Video <http://www.youtube.com/watch?v=_YbNuJYgCFE&feature=channel> (bei 2.45 Minuten) klar und deutlich, unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Goethe benannte. (Das komplette Video ist über www.klein-klein-media.de <http://www.klein-klein-media.de/>, hier unter *Rosenheim Feb 2009* zu sehen.)
In allen Wahlen in der BRD wurden nur deutsche, nicht amerikanische Abgeordnete gewählt
Solche Schweinereien, wie sie jetzt mit der Schweinegrippe in Deutschland erfolgen, setzen die erfolgte Beseitigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung (Staatsordnung) in der BRD voraus und weisen jedem Deutschen das volle uneingeschränkte Recht zum Widerstand nach dem Grundgesetz für die BRD Artikel 20, Abs. 4 (GG 20.4), insbesondere gegen die Bediensteten in den Gesundheitsbehörden auf Bundes- Landes- und Kommunalebene zu. Also auch gegen Ärzte in Gesundheitsämtern.
Da aber niemand nach Widerstandshandlungen mit einem rechtsstaatlichen Verfahren rechnen kann, sollten Widerstandshandlungen, bei denen ggf. auch der Tod in Kauf zu nehmen ist, nur als Nacht- und Nebel-Aktionen durchgeführt werden, bei denen man sich tunlichst nicht erwischen lassen soll.
Die Kriminalität der Justiz in der BRD, auf allen Ebenen, ist hinreichend bewiesen und in Büchern des klein-klein-verlags <http://www.klein-klein-verlag.de/> dokumentiert.
Besonders wird auf das Video der Dokumentation der kriminellen Berliner Justiz <http://www.klein-klein-media.de/medienarchiv/index.php?option=com_content&view=article&id=68&Itemid=85> verwiesen, die vorsätzlich den Völkermord und die den Meineid des Prof. Kurth sichert.
Schweinegrippe-Impfungen in Kinder armer Eltern:
I-Pfui, Ulla Schmidt und Angela Merkel!
Wer Angie, Ulla und Konsorten duldet, duldet alles und darf sich nicht wundern, wenn er morgen tot aufwacht, wenn er selbst Opfer solcher Schweine und Schweinereien geworden ist.
Für diesen Angriff gegen die Kinder armer Eltern, darf kein Mensch Verständnis aufbringen.
Ulla Schmidt und Angela Merkel führen diese USA-Politik nachweislich wider besseres Wissen durch. In den Publikationen des klein-klein-verlag und auf www.klein-klein-media.de <http://www.klein-klein-media.de/> finden sich viele andere Namen von Beteiligten in den Behörden und der Justiz, die auftragsgemäß diese Politik der USA, gegen die eigene Bevölkerung und Kinder, durchführen und sichern.
*Menschen mit Würde können bei dieser Sach- und Faktenlage die Beamte in der Justiz und Richter, Beamte in den Gesundheitsbehörden und deren Führer, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundeskanzlerin Merkel, eigentlich nur noch anspucken oder anderen Widerstand leisten.*
Angie hätte niemals den Befehl der WHO (USA) ausführen dürfen, um nun mit dem Abspritzen deutscher Babies, Kinder, Schwangeren und dann uns allen zu beginnen.
Das Schweinegrippe-Impfen der Bevölkerung dient ganz offensichtlich dem Ziel, viele Menschen zu schädigen, um so Panik zu erzeugen, um mit den für 60% der Bevölkerung eingelagerten Blutverdickern Tamiflu und Relenza den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung, entsprechend den öffentlichen Pandemieplänen, zu bewirken.
Die Schäden an der Vererbung der Menschen, durch die in den Impfstoffen enthaltenen Nano-Partikel, die als neuartige Wirkverstärker verniedlicht werden, die in den USA in den Impfstoffen nicht enthalten sind, werden dabei billigend in Kauf genommen oder sind sogar Bestandteil der Pandemie-Strategie. Es ist Krieg der USA gegen die Menschheit.
Die oberflächliche Diskussion um die Impfstoffe und die Gewinne der Pharmaindustrie in den Medien hat erfolgreich von der staatlichen Strategie abgelenkt, dass die Sialidase-Hemmstoffe Tamiflu und Relenza, die für mehr als die Hälfte der Bevölkerung eingelagert wurden, durch die für die Pandemie empfohlenen hohen Konzentrationen schnelles Leiden und Tod verursachen werden.
Unsere Wahlempfehlung: GG 20.4 und als Einstieg, dieses Schreiben an alle Gesundheitsbehörden versenden.
In diesem Sinne!
Ihr Karl Krafeld für das klein-klein-Team

Betreff: Newsletter kkv 30.7.2009 Die Schweine/Grippe H1N1 die PCR und das Ende der Schweiz und Europa

Newsletter klein-klein-verlag vom 30.7.2009

Die Schweine/Grippe, H1N1, die PCR und das Ende der souveränen Schweiz und Europa!

Die Schweiz unterwirft sich den Plänen und Befehlen der US-Pentagonorganisation (US-Kriegsministerium) CDC.

Beweiserbringung durch Dr. Christian Griot, Direktor des Schweizer Regierungsinstitutes für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (Veterinärbereich), IVI.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Weltweit als einziger Wissenschaftler in bedeutender Position, behauptet der Schweizer Dr. Christian Griot, Direktor des Schweizer Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartment (EVD), dass die DNS-Sequenzabgleichmethode PCR ein direktes Virusnachweisverfahren sei. In Wirklichkeit kann man mit der PCR nur Sequenzen abgleichen, deren Zusammensetzung zuvor ermittelt worden sind.

Um zu behaupten, dass eine bestimmte Sequenz die durch Abgleich ermittelt wurde, Bestandteil eines Virus ist und damit ein Virus nachgewiesen wird, muss gezeigt werden, dass diese Sequenz aus einem Virus stammt. Hierzu muss die Existenz des behaupteten Virus bewiesen werden, indem das Virus aus einem Organismus oder Flüssigkeiten heraus isoliert, fotografiert und biochemisch charakterisiert wurde. Die biochemische Charakterisierung des Virus beinhaltet die Feststellung der Sequenz der Nukleinsäure des Virus durch entsprechende Analyse-Methoden.

Da aber kein einziges krankmachendes Virus jemals gesehen, fotografiert und isoliert worden ist – was jeder Laie selbst überprüfen kann, da es eine publizierte Dokumentation mit Foto des isolierten Virus und der biochemischen Charakterisierung seiner Bestandteile in keinem einzigen Fall der behaupteten krankmachenden Viren gibt – kann es keinen einzigen PCR-Sequenzabgleich geben, mit dem man auf die Anwesenheit eines behaupteten krankmachenden Virus schließen könnte.

Die zum behaupteten Nachweis krankmachender Viren verwendeten Sequenzen werden im Humanbereich von der Weltgesundheitsorganisation vorgegeben, die sich z.B. bei den behaupteten Influenzaviren exklusiv auf die US-Amerikanische Seuchenbehörde (CDC) bezieht, eine militärische Organisation des Pentagons, also US-Amerikanische Kriegsbehörde. Damit ist bewiesen, dass es sich bei der Planung und der Durchführung der Influenza-Pandemie um eine kriegerische Handlung der USA, mit massiven gesundheitlichen Folgen, Todesfällen und auch Zerstörung der Wirtschaft in feindlicher Absicht handelt.

Dr. Griot hat mit seinem Schreiben vom 22.6.2009 bewiesen, dass er und die Schweizer Regierung, die Souveränität des Landes, die Wirtschaft, Gesundheit und das Leben der Schweizer Bevölkerung wider besseres Wissen und absichtlich dem Krieg der USA gegen die Menschheit (siehe unser Vogelgrippe-Buch) ausliefert.

(Ende der Zusammenfassung)

Den ganzen Text finden Sie als Dateianhang unter dem Text des nachfolgenden Links: http://www.hiv-ist-tot.de/sbo/viewtopic.php?f=11&t=33

Die in diesem Text aufgezeigten Zusammenhänge und Beweise sind von größter Bedeutung, denn in der Schweiz hat der Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), Thomas Zeltner, in direkter Ausführung der Befehle des Pentagons/CDC

(genannt auch gesetzlich zwingende Empfehlungen der WHO, wenn der Nationalstaat nicht innerhalb von 6 Wochen widerspricht)

nicht nur bekannte Komiker (Beat Schlatter und Marie-Térèse Porchet) engagiert, um die Pandemie-Planung bis zum Zusammenbruch des Staates voranzutreiben, sondern hierzu auch über Swissmedic die Abgabe des Blutverdickers Tamiflu an Babies und Schwangere, trotzt fehlender Zulassung, straffrei gesetzt.

Er beruft sich dabei auf perverse Tierversuche, die wiederum Dr. Griot (s.o.) durchgeführt hat (NZZ vom 28.7.2009). Diese Versuche sind der Vorwand, in Kürze, wenn es uns nicht gelingt die Pandemie-Planung zu stoppen, massenhaft Babies und Schwangere zu töten, um die Schweiz (und nicht nur die Schweiz) im Interesse der USA zu zerstören.

In Konsequenz weiß auch die NZZ vom 28.7.2009 zu berichten, dass nicht wie bei der Vogelgrippe, die Pandemie angekündigt, Ängste wurden geschürt, Impfstoffe entwickelt – und dann passierte nichts, sondern, so wörtlich: Diesmal wird sicher etwas passieren, es wird auch zu tragischen Toden kommen.

Ja: Babies morden und Schwangere mitsamt ihrer Frucht töten. Moderner Krieg der USA.

Perverse Esoteriker haben uns vorgeworfen, dass wir mit unserer klein-klein Strategie möglicherweise verhindern, dass der überwiegend dumme Teil der Menschheit, zumindest in Europa, durch den Influenza-Krieg beseitigt wird.

Wichtig zu wissen ist, in diesem nicht öffentlich erklärten Krieg der USA, dass im Influenza-Krieg gegen die eigene Bevölkerung in den Impfstoffen in den USA KEINE zellauflösenden und die Zell-Atmung hemmenden und zerstörenden Substanzen enthalten sind, genannt Adjuvanzien bzw. Wirkverstärker.

Das Pentagon schützt also die Bevölkerung der USA.

Hier in Europa behaupten die Impfer, dass ohne diese Adjuvanzien bzw. Wirkverstärker die Impfstoffe keine sicht- und messbaren Auswirkungen hätten, im Sinne der Immuntheorie also gar nicht wirken.

Hierzu, dass in den USA keine Adjuvanzien bzw. Wirkverstärker verwendet werden, schweigen alle einheimischen Impfer und die sie beauftragenden Gesundheitsbehörden, woran schon an diesem Detail bewiesen ist, dass diese Staatsdiener und die impfenden Ärzte absichtlich handeln und im Auftrag der USA die europäische Bevölkerung zerstören.

In Deutschland ist mittlerweile auf dem Hintergrund der über 14jährigen Beweisfrage, jedem Deutschen das volle und uneingeschränkte Recht zum Widerstand gegen alle Personen in den staatlichen Gewalten zugewiesen worden, weil andere Abhilfe nicht möglich war (Grundgesetz Artikel 20 Absatz 4).

Demnächst werden wir zwei Ansätze in Leben mit Zukunft und im klein-klein-Newsletter veröffentlichen, die zeigen werden, dass vor Einsetzen der Massentötung noch etwas – mit Aussicht auf Erfolg – getan werden kann und damit getan werden muss.

In diesem Sinne!

Ihr Karl Krafeld und Dr. Stefan Lanka für das klein-klein-Team

weitere Info hier

Aufgrund einer genauen Übersetzung des hebräischen Urtextes wissen wir, dass durch Luthers Übersetzung ein wesentlicher Gehalt dessen, was das Wissen um Menschen betrifft, die seit Urbeginn zusammengehören, unklar bleiben muss. Damit verbinde ich keinen Vorwurf an Luther, dessen bewundernswerte Gesamtleistung der Bibelübersetzung ich in keiner Weise schmälern möchte.

Gott schuf, wie ich an entsprechender Stelle ausgeführt habe, den Menschen als männlich-weibliches Urwesen nach seinem Bilde. In der Folge kommt es auf der physischen Ebene zu einer Trennung der Geschlechter, wie es auch Platon im Symposion, im Gastmahl also, und Schiller in seinem bemerkenswerten Gedicht Reminiszenz beschreiben bzw. dichterisch gestalten.

Bemerkenswert finde ich nun, dass zwei Autoren unabhängig voneinander einen Tatbestand beschreiben, indem sie auf das Verhalten von Elementarteilchen eingehen, den ich näher beleuchten möchte; es sind Rolf Froböse in seinem Blogbeitrag auf FreieWelt.net Die Physik der Unsterblichkeit und Andreas Weber in Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften.

Am Ende seines Buches kommt der studierte Biologe und Philosoph auf die Rolle des Geistes innerhalb der Materie zu sprechen, der sich hier wie ein Forscher verhalte. Weber geht es im Rahmen seiner Schöpferischen Ökologie darum zu verdeutlichen, dass alles, was wir als Geist beschreiben, vollkommen der Materie angehört. Abgesehen davon, dass ich diesen Ansatz nicht teile, weil er meines Erachtens das Pferd vom Schwanz her aufzäumt und ich der Auffassung bin, dass aller Materie Geistiges zugrunde liegt, kommt Andreas Weber sodann auf ein quantenphysikalisches Phänomen zu sprechen, dass uns im Rahmen dieses Posts interessiert, nämlich der so genannten Nicht-Lokalität. Auf dem Feld kleinster Teilchen gilt:

In der Quantensphäre sind Ereignisse miteinander verbunden, obwohl sie räumlich und zeitlich weit voneinander getrennt sein können. Zwischen ihnen herrscht kein Ursache-Wirkung-Verhältnis, sondern eine seltsame Beziehung von Parallelität.

Im Experiment stellt sich das so dar: Wird ein Teilchen durch Partikelbeschuss in zwei kleinere Hälften auseinandergerissen, so »wissen« beide Geschwister später jeweils, was aus der anderen Hälfte geworden ist. Sie verhalten sich »komplementär«. Wenn mit einem von beiden ein weiteres Experiment angestellt wird, verändert sich der andere Partikel entsprechend. Beide reagieren so, als spannte sich ein unsichtbares Band vom einen zum anderen – als bestünde zwischen ihnen eine »spukhafte Fernwirkung«, wie Albert Einstein etwas abfällig zu bemerken pflegte. Das heißt: Legt man während des Versuchs die Eigenschaften eines der beiden »Geschwister« der Teilchen durch einen Eingriff – etwa eine Messung des Impulses – nachträglich fest, so zeigt das andere immer die korrespondierenden Qualitäten. Beide Fragmente verhalten sich nach wie vor so, als wären sie noch ungetrennt und wie vorher zu einem größeren Teilchen verschränkt – egal, wie weit entfernt sie voneinander sind und wie lange der Eingriff zurückliegt.

In diesem Zusammenhang ist interessant, mit welchem Satz Rolf Froböse seinen Blogbeitrag beginnt:

Physiker behaupten: „Wir sind auf subtile Weise mit jedem Punkt des Universums verknüpft“: Moderne Physiker stellen das bisherige Weltbild auf den Kopf.So gilt es neuerdings als wahrscheinlich, dass seit dem Urknall vor 13.7 Milliarden Jahre große Teile des Kosmos miteinander verschränkt sind und auf subtile Weise miteinander kommunizieren. Mehr noch: Wir alle sind aktive Teilnehmer dieses im sprichwörtlichen Sinne „universalen Dialogs“.

Cover Tao der Physik IBemerkenswert, wie sehr sich bestätigt, was Fritjof Capra in seinem bereits 1975 erschienenen The Tao of Physics (ins Deutsche übersetzt erhältlich im Scherz-Verlag – nach wie vor sehr empfehlenswert!) konstatiert, dass es nämlich eine Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie gebe.

Wie wir wissen, gibt es diese auch in Bezug auf die hebräische Schöpfungsmythologie, also nicht nur im Hinblick auf den fernöstlichen Bereich.

Andreas Weber und andere bezeichnen diesen Zusammenhang zwischen diesen zwei Ebenen, dem Geist und der Materie, als Verschränkung.

Ersterer fährt fort:

Dieses merkwürdige Experiment beschäftigte die Phantasie unzähliger Forscher. Seine Bedeutung ist aber in meinen Augen noch immer nicht weit genug in unser Weltbild eingedrungen. Die Quantenverschränkung heißt nämlich nichts anderes, als dass es unterhalb der »makrophysikalischen« Ebene unserer Alltagswelt real eine andere Schicht gibt, in der alle Ereignisse miteinander zusammenhängen. Schließlich sind alle Gegenstände aus Elementarteilchen aufgebaut und somit – »makroskopische« – Quantensysteme. Doch wir tun weiter so, als gälten deren beunruhigende und erregende Eigenschaften nur für den Teilchenzoo schräger Physiker und nicht für unsere Realität. Dabei ist es einfach falsch anzunehmen, dass die Quantenwelt erst unterhalb unserer normalen Wirklichkeit beginnt.

(…) Wenn wir Lebewesen betrachten, stehen wir sofort einer Reihe von Phänomenen gegenüber, die sich uns auf frappierende Weise ebenfalls als Verschränkung präsentieren. Offensichtlich ist das Verhalten der Atome und Moleküle einer Zelle von genau der Kohärenz geprägt, die uns an Quantensystemen so fasziniert. Biomoleküle hängen über Raum und Zeit hinweg zusammen. Diese Gleichförmigkeit macht möglicherweise den ganzen Organismus zu einem kohärenten System. Im Lebewesen mit seinen Netzwerken, die sich überlagern und so Identität hervorbringen, ist alles miteinander verbunden und alles miteinander in Resonanz. Forscher wie die britische Biophysikerin Mae-Wan Ho und der Prager Botaniker Anton Markos stellten daher die Vermutung auf, dass man Lebewesen vielleicht am besten als ein einziges »makroskopisches Quantensystem« beschreiben könnte, in dem alle Partikel miteinander in kohärenter Beziehung stehen. (…)

Der japanische Philosoph Yutaka Tanaka ist tatsächlich der Meinung, dass sich die »seltsamen« Phänomene der Quantenmechanik – ihre Nichtlokalität, ihre Kohärenz, ihre Unbestimmtheit – am besten verstehen lassen, wenn man sie als symbolische Beziehung auffasst. »Zwei miteinander verschränkte Teilchen sind jeweils das Symbol des anderen – wie die zwei Seiten einer Münze«, sagt er. Beide sind unausweichlich miteinander verbunden, beide weisen unwiderruflich aufeinander hin (…).

Wir wissen: Ein Symbol ist in der Antike ursprünglich ein Erkennungszeichen, etwa die Hälfte eines Ringes oder Stabes, die, zusammengepasst, bei einer Wiederbegegnung nach Jahren, einer Nachrichtenübermittlung durch einen dem Empfänger unbekannten Boten o.Ä. als Beglaubigung dienten, vergleichbar einem vereinbarten Losungswort. Ein Symbol wurde dann auch in übertragenem Sinne verwendet für ein bildhaftes Zeichen, das über sich hinaus auf höhere geistige Zusammenhänge weist, beispielsweise die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, die Taufe als symbolische Handlung, die das Leben des Menschen verknüpft mit der Bedeutung von Jesus, dem Christus. Beide Ebenen, die Taube auf der physischen Ebene und der Heilige Geist auf der geistigen Ebene beziehen sich auf das Gleiche; doch will uns die Taube wissen lassen, dass es etwas gibt, was wir nicht sehen und an was wir doch glauben können, wenn wir es sehen wollen.

Macht uns auch die Quantenphysik mit ihren Erkenntnissen auf etwas aufmerksam, was viele auf dem Hintergrund mythologischer, philosophischer und literarischer Texte bisher nicht sehen wollen?

Führen uns Naturwissenschaftler zu der geistigen Ebene und sagen damit: Sieh die Verschränkung! Das eine ist das Symbol des Anderen! Sieh im einen das Andere!

Sieh im Besonderen das Allgemeine, im Kleinen das Große, sieh, dass, was unten ist, dem gleicht, was oben ist!

Das wäre eine Mahnung, die wir schon im Vater unser finden – „wie im Himmel so auf Erden“ – und in der Tabula Smaragdina des Hermes Trismegistos:

Was unten, ist gleich dem, was oben,

und was oben, ist gleich dem, was unten,

auf dass sich die Wunder des einen Dinges vollziehen.


Wie Schuppen von den Augen fallen, können uns Zusammenhänge klar werden, die unser Weltbild verändern.

Goethe formuliert es in Maximen und Reflexionen so:


Alles, was wir Erfinden, Entdecken im höheren Sinne nennen,

ist die bedeutsame Ausübung,

Betätigung eines originalen Wahrheitsgefühles, das,

im Stillen längst ausgebildet, unversehens,

mit Blitzesschnelle zu einer fruchtbaren Erkenntnis führt.

Es ist eine aus dem Innern am Äußeren

sich entwickelnde Offenbarung,

die den Menschen seine Gottähnlichkeit vorahnen lässt.

Es ist eine Synthese von Welt und Geist,

welche von der ewigen Harmonie des Daseins

die seligste Versicherung gibt.


Das ist die wahre Symbolik,

wo das Besondere das Allgemeine repräsentiert,

nicht als Traum und Schatten,

sondern als lebendig-augenblickliche Offenbarung

des Unerforschlichen.

Es war einmal ein König, der hatte einen großen Wald bei seinem Schloß; darin lief Wild aller Art herum. Zu einer Zeit schickte er einen Jäger hinaus, der sollte ein Reh schießen, aber er kam nicht wieder. »Vielleicht ist ihm ein Unglück zugestoßen«, sagte der König und schickte den folgenden Tag zwei andere Jäger hinaus, die sollten ihn aufsuchen; aber die blieben auch weg. Da ließ er am dritten Tag alle seine Jäger kommen und sprach: »Streift durch den ganzen Wald und laßt nicht ab, bis ihr sie alle drei gefunden habt!« Aber auch von diesen kam keiner wieder heim, und von der Meute Hunde, die sie mitgenommen hatten, ließ sich keiner wieder sehen. Von der Zeit an wollte sich niemand mehr in den Wald wagen, und er lag da in tiefer Stille und Einsamkeit, und man sah nur zuweilen einen Adler oder Habicht darüber hinwegfliegen. Das dauerte viele Jahre; da meldete sich ein fremder Jäger bei dem König, suchte eine Versorgung und erbot sich, in den gefährlichen Wald zu gehen. Der König aber wollte seine Einwilligung nicht geben und sprach: »Es ist nicht geheuer darin, ich fürchte, es geht dir nicht besser als den andern, und du kommst nicht wieder heraus.« Der Jäger antwortete: »Herr, ich will’s auf meine Gefahr wagen; von Furcht weiß ich nichts.« Der Jäger begab sich also mit seinem Hund in den Wald. Es dauerte nicht lange, so geriet der Hund einem Wild auf die Fährte und wollte hinter ihm her; kaum aber war er ein paar Schritte gelaufen, so stand er vor einem tiefen Pfuhl, konnte nicht weiter, und ein nackter Arm streckte sich aus dem Wasser, packte ihn und zog ihn hinab. Als der Jäger das sah, ging er zurück und holte drei Männer, die mußten mit Eimern kommen und das Wasser ausschöpfen. Als sie auf den Grund sehen konnten so lag da ein wilder Mann, der braun am Leib war wie rostiges Eisen und dem die Haare über das Gesicht bis zu den Knien herabhingen. Sie banden ihn mit Stricken und führten ihn fort in das Schloß. Da war große Verwunderung über den wilden Mann; der König aber ließ ihn in einen eisernen Käfig auf seinen Hof setzen und verbot bei Lebensstrafe, die Türe des Käfigs zu öffnen, und die Königin mußte den Schlüssel selbst in Verwahrung nehmen. Von nun an konnte ein jeder wieder mit Sicherheit in den Wald gehen.

Der König hatte einen Sohn von acht Jahren, der spielte einmal auf dem Hof, und bei dem Spiel fiel ihm sein goldener Ball in den Käfig. Der Knabe lief hin und sprach: »Gib mir meinen Ball heraus!« »Nicht eher«, antwortete der Mann, »als bis du mir die Türe aufgemacht hast.« »Nein«, sagte der Knabe, »das tue ich nicht, das hat der König verboten«, und lief fort. Am andern Tag kam er wieder und forderte seinen Ball. Der wilde Mann sagte: »Öffne meine Türe!« Aber der Knabe wollte nicht. Am dritten Tag war der König auf Jagd geritten, da kam der Knabe nochmals und sagte :»Wenn ich auch wollte, ich kann die Türe nicht öffnen, ich habe den Schlüssel nicht.« Da sprach der wilde Mann: »Er liegt unter dem Kopfkissen deiner Mutter, da kannst du ihn holen.« Der Knabe, der seinen Ball wieder haben wollte, schlug alles Bedenken in den Wind und brachte den Schlüssel herbei. Die Türe ging schwer auf, und der Knabe klemmte sich den Finger. Als sie offen war, trat der wilde Mann heraus, gab ihm den goldenen Ball und eilte hinweg. Dem Knaben war angst geworden, er schrie und rief ihm nach: »Ach, wilder Mann, gehe nicht fort, sonst bekomme ich Schläge.« Der wilde Mann kehrte um, hob ihn auf, setzte ihn auf seinen Nacken und ging mit schnellen Schritten in den Wald hinein. Als der König heimkam, bemerkte er den leeren Käfig und fragte die Königin, wie das zugegangen wäre. Sie wußte nichts davon, suchte den Schlüssel, aber er war weg. Sie rief den Knaben, aber niemand antwortete. Der König schickte Leute aus, die ihn auf dem Felde suchen sollten, aber sie fanden ihn nicht. Da konnte er leicht erraten, was geschehen war, und es herrschte große Trauer an dem königlichen Hof.

Als der wilde Mann wieder in dem finstern Wald angelangt war, so setzte er den Knaben von den Schultern herab und sprach zu ihm: »Vater und Mutter siehst du nicht wieder, aber ich will dich bei mir behalten, denn du hast mich befreit, und ich habe Mitleid mit dir. Wenn du alles tust, was ich dir sage, so sollst du’s gut haben. Schätze und Gold habe ich genug und mehr als jemand in der Welt. « Er machte dem Knaben ein Lager von Moos, auf dem er einschlief; und am andern Morgen führte ihn der Mann zu einem Brunnen und sprach: »Siehst du, der Goldbrunnen ist hell und klar wie Kristall, du sollst dabeisitzen und achthaben, daß nichts hineinfällt, sonst ist er verunehrt. Jeden Abend komme ich und sehe, ob du mein Gebot befolgt hast.« Der Knabe setzte sich an den Rand des Brunnens, sah, wie manchmal ein goldener Fisch, manchmal eine goldene Schlange sich darin zeigte, und hatte acht, daß nichts hineinfiel. Als er so saß, schmerzte ihn einmal der Finger so heftig, daß er ihn unwillkürlich in das Wasser steckte. Er zog ihn schnell wieder heraus, sah aber, daß er ganz vergoldet war, und wie große Mühe er sich gab, das Gold wieder abzuwischen, es war alles vergeblich. Abends kam der Eisenhans zurück, sah den Knaben an und sprach: »Was ist mit dem Brunnen geschehen?« »Nichts, nichts«, antwortete er und hielt den Finger auf den Rücken, daß er ihn nicht sehen sollte. Aber der Mann sagte: »Du hast den Finger in das Wasser getaucht. Diesmal mag’s hingehen, aber hüte dich, daß du nicht wieder etwas hineinfallen läßt!« Am frühesten Morgen saß er schon bei dem Brunnen und bewachte ihn. Der Finger tat ihm wieder weh, und er fuhr damit über seinen Kopf, da fiel unglücklicherweise ein Haar herab in den Brunnen. Er nahm es schnell heraus, aber es war schon ganz vergoldet. Der Eisenhans kam und wußte schon, was geschehen war. »Du hast ein Haar in den Brunnen fallen lassen«, sagte er, »ich will dir’s noch einmal nachsehen; aber wenn’s zum drittenmal geschieht, so ist der Brunnen entehrt, und du kannst nicht länger bei mir bleiben.« Am dritten Tag saß der Knabe am Brunnen und bewegte den Finger nicht, wenn er ihm noch so weh tat. Aber die Zeit ward ihm lang und er betrachtete sein Angesicht, das auf dem Wasserspiegel stand. Und als er sich dabei immer mehr beugte und sich recht in die Augen sehen wollte, so fielen ihm seine langen Haare von den Schultern herab in das Wasser. Er richtete sich schnell in die Höhe, aber das ganze Haupthaar war schon vergoldet und glänzte wie eine Sonne. Ihr könnt euch denken, wie der arme Knabe erschrak. Er nahm sein Taschentuch und band es um den Kopf, damit es der Mann nicht sehen sollte. Als er kam, wußte er schon alles und sprach: »Binde das Tuch auf!« Da quollen die goldenen Haare hervor, und der Knabe mochte sich entschuldigen wie er wollte, es half ihm nichts. »Du hast die Probe nicht bestanden und kannst nicht länger hier bleiben. Geh hinaus in die Welt, da wirst du erfahren, wie die Armut tut. Aber weil du kein böses Herz hast und ich’s mit dir gut meine, so will ich dir eins erlauben. Wenn du in Not gerätst, so geh zu dem Wald und rufe: ‘Eisenhans!’, dann will ich kommen und dir helfen. Meine Macht ist groß, größer als du denkst, und Gold und Silber habe ich im Überfluß.«

Da verließ der Königssohn den Wald und ging über gebahnte und ungebahnte Wege immerzu, bis er zuletzt in eine große Stadt kam. Er suchte da Arbeit, aber er konnte keine finden und hatte auch nichts erlernt, womit er sich hätte forthelfen können. Endlich ging er in das Schloß und fragte, ob sie ihn behalten wollten. Die Hofleute wußten nicht, wozu sie ihn brauchen sollten, aber sie hatten Wohlgefallen an ihm und hießen ihn bleiben. Zuletzt nahm ihn der Koch in Dienst und sagte, er könnte Holz und Wasser tragen und die Asche zusammenkehren. Einmal, als gerade kein anderer zur Hand war, hieß ihn der Koch die Speisen zur königlichen Tafel tragen, da er aber seine goldenen Haare nicht wollte sehen lassen, so behielt er sein Hütchen auf. Dem König war so etwas noch nicht vorgekommen, und er sprach: »Wenn du zur königlichen Tafel kommst, mußt du deinen Hut abziehen!« »Ach Herr«, antwortete er, »ich kann nicht, ich habe einen bösen Grind auf dem Kopf.« Da ließ der König den Koch herbeirufen, schalt ihn und fragte, wie er einen solchen Jungen hätte in seinen Dienst nehmen können; er sollte ihn gleich fortjagen. Der Koch aber hatte Mitleiden mit ihm und vertauschte ihn mit dem Gärtnerjungen.

Nun mußte der Junge im Garten pflanzen und begießen hacken und graben und Wind und böses Wetter über sich ergehen lassen. Einmal im Sommer, als er allein im Garten arbeitete, war der Tag so heiß, daß er sein Hütchen abnahm und die Luft ihn kühlen sollte. Wie die Sonne auf das Haar schien, glitzte und blitzte es, daß die Strahlen in das Schlafzimmer der Königstochter fielen und sie aufsprang, um zu sehen, was da wäre. Da erblickte sie den Jungen und rief ihn an: »Junge, bring mir einen Blumenstrauß!« Er setzte in aller Eile sein Hütchen auf, brach wilde Feldblumen ab und band sie zusammen. Als er damit die Treppe hinaufstieg, begegnete ihm der Gärtner und sprach: »Wie kannst du der Königstochter einen Strauß von schlechten Blumen bringen? Geschwind hole andere und suche die schönsten und seltensten aus!« »Ach nein«, antwortete der Junge, »die wilden riechen kräftiger und werden ihr besser gefallen.« Als er in ihr Zimmer kam, sprach die Königstochter: »Nimm dein Hütchen ab, es ziemt sich nicht, daß du ihn vor mir aufbehältst.« Er antwortete wieder: »Ich darf nicht, ich habe einen grindigen Kopf.« Sie griff aber nach dem Hütchen und zog es ab, da rollten seine goldenen Haare auf die Schultern herab, daß es prächtig anzusehen war. Er wollte fortspringen, aber sie hielt ihn am Arm und gab ihm eine Handvoll Dukaten. Er ging damit fort, achtete aber des Goldes nicht, sondern er brachte es dem Gärtner und sprach: »Ich schenke es deinen Kindern, die können damit spielen.« Den andern Tag rief ihm die Königstochter abermals zu, er sollte ihr einen Strauß Feldblumen bringen, und als er damit eintrat, grapste sie gleich nach seinem Hütchen und wollte es ihm wegnehmen; aber er hielt es mit beiden Händen fest. Sie gab ihm wieder eine Handvoll Dukaten, aber er wollte sie nicht behalten und gab sie dem Gärtner zum Spielwerk für seine Kinder. Den dritten Tag ging’s nicht anders: Sie konnte ihm sein Hütchen nicht wegnehmen, und er wollte ihr Gold nicht.

Nicht lange danach ward das Land mit Krieg überzogen. Der König sammelte sein Volk und wußte nicht, ob er dem Feind, der übermächtig war und ein großes Heer hatte, Widerstand leisten könnte. Da sagte der Gärtnerjunge: »Ich bin herangewachsen und will mit in den Krieg ziehen; gebt mir nur ein Pferd!« Die andern lachten und sprachen: »Wenn wir fort sind, so suche dir eins; wir wollen dir eins im Stall zurücklassen.« Als sie ausgezogen waren, ging er in den Stall und zog das Pferd heraus; es war an einem Fuß lahm und hickelte hunkepuus, hunkepuus. Dennoch setzte er sich auf und ritt fort nach dem dunkeln Wald. Als er an den Rand desselben gekommen war, rief er dreimal ‘Eisenhans’ so laut, daß es durch die Bäume schallte. Gleich darauf erschien der wilde Mann und sprach: »Was verlangst du?« »Ich verlange ein starkes Roß, denn ich will in den Krieg ziehen.« »Das sollst du haben und noch mehr als du verlangst.« Dann ging der wilde Mann in den Wald zurück, und es dauerte nicht lange, so kam ein Stallknecht aus dem Wald und führte ein Roß herbei, das schnaubte aus den Nüstern und war kaum zu bändigen. Und hinterher folgte eine Schar Kriegsvolk, ganz in Eisen gerüstet, und ihre Schwerter blitzten in der Sonne. Der Jüngling übergab dem Stallknecht sein dreibeiniges Pferd, bestieg das andere und ritt vor der Schar her. Als er sich dem Schlachtfeld näherte, war schon ein großer Teil von des Königs Leuten gefallen, und es fehlte nicht viel, so mußten die übrigen weichen. Da jagte der Jüngling mit seiner eisernen Schar heran, fuhr wie ein Wetter über die Feinde und schlug alles nieder, was sich ihm widersetzte. Sie wollten fliehen, aber der Jüngling saß ihnen auf dem Nacken und ließ nicht ab, bis kein Mann mehr übrig war. Statt aber zu dem König zurückzukehren, führte er seine Schar auf Umwegen wieder zu dem Wald und rief den Eisenhans heraus. »Was verlangst du?« fragte der wilde Mann. »Nimm dein Roß und deine Schar zurück und gib mir mein dreibeiniges Pferd wieder!« Es geschah alles, was er verlangte, und er ritt auf seinem dreibeinigen Pferd heim. Als der König wieder in sein Schloß kam, ging ihm seine Tochter entgegen und wünschte ihm Glück zu seinem Siege. »Ich bin es nicht, der den Sieg davongetragen hat«, sprach er, »sondern ein fremder Ritter, der mir mit seiner Schar zu Hilfe kam.« Die Tochter wollte wissen, wer der fremde Ritter wäre, aber der König wußte es nicht und sagte: »Er hat die Feinde verfolgt, und ich habe ihn nicht wiedergesehen.« Sie erkundigte sich bei dem Gärtner nach dem Jungen; der lachte aber und sprach: »Eben ist er auf seinem dreibeinigen Pferde heimgekommen, und die andern haben gespottet und gerufen: ‘Da kommt unser Hunkepuus wieder an.’ Sie fragten auch: ‘Hinter welcher Hecke hast du derweil gelegen und geschlafen?’ Er sprach aber: ‘Ich habe das Beste getan, und ohne mich wäre es schlecht gegangen.’ Da ward er noch mehr ausgelacht.«

Der König sprach zu seiner Tochter: »Ich will ein großes Fest ansagen lassen, das drei Tage währen soll, und du sollst einen goldenen Apfel werfen. Vielleicht kommt der Unbekannte herbei.« Als das Fest verkündigt war, ging der Jüngling hinaus zu dem Wald und rief den Eisenhans. »Was verlangst du?« fragte er. »Daß ich den goldenen Apfel der Königstochter fange.« »Es ist so gut, als hättest du ihn schon«, sagte Eisenhans, »du sollst auch eine rote Rüstung dazu haben und auf einem stolzen Fuchs reiten.« Als der Tag kam, sprengte der Jüngling heran, stellte sich unter die Ritter und ward von niemand erkannt. Die Königstochter trat hervor und warf den Rittern einen goldenen Apfel zu, aber keiner fing ihn als er allein; aber sobald er ihn hatte, jagte er davon. Am zweiten Tag hatte ihn Eisenhans als weißen Ritter ausgerüstet und ihm einen Schimmel gegeben. Abermals fing er allein den Apfel, verweilte aber keinen Augenblick, sondern jagte damit fort. Der König war bös und sprach: »Das ist nicht erlaubt, er muß vor mir erscheinen und seinen Namen nennen.« Er gab den Befehl, wenn der Ritter, der den Apfel gefangen habe, sich wieder davonmachte, so sollte man ihm nachsetzen, und wenn er nicht gutwillig zurückkehrte, auf ihn hauen und stechen. Am dritten Tag erhielt er vom Eisenhans eine schwarze Rüstung und einen Rappen und fing auch wieder den Apfel. Als er aber damit fortjagte, verfolgten ihn die Leute des Königs, und einer kam ihm so nahe, daß er mit der Spitze des Schwertes ihm das Bein verwundete. Er entkam ihnen jedoch; aber sein Pferd sprang so gewaltig, daß der Helm ihm vom Kopf fiel, und sie konnten sehen, daß er goldene Haare hatte. Sie ritten zurück und meldeten dem König alles.

Am andern Tag fragte die Königstochter den Gärtner nach seinem Jungen. »Er arbeitet im Garten; der wunderliche Kauz ist auch bei dem Fest gewesen und erst gestern abend wiedergekommen; er hat auch meinen Kindern drei goldene Äpfel gezeigt, die er gewonnen hat.« Der König ließ ihn vor sich fordern, und er erschien und hatte wieder sein Hütchen auf dem Kopf. Aber die Königstochter ging auf ihn zu und nahm es ihm ab, und da fielen seine goldenen Haare über die Schultern, und es war so schön, daß alle erstaunten. »Bist du der Ritter gewesen, der jeden Tag zu dem Fest gekommen ist, immer in einer andern Farbe, und der die drei goldenen Äpfel gefangen hat?« fragte der König. »Ja«, antwortete er, »und da sind die Äpfel«, holte sie aus seiner Tasche und reichte sie dem König. »Wenn Ihr noch mehr Beweise verlangt, so könnt Ihr die Wunde sehen, die mir Eure Leute geschlagen haben, als sie mich verfolgten. Aber ich bin auch der Ritter, der Euch zum Sieg über die Feinde verholfen hat.« »Wenn du solche Taten verrichten kannst, so bist du kein Gärtnerjunge. Sage mir, wer ist dein Vater?« »Mein Vater ist ein mächtiger König, und Goldes habe ich die Fülle und soviel ich nur verlange.« »Ich sehe wohl«, sprach der König, »ich bin dir Dank schuldig, kann ich dir etwas zu Gefallen tun?« »Ja«, antwortete er, »das könnt Ihr wohl, gebt mir Eure Tochter zur Frau.« Da lachte die Jungfrau und sprach: »Der macht keine Umstände! Aber ich habe schon an seinen goldenen Haaren gesehen, daß er kein Gärtnerjunge ist«, ging dann hin und küßte ihn. Zu der Vermählung kam sein Vater und seine Mutter und waren in großer Freude, denn sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben, ihren lieben Sohn wiederzusehen. Und als sie an der Hochzeitstafel saßen, da schwieg auf einmal die Musik, die Türen gingen auf, und ein stolzer König trat herein mit großem Gefolge. Er ging auf den Jüngling zu, umarmte ihn und sprach: »Ich bin der Eisenhans und war in einen wilden Mann verwünscht, aber du hast mich erlöst. Alle Schätze, die ich besitze, die sollen dein Eigentum sein.«


Bei Gelegenheit stelle ich noch eine interessante Passage aus Robert Blys Buch rein und verlinke sie dann hier.

Vorab zwei Posts, in denen ich ein wenig auf die Thematik von Eisenhans Bezug nehme: hier und hier :-)

♣ ♣ ♣

Die Gedanken schaffen einen neuen Himmel, ein neues Firmament, eine neue Kraftquelle, der neue Künste entfließen …

Wenn einer sich vornimmt, etwas zu schaffen, dann setzt er gleichsam einen neuen Himmel, und aus demselben fließt ihm das Werk zu, das er schaffen will …

Denn so gewaltig ist der Mensch, dass er mehr ist als Himmel und Erde.

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Wäre der Mensch nicht erschaffen, wer wüsste von der Weisheit Gottes?

Von seiner großen Gewalt und auch von Seiner sonstigen Macht?

Niemand, auch nicht die Engel im Himmel haben davon gewusst.

Aber bei der Schöpfung ist seine Weisheit an den Tag gekommen, auch seine Gewalt, Seine Macht – und es wurde offenbar, wer Gott ist und was sein Wesen ist.

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Der Himmel ist der Mensch,  und der Mensch ist der Himmel, und alle Menschen sind zusammen der eine Himmel, und der Himmel ist nichts als ein Mensch.

Das muss man wissen, um zu verstehen, dass es an einem Ort so, am anderen wieder anders ist, warum es hier ein Neues, dort ein Altes und überall so viel Verschiedenes gibt.  Dieses alles ist jedoch nicht (…) am Himmel zu erkennen, sondern in der Verteilung seiner bewirkenden Kräfte.

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Es ist notwendig, darauf zu achten, in welchem Landstrich der Kranke lebt, d.h. wie die Natur dort ist und von welcher Eigenart. Denn ein Land ist anders als das andere; die Erde ist anders, der Stein, der Wein, das Brot, das Fleisch und alles, was in derselben Region wächst und gedeiht. Das heißt: Ein jeder Landstrich hat neben der allgemeinen Beschaffenheit, die der ganzen Welt eigen ist, auch noch seine besondere Art. Das soll der Arzt bedenken und wissen, und darum soll er auch Kosmograph und Geograph sein und sich in diesen Fächern bestens auskennen.

1. Mai 2009 Baumkronen mit Sonnen 006

Alle Arzneien sind auf der Erde, aber es fehlen die Menschen, die sie pflücken würden. Sie sind zur Ernte gereift, aber die Schnitter sind nicht gekommen.

Wenn einmal die Schnitter der rechten Arznei dasein werden, dann werden wir ohne Hinderung durch leere Sophistik ( ≈ Klugschwätzerei) die Aussätzigen reinigen und die Blinden sehend machen. Denn diese Kraft liegt in der Erde und sie wächst überall. Die Überheblichkeit der Sophisten lässt jedoch die Geheimnisse der Natur und ihre großen Wunderwerke nicht an den Tag kommen.

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Wir Menschen haben einen Himmel, und dieser liegt auch in jedem von uns in seiner ganzen Fülle, ungeschieden und eines jeden Eigenart entsprechend. Darum nimmt auch eines jeden Menschen Leben seinen eigenen Verlauf, darum sind Sterben, Tod und Krankheit ungleich ausgeteilt, je nach der Wirkung des jeweiligen Himmels. Denn wäre der gleiche Himmel in uns allen, so müssten alle Menschen gleich krank und gleich gesund sein.

Dem ist aber nicht so, weil die Einheit des Großen Himmels durch die Augenblicke der Geburt in unsere Mannigfaltigkeit auseinanderfiel.

Sobald ein Kind empfangen wird, erhält es seinen eigenen Himmel.

Würden sämtliche Kinder im selben Augenblick geboren, so trügen sie alle den gleichen Himmel in sich, und ihr Leben hätte den gleichen Verlauf.

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Wer den Menschen verachtet, der hat auch keine Achtung vor Gott.

Die Schrift sagt: Du sollst dich vertragen mit deinen Gesellen, dieweil du mit ihnen auf Erden wandelst, auf dass dir nichts nachgetragen werde in jener Welt. Denn dort drüben ist ein Kerker und Scherge, dem du nicht wirst entrinnen können, sondern du wirst hinein müssen in diesen Kerker und wirst für deine Sünden teuer bezahlen müssen.

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Treue und Liebe sind ein Ding.

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Wer kann sich vor Schaden und Unfall schützen, der seinen Feind nicht kennt? Niemand. Darum ist es notwendig, denselben zu kennen. Denn es gibt gar vielerlei Feinde, und es ist vonnöten, das Böse ebenso zu wissen wie das Gute. Wer könnte das Gute ohne das Böse erkennen? Niemand. Wer könnte also wissen, welch großer Reichtum Gesundheit ist, der niemals krank war? Wer könnte wissen, was Freude ist, der niemals traurig oder leidend war? Und wer könnte recht erkennen, was Gott ist, der nichts vom Teufel wüsste? So wie uns Gott den Feind unserer Seele, nämlich den Teufel, zu erkennen gibt, so gibt er uns auch den Feind unseres Lebens, den Tod, zu erkennen. Und weiter auch den Feind unseres Leibes, den Feind unserer Gesundheit, den Feind der Arznei und den Feind aller natürlicher Dinge. Zugleich gibt er uns auch das zu erkennen, womit und wie dieser Feind versöhnt werden soll.

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Gott ist so gütig, dass er uns die Dinge nach unserem Begehren vor Augen stellt: guten Wein, hübsche Frauen, gute Speise, gutes Geld.

Und das ist unsere Erprobung: Ob wir uns streng halten oder ob wir das Maß der Natur brechen und übertreiben.

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Wie wunderbar ist der Mensch geschaffen und gestaltet, wenn man in sein wahres Wesen dringt (…) und es ist ein Großes – bedenket das einmal -, dass es nichts gibt im Himmel noch auf Erden, was nicht auch im Menschen sei (…) In ihm ist Gott, der auch im Himmel ist; und alle Kräfte des Himmels wirken sich auch im Menschen aus. Wo anders ist der Himmel wiederzufinden, wenn nicht im Menschen? Da er aus uns wirkt, so muss er wohl auch in uns sein. Darum weiß er unsere Bitte schon, bevor wir sie aussprechen, denn er ist unserem Herzen näher als unsere Rede (…) Schön und groß, edel und gut hat Gott sich seinen Himmel im Menschen erbaut; denn Gott ist in Seinem Himmel, d.h. im Menschen. Sagt Er doch selbst: Er sei in uns, und wir seien sein Tempel.

1. Mai 2009 Baumkronen mit Sonnen 014

Ihr sollt wissen, dass nichts von uns zu Gott dringen würde, wenn nicht ein Engel in uns wäre, der unsere innere Botschaft gen Himmel führte. Noch würde etwas von Gott zu uns gelangen ohne einen solchen Mittler, der schneller ist als alle unsere Gedanken (…) Ehe uns ein Gedanke in den Sinn kommt, ist er schon bei Gott gewesen und wiederum bei uns. Was Gott will, das lässt er durch den Geist in uns geschehen, der Sein Werk in uns vollbringen soll (…) Es ist die Bestimmung der Seele, als Engel zu amtieren, und die des Menschen, seinen Engel zu gebrauchen; denn der Engel ist nichts anderes als der unsterbliche Teil des Menschen.

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Die Natur und die Krankheit müssen an ihrem Ursprung erforscht werden und nicht an ihren Anzeichen; … denn wir sollen auch nicht den Rauch des Feuers löschen, sondern das Feuer selbst. Wollen wir, dass die Erde ein besseres Gras gebe, so müssen wir sie pflügen und nicht einfach das Gras ausrupfen. Desgleichen soll der Arzt … sein Denken auf den Ursprung der Krankheit richten und nicht allein auf das, was seine Augen vor sich sehen. Denn darin erblickte er nur die Anzeichen, nicht aber den Ursprung.

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Wie Sonne und Mond voneinander geschieden sind, obwohl sie vormals ein Ding waren, also waren auch Gesundheit und Krankheit ein Ding, die dann voneinander geschieden wurden, so wie die Sonne vom Mond. Und genau wie diese in der großen Himmelssphäre ab- und zunehmen und bald das eine, bald das andere erscheint, also sind auch dem Leibe – und das sollt ihr wissen – die Sterne alle mit eingewoben und ebenfalls verteilt und ebenso auch alle Erscheinungsformen von Gesundheit und Krankheit. Denn sie müssen alle im Leib vorhanden sein, damit das „innere Firmament“ ganz sei und sich die Zahl der Teile erfülle.

Fortsetzung folgt


Paracelsus (1493-1541) war Zeit seines Lebens unstet und immer auf Wanderschaft. Das lag zunächst daran, dass er, nachdem er bei seinem Vater, der sich als Arzt in Villach niedergelassen hatte, einen ersten Einblick in die Medizin erhielt, bei verschiedenen Klostergeistlichen in die Lehre ging; so finden wir ihn in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Russland unterwegs, schließlich war er auch in Italien Wundarzt im kaiserlichen Heere und machte die damaligen Feldzüge mit.

Mit 33 Jahren wurde er in Basel als Professor der Physik, Medizin und Chirurgie angestellt, wobei er zum Entsetzen der Zunftpedanten, doch zum Ergötzen seiner Studenten seine Unterweisungen ganz bewusst in Deutsch vortrug.

Aufgrund eines unglücklichen Prozesses, vor allem aber auch aufgrund des Hasses und Neides seiner Kollegen musste er Basel verlassen; danach lebte Paracelsus unstet und immer wieder flüchtig. Kolmar, Nürnberg, Esslingen, Kärnten und Salzburg sind nur einige seiner Stationen.

Über seinen Tod besteht in der Forschung noch immer keine wirkliche Klarheit. Doch scheinen neuere Forschungen die Behauptungen seiner Zeitgenossen zu bestätigen, dass er von der Dienerschaft mehrerer ihm feindlich gesinnter Ärzte bei einem Gastmahl meuchlings überfallen und durch einen Sturz von einem Felsen zu Tode kam. Erst im Verlauf der Jahrhunderte setzte sich die Ansicht durch, dass Paracelsus einer der bedeutendsten Geister aller Zeiten war. Wenn auch, wie berichtet wird, Paracelsus zeitweilig dem Wein zu sehr zugesprochen haben soll und wenn ihm auch angedichtet wurde, ein Bündnis mit dem Teufel gehabt zu haben, so gilt er doch heute als der Begründer einer neuen Pharmakologie und Medizin, die ihre Kenntnis vor allem im Buche der Natur suchte; seine Lehre, auch als Theologe und Philosoph, suchte Paracelsus stets auf das Wort der Bibel zu gründen. Da er ein Buch über Elementargeister schrieb und auf dem Gebiet des Okkultismus und der Astrologie sehr kenntnisreich war, ist er aber traditionellen Christen eher verdächtig.

Erfreulicherweise gibt es heutzutage dennoch nur noch wenige Berührungsängste; zahlreiche Krankenhäuser, eine Heilpraktikerschule und die größte deutsche Gesundheitsmesse sind u.a. nach ihm benannt.

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Jeder noch so große Philosoph ist auf dem Hintergrund seiner Zeit zu verstehen, wenn auch manche seiner Wahrheiten überzeitlich sein mag.

Was Platon (*um 427 v.Chr. – 349 v.Chr.) über die Entstehung der Menschen und die menschliche Seele schreibt, kommt sicherlich immer wieder der Wahrheit sehr nahe. Immer noch ist sein Wissen Mysterienwissen, mit dem er sorgsam umgehen musste, denn wer dieses Wissen verriet, konnte, wie – wenn ich mich recht entsinne – einer der größten griechischen Dramatiker, Aischylos, erfahren musste, mit dem Tode bestraft werden; Aischylos entging diesem Los nur knapp; schließlich unterlagen die Mysterienstätten und -kulte bei den Griechen zum Teil staatlicher Aufsicht.

Wenn Platon über die Liebe schreibt, so muss man wissen, dass es ihm an dem notwendigen Respekt vor der Frau zu fehlen scheint, schließlich behauptet er, eine Frau zu sein, müsse ein Fluch der Götter sein. Sicherlich denkt er da an die Büchse der Pandora, vielleicht auch an Xanthippe :-)) – wer weiß.

Nicht Sympathie solle einen Mann und eine Frau zusammenführen, sondern die Aufgabe, einen möglichst tüchtigen und wohlgeratenen Nachwuchs hervorzubringen.

Vergessen wir nicht, die Heirat aus Liebe ist eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, wiewohl es sie Gott sei Dank schon weit früher gibt, denken wir nur an Salomon und Sulamith, nachzulesen im Hohelied der Bibel.

Und vergessen wir ebenfalls nicht, dass die Knabenliebe im damaligen Griechenland hoch im Kurs stand; vielleicht ist es darauf zurückzuführen, dass es für Platon drei Geschlechter gab und der Kreis nicht nur aus Mann-Weib, sondern auch aus Mann-Mann und Weib-Weib bestehen konnte, wie unten nachzulesen ist.

Doch muss man wissen, dass die erotische Liebe für Platon nur der Ausgangspunkt ist für eine weit höhere Form der Liebe, in der die sinnliche Liebe sich transzendiert und erhebt in ein Höheres hinein. Das jedenfalls berichtet Sokrates, der Lehrer Platons, und jener will es von der Seherin Diotima erfahren haben, die ihn belehrte, dass das wahre Wesen des Eros die Sehnsucht nach dem Schönen sei oder genauer: nach dem Verlangen, im Schönen zu zeugen. Das ist nach Diotima das Schöne und Unsterbliche im Menschen.

Das Schöne nun will der Mensch für immer besitzen; deshalb strebt der Liebende nach Dauer, nach Unsterblichkeit und möchte sich aufschwingen zum ewigen Urbild des Schönen.

Wenn heute Menschen von der platonischen Liebe reden, dann wollen sie oft kundtun, dass eben mehr nicht war zwischen Zweien, als dass sie sich sehnten, körperlos.

Doch dieser oft reduzierte Begriff der platonischen Liebe wird Platon nicht gerecht: Er schließt Sinnlichkeit und das Körperliche überhaupt nicht aus, er bezieht nur ein, dass Liebe immer für ihn ein Streben bedeutet, ein Streben nach der höchsten Form der Liebe, dem Urbild des Schönen; das ist in Wahrheit platonische Liebe.

Für diese Form der Liebe steht auch der Kreis, der Kreis als Symbol der Ganzheit und Vollkommenheit.

Im Grunde gleicht das, wovon Platon spricht, dem biblischen Schöpfungsbericht, denn da schafft Gott den Menschen nach seinem Bilde: Mann-Frau (Luther hat hier leider unsauber übersetzt); und noch der aus Lehm geschaffene Adam ist ein männlich-weibliches Wesen, wie sonst sollte Evas als weiblicher Teil aus dieser Ganzheit herausgenommen worden sein?!

Man möchte wünschen, dass mehr Menschen wüssten, wovon Platon spricht und sich seinen Gedankengängen aufschlössen; denn manches Mal scheint Anfang des 21. Jahrhunderts Liebe mehr einer kollateralen Gymnastik zu gleichen als dem, was Eros sein kann und was Paulus mit der Agape meinte; beides schließt sich ja nicht aus – im Gegenteil.

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aus Platons Symposion (Gastmahl)

Die ursprüngliche Verfassung des Menschengeschlechts. Ihr Verlust als Ouelle der Liebe.

Zuerst aber müsst ihr die menschliche Natur und deren Begegnisse recht kennen lernen. Nämlich unsere ehemalige Natur war nicht dieselbige wie jetzt, sondern ganz eine andere. Denn erstlich gab es drei Geschlechter von Menschen, nicht wie jetzt nur zwei männliches und weibliches, sondern es gab noch ein drittes dazu, welches das gemeinschaftliche war von diesen beiden, dessen Name auch noch übrig ist, es selbst aber ist verschwunden. Mannweiblich war nämlich damals das eine, Gestalt und Benennung zusammengesetzt aus jenen beiden, dem männlichen und weiblichen, jetzt aber ist es nur noch ein Name der zum Schimpf gebraucht wird. Ferner war die ganze Gestalt eines jeden Menschen rund, so dass Rücken und Brust im Kreise herumgingen. Und vier Hände hatte jeder und Schenkel ebenso viel als Hände, und zwei Angesichter auf einem kreisrunden Halse einander genau ähnlich, und einen gemeinschaftlichen Kopf für beide einander gegenüberstehende Angesichter, und vier Ohren, auch zweifache Schamteile, und alles übrige wie es sich hieraus ein Jeder weiter ausbilden kann. Er ging aber nicht nur aufrecht wie jetzt, nach welcher Seite er wollte, sondern auch wenn er schnell wohin strebte, so konnte er, wie die Radschlagenden jetzt noch indem sie die Beine gerade im Kreise herumdrehen das Rad schlagen, eben so auf seine acht Gliedmaßen gestützt sich sehr schnell im Kreise fortbewegen. Diese drei Geschlechter gab es aber deshalb weil das männliche ursprünglich der Sonne Ausgeburt war, und das weibliche der Erde, das an beiden teilhabende aber des Mondes, der ja auch selbst an beiden Teil hat. Und kreisförmig waren sie selbst und ihr Gang, um ihren Erzeugern ähnlich zu sein. An Kraft und Stärke nun waren sie gewaltig und hatten auch große Gedanken, und was Homer vom Ephialtes und Otos sagt (Anmerkungen s. Schluss), das ist von ihnen zu verstehen, dass sie sich einen Zugang zum Himmel bahnen wollten um die Götter anzugreifen. Zeus also und die anderen Götter ratschlagten, was sie ihnen tun sollten, und wussten nicht was. Denn es war weder tunlich sie zu töten, und wie die Giganten sie niederdonnernd das ganze Geschlecht wegzuschaffen, denn so wären ihnen auch die Ehrenbezeugung und die Opfer der Menschen mit weggeschafft worden, noch konnten sie sie lassen weiter freveln. Mit Mühe hatte sich Zeus endlich etwas ersonnen und sagte, Ich glaube nun ein Mittel zu haben, wie es noch weiter Menschen geben kann, und sie doch aufhören müssen mit ihrer Ausgelassenheit, wenn sie nämlich schwächer geworden sind. Denn jetzt, sprach er, will ich sie jeden in zwei Hälften zerschneiden, so werden sie schwächer sein, und doch zugleich uns nützlicher, weil ihrer mehr geworden sind, und aufrecht sollen sie gehn auf zwei Beinen. Sollte ich aber merken, dass sie noch weiter freveln und nicht Ruhe halten wollen, so will ich sie, sprach er, noch einmal zerschneiden, und sie mögen dann auf einem Beine fortkommen wie Kreisel. Dies gesagt zerschnitt er die Menschen in zwei Hälften, wie wenn man Früchte zerschneidet um sie einzumachen, oder wenn sie Eier mit Haaren zerschneiden. Sobald er aber einen zerschnitten hatte befahl er dem Apollon ihm das Gesicht und den halben Hals herumzudrehen nach dem Schnitte hin, damit der Mensch, seine Zerschnittenheit vor Augen habend sittsamer würde, und das Übrige befahl er ihm auch zu heilen. Dieser also drehte ihm das Gesicht herum, zog ihm die Haut von allen Seiten über das was wir jetzt den Bauch nennen herüber, und wie wenn man einen Beutel zusammenzieht fasste er es in eine Mündung zusammen, und band sie mitten auf dem Bauche ab, was wir jetzt den Nabel nennen. Die übrigen Runzeln glättete er meistenteils aus und fügte die Brust einpassend zusammen, mit einem solchen Werkzeuge, als womit die Schuster über dem Leisten die Falten aus dem Leder ausglätten, und nur wenige ließ er stehen um den Bauch und Nabel zum Denkzeichen des alten Unfalls. Nachdem nun die Gestalt entzweigeschnitten war, sehnte sich jedes nach seiner andern Hälfte und so kamen sie zusammen, umfassten sich mit den Armen und schlangen sich in einander, und über dem Begehren zusammenzuwachsen, starben sie aus Hunger und sonstiger Fahrlässigkeit, weil sie nichts getrennt voneinander tun wollten. War nun die eine Hälfte tot und die andere blieb übrig, so suchte sich die übrig gebliebene eine andere und umschlang sie, mochte sie nun auf die Hälfte einer ehemaligen ganzen Frau treffen, was wir jetzt eine Frau nennen, oder auf die eines Mannes, und so kamen sie um. Da erbarmte sich Zeus und gab ihnen ein anderes Mittel an die Hand, indem er ihnen die Schamteile nach vorne verlegte, denn vorher trugen sie auch diese nach außen, und erzeugten nicht eines in dem andern sondern in die Erde wie die Zikaden. Nun aber verlegte er sie ihnen nach vorne, und bewirkte vermittelst ihrer das Erzeugen ineinander, in dem weiblichen durch das männliche, deshalb damit in der Umarmung, wenn der Mann eine Frau träfe, sie zugleich erzeugten und Nachkommenschaft entstände, wenn aber ein Mann den andern, sie doch eine Befriedigung hätten durch ihr Zusammensein und erquickt sich zu ihren Geschäften wenden und was sonst zum Leben gehört besorgen könnten. Von so langem her also ist die Liebe zueinander den Menschen angeboren, um die ursprüngliche Natur wiederherzustellen, und versucht aus zweien eins zu machen und die menschliche Natur zu heilen.

Die Formen der Liebe, bestimmt durch das Verlangen nach Rückkehr zur ursprünglichen Einheit. Eros als Führer.

Jeder von uns ist also ein Stück von einem Menschen, da wir ja zerschnitten, wie die Schollen, aus einem zwei geworden sind. Also sucht nun immer jedes sein anderes Stück. Welche Männer nun von einem solchen gemeinschaftlichen ein Schnitt sind, was damals Mannweib hieß, die sind weiberliebend und die meisten Ehebrecher gehören zu diesem Geschlecht, und so auch welche Weiber männerliebend sind und ehebrecherisch, die kommen aus diesem Geschlecht. Welche Weiber aber Abschnitte eines Weibes sind, die kümmern sich nicht viel um die Männer, sondern sind mehr den Weibern zugewendet und die Tribaden kommen aus diesem Geschlecht [. . .]

Wenn aber einmal einer seine wahre eigene Hälfte antrifft, ein Knabenfreund oder jeder andere, dann werden sie wunderbar entzückt zu freundschaftlicher Einigung und Liebe, und wollen, sozusagen, auch nicht die kleinste Zeit voneinander lassen; und die ihr ganzes Leben lang miteinander verbunden  bleiben, diese sind es, welche auch nicht einmal zu sagen wüssten, was sie voneinander wollen. Denn dies kann doch wohl nicht die Gemeinschaft des Liebesgenusses sein, dass um deswillen jeder mit so großem Eifer trachtete mit dem andern zusammen zu sein; sondern offenbar ist, dass die Seele beider etwas anderes wollend was sie aber nicht aussprechen kann es nur andeutet und zu raten gibt.

[. . .] dies Verlangen eben und Trachten nach dem Ganzen heißt Liebe. Und vor diesem wie gesagt waren wir Eins, jetzt aber sind wir der Ungerechtigkeit wegen von dem Gott auseinander gelegt und verteilt worden wie die Arkadier von den Lakedaimoniern. Es steht also zu befürchten, wenn wir uns nicht sittsam betragen gegen die Götter, dass wir nicht noch einmal zerspalten werden und so herumgehn müssen wie die auf den Grabsteinen ausgeschnittenen die mitten durch die Nase gespalten sind, und dass wir dann werden wie die geteilten Würfel von denen die andere Hälfte der andere hat.   [. . .]

Sondern ich meine es von Allen insgesamt Männern und Frauen, dass so unser Geschlecht glückselig würde, wenn es uns in der Liebe gelänge und jeder seinen eigentümlichen Liebling gewönne, um so zur ursprünglichen Natur zurückzukehren.

Platon; Symposion, Phaidon. Insel-Verlag, Frankfurt 1991, S.99ff

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Homer: am Anfang der griechischen und damit der europäischen Literatur stehender Dichter, dessen Name mit der ältesten literarischen Gattung der Griechen, dem Heldenepos (Ilias, Odyssee) verbunden ist. Als Lebenszeit nimmt man das 8. Jhdt. v.u.Z. an.

Ephialtes und Otos: Die in der griechischen Sage als Aloaden bezeichneten zwei Söhne des Aloeus und der Iphimedeia; riesenhafte Gestalten, versuchten sie mit 9 Jahren die Berge Ossa und Pelion auf den Olymp zu setzen, um den Himmel zu stürmen. Apollon tötete sie; sie galten im Übrigen auch als Wohltäter und Kulturbringer.

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Wenn Platon am Schluss schreibt, dass Liebe das Verlangen und Trachten nach dem Ganzen sei, so ist das auf dem Hintergrund des zu Beginn Gesagten zu verstehen.

Ich selbst teile diese Definition gewiss nicht. Wenn Gott Liebe ist, dann ist diese Liebe ein Meer, eine Fülle von Liebe; ein Meer aber trachtet nicht nach mehr; es lädt uns ein einzutauchen. In die Liebe.

Cover 7 Tage für die Ewigkeit

Weißt Du, was der Bachert ist, Zofia?“

Zofia antwortete nicht und Reines Stimme wurde noch sanfter:

„Hör mir gut zu, es ist die schönste Geschichte der Welt:

Bachert ist die Person, die Gott Dir vorbestimmt hat, es ist die andere Hälfte deiner selbst, deine wahre Liebe. Also ist es die größte Aufgabe deines Lebens, sie zu finden … und vor allem, sie zu erkennen.“

Nach diesem Gespräch mit ihrer Vermieterin will Zofia mehr wissen um den Bachert und die Liebe und sie sucht IHN auf, doch Gott ist unterwegs, denn sein Hobby sind Raketen und ER verpasst keinen Start. Weil ER allerdings weiß, wie sehr eine bestimmte Frage seinem schönsten Engel, den ER in den Kampf gegen die Luziferwelt geschickt hat, auf der Seele brennt, kommt ER so bald wie möglich auf sie zu; sie sieht IHN schon am Ende der Allee. Schließlich sitzt ER neben ihr auf der Bank:

»Du wolltest mich sprechen?«

»Ich wollte Sie nicht stören, Sir

»Du störst mich nie. Hast du ein Problem?«

»Nein, eine Frage.«

Sirs Augen wurden noch heller. »Ich höre, meine Tochter.«

»Wir verbringen unsere Zeit damit, Liebe zu predigen, aber wir Engel verfügen nur über Theorien. Also, Sir, was ist die Liebe auf Erden wirklich?«

Er betrachtete den Himmel und legte den Arm um Zofias Schulter.

»Es ist die schönste Sache, die ich erfunden habe! Die Liebe ist ein Stückchen Hoffnung, die ständige Erneuerung der Welt, der Weg ins Gelobte Land. Ich habe den Unterschied geschaffen, damit die Menschheit ihre Intelligenz entwickelt: Eine homogene Welt wäre zum Sterben traurig! Und für denjenigen, der es verstanden hat, zu lieben und geliebt zu werden, ist der Tod nur ein Augenblick des Lebens.«

Fieberhaft zeichnete Zofia einen Kreis mit der Fußspitze in den Kies. »Aber die Geschichte mit dem Bachert, ist die wahr?«

Gott lächelte und ergriff ihre Hand.

»Derjenige, der seine zweite Hälfte findet, bringt es weiter als die ganze Menschheit. Eine schöne Geschichte, nicht wahr? Nicht der Mensch als solcher ist einmalig – wenn ich ihn so gewollt hätte, hätte ich ihn so erschaffen -, sondern er wird es erst dann, wenn er anfängt zu lieben. Die Schöpfung ist vielleicht nicht vollkommen, aber es gibt nichts Vollkommeneres auf der Welt als zwei Menschen, die sich lieben.«

»Jetzt verstehe ich es besser«, sagte Zofia und zog eine gerade Linie durch die Mitte des Kreises.

Er erhob sich, schob die Hände wieder in die Taschen und schickte sich zum Gehen an, doch plötzlich legte Er eine Hand auf Zofias Kopf und sagte mit sanfter, verschwörerischer Stimme:

»Ich will dir ein großes Geheimnis anvertrauen, die einzige und große Frage, die ich mir vom ersten Tag an stelle: Habe ich wirklich die Liebe erfunden, oder hat die Liebe mich erfunden?«

Es ist kein Zufall, dass Marc Levy seine Himmelsgesandte Sofia eine Linie durch den Kreis ziehen lässt, denn – ob Levy das weiß, oder nicht: Es entspricht der Symbolik Platons von den zwei ursprünglich zusammengehörenden Hälften eines Kreises, die jener griechische Philosoph in seiner Darstellung der Tatsache, dass es immer zwei Menschen gibt, die zueinander gehören, verwendet (nachzulesen hier). Allerdings wurden diese Hälften im Laufe ihrer Entwicklung getrennt, genau so, wie Zofia eine Linie durch die Mitte des Kreises zieht.

Der Kreis symbolisiert Vollkommenheit, Göttlichkeit. Und immer wieder treffen wir darauf, dass Menschen glauben, dass es ein Urwesen gebe, dass aus Mann und Frau bestehe, so z.B. Schiller in seinem Gedicht Reminiszenz; dieses Urwesen entspricht ja den Aussagen, wie wir sie in der Schöpfungsgeschichte der Bibel finden, die dort leider durch Luthers Übersetzung ihre diesbezügliche Klarheit verlieren (mehr dazu hier).

Sicherlich ist im Deutschen der Begriff Bachert nicht gerade ideal, weil unter anderem im Schwäbischen ein Bachert jemand ist, der nicht ganz dicht ist. Ob im Französischen, also in der 2003 erschienenen französischen Originalausgabe diesem Wort eine bestimmte, auch etymologisch bedeutsame Bedeutung zukommt, werde ich versuchen herauszubekommen, denn ich kann mir nicht vorstellen dass Levy dieses Wort aus Klanggründen wählte. Falls einer meiner Leser etwas Näheres weiß, würde ich mich über eine Info freuen.

Als Zofia dieses Gespräch mit Gott führt, befinden wir uns schon in der zweiten Hälfte des Romans und jene Frau, die im Auftrag Gottes mit dem Abgesandten der Hölle kämpft, ist diesem bereits begegnet – und hat sich in ihn, Lukas verliebt; doch ihm ging es nicht anderrs.

Was war bis dahin geschehen?

Der CIA, das Haus Gottes, der INTELLIGENCE OF THE ANGELS hatte erkannt, dass die Erde ausgangs des 20. Jahrhunderts in höllischer Gefahr war und dass die dauernde Rivalität zwischen den großen Antipoden Gott und Luzifer maßgeblich daran beteiligt war. Deshalb ließ ER sich auf eine Wette mit Luzifer ein, deren Ausgang darüber entscheiden sollte, wer im 21. Jahrhundert das Sagen auf der Erde habe.

Beide schicken ihre besten Agenten ins Feld, auf Gottes Seite ist es Zofia, sein schönster Engel, von Beruf verantwortlich für Sicherheit des Dock 80 im Hafen von San Francisco, und immer bereit, anderen zu helfen; auf Satans Seite ist es dessen bester Mitarbeiter Lukas, stets bereit, Menschen umzubringen, ab und zu eine Frau zu vernaschen, Autos zu klauen und diese nach Gebrauch über die Kaimauer ins Wasser zu kippen.

Beide haben 7 Tage Zeit, den Kampf für sich zu entscheiden. Verblüfft und entsetzt müssen Gott und Satan jedoch feststellen, dass (Z)Sofia und Lukas aus dem Ruder laufen, als sie aufeinander treffen, weil sie sich ineinander verlieben.

Doch erkennen die beiden, wer der Gegenüber ist, und zugleich sind sich beide ihres Auftrages bewusst. Kein Wunder, dass Zofia Lukas gegenüber äußert:

»Unsere Welten haben nichts gemein, unsere Überzeugungen sind einander fremd, unsere Hoffnungen sind entgegengesetzt, unsere Kulturen so weit voneinander entfernt … Wohin sollen wir gehen, wenn uns alles unterscheidet, wenn wir absolut gegensätzlich sind?«

»Sie haben Angst!«, sagte er. »Genau das ist es, Sie sind starr vor Angst. Sie sind es, der nicht sehen will, Sie, die Sie von Blindheit und Aufrichtigkeit gesprochen haben. Sie predigen das rechte Wort, aber ohne Taten ist es nichts wert. Richten Sie mich nicht! |ch bin zwar Ihr Gegensatz, Ihr Gegenpol, aber auch Ihr Gegenstück, Ihr Pendant, Ihre zweite Hälfte. Ich kann Ihnen nicht erklären, was ich empfinde, weil ich die Worte nicht kenne, um zu beschreiben, was mich seit zwei Tagen so sehr verfolgt, dass ich mir fast vorstelle, alles könnte sich verändern — meine Welt, wie Sie sagen, die Ihre, die der anderen. Die Kämpfe, die ich geführt habe, sind mir gleichgültig, meine schwarzen Nächte und die Sonntage interessieren mich nicht; ich bin ein Unsterblicher, der zum ersten Mal Lust hat zu leben. Wir könnten einer vom anderen lernen, könnten einander entdecken und uns schließlich ähnlich werden … mit der Zeit.«

Zofia legte den Finger auf seine Lippen, um ihn zu unterbrechen:

»In nur zwei Tagen?«

»… Und drei Nächten! Aber die sind mir einen Teil meiner Ewigkeit wert«, fuhr Lukas fort.

»Jetzt fangen Sie schon wieder an!«

Ein Donnerschlag dröhnte am Himmel, und aus dem Schauer wurde ein bedrohliches Gewitter. Er hob den Kopf und betrachtete das Dunkel, das noch nie so schwarz gewesen war.

»Beeilen Sie sich«, sagte er entschlossen. »Wir müssen so schnell wie möglich von hier verschwinden, ich habe eine sehr böse Vorahnung.«

Klar, dass die Hölle es donnern lässt, sieht sie doch ihren besten Mann in Gefahr, in der Gefahr, ihn an das Leben, an die Liebe zu verlieren.

Doch auch Zofia ist bereit, aus Liebe ihr himmlisches Dasein aufzugeben und als Lukas sie zu einer Gasse bringt, die zwei Welten miteinander verbindet und die, wenn Zofia diese Gasse durchschreitet, sie in die Welt des Übels, in die Welt von Lukas bringt, ist sie dazu bereit – aus Liebe. Doch die Anwesenheit von Zofia in dieser Gasse wird bei einer Prostituierten, die von ihrem Zuhälter gerade übelst zugerichtet wird, etwas auslösen, womit niemand rechnen konnte; sie wird sich in ihrer aussichtslosen Lage zur Wehr setzen, ausgelöst durch den Anblick und die Gegenwart Zofias:

Die Hausmauern waren dunkelgrau; sie erblickte Sarah, die Prostituierte, gebeugt von den Schlägen, die auf sie niederprasselten. Ihr Mund wies viele Wunden auf, aus denen Blut, schwarz wie der Abgrund, rann; ihr Kopf sank vornüber, ihr Rücken war eine einzige Blessur, ihre Rippen brachen eine nach der anderen unter der entfesselten Gewalt. Plötzlich aber setzte sie sich zur Wehr. Sie kämpfte, um nicht ganz zusammenzubrechen, ihren Leib nicht den Tritten zu überlassen, die das wenige ihr verbleibende Leben auslöschen würden. Die Faust, die seinen (des Zuhälters) Kiefer traf, stieß seinen Kopf gegen die Mauer. Der Aufprall war gewaltig, der Widerhall unter der Schädeldecke schrecklich. Sarah sah in Zofia einen letzten Hoffnungsschimmer, ein Wunder – ein ihr, der seit je Gläubigen, dargebotenes Wunden Die Hände zu Fäusten geballt, die Zähne zusammengebissen, setzte Zofia ihren Weg fort … verlangsamte schließlich den Schritt. Hinter ihr sank die Frau auf die Knie und fand nicht einmal mehr die Kraft zu stöhnen. Zofia sah die Hand des Mannes nicht, die sich über dem Nacken der Prostituierten hob wie ein Hammer. In einem Nebel aus Tränen und überwältigt von einem unsäglichen Schwindelgefühl, erkannte Zofia am anderen Ende der Gasse den Schatten von Lukas, der sie mit verschränkten Armen erwartete.

Sie blieb stehen, ihr ganzes Wesen erstarrte. Und dann rief sie in einem Schmerzensschrei so laut seinen Namen, dass er für den Bruchteil einer Sekunde alle Stille dieser Welt zerriss und alle Abgründe verdammte. Lukas rannte los, an ihr vorbei, ergriff den Mann und warf ihn zu Boden. Der sprang sogleich wieder auf die Füße und wollte sich auf ihn stürzen. Lukas’ Fausthieb, der ihn traf, war so heftig, dass der Zuhälter zusammenbrach. Während er verblutete, wurde die Tragödie seiner Arroganz offenbar – ein letzter Schrecken, den er in den Tod mitnahm.

Lukas hockte sich neben Sarahs reglosen Körper. Er fühlte ihren Puls, schob die Arme unter sie und hob sie hoch.

»Komm«, sagte er mit sanfter Stimme zu Zofia. »Wir haben keine Zeit zu verlieren. Du kennst den Weg zum Krankenhaus besser als jeder andere. Lass mich fahren, du bist im Augenblick nicht dazu im Stande.«

Sie legten die junge Frau auf die Rückbank. Zofia nahm das Blaulicht aus dem Handschuhfach und schaltete die Sirene ein. Es war sechzehn Uhr dreißig, und der Ford raste los; in einer knappen Viertelstunde wären sie am Ziel.

In der Notaufnahme wurde Sarah von zwei Ärzten, darunter einem Spezialisten für Wiederbelebung, in Empfang   genommen.   Sie diagnostizierten   einen  zertrümmerten Brustkorb, und die Röntgenbilder des Schädels zeigten ein Hämatom am Hinterkopf, jedoch keine sichtbare  Fraktur,  dazu  mehrere  Gesichtsverletzungen.  Die Computertomographie bestätigte, dass keine Lebensgefahr bestand. Es hätte allerdings nicht viel dazu gefehlt.

Lukas und Zofia verließen den Klinikparkplatz.

»Du bist blass wie ein Leichentuch. Nicht du warst es, der sie geschlagen hat, Zofia, sondern ich.«

»Ich habe versagt, Lukas. Ich bin genauso wenig in der Lage, mich zu ändern, wie du.«

»Wenn es dir gelungen wäre, hätte ich dich dafür gehasst. Ich liebe dich, so wie du bist, Zofia und nicht so, wie du wärest, wenn du dich mir anpassen würdest. Ich will nicht, dass du dich änderst.«

Das sagt der beste Mann Luzifers zu der Abgesandten Gottes. Deutlicher kann nicht werden, was Liebe bewirken kann. Auch dass Lukas eingreift und Sarah rettet, er, dem es auf einen Mord nicht ankommt, geschieht der Liebe zuliebe,

Lukas, der satanische Kämpfer möchte, dass dieser Engel nicht den Weg in seine Welt geht, obwohl das DER Triumpf für ihn und Luzifer gewesen wäre.

Beide wissen, dass ihre Zeit zu Ende geht. Nach sieben Tagen müssen beide die Erde verlassen.

Gemeinsam verbringen sie den Nachmittag und Abend in der Stadt.

Er war elf Uhr nachts, als sie in den Central Park traten. Die Luft war mild. Sie liefen über die von Laternen gesäumten Wege und setzten sich auf eine Bank unter einer großen Weide. Lukas zog sein Jackett aus und legte es Zofia um die Schultern. Sie betrachtete die kleine weiße Steinbrücke, die den Weg überspannte, und sagte:

»In der Stadt, in die ich dich führen wollte, gibt es eine große Mauer. Die Menschen schreiben ihre Wünsche auf kleine Zettel und stecken sie in die Mauerritzen, und niemand hat das Recht, sie zu entfernen.«

Ein Stadtstreicher kam den Weg herauf. Er grüßte sie, und seine Gestalt verschwand unter dem Bogen der kleinen Brücke. Es folgte ein langer Augenblick des Schweigens. Lukas und Zofia betrachteten den Himmel; ein gewaltiger runder Mond verbreitete ein silbriges Licht. Ihre Hände vereinten sich, Lukas drückte ihr einen Kuss auf dieWange und sog den Geruch ihrer Haut ein und murmelte:»

Ein einziger Augenblick mit dir ist mehr wert als die Ewigkeit.«

In dieser Nacht lieben sich beide, etwas, was Gott und Luzifer nie für möglich gehalten hatten.

Als Zofia aufwacht, ist Lukas nicht mehr da. Sie weiß, wo sie eine Nachricht findet. Sie läuft zu der Brücke und findet in einer Ritze der Steinmauer den Brief von Lukas:

Zofia,

ich sehe dich schlafen – mein Gott, wie schön du bist! Du drehst dich um in dieser letzten Nacht, und du fröstelst. Ich ziehe dich an mich, ganz fest, ich lege meinen Mantel über dich. Ich würde gerne einen über alle Winter legen können. Deine Züge sind entspannt, ich liebkose deine Wange, und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich traurig und glücklich zugleich.

Dies ist das Ende unseres Augenblicks, der Anfang einer Erinnerung, die für mich die ganze Ewigkeit andauern wird. Als wir vereint waren, gab es in jedem von uns so viel Vollendetes und so viel Unvollendetes.

Ich werde bei Tagesanbruch aufbrechen, mich Schritt für Schritt entfernen, um jede Sekunde mit dir auszukosten, bis zum letzten Moment. Ich werde hinter jenem Baum verschwinden, um mich dem Schlimmsten zu beugen. Indem ich mich opfere, ermöglichen wir den Sieg der Deinen, und sie werden dir vergeben, was auch immer du getan haben magst. Kehre heim, meine Liebste, zurück in dieses Haus, welches das Deine ist und so gut zu dir passt. Wie gerne hätte ich seine Mauern berührt, von deinen Fenstern aus den Morgen über dem Horizont aufsteigen sehen, den ich nicht kenne, von dem ich jedoch weiß, dass es der Deine ist. Dir ist das Unmögliche gelungen, du hast einen Teil von mir verändert. Ich wünschte mir, fortan von deinem Körper bedeckt zu sein und das Licht der Welt nie mehr anders als mit deinen Augen zu sehen.

Dort, wo du nicht existierst, existiere ich auch nicht mehr. Unsere vereinten Hände bildeten eine Hand mit zehn Fingern. Wenn sich die deine auf mich legte, wurde sie zur meinen, und wenn deine Augen zufielen, schlief ich ein.

Sei nicht traurig, niemand kann uns unsere Erinnerungen nehmen. Ich brauche fortan nur die Lider zu schließen, um dich zu sehen, nur aufhören zu atmen, um deinen Geruch wahrzunehmen, mich nur in den Wind zu stellen, um deinen Atem zu erahnen. Also hör mir zu: Wo immer ich sein mag, ich werde deine Stimme hören, das Lächeln in deinen Augen sehen, dein Lachen ahnen. Zu wissen, dass du da bist, irgendwo auf dieser Erde, wird in der Hölle mein kleines Eckchen vom Paradies sein.

Du bist mein Bachert …

Ich liebe dich,

Lukas


Zofia kauerte sich auf den Blätterteppich und drückte den Brief ans Herz. Sie hob den Kopf und betrachtete den Himmel, der von einem Schleier des Kummers überzogen war.

Inmitten des Parks hallte der Name von Lukas wider, wie die Erde ihn nie zuvor vernommen hatte. Die Hände gen Himmel gestreckt, zerriss Zofia die Stille, und ihr Schrei unterbrach den Lauf der Welt.

Dort, wo du nicht existierst, existiere ich auch nicht mehr- Kann es eine schönere Liebeserklärung geben?

Kann Lukas dann noch in der Hölle existieren? – Dort kann Zofia nicht sein.

So sehr hat ihn die Liebe berührt, dass der Topagent der Hölle Sehnsucht nach dem Himmel hat.

Gewiss mag dieser Roman Schwächen haben und manchen wird er wenig zusagen, entweder, weil sie mit dem Inhalt wenig bis nichts anfangen oder weil sie die Art zu schreiben von Marc Levy nicht mögen. Selten findet sich allerdings auch eine so hohe Intensität von Gefühl wie hier am Schluss. Aber genau dieser Schluss berührt mich jedenfalls sehr.

Denn Sofia kehrt nicht zurück. Ihren Paten Michael – sicherlich in Anspielung an den Erzengel – der sie holen will, lässt sie wissen:

Ich komme nicht mit. Mein Paradies ist nicht mehr das bei uns.

Diese Aussagen erinnern an das Ende des Films „Stadt der Engel“. Dort stürzt sich ja ein Engel in die Zeit und beendet damit sein zeitloses Dasein als Engel, und er tut das einer Chirurgin zuliebe, die er kennenlernte, als er in seiner Funktion als Todesengel – sie kommen übrigens auch in diesem Roman vor, als Zofia den kleinen Thomas zum letzten Mal im Krankenhaus sieht – einen Menschen holen sollte, der unter den Händen der Chirurgin starb. Als er sieht, wie verzweifelt jene um das Leben dieses Menschen kämpft und wie verzweifelt sie über dessen Tod ist, verliebt er sich in sie. Für sie gibt er sein Engeldasein auf.

Kurze Zeit, nachdem er dies tat, verunglückt seine große Liebe tödlich und damit endet der Film. Der Engel ist nun Mensch und kann nicht mehr zurück. Allerdings endet der Film auch mit dem Bekenntnis des ehemaligen Engels, dass für einen Augenblick der Liebe es für ihn alles wert gewesen sei.

Ähnliches nimmt ja auch die Prinzessin in Michael Endes Märchen vom Zauberspiegel auf sich. Sie verlässt ihr himmlisches Reich um den Mann, den sie liebt, auf der Erde zu finden und ihn zu erlösen.

Wir Menschen mögen wissen, dass diese Art wunderbarer Liebe vielleicht nur auf diesem Planeten möglich ist.

Wenn man ihre Heiligkeit begreift. Die Heiligkeit der Liebe.

Zofia und Lukas tun das. Das Buch endet mit ihnen als Paar, das einen Zwillingskinderwagen schiebt. So bleibt ihre Liebe nicht auf 7 Tage beschränkt, sondern währt eine Ewigkeit.

Die Liebe zur Hälfte, die zu einem gehört, wehrt eine Ewigkeit.

Gott und Luzifer müssen sich im Übrigen am Schluss eingestehen, dass sie Großväter geworden sind :-)

So vereinigt die Liebe zwei so getrennt scheinende Reiche!

Über alle Grenzen hinweg.

Cover - Das Buch vom Wirken Gottes H.v.Bingen

Obiges BuchCover, der unten folgende Textauszug und Der Brunnen des Lebens
sind dem leider nicht mehr aufgelegten, im Pattloch-Verlag erschienenen Buch
Hildegard von Bingen. Das Buch vom Wirken Gottes. Liber divinorum operum; Augsburg 1998
entnommen.

Hildegard von Bingen ist einer der größten, wenn nicht der größte Papst der katholischen Kirche. Jeder weiß allerdings, dass die katholische Kirche die Hälfte der Menschheit vom Stuhl Petras ausschließt; das liegt an ihrer geistigen Verstopfung und man würde ihr endlich den Stuhlgang wünschen, der es ihr ermöglicht, alte Zöpfe los- und Zöpfe auf dem Stuhl Petris zuzulassen.

Gewiss hätte sich die katholische Kirche mit einer solchen Päpstin schwer getan, denn die kräuterkundige Ärztin und Wunderheilerin schrieb sehr offen über die sexuellen Beziehungen von Mann und Frau und nahm in ihr Kloster männliche Kranke auf. Noch Jahrhunderte später brannte Giordano Bruno im Auftrag der Kirche für Aussagen, die ihm eigentlich den – hätte es ihn damals schon gegeben – Nobelpreis hätten einbringen müssen („Es gibt viele Himmel und viele Erden“).

Dass Hildegard nicht ein vergleichbares Schicksal ereilte, verdankt sie der geistigen Macht ihrer Visionen, dem betenden Schutz ihrer Mitschwestern und der Macht ihrer Worte, wie sie sich in vielen Briefen an Päpste, Kaiser und u.a. auch an Bernhard von Claivaux dokumentiert. Seit ihrem 5. Lebensjahr hatte sie bereits die innere Schau; die Öffnung ihres dritten Auges mit 42 Jahren beschreibt sie selbst sehr anschaulich.

Die im Rahmen der 8. Vision zitierten Worte sind meines Erachtens um so bemerkenswerter, wenn man weiß, wie sehr Hildegard zugleich auch im realen Leben stand. Einfach köstlich, wie sie zum Beispiel die Borniertheit des Heiligen Bonifatius aushebelte, der in dem Index der abergläubischen und heidnischen Gebräuche u.a. die Verwendung der zauberkräftigen Pflanzen untersagte, wobei ihm die Nachtschattengewächse ein besonderer Dorn im Auge waren, besonders die Mandragora, die Alraune. Hildegard nun argumentierte, dass diese Pflanze aus derselben Erde wie Adam entstanden sei und deshalb sei sie so mehr der Versuchung des Teufels ausgesetzt als alle übrigen Pflanzen.

Die Äbtissin des Klosters zu Bingen schreibt sodann:

Kein Bekümmerer und Notleidender solle es daher verschmähen, solche Alraunmännlein (vom Volk aus der Alraune gefertigte Schutzfiguren – Anm. J.G.K), zuvor mit frischem Wasser sorgfältig abgewaschen, in sein Bett zu legen, damit dasselbe, durch den Schweiß erwärmt, ihm von dessen Eigenwärme dann etwas mitteile. Von dieser erfüllt solle er dann sprechen:

„Herr, der Du den Menschen aus Lehm oder Schmerzen gebildet hast, hier lege ich dieselbe Erde, welche jedoch niemals gesündigt hat, zu mir, damit meine sündige Erde jenen Frieden, den dieselbe ursprünglich besaß, wieder erlange.“

zitiert nach W.Bauer/I.Dümotz/S.Golowin: Lexikon der Symbole, Fourier-Verlag, Wiesbaden 1987

Gewiss ist der Sündenbegriff Hildegards, wie er in ihren gesamten Schriften vorkommt, nicht unproblematisch und ich persönlich übernehme ihn so nicht, doch darf man nicht vergessen, dass Visionen aus dem Göttlichen sich dem bildlichen und sprachlichen Bewusstsein einer Zeit bedienen müssen, sonst hätte auch das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, für uns wesentlich verständlicher formuliert sein können; wie aber hätte Johannes vor 2000 Jahren Atombomben und Umweltverschmutzung in gezeigten Bildern verstehen und in Worte umsetzen sollen?

Vergleichbares gilt für Hildegard.

Im Folgenden nun also im Rahmen der 8. Vision zunächst Worte Hildegards zu dem, was sie sah, und dann die Rede der Liebe, alles unter der Überschrift „Das Wirken der göttlichen Liebe“; besonders beeindruckend eben für mich, welche Bedeutung der Demut zukommt:

Ich sah auch gleichsam in der Mitte des beschriebenen südlichen Bereiches drei Gestalten. Zwei von ihnen standen in einem ganz klaren Brunnen, der ringsum eingefaßt und oben mit einem runden, durchbohrten Stein geschmückt war, als ob sie in ihm verwurzelt wären, wie Bäume bisweilen im Wasser zu wachsen scheinen. Die eine war von Purpurglanz, die andere von einem strahlend weißen Glanz so umgeben, daß ich sie nicht voll anschauen konnte. Die dritte aber stand außerhalb dieses Brunnens auf dessen Randstein, mit einem leuchtendweißen Gewand bekleidet. Ihr Antlitz leuchtete in solcher Helligkeit, daß diese auf mein Gesicht zurück schlug. Und vor ihnen erschienen die seligen Ordnungen der Heiligen gleich Wolken. Auf sie blickten die Gestalten aufmerksam.

Brunnen und Liebe und Demut und Frieden - HvBDer Brunnen des Lebens

1. Die Rede der Liebe

Die erste Gestalt sprach: Ich, die Liebe <caritas>, bin die Herrlichkeit des lebendigen Gottes. Die Weisheit hat in mir ihr Werk gewirkt, und die Demut, die im lebendigen Quell verwurzelt ist, ist meine Gehilfin, und mit ihr ist der Friede verbunden. Und durch die Klarheit, die ich bin, leuchtet das lebendige Licht der seligen Engel. Denn wie der Strahl durch das Licht leuchtet, so leuchtet diese Klarheit den seligen Engeln. Sie dürfte nicht sein, ohne zu leuchten, wie es ohne Leuchten kein Licht gibt. Ich habe ja den Menschen entworfen, der in Mir gleich einem Schatten verwurzelt war, wie man den Schatten eines jeden Dinges im Wasser erblickt. Daher bin ich auch der lebende Quell, weil alles, was geschaffen ist, wie ein Schatten in Mir war. Nach diesem Schatten ist der Mensch mit Wasser und Feuer gebildet, wie auch ich Feuer und lebendiges Wasser bin. Deshalb hat der Mensch auch in seiner Seele <die Fähigkeit>, alles zu ordnen, wie er will.

Jedes Lebewesen hat einen Schatten, und was an ihm lebendig ist, geht in ihm wie der Schatten hierhin und dorthin. Gedanken sind nur im vernunftbegabten Lebewesen, nicht aber in den unvernünftigen Tieren, weil jene nur leben und Sinne haben, mit denen sie erkennen, was sie meiden oder was sie suchen sollen. Nur die Seele, die von Gott eingehaucht ist, ist vernunftbegabt.

Meine Klarheit hat auch die Propheten überschattet, die durch heilige Eingebung Zukünftiges voraussagten, wie in Gott alles, was Er schaffen wollte, Schatten war, bevor es wurde. Die Vernunft aber spricht mit dem Klang; und der Klang ist gleichsam der Gedanke und das Wort gleichsam das Werk <verbum quasi opus>. Aus diesem Schatten ist auch die Schrift „Scivias“ hervorgegangen durch die Gestaltung einer Frau, die gleichsam ein Schatten von Kraft und Gesundheit war, weil diese Kräfte in ihr nicht wirkten.

Die lebendige Quelle ist also der Geist Gottes, den Er selbst in all Seine Werke verteilt. Von Ihm leben sie, von Ihm haben sie das lebendige Leben, wie auch der Schatten von allem im Wasser erscheint. Und doch gibt es nichts, was deutlich sieht, woher es lebt, sondern es spürt nur das, wodurch es bewegt wird. Und wie das Wasser das fließen läßt, was in ihm ist, so ist auch die Seele der lebendige Geisthauch <vivens spiraculum>, der immer im Menschen fließt und ihn durch Wissen, Denken, Sprechen und Wirken gleichsam fließen läßt.

Auch in diesem Schatten hat die Weisheit alles im gleichen Maß zugemessen, damit nicht eines das andere an Gewicht übertrifft und auch nicht eines vom anderen in sein Gegenteil gedrängt werden kann; denn sie überwindet und fesselt alle Bosheit teuflischer Künste, weil sie vor dem Anfang aller Anfänge war und nach deren Ende in ihrer stärksten Kraft bestehen wird, und niemand wird ihr widerstehen können. Denn sie hat niemanden zu Hilfe gerufen und keinen gebraucht, weil sie die Erste und die Letzte war. Von niemandem erhielt sie Antwort, da sie als Erste die Ordnung aller Dinge wirkte. In sich und durch sich selbst begründete sie alles gewissenhaft und gütig. Es wird auch von keinem Feind mehr zerstört werden können, weil sie den Beginn und das Ende ihrer Werke in hervorragender Weise sah. Das alles richtete Sie vollständig ein, so daß auch alles von ihr gelenkt wird.

Sie selbst betrachtete auch ihr Werk, das sie im Schatten des lebendigen Wassers zur richtigen Bestimmung ordnete, indem sie auch durch die eben erwähnte ungebildete Frau gewisse natürliche Kräfte verschiedener Dinge <virtutes naturales diversarum rerum> und Schriften über die Verdienste des Lebens <scripta vitae meritorum> und ebenso andere tiefe Geheimnisse eröffnete, die diese Frau in wahrer Vision schaute und dadurch sehr geschwächt wurde.

Aber vor all diesen <Schriften> hatte die Weisheit die Worte der Propheten und anderer Weisen und ebenso die der Evangelien aus dem lebendigen Quell geschöpft und sie den Jüngern des Gottessohnes anvertraut, damit durch diese die Ströme des lebendigen Wassers über den gesamten Erdkreis ausgegossen wurden, durch die die Menschen wie Fische in ein Netz geleitet (vgl. Mt 4,18-22; Mk 1,16-22) und zur Rettung zurückge führt werden sollten.

Ein springender Quell des lebendigen Gottes ist besonders die Reinheit. Auch in ihr spiegelt sich Seine Herrlichkeit. In diesem Glanz umfaßt Gott mit großer Liebe alle Dinge, deren Schatten in dem springenden Quell er schienen, bevor Gott ihnen befahl, in ihren Gestalten hervorzugehen.

In mir, der Liebe, hat sich alles gespiegelt. Mein Glanz zeigt die Gestaltung der Dinge, wie der Schatten die Gestalt anzeigt. Und in der Demut, die meine Gehilfin ist, ging auf Anordnung Gottes die Schöpfung hervor. In derselben Demut hat Gott sich zu mir herabgeneigt, um die trockenen Blätter, die abgefallen waren, in der Glückseligkeit emporzuheben, in der Er alles tun kann, was Er will. Weil Er jene aus Erde geformt hatte, hat Er sie daher auch nach dem Fall erlöst.

Denn der Mensch ist vollkommen das Gebilde Gottes <pleniter factura Dei>. Er blickt auf zum Himmel und tritt auf die Erde, indem er sie beherrscht; er befiehlt allen Geschöpfen, weil er durch die Seele zur Höhe des Himmels schaut. Deshalb ist er durch sie auch himmlisch, aber durch seinen sichtbaren Leib ist er irdisch. Gott hat so den Menschen, der in der Tiefe darniederlag, durch die Demut emporgehoben gegen den, der in Verwirrung vom Himmel hinabgeschleudert wurde. Denn da die alte Schlange durch Hochmut die Eintracht der Engel spalten wollte, hielt Gott sie mit Seiner starken Macht fest, damit sie nicht von deren Wut zerrissen wurde.

Satan nämlich, der in der Höhe großes Ansehen hatte, rechnete bei sich, er könne tun, was er wolle und verliere deshalb den Glanz der Sterne nicht. Aber er wollte alles haben, und deshalb verlor er alles, was er hatte, weil er gierig nach allem trachtete.

2. Das Wirken des Dreieinigen Gottes in Liebe, Demut und Frieden

Wiederum hörte ich vom Himmel eine Stimme, die sprach: Alles, was Gott gewirkt hat, hat Er in Liebe, in Demut und in Frieden vollendet, damit auch der Mensch die Liebe hochschätzt, nach der die Demut strebt und Frieden hält, um nicht mit dem zugrundezugehen, der diese Tugenden sofort bei seinem Entstehen verhöhnte.

Du siehst auch gleichsam in der Mitte des beschriebenen südlichen Be reiches drei Gestalten. Zwei von ihnen stehen in einem ganz klaren Brun nen, der ringsum eingefaßt und oben mit einem runden, durchbohrten Stein geschmückt ist, als ob sie in ihm verwurzelt wären, wie Bäume bis weilen im Wasser zu wachsen scheinen.

Diese sind in der Kraft der glühenden Gerechtigkeit drei Tugenden im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit. Von ihnen ist die erste die Liebe <caritas>, die zweite die Demut <humilitas>, die dritte der Friede <pax>. Liebe und Demut stehen in der reinsten Gottheit, aus der Ströme der Seligkeit fließen. Denn diese beiden Tugenden weisen zur Befreiung und Aufrichtung des in der Tiefe der Sünden darniederliegenden Menschen hin auf den einzigen Sohn Gottes, der auf dem ganzen Erdkreis bekannt gemacht wurde. Als sein Leib, der am Kreuz durchbohrt (vgl. Joh 19,34) und begraben worden war, durch die wunderbare Macht der Gottheit auferstand, zeigte Er damit, daß Er der Stein der Stärke und Ehre ist. Denn alle Wunder, die der Sohn Gottes auf der Erde vollbrachte, führte Er auf die Herr lichkeit Seines Vaters zurück. Diese Tugenden sind nicht von der Gottheit getrennt, wie auch eine Wurzel nicht vom Baum getrennt wird. Denn Gott ist in Seinem Wesen die Liebe und hält in all Seinen Werken und Urteilen an der Demut fest. Die Liebe und die Demut nämlich stiegen mit dem Sohn Gottes zur Erde hernieder und führten Ihn, als Er zum Himmel zurückkehrte, dorthin zurück.

Die eine ist von Purpurglanz, die andere von einem strahlend weißen Glanz so umgeben, daß du sie nicht vollkommen anschauen kannst. Das bedeutet: Die Liebe <caritas> brennt in himmlischer Liebe <amor> wie Purpur, die Demut aber schüttelt den Schmutz der Erde im weißen Glanz der Rechtschaffenheit von sich ab. Wenn es auch für den sterblichen Men schen, solange er im Fleisch lebt, schwierig ist, das in allem nachzuahmen, soll er trotzdem wegen des Lohnes in der Ewigkeit nicht nachlassen, Gott über alles zu lieben und sich in allem zu demütig verhalten.

Daß aber die dritte Gestalt außerhalb des Brunnens auf dessen Randstein steht, bedeutet: Der Friede, der im himmlischen Bereich bleibt, verteidigt auch die irdischen Angelegenheiten, die außerhalb des himmlischen Bereiches sind. Denn der Sohn Gottes, der wahre Eckstein (Eph 2,20), hat ihn gebracht, als Er die ganze Welt durch Seine Geburt erleuchtete und als Ihn die Engel in ihrem Lobgesang als Gott und Mensch erkannten.

Hildegard von Bingen, S. 373ff

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